Nun, nach den jüngsten Aussagen, die aus der Organisation der Erdöl fördernden Länder (OPEC) dringen, stellt sich einmal mehr die Frage, wer an den internationalen Ölmärkten gegen wen Krieg führt. Neueste Daten zeigen, dass Saudi-Arabiens Ölproduktion auf das höchste Niveau innerhalb der vergangenen drei Dekaden geklettert ist. Gleichzeitig ist die Erdölproduktion in den USA im 1. Quartal auf ein 30-Jahres-Hoch gestiegen. Es zeigt sich, dass die Saudis ihre Förderung trotz des Fracking-Booms in den USA noch ausweiteten. Aus gutem Grund.

Saudis lassen die Ölpumpen weiter rotieren

Wiederholt hatte ich in vorherigen Berichten zu diesem Thema darauf aufmerksam gemacht, dass die Saudis – im Verbund mit den Golfstaaten – keine Marktanteile an den Konkurrenten aus den USA verlieren wollten. Im Angesicht der aktuellen Entwicklungen an den Ölmärkten darf gewiss die Frage gestellt werden, ob der heftige Preisrückgang des schwarzen Goldes seit Juni letzten Jahres im Angesicht der Angebotsflut nicht seine Berechtigung hat.

Wie die OPEC gestern bekannt gab, habe die Gesamttagesförderung der Saudis im Monat März bei durchschnittlich 10,3 Millionen Fass Erdöl gelegen. Daraus resultiert ein markanter Anstieg der Erdölförderung von mehr als 650.000 Fass pro Tag im Vergleich mit dem Vormonat. Laut Bloomberg entspricht dies mehr als der Hälfte der Erdölförderung, die in den USA aus dem Bakken-Feld im Bundesstaat Dakota gepumpt werden.

Nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch der Irak steigerte den eigenen Ölausstoß im letzten Monat beträchtlich, wie es im neuesten Ölmarktbericht der OPEC heißt. Gewiss eine heiße Sache, wenn man bedenkt, dass in Washington gerade darüber sinniert wird, amerikanische Steuerzahlergelder an den Irak zu überweisen, um sich im Kampf gegen ISIS zu rüsten.

Laut Ölmarktbericht soll globale Förderung im laufenden Quartal ihren Höhepunkt erreichen

Wie es im Ölmarktbericht der OPEC weiter heißt, sei davon auszugehen, dass die globale Erdölproduktion im laufenden Quartal mit 13,65 Millionen Fass pro Tag ihren Höhepunkt  erreichen wird. Bis zum Ende dieses Jahres soll sich die Produktion dann als rückläufig erweisen. Diese Schätzungen gehen Hand in Hand mit den aktuellen Prognosen der Energy Information Administration (EIA) und der Internationalen Energieagentur, die den USA im 2. Halbjahr einen Rückgang ihrer Ölproduktion voraussagen.

Im Angesicht des Fracking-Booms hatte sich die Erdölförderung in den Vereinigten Staaten in den vergangenen sieben Jahren fast verdoppelt. Der heftige Preissturz an den Ölmärkten hat viele Ölbohrfirmen in den USA seit Sommer letzten Jahres nicht nur dazu gezwungen, ihre Produktion zurückzufahren, sondern hat im amerikanischen Energiesektor auch bereits zu Massenentlassungen geführt (ich berichtete).

Viele Ölförderunternehmen, die ihre Produktion an den Futures-Märkten nicht vorverkauften, sehen sich nun mit der misslichen Lage konfrontiert, dass die eigenen Förderkosten durch die aktuellen Ölpreise nicht gedeckt werden. Hinzu kommt, dass das geförderte Erdöl gelagert werden muss, was ebenfalls sehr kostenintensiv ist (ich berichtete). In diesem Bereich aktive Anbieter von Lagerkapazitäten machen in den USA gerade einen Reibach, da dem Land die Kapazitäten zur Lagerung von bereits gefördertem Erdöl auszugehen drohen.  

Saudis werden Rabatte für asiatische Kunden demnächst kürzen

Vielleicht mag es Beobachter gegeben haben, die sich in den letzten Wochen und Monaten fragten, weshalb die Saudis dazu bereit waren, ihren asiatischen Kunden im Angesicht des Ölpreisabsturzes immer höhere Rabatte auf Erdöllieferungen einzuräumen. Die Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand. Auch diese Maßnahme dürfte aufgrund der Furcht ergriffen worden sein, eigene Marktanteile auf dem asiatischen Kontinent an den großen Rivalen USA zu verlieren.

Jüngste Aussagen seitens saudischer Offizieller ließen allerdings aufhorchen. Denn zu Beginn dieses Monats wurde angekündigt, die Preise für asiatische Kunden in den nächsten Wochen anzuheben. Dann sollen die gewährten Rabatte von aktuell 90 Cents unterhalb des regionalen Preisniveaus auf nur noch 60 Cents gekürzt werden. An den Ölmärkten sind diese Aussagen als Signal aufgefasst worden, dass das Überangebot an den Weltölmärkten in absehbarer Zeit zu einem Ende kommen könnte.

Im Laufe dieser Woche waren denn auch recht starke Preisschwankungen an den Ölmärkten zu beobachten. So kletterte Rohöl der Marke Brent im gestrigen Handel um 3% auf über $63 pro Fass, was einem neuen Jahreshoch entspricht. Auch Rohöl der Marke WTI kletterte nach Veröffentlichung des Ölmarktberichts der OPEC auf $56 pro Fass. Charttechnisch hat sich Situation dadurch erheblich aufgehellt.