Atlas Copco

Das schwedische Industrietechnik-Unternehmen Atlas Copco berichtete Zahlen für das vierte Quartal 2020, die größtenteils über den Erwartungen des Marktes lagen, aber nach wie vor einen pandemiebedingten Rückgang des Geschäfts zeigen. Insgesamt lag der Umsatz bei 25,7 Mrd. SEK, was einem berichteten Rückgang von 5,8 % entsprach und die Erwartungen der Analysten traf. Zum Umsatzrückgang trug jedoch vor allem ein negativer Währungseffekt von minus acht Prozent bei.

Das organische Umsatzwachstum der einzelnen Geschäftssegmente fiel wie folgt aus: Compressor Technique (47 % des Gesamtumsatzes) plus sieben Prozent, Vaccum Technique (25 % des Gesamtumsatzes) minus zwei Prozent, Industrial Technique (16 % des Gesamtumsatzes) minus zwölf Prozent und Power Technique (zwölf Prozent des Gesamtumsatzes) minus sieben Prozent.

Im abgelaufenen Quartal zeigte sich jedoch ein starker sequenzieller Anstieg des Ordereingangs von insgesamt sieben Prozent, weshalb der CEO des Unternehmens von einer V-förmigen Erholung sprach. Zum stark organisch wachsenden Ordereingang trugen vor allem die Regionen Lateinamerika (+33 %), Afrika (+20 %) und Asien (+14 %) bei. Hinsichtlich der Geschäftsbereiche waren es vor allem Vaccum Technique (+19 %; hauptsächlich getrieben durch Kunden aus der Halbleiter-Branche) und Compressor Technique (plus fünf Prozent), die den Anstieg des Ordereingangs trieben.

Obwohl die operative Marge zwischenzeitlich wieder auf prä-pandemischem Level angekommen war, lag der operative Gewinn mit 5,4 Mrd. SEK 8,6 % unter dem Vorjahresquartal, jedoch 2,5 % über den Analystenschätzungen. Der adjustierte Reingewinn kam dabei mit 4,2 Mrd. SEK 7,8 % unter Vorjahresniveau an, übertraf damit aber die Analystenerwartungen um 7,1 %.

Trotz der pandemiebedingten Lockdowns war die Cashflow-Generierung jedoch sehr gut. Der operative Cashflow wuchs um 27 % auf 6,5 Mrd. SEK. Dies nahm das Management zum Anlass die Dividende erneut zu erhöhen, womit das Payout Ratio nun bei 60 % des Gewinns steht.

Für 2021 ließ sich das Management aufgrund der pandemiebedingten Prognoseunsicherheit nicht zu einem exakten Ausblick hinreißen, erwartet aber, dass die Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen des Unternehmens auf dem aktuellen Level bleiben wird.

Atlas Copco ist weltweiter Marktführer in „Compressor and Industrial Technique“ und hält führende Positionen in seinen anderen Geschäftsbereichen. Die zyklische Natur seines Geschäfts wird kompensiert durch geographische Diversifikation und Diversifikation hinsichtlich seiner Kundenbasis, einem hohen Anteil an Aftermarket Sales (Folgegeschäft aus Produktverkäufen) sowie einer für diese Industrie relativ flexiblen Kostenbasis und hohen Markteintrittsbarrieren. Des Weiteren hat das Unternehmen durch seine geringe Verschuldung und seinen starken Cashflow immer die Möglichkeit Wachstum hinzuzukaufen.

Straumann Holding

Das Schweizer Dentalimplantate- und Dentalästhetik-Unternehmen Straumann, das einen kompletten Satz an Zahlen immer nur halbjährlich vorlegt, hat seinen Bericht für das Geschäftsjahr 2020 erstattet. Aufgrund der Vielzahl an Einmaleffekten, die einen Vergleich der Halbjahreszahlen fast unmöglich machen, fokussieren wir uns im Folgenden auf die vom Unternehmen als „Core“-Zahlen berichteten Jahreszahlen 2020, die einen Vergleich zur Vorjahresperiode ermöglichen:

Mit einem Umsatz von 1,425 Mrd. CHF lag dieser 10,7 % unter dem Vorjahr (organisch minus 5,6 %; Rest durch negative Währungseffekte). Innerhalb der Geschäftsbereiche zeigte Orthodontics (vor allem transparente Zahnspangen) das beste Wachstum im Jahr 2020, was jedoch nicht weiter quantifiziert wurde.

Übers Jahr hinweg hatte die Region Lateinamerika (LATAM) mit einem Wachstumseinbruch von 15 % am meisten unter der Pandemie gelitten (vor allem Brasilien), während Asien/Pazifik (APAC) mit einem Einbruch von nur 0,5 % am besten davongekommen war. Im vierten Quartal 2020 war wieder positives Umsatzwachstum für alle Regionen zu verzeichnen – insbesondere APAC mit +17,9 %.

Während im Dezember in LATAM und in den Emerging Markets schon wieder mehr als 90 % und in Europa, APAC und Nordamerika sogar nahezu alle zahnärztlichen und kieferchirurgische Praxen und Kliniken wieder geöffnet hatten, blieb der Fluss an Patienten noch etwas hinter diesen Zahlen zurück (nur 80-90 % des prä-pandemischen Levels). Insgesamt konnte das Wachstum im zweiten Halbjahr nicht das kompensieren, was im ersten Halbjahr weggebrochen war.

Die Bruttomarge ging um 2,8 Prozentpunkte auf 72,8 % zurück. Nur etwa ein Drittel ging auf negative Währungseffekte zurück. Der Rest war bedingt durch eine Verschiebung von höher-margigen zu geringer-margigen Produkten. Laut dem Management war das nicht strukturell bedingt, sondern ist darauf zurückzuführen, dass APAC im Jahr 2020 in Relation zu den anderen Regionen stärker gewachsen ist und dort mehr Lower-End-Produkte verkauft werden.

Die EBIT-Marge ging um 3,7 %-Punkte auf 23,4 % zurück, wobei hier die negativen Währungseffekte stärker beitrugen als bei der Bruttomarge. Auch schlugen trotz guter Kontrolle der variablen Kosten, die fixen Kosten durch, was dann zusammen mit den o.g. Effekten zu einem EBIT von 333 Mio. CHF führte, das 22,8 % unter Vorjahresniveau lag. Selbiges gilt für den Reingewinn der mit 261 Mio. CHF ebenfalls 22,8 % unter dem Vorjahr lag. Der Free Cashflow konnte trotz Pandemie um 28,6 % auf 295 Mio. CHF zulegen und die Dividende wurde gegenüber dem Vorjahr stabil gehalten.

Was den Ausblick angeht, will das Management für den Umsatz im Jahr 2021 ein Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich realisieren. Januar und Februar des neuen Jahres zeigten bereits eine Solidifizierung der positiven Trends bzw. sequenzielles Wachstum gegenüber dem letzten Quartal des abgelaufenen Jahres.

Die EBIT-Marge soll im Jahr 2021 verbessert werden. Um wie viel wurde nicht weiter quantifiziert, aber hier ließ das Management eine gewisse Vorsicht hinsichtlich einer Prognose durchblicken, da nach dem Herunterfahren von Investitionen während der Pandemie im Jahr 2021 wieder in weiteres Wachstum sowie den Ausbau der digitalen Produkte investiert werden soll.

Im Gegensatz zu vielen anderen Gesundheitsunternehmen zeigt Straumann eine gewisse konjunkturelle Abhängigkeit, da ein Großteil seiner Produkte in den meisten Ländern aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, weil die Kosten dafür nicht von den Krankenversicherern übernommen werden.

Bei den letzten Krisen (nach 2000 und nach 2008) stellte sich das Unternehmen als Spätzykliker heraus, das sich nur langsam erholte. Damals bestand das Produktportfolio jedoch fast ausschließlich aus teuren High-End Produkten (vor allem Dentalimplantate). Heute verfügt es über ein gut diversifiziertes Portfolio aus Low-, Mid- und High-End-Produkten, mit dem auch in Zeiten schwacher Konjunktur Umsatz und Marge gemacht werden kann - was wohl auch der Grund dafür ist, dass Straumann bereits seit 3Q20 wieder Umsatzwachstum sieht. Und mit dem aufgrund seines hohen Wachstums im Markt zwar heiß umkämpften, aber noch stark unterpenetrierten Segment Orthodontics, hat man einen der stärksten langfristigen Wachstumstreiber des Dentalmarktes im Portfolio. Nichtsdestotrotz muss im Auge behalten werden, ob die Verschiebung Richtung nieder-margigen Produkten im Jahr 2020 nur pandemiebedingt und temporär oder strukturell bedingt war.

W. W. Grainger

W. W. Grainger, das führende Handelsunternehmen für Industriebedarfsgüter in den USA, berichtete zum vierten Quartal 2020 eher enttäuschende Zahlen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,3 % auf 2,94 Mrd. USD und lag damit 0,7 % geringfügig über den Analystenerwartungen. Während das Unternehmen mit seinem Umsatzwachstum in den USA signifikant über dem Marktwachstum lag, war es außerhalb der USA (Kanada, Europa, Mexiko) eher anämisch. Der Lichtblick im abgelaufenen Quartal sowie über das gesamte letzte Jahr war die 51 % Beteiligung des Unternehmens an der Online-Plattform des japanischen Distributors MonotaRO, deren Umsatz im Jahr 2020 um 23 % wuchs.

Das Hauptproblem bei den Zahlen des vierten Quartals 2020 war eine - aufgrund von pandemiebedingten Abschreibungen auf Lagerbestände sowie sich durch die Pandemie beschleunigende Verkäufe mit geringerer Marge - um 2,8 Prozentpunkte auf 35,7 % einbrechende Bruttomarge.

