Im Juni ging ich in einem meiner Berichte auf die anhaltenden Vorwürfe ein, laut denen der Bitcoin-Preis mittels der Konkurrenz-Kryptowährung Tether und der Kryptobörse Bitfinex manipuliert worden sein soll.

Gestern berichtete ich, dass viele Kryptowährungen – insbesondere Bitcoin – plötzlich wie aus dem Nichts teils bedeutsam im Preis zulegen konnten, nachdem es in der vergangenen Handelswoche zu einem weiteren Einbruch der Preise auf breiter Front gekommen war.

Einen großen Anteil an der gestrigen Preisentwicklung im Kryptowährungssektor scheint offensichtlich Tether gehabt zu haben. Denn plötzlich wenden sich bislang eingefleischte Anleger und Investoren in Scharen von Tether ab.

Laut eigener Aussage soll jede kursierende Digitalmünzeinheit von Tether durch einen US-Dollar unterlegt sein. Immer mehr Anleger beginnen jedoch daran zu zweifeln. An der in den USA beheimateten Transaktionsplattform Kraken rutschte der Tether-Kurs mittlerweile auf bis zu 85 US-Cents ab.

Auch auf der Transaktionsplattform Binance rutschte der Tether-Kurs zuletzt bis auf 96 US-Cents ab – und damit ebenfalls unter die Schwelle von einem US-Dollar pro digitaler Münzeinheit. Als größter Profiteur dieser Entwicklung entpuppte sich im gestrigen Handel der Bitcoin, dessen Preis in der Spitze um mehr als zehn Prozent in die Höhe schoss.

Anleger, die aus Tether flüchten, schichten momentan ganz offensichtlich in andere Digital- und Kryptowährungen um. Kryptowährungshändler können der aktuellen Situation nicht viel Positives abgewinnen, da befürchtet wird, dass sich die ohnehin schon sehr hohe Volatilität an den Kryptowährungsmärkten in den nächsten Wochen noch ausweiten wird.

Dabei erwies sich Tether bis dato als Fels in der Brandung, da die Marktakteure mehrheitlich von einer Unterlegung jeder kursierenden Münzeinheit durch einen US-Dollar ausgegangen waren. Die von Tether ausgehende Stabilität machte diese Kryptowährung im Hinblick auf globale Transaktionen bis dato zu einer bevorzugten Wahl.

Immerhin hielt Tether bis vor dem vergangenen Wochenende einen Anteil von rund 20% an allen globalen Kryptowährungstransaktionen. Davor rangiert Bitcoin auf Platz 1. Im gestrigen Handel kamen erneut Spekulationen über den Gesundheitszustand und die Beziehungen der Kryptobörse Bitfinex, die mit Tether verbandelt ist, zu den Banken auf.

In der letzten Woche sah sich Bitfinex dazu veranlasst, ein öffentliches Statement abzugeben, laut dem keine Gefahr für eine Insolvenz des Kryptowährungshandelsplatzes bestünde. Gestern hieß es dann, dass Kapitalabzüge unter Anleger aus Bitfinex ohne Probleme möglich seien. Die Mitteilung mag dazu beigetragen haben, dass sich die Wogen ein wenig glätteten.

Tether legte im Preis wieder ein wenig zu, während sich die Tagesgewinne im Bitcoin-Handel reduzierten. Grund für den Ausbruch von Panik unter Tether-Investoren dürfte die vorherige Ankündigung gewesen sein, dass für manche Anleger zeitweise kein Zugriff auf deren Fiat-Währungskonten möglich sein werde.

Für die meisten im Kryptowährungshandel aktiven Unternehmen ist dies gewiss keine leichte Zeit. Denn immer mehr Akteure berichten darüber, dass sich deren Beziehung zu den Banken in letzter Zeit teils drastisch verschlechtert hat. Seitens der Banken heißt es hierzu offiziell, dass den hohen Risiken im Kryprowährungshandel Rechnung getragen werden müsse.

Zu diesen Risiken und Gefahren zählten insbesondere Geldwäsche, Marktmanipulationen und Sicherheitsbedenken. Also ob Banken in Bezug auf die ins Feld geführten Punkte 1 und 2 die Klappe aufreißen und sich als mahnende Moralinstitutionen aus dem Fenster lehnen sollten, wage ich nach all den in letzten Jahren an die Oberfläche dringenden Dingen zu bezweifeln.

Doch aus Sicht der Tether-Betreiber ist die Verbindung zu einem bestehenden Bankkonto von hoher Bedeutung, da sich digitale Tether-Münzeinheiten andernfalls nicht gegen einen Fiat-US-Dollar eintauschen lassen. Wie dem auch sei, bereits Ende letzten Jahres erhielten sowohl die Tether-Betreiber als auch Bitfinex ein Vorladungsschreiben der CFTC in den USA.

Darüber berichtete unter anderem Bloomberg. Da sich Investoren momentan weiterhin dazu in der Lage sehen, ihr Kapital aus Tether abzuziehen, halten manche Händler die aktuelle Entwicklung für überzogen und übertrieben. Trotz allem scheint es nicht zu gelingen, die sich verschärfenden Spekulationen über die Finanzlage bei Bitfinex einzudämmen, was seine Gründe haben mag.