Ein spätes Eingeständnis

Powells Ankündigung geht nicht mit einer radikalen Änderung der Geldpolitik in den USA einher. Vielmehr handelt es sich um ein (spätes) Eingeständnis, dass die Fed ihren Kurs unter aller Voraussicht nicht ändern und die massive Ausweitung der Geldmenge nicht in Bälde stoppen wird.

Schon in Reaktion auf den Marktzusammenbruch im Jahr 2008 bediente sich die Fed einer bis dahin ungesehenen Gelderzeugungsorgie. Resultat waren historische niedrige Zinsen bei einer gleichzeitigen Explosion der ausstehenden Verschuldung.

Aus heutiger Perspektive liegt sowohl die Verschuldung unter Privathaushalten als auch unter Unternehmen jeweils oberhalb der Marke von 16 Billionen US-Dollar. Selbstverständlich erweist sich die Washingtoner Bundesregierung als größter Schuldner unter allen.

Zinserhöhung würde zu schwerer Wirtschaftskrise führen

Die anhaltende Schuldenexplosion erhält den Druck auf die Fed aufrecht, die überhaupt nicht mehr anders kann als die Geldmenge noch stärker auszuweiten, um auch fortan für (künstlich) niedrige Zinsen zu sorgen.

Ein Anstieg der Zinsen auf Niveaus, die erreicht würden, wenn wir in einem System freier Märkte lebten, würde es privaten Haushalten, Unternehmen und insbesondere der Bundesregierung in Washington unmöglich machen, ihre ausstehenden Schulden auch fortan zu bedienen, geschweige denn zu verwalten.

Der Ausbruch einer schwerwiegenden Wirtschaftskrise wäre die Folge. Die Federal Reserve hat ihr Bilanzbuch seit dem Finanzkrisenjahr 2008 bereits auf dramatische Weise expandiert, indem mehrere aufeinanderfolgende QE-Programme aufgelegt und verabschiedet wurden.

Die Fed ist der weltweit größte Investor!

Unter Bezugnahme auf Bloomberg ist die Fed inzwischen zum größten Investoren auf der ganzen Welt aufgestiegen. Fast ein Drittel aller Anleihen, die durch Hypothekendarlehen in den Vereinigten Staaten besichert sind, wird durch die Fed gehalten.

Der Kongress hat zudem die Grundlage für eine noch stärkere Bilanz- und Portfolioexpansion durch die Fed gelegt, indem der Zentralbank die Autorität eingeräumt wurde, Zahlungen in Höhe von mehreren Billionen US-Dollars sowohl an Unternehmen als auch an kommunale und bundesstaatliche Regierungen zu leisten, um der Wirtschaft unseres Landes nach den zerstörerischen und unnötigen Lockdowns auf die Beine zu helfen.

Geldmengenausweitung, nicht Preisanstieg ist die Ursache von Inflation

Im Gegensatz zu dem, worauf sich die meisten „Mainstream-Ökonomen“ berufen, handelt es sich im Fall eines breiten Anstiegs der Preise um eine Konsequenz – und nicht um die Ursache – einer Inflation.

Zu Inflation kommt es dann, wann immer eine Zentralbank Geld aus dem Nichts erzeugt. Eine Erhöhung der Geldmenge geht mit einem Rückgang der Zinsen einher. Doch eben jene Zinsen erweisen sich als der für Geld zu zahlende Preis.

Auf diese Weise werden die Märkte bis ins Unkenntliche verzerrt und es werden Finanzblasen aufgepumpt, die nach wie vor die Illusion einer prosperierenden Wirtschaft aufrechterhalten sollen.

Irgendwann platzt die Blase und die Illusion endet ganz plötzlich

Diese Illusion hält so lange an, bis es schlussendlich zum unvermeidbaren Zusammenbruch kommen wird. Da die Verzerrungen und Schieflagen aus der elektronischen Gelderzeugung resultieren, lässt sich das System nicht mehr durch eine an die Fed ergehende Aufforderung zur Anpassung an eine „regelbasierte“ Geldpolitik „reparieren“.

Wenn die Lockdowns aufgehoben werden, könnte die Geldpolitik der Fed zu einem kurzfristig anhaltenden Boom beitragen. Wie dem auch sei, aus mittel- bis langfristiger Sicht werden sich noch höhere Schulden auftürmen, was zwangsläufig mit einer anhaltenden Verschlechterung der Lebensstandards unter amerikanischen Haushalten einhergehen wird.

Der Zusammenbruch des durch nichts gedeckten Fiat-Geldsystems und der Kollaps des Wohlfahrts- und Militärstaats werden ihr Übriges dazu beitragen. Die Krise an den Devisen- und Währungsmärkten wird unter aller Voraussicht durch eine Zurückweisung des US-Dollars als Weltreservewährung über Amerika und den Rest der Welt gebracht werden.

Diese Situation wird einerseits aufgrund von wachsenden Bedenken im Hinblick auf die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft und andererseits auf Basis wachsender Zweifel an Amerikas hyper-interventionistischer Außenpolitik befeuert.

Es wird entscheidend sein, wie das System endet!

Die alles entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob das bestehende System seinem Ende ins Auge blickt, sondern auf welche Weise dieses System enden wird.

Falls dieses Ende durch einen kompletten Zusammenbruch herbeigeführt werden sollte, wird es sehr wahrscheinlich zum Ausbruch von Chaos, Gewalt sowie einer zunehmenden Unterstützung von autoritären Bewegungen kommen, da verzweifelte Menschen ihre wenigen verbliebenen Freiheitsrechte in der Hoffnung auf eine Zunahme an persönlicher Sicherheit einzutauschen bereit sein werden.

Sollten freiheitsliebende Amerikaner sich dazu in der Lage sehen, den Kongress dazu zu zwingen, endlich die Staatsausgaben zu senken – beginnend mit einer Einsparung von Geldern, die auf den Militarismus in unserem Land verschwendet werden – und ferner dazu bereit wären, zu den Wurzeln eines gesunden und soliden Geldsystems, in dessen Zuge die Federal Reserve abgeschafft würde, zurückzukehren, so ließe sich zumindest das Ausmaß der ökonomischen Krise minimieren, um in einem weiteren Schritt die Befugnisse und Macht unserer Regierung, die sich wieder der Landesverfassung zu unterwerfen hätte, zu beschneiden. Gleichzeitig bedarf es der Institutionalisierung einer freien Marktwirtschaft bei Respektierung aller bürgerlichen Freiheitsrechte.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2020 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity