Edwards Lifesciences

Das auf das Herzkreislauf-Segment spezialisierte Medizintechnik-Unternehmen Edwards Lifesciences konnte die Erwartungen des Marktes übertreffen. So lagen die Umsätze mit 925 Mio. USD um 16,8 %, der operative Gewinn mit 231 Mio. USD um 60 % und der Reingewinn mit 214 Mio. USD sogar um 149 % über den Erwartungen des Marktes. Aber auch hier hatten die Analysten ihre Schätzungen im Zuge der Corona-Krise im Vorfeld stark nach unten revidiert. So liegen die wirklichen Zahlen für das abgelaufene Quartal – wie bei vielen anderen Unternehmen – unter Vorjahresniveau (Umsatz minus 14,9 %, Reingewinn sogar minus 27,3 % im Vergleich zu Q2 2019).

Davon, dass Krankenhäuser angehalten waren, zeitlich frei wählbare Operationen aufzuschieben, um damit die Intensivstationen für COVID-19-Patienten freizuhalten, war Edwards in besonderem Maße davon betroffen, weil nach der Implantation in der Regel ein temporärer Aufenthalt in der Intensivstation erforderlich ist, dieser aber nicht möglich war.

Die wichtigste Produktlinie von Edwards ist Sapien, eine künstliche, minimalinvasiv implantierbare Aortenklappe. Diese beschert dem Unternehmen schon seit Jahren hervorragende Wachstumsraten und Margen. Die Umsätze dafür lagen in Q2 2020 bei minus elf Prozent gegenüber der Vorjahresperiode, damit aber nicht so tief wie von den Analysten vorhergesagt.

Im April lief es nicht so schlecht wie befürchtet und laut Management ist die Erholung vielversprechend. Edwards erwartet ein Q3 2020 auf Vorjahresniveau und Wachstum für das dann folgende Quartal. Eine vollständige Erholung wird aber wohl noch bis weit ins Jahr 2021 dauern – vorausgesetzt die COVID-19-Situation in den USA bessert sich stetig.

Der Medizintechniker hatte die Kosten in Q2 gut im Griff, weisen aber darauf hin, dass der operative Aufwand bald wieder zunehmen wird, weil weiterhin in Forschung und Entwicklung sowie in den Vertrieb investiert werden muss. Die Produkte von Edwards Lifesciences sind für manche Menschen lebensnotwendig. Deshalb können entsprechende Operationen oft nur für kurze Zeit aufgeschoben werden. Somit dürfte auch das Management einer Erholung des Geschäfts zuversichtlich entgegensehen.

iRobot

Der US-amerikanische Hersteller von beispielsweise Saugrobotern legte Zahlen vor, die zum Teil weit über den Analystenerwartungen lagen. Der Umsatz belief sich auf 280 Mio. nach noch 260 Mio. USD im zweiten Quartal 2019. Der Bruttogewinn verbesserte sich von 118 Mio. auf 178 Mio. USD, die Gründe waren sowohl geringe Umsatzkosten als auch eine konstante Kostendisziplin auf operativer Ebene. Der Ertrag hieraus belief sich auf 33 Mio. nach noch fünf Mio. USD im Vorjahresquartal. Netto verdiente man wieder Geld!

Das Wachstum auf der Umsatzseite war vor allem von einem Anstieg bei den Premiumprodukten in Höhe von 43 % geprägt. Die regionalen Verteilungen der Erlöse zeigten ein Plus von 13 % in den USA und ein Plus von 43 % in Japan. Europa und der Wirtschaftsraum Naher Osten (EMEA) gab jedoch 14 % nach.

Wichtig zu wissen ist, dass rund 33 Mio. USD der Umsätze aus dem zweiten Quartal direkt über die Webseite von iRobot generiert wurde, dies sind ca. 160 % mehr als noch in Q2 2019. Die angestrebte Strategie, mit dem Endkunden mehr direkte Interaktion zu schaffen, greift!

Zum Thema Strafzölle wurde im Call folgendes bekannt: Am 24. April 2020 wurden die Roomba Produktlinie von Strafzöllen bis zum 07. August 2020 ausgenommen, wir berichteten. Ob es eine Verlängerung gibt, war bis zur Bekanntgabe der Zahlen noch offen.

Die Marke Roomba von iRobot genießt im Markt der Saugroboter, gerade in den USA, einen hohen Status und Loyalität bei Endkunden. In der nächsten Woche wird also sehr spannend zu sehen, ob es CEO Colin Angle geschafft hat, die Ausnahmeregelung für Strafzölle zu verlängern.

Intuitive Surgical

Mit dem zum zweiten Quartal 2020 vorgelegten Zahlen (Umsