Letzten Endes wurde in Washington als einzig positive Schlussfolgerung über das Treffen diejenige gezogen, dass Trump augenscheinlich mit leeren Händen nach Hause reiste. Die Örtlichkeit des Treffens – Hanoi, Vietnam – dient als großartiges Beispiel dafür, was sich in Friedenszeiten gewinnen lässt - im Gegensatz dazu, was in Kriegszeiten verloren wird.

Aus dem Vietnam-Krieg wurde in Washington nichts gelernt!

Nach dem Verlust von fast 60.000 amerikanischen Soldaten in einem unnötigen Krieg, der überdies eine Million Vietnamesen das Leben kostete, führte die Niederlage der USA im Vietnamkrieg nicht zu einer kommunistischen Machtübernahme in ganz Südostasien, sondern zu etwas ganz anderem: Die Domino-Theorie entpuppte sich als falsch, weil im Kommunismus selbst der Keim des Scheiterns ruht.

Nun sind unsere beiden Länder im Angesicht eines zunehmend marktorientierten Vietnams enge Handelspartner. Das Ergebnis des Handels und des gegenseitigen Austauschs ist - im Gegensatz zum Krieg - ein besseres Leben für alle. Unglücklicherweise ist die Lektion, die der Vietnam-Krieg gelehrt hat, in Washington nicht verinnerlicht worden.

Und hierin findet sich der Grund, warum sich die Republikaner, Demokraten und die Welt der Mainstream-Medien gegen Präsident Trumps Entscheidung ausgesprochen haben, einen mutigen Schritt zur Anberaumung eines zweiten Treffens mit Kim zu unternehmen. Ein Vieraugengespräch mit einem unserer erklärten „Feinde“, um auszuloten, ob sich ein nuklearer Konflikt vermeiden lässt.


Einer der führenden Demokraten und Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Unterhaus des Kongresses, Adam Schiff, attackierte Trump aufgrund von dessen Treffen mit Kim, weil das Führen von Gesprächen mit Nordkorea „Kim Legitimität verschafft“. Macht es irgendeinen Sinn, dass wir nicht einmal mit unseren nuklear bewaffneten Gegnern sprechen sollten, weil ihnen dieses Handeln „Legitimität verschafft“?

Würde Schiff also lieber einen Nuklearkrieg führen, solange Kim der Status der „Illegitimität“ anhaftet? Traurigerweise ist genau dies die Denkweise, die in Washington noch immer vorherrscht. Die Medien berichteten, dass Trump das Treffen vor der geplanten Unterzeichnungszeremonie und der sich anschließenden Presseveranstaltung verlassen habe.

Beendete Kim das Treffen wegen zusätzlichem Forderungskatalog von Bolton?

Die bilateralen Gespräche seien gescheitert, wie allgemein berichtet wurde, da Kim um ein Ende aller gegen sein Land verhängten US-Sanktionen ersucht habe, bevor es zu einer Übereinkunft über eine Reduktion des nordkoreanischen Atomarsenals hätte kommen können. In Washington herrschte daraufhin Erleichterung, um in großem Einklang die Ansicht zu vertreten, dass es „besser zu keinem Abkommen anstelle eines schlechten Abkommens“ kommen sollte.

In der Zwischenzeit hielten die Nordkoreaner eine eigene Pressekonferenz ab, was nur sehr selten vorkommt, um zu verdeutlichen, dass lediglich um eine partielle Aufhebung von bestimmten US-Sanktionen im Austausch gegen die Schließung einer der eigenen Hauptnuklearfazilitäten ersucht worden sei. Ferner tauchten plötzlich Presseberichte auf, laut denen John Bolton, Nationaler US-Sicherheitsberater, einen Katalog zusätzlicher Forderungen aufgestellt habe, woraufhin Kim das Treffen frühzeitig beendete.

Bolton von Beginn an siegessicher - Wie lange nimmt Trump das noch hin?

Wer spricht die Wahrheit? Wir werden es wahrscheinlich niemals herausfinden. Doch berücksichtigt man die starke Opposition Boltons gegen jede Art einer Friedensvereinbarung mit Nordkorea, fällt es schwer, daran zu glauben, dass Bolton nichts mit dem Scheitern des Treffens zu tun gehabt hat. Wie die New York Times am Wochenende berichtete, hätten sich Trumps Berater geschockt über dessen Absicht zu einem weiteren Vieraugengespräch mit Kim gezeigt, während John Bolton in keiner Weise irgendwelche Furcht verspürt habe.

In der Times wurde weiter ausgeführt, dass „Herr Bolton gegenüber Kollegen erklärt habe, dass Furcht unbegründet ist. Die Verhandlungen werden von allein in sich zusammenfallen“, wie Bolton zitiert wurde. Und so ist es eingetreten. Wird Trump weiterhin erlauben, dass seine diplomatischen Bemühungen durch seine eigenen Mitarbeiter unterlaufen werden?

Hoffen wir darauf, dass der Präsident die Absichten Washingtons ignorieren, die Neokonservativen ignorieren und damit fortfahren wird, sich für einen Friedensschluss mit Nordkorea einzusetzen.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2019 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den US-Bundesstaat Texas auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.