Vor rund einem halben Jahr gab die National Security Agency (NSA) bekannt, ein Durchscannen aller durch die Abhörbehörde gesammelten Telefondaten zu beenden. Der offizielle Grund? Es handelt es sich mittlerweile um derart viele Daten, dass die NSA beim Mitlesen und Auswerten einfach nicht mehr nachkommt.

Das Abhören der Bürger im Land und das Auswerten von Milliarden von Telefon- und Textnachrichtendaten pro Tag scheint die NSA vor einen logistischen Albtraum gestellt zu haben. Das Resultat lautet wie folgt: Die Behörde selbst gibt die Empfehlung ab, das Telefon- und Textnachrichtendatenüberwachungsprogramm aufzugeben.

NSA: Aufwand überwiegt Vorteile

Dem Weißen Haus wird seitens der NSA nahe gelegt, ein Überwachungsprogramm einzustellen, in dessen Zuge die Behörde Informationen über Telefonanrufe und das Senden von Textnachrichten in enormen Mengen sammelt.

Laut NSA erwiesen sich die damit einhergehenden logistischen und justizrechtlichen Hürden als derart groß, dass bezüglich einer Generierung von geheimdienstlichen Informationen von Relevanz zu ziehende Vorteile aus diesen gesicherten Daten inzwischen in den Schatten gestellt würden.  

Anschläge auf die Twin Towers gaben das Startsignal zur Überwachungsorgie

Der Start der Rundum- und Totalüberwachung durch die NSA begann im Angesicht der New Yorker 9/11-Anschläge einst heimlich und ohne irgendwelche Autorisierungen durch amerikanische Gerichte. Die damalige Regierung von George W. Bush kratzte dies alles nicht sonderlich.

Im Zuge der NSA-Operationen wurden insbesondere Metadaten im Hinblick auf alle einheimischen Telefonanrufe gesammelt. Diese Metadaten beinhalten unter anderem die Rufnummern und Zeitstempel eines Anrufs oder einer gesendeten Textnachricht.

Edward Snowden enthüllte illegale Aktivitäten

Es war Edward Snowden, der die breite Öffentlichkeit in den USA und im Rest der Welt über die Existenz des Überwachungsprogramms der NSA ins Bild setzte. In diesem Zuge veröffentlichte Snowden vor sechs Jahren zugleich Dokumente, mittels denen sich die Existenz von einer ganzen Reihe von anderen Überwachungsprogrammen durch die NSA nachweisen ließ.

Die Tiefgründigkeit und Illegalität der NSA-Abhörmaßnahmen führte in diesem Zuge zu einem Paukenschlag, da seit Edward Snowdens Enthüllungen klar ist, dass die NSA den Telefondatenverkehr weltweit abhört, wie sich damals unter anderem auch am Handy von Bundeskanzlerin Merkel zeigen sollte.

Natürlich wurden die Notwendigkeit und die Existenz der Überwachungsprogramme durch die NSA selbst stets verteidigt. Kritiker der NSA hatten bereits vor längerer Zeit die Ansicht vertreten, dass die Behörde irgendwann Herr über derart viel Datenmüll sein werde, dass sich eine Auswertung dieser Datensammlungen einfach nicht mehr bewerkstelligen lassen würde.

Umgehung lästiger Fragen und Rekrutierungsprobleme als Grund für angebliche Einstellung

Ob die Dinge jedoch auch tatsächlich so liegen wie in den Medien berichtet, sollten aufmerksame Beobachter zumindest hinterfragen. Da die benötigte Infrastruktur nun einmal besteht, wird sich die Datensammelwut im stillen Kämmerlein – ob effizient oder ineffizient – letztendlich wohl trotzdem fortsetzen.

Selbst wenn das Sammeln und Abgreifen von Daten ein Ende fände, sähen sich die großen Provider noch immer dazu gezwungen, der NSA Zugang zu deren Infrastruktur zu gewähren. Indem über die Medien nun die Meldung lanciert wird, das Sammeln von Telefondaten offiziell zu beenden, entzieht sich die NSA in der Zukunft Frage- und Antwortspielen vor diversen Ausschüssen und/oder Gerichten.

Aufgrund weitläufig negativer Berichterstattungen in den Medien verfügt die NSA als Arbeitgeber über einen schlechten Ruf, was in letzter Zeit dazu geführt haben soll, dass die Behörde Probleme bei der Rekrutierung und Anstellung von jungen Computer- und Softwarespezialisten hatte.

Es schadet also gewiss nicht, das eigene Image ein wenig aufzupolieren, indem der Öffentlichkeit vor Augen geführt wird, dass das Big Government doch gar nicht so böse und teuflisch ist, wie vielerorts behauptet.

Es ist jedoch eher damit zu rechnen, dass ein Hugenotte irgendwann Papst wird als den Versprechungen einer Behörde Glauben zu schenken, deren Existenz auf dem (illegalen) Abhören von Daten aller Art fußt.