Das als Heilbringer propagierte „Wirtschaftsprogramm“ Abenomics verliert in Japan unter weiten Teilen der Bevölkerung immer stärker an Unterstützung. Hemmungslose elektronische Kapitalerzeugung hat in den letzten Monaten zwar die Inflationsrate – und hier im Kern die Lebensmittel- und Energiepreise – angekurbelt, während die durchschnittlichen Einkommen der Japaner im März den 21. Monat in Folge sanken. Die Kaufkraft der Bevölkerung erodiert, während die Anfang April erfolgte Mehrwertsteuererhöhung von 5% auf 8% das Vertrauen der Japaner in ihre Ökonomie erschüttert.

Wie schon in vorherigen Berichten zum Thema ausgeführt, müsste Abenomics – um leidlich erfolgreich zu sein – durch eine Rückverlagerung von Produktionskapazitäten nach Japan im heimischen Unternehmenssektor begleitet werden. Und genau dieser Faktor bleibt – wie nicht anders zu erwarten – aus.

Japanische Unternehmen werden einen Teufel tun, ihre in den letzten Jahren aufgebauten Kapazitäten in asiatischen Anrainerländern, die nicht nur mit erheblichen Kostenvorteilen, sondern auch einer laxeren Regulierung einhergehen, wieder nach Hause zu holen. Warum auch? Es gibt dafür keinerlei Anreize.

An dieser Stelle soll auch nochmals darauf hingewiesen werden, dass die 25%ige Abwertung des Yen gegenüber dem USD bislang nicht zu einem nominalen Wachstum der Wirtschaft von 3% geführt hat. Wer sich die japanische Handelsbilanz anschaut, blickt auf einen Krater. Und so nimmt es sich nicht eben verwunderlich aus, dass Japans führendes Finanzmedium gestern mit der Headline aufmachte, dass die Regierung ihren Wachstumsausblick in ihrem anstehenden April-Bericht nach unten revidieren werde.

Natürlich reagierte der Nikkei Index darauf mit Freude, denn schnell machten Spekulationen die Runde, nach denen die BoJ ihr geldpolitisches Füllhorn noch stärker expandieren könnte. Doch nicht überall werden derartige Maßnahmen an die Wand gemalt. Im Gegenteil, machte zum Beispiel die Zeitung Japan Times gestern darauf aufmerksam, dass Abenomics grandios gescheitert sei. Warum?

Nun, das lässt sich eigentlich ganz einfach erklären. Während in den letzten Monaten vor allem die Preise für Lebensmittel und Energie – und somit Grundversorgungsgüter – deutlich angestiegen sind, befinden sich die Durchschnittseinkommen in Japan weiterhin auf Talfahrt. Dazu gesellt sich nun die oben angesprochene Mehrwertsteuererhöhung, die einen weiteren Preisschub bei gleichzeitiger Erosion der Verbraucherkaufkraft auslösen dürfte. 

Und genau aus diesem Grund büßt die Regierung von Shinzo Abe, die den Japanern ihr „Programm“ als Heilsbringer verkaufte, mit Blick auf ihre Zufriedenheitswerte unter großen Bevölkerungsteilen bereits ordentlich ein. Und genau deshalb könnte ein weiteres Öffnen des QE-Füllhorns durch die BoJ, die sich zum jetzigen Zeitpunkt schon ein dreimal größeres QE-Programm in Relation zur Wirtschaftsleistung als die USA leistet, das Aus für die heimische Unterstützung der Regierung zur Folge haben – wieder einmal, also nichts Neues von der japanischen Polit- und Wirtschaftsfront.

Nicht auszuschließen, dass Shinzo Abe nach seinem damaligen Abgang als Premier einmal mehr wie ein begossener Pudel vom Spielfeld kriechen wird. Nur der Schaden, den er in der Zwischenzeit angerichtet hat, wird im Vergleich mit seiner ersten Amtszeit bedeutend größer sein. Wenn seine Maßnahmen nicht gar das Zeug dazu haben, einen potenziellen Kollaps der japanischen Wirtschaft und Gesellschaft beschleunigt zu haben. Man darf vorab schon einmal orakeln, dass ihn dafür gewiss niemand zur persönlichen Verantwortung ziehen wird, wie sich dies im Falle unserer globalen Politikerriege nun leider einmal eingebürgert hat.

BoJ-Boardmitglied Sayuri Shirai wurde unterdessen auf folgende Weise zitiert: die meisten Japaner stünden Preisanstiegen “ablehnend” gegenüber. Ja, wohl nicht nur die Japaner, sondern wohl alle Menschen auf diesem Globus. Von Interesse für Elfenbeinturmakademiker ist diese Tatsache indes keineswegs. Sie frönen ihrem geldpolitischen Wahnsinn, der allein den 1% der Gesellschaft dienlich ist, und der in absehbarer Zeit ein für allemal den Gulli runtergehen dürfte.

Eine sich beschleunigende Inflation bei gleichzeitig fallenden Löhnen und Gehältern werde sich laut Shirai verheerend auf das japanische Verbrauchervertrauen auswirken. Tendenziell sinkende Konsumausgaben würden es dann noch schwieriger machen, das Wachstum der heimischen Wirtschaft anzukurbeln. Die Aussagen Shirais waren vielen japanischen Brokern Grund genug, um nicht auf eine nochmalige Expansion von QE zu spekulieren.  

Denn mit einer sich weiter beschleunigenden Inflation bei gleichzeitiger Erosion der Kaufkraft sei es sehr unwahrscheinlich, dass die BoJ nochmals auf ihr geldpolitisches Gaspedal treten werde. Nicht nur die BoJ sitzt nun also in einer selbst kreierten Liquiditätsfalle, sondern die japanischen Ereignisse werfen ebenfalls ein Schlaglicht auf die Optionen, die der EZB im Kampf gegen „Deflation“ noch im Köcher bleiben. Viel ist es neben einer sich verschärfenden Verbalakrobatik offensichtlich nicht.

In der Zwischenzeit blickt Japan trotz der exorbitanten Geldflut seiner Zentralbank einer neuen Rezession entgegen. Die Anzeichen des geld- und wirtschaftspolitischen Versagens könnten kaum größer sein, man muss sie nur wahrnehmen wollen.