Die signifikant geringere Bruttomarge schlug trotz guter Kostenkontrolle zum Teil auf die EBIT-Marge durch, die um 0,8 Prozentpunkte kontrahierte und zu einem gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,9 % geringeren EBIT von 295 Mio. USD führte, das 8,7 % unter den Erwartungen der Analysten lag. Entsprechend lag auch der adjustierte Reingewinn mit 1987 Mio. USD 7,1 % unter dem Vorjahresquartal und damit 6,2 % hinter den Erwartungen der Analysten.

Ein Ausblick für das Geschäftsjahr 2021 wurde aufgrund der anhaltenden, pandemiebedingten Prognoseunsicherheit zu diesem Zeitpunkt im Jahr noch nicht gegeben.

Die Verschiebung vom Handel über physische Plattformen hin zu eCommerce brachte gravierende Veränderungen für W. W. Grainger, die das Unternehmen lange Zeit gut gemeistert hat (heute >50 % des Umsatzes online). Zuletzt penetrierten jedoch auch Konkurrenten das Industriesegment (u.a. Amazon) und führten zu Transparenz in einem Markt, in dem seine Player ihre Margen bis dahin intransparent hielten.

Der jüngste Einbruch der Brutto- bzw. EBIT-Marge war jedoch pandemiebedingt. Solange W. W. Grainger sein Umsatzwachstum in den USA, das drei bis vier Prozentpunkte über dem dortigen Marktwachstum liegt, beibehält und/oder die prä-pandemischen Margen halten kann, hat die Aktie Potenzial. Gleichzeitig möchte das Unternehmen jedoch Marktanteile gewinnen. Es bleibt abzuwarten, ob tatsächlich beides gleichzeitig realisiert werden kann.

Check Point Software Technologies

Check Point Software Technologies, das für seine Firewall- und VPN-(Virtual Private Network) -Produkte bekannte israelische IT-Sicherheits-Unternehmen, hat mit seinen Zahlen zum vierten Quartal 2020 die Erwartungen erfüllt. Der Umsatz stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 3,7 % auf 564 Mio. USD, womit er 1,5 % und damit geringfügig über den Analystenschätzungen lag.

Aufgrund einer EBIT-Margenkontraktion von 0,8 Prozentpunkten auf 50,6 %, wuchs das EBIT jedoch nur um 2,0 % auf 285 Mio. USD und lag damit 1,7 % über den Analystenerwartungen. Der Reingewinn wuchs aufgrund einer etwas höheren Steuerquote nur um 0,6 %, lag damit aber trotzdem noch zwei Prozent über den Analystenschätzungen. Der Free Cashflow wuchs um erfreuliche 20,6 % auf 290 Mio. USD.

Zum Umsatzwachstum trugen alle im Fokus des Unternehmens liegenden Geschäftsbereiche bei, d.h. Cloud-, Network- und Remote Access-Security. Insbesondere die neue Version ihres Firewall-Produkts Quantum Security Gateways trug zum Wachstum bei, für die das Unternehmen seit Einführung eine Wechselrate seiner Kunden von 90 % verbucht.

Bei Quantum ist es vor allem die High-End-Lösung namens Infinity, welche das Wachstum treibt und im abgelaufenen Quartal 100 % gegenüber dem Vorjahresquartal wuchs. Als erster globaler Infinity-Kunde konnte im Quartal NTT (japanisches TelCo-Unternehmen) gewonnen werden. Des Weiteren wurde zweistelliges Wachstum für die CloudGuard-Produktfamilie verzeichnet.

Während der Ausblick für den Umsatz im Jahr 2021 leicht über den Analystenerwartungen lag, impliziert der Ausblick für den Gewinn pro Aktie einen Rückgang der operativen Marge um zwei bis fünf Prozentpunkte, was das Management mit negativen Währungseffekten und hohen Investitionen in die Zukunft begründete. Dies war offensichtlich der Auslöser für die negative Reaktion des Marktes auf die Zahlen.

Der Umsatz von Check Point wächst seit zehn Quartalen stabil mit etwa vier Prozent. Vor dem Hintergrund der insbesondere im Zuge der Pandemie drastisch zunehmenden Anzahl an Cyber-Attacken und dem Umstand, dass Unternehmen mehr denn je den Zugang ihrer im Home-Office arbeitenden Mitarbeiter zum Unternehmensnetzwerk und Clouds absichern müssen, ist ein Wachstum von vier Prozent eher enttäuschend. Insofern muss beobachtet werden, ob die neuerlichen Investitionen in die Zukunft Erfolg zeitigen und Check Point wachstumstechnisch mit der Konkurrenz aufschließen kann.

„Was heißt das konkret für mich!?“

Die Quartalszahlen sind gut ausgefallen, haben aber keinen neuen Schub mitgebracht. Das Bewertungsniveau ist teils schon ausgereizt, was zu einer Konsolidierung führt. Die hohen Bewertungen können nur durch weiter steigende Gewinne gerechtfertigt werden. Eine Korrektur durch sinkende Kurse wäre jedoch angebracht.