An den Aktienmärkten scheint es momentan an Orientierung zu mangeln. Vielmehr erweckt es den Eindruck, als ob das sich zeitlich ausdehnende Auf und Ab der Kurse unterhalb des letzten Allzeithochs auf ein Stochern im Nebel unter Marktakteuren hinzuweisen scheint.

Über all dem schwebt die berechtigte Frage, ob es mit der Ära des billigen Geldes tatsächlich vorbei sein könnte. Es ist der Investmentchef von Japans größtem Lebensversicherer, Nippon Life, der hierzu vor kurzem mitteilte, sich von Aktien in Rallye-Phasen trennen zu wollen.

Dollar unter der Marke von 105 Yen ein Kauf

Bei Nippon Life herrscht nicht mehr der Glaube vor, dass sich die aktuelle Geldpolitik noch lange fortsetzen lässt. Gegenüber Reuters erklärte Hiroshi Ozeki zudem, dass man bei Nippon Life von einer anhaltenden Schwächephase des US-Dollars gegenüber dem Yen ausgehe.

Allerdings wies Ozeki auch darauf hin, den US-Dollar kaufen zu wollen, falls dieser unter die Marke von 105 Yen sinken sollte. Ähnlich den jüngst ausgesprochenen Warnungen seitens der Investmentbank Nomura geht Ozeki davon aus, dass Risikovermögenswerte keineswegs aus dem Schneider sind, und dass sich die Abwärtsbewegung fortsetzen wird.

Ozeki zeigt zudem kein Verständnis für Annahmen, die von einem Umfeld ausgehen, das durch eine niedrige Inflation, ein moderates Wirtschaftswachstum und einen moderaten Anstieg der Vermögenspreise gekennzeichnet ist.

Wenn nur eine dieser Säulen oder gar alle wegbrächen, werde es zu einer ausgeprägten Marktkorrektur kommen, so Ozeki. Seitdem es in Japan zur Verabschiedung von Abenomics im Jahr 2012 gekommen war, habe bei Nippon Life die Strategie vorgeherrscht, „den Dip“ an den Aktienmärkten zu kaufen.

Strategiewechsel angesichts der globalen Bilanzbuchschrumpfungen der Notenbanken

Doch da Aktien zu teuer und luftig bewertet seien, füge man dem eigenen Portfolio bei Nippon Life keine Dividendenpapiere mehr hinzu. Anstelle dessen bereite man sich bei Japans größtem Lebensversicherer auf weitere Aktienkursrückgänge vor.

An den Währungsmärkten dürfte kaum überhört geblieben sein, dass Nippon Life bereit dazu ist, US-Dollars zu kaufen, falls das Währungspaar USD/YEN unter die Marke von 105 Yen fallen sollte. Laut Ozeki befinde sich der US-Dollar bereits nahe einer fairen Bewertung und in Einklang mit dessen Kaufkraftparität gegenüber dem Yen.

Ozeki erwartet zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen massiven Markt-Crash, während der echte Test für die Aktienmärkte kurz bevorstünde. Und dieser Test setze sich aus den kombinierten Bilanzbuchschrumpfungen der drei weltgrößten Zentralbanken zusammen – namentlich der Federal Reserve, der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan.

Während die Bilanzschrumpfung bei der Fed bereits seit Oktober letzten Jahres im Gange ist, kaufen EZB und BoJ im Zuge von QE noch immer Bonds an den Märkten auf. Anfang 2019 soll sich dies auf Basis der aktuellen Erwartungen jedoch ändern. Ab diesem Zeitpunkt soll es zu einem kombinierten Abzug von Liquidität durch die drei großen Zentralbanken kommen.

Schlussendlich äußerte sich Ozeki dazu, in welchem Segment er die größte Blase an den Finanzmärkten fürchtet. Jedermann sei momentan damit beschäftigt zu eruieren, ob sich Blasen an den Märkten gebildet haben oder nicht, so Ozeki.

Zinsanstieg: Das Damoklesschwert über Japan

Seiner Ansicht nach habe sich die größte Blase an den Staatsanleihemärkten ausgebildet. Diese Märkte seien weltweit am teuersten. Womit sich rechnen ließe, sei ein Platzen der Blase an den Märkten für Regierungsbonds, selbst wenn dies noch eine Weile auf sich warten lassen könnte, so Ozeki.

Insbesondere über Japan schwebt ein solches Ereignis wie ein Damoklesschwert. Aufgrund der permanenten Interventionen der BoJ liegt der Zins auf 10-jährige Schatzpapiere noch immer unterhalb von 0,1%. Es gibt Tage, an denen die BoJ mittlerweile den Handel allein bestreitet.

Es wird interessant sein zu beobachten, was geschehen wird, wenn auch die Zinsen in Japan zu klettern beginnen werden – mit allen Konsequenzen, die das nach sich ziehen wird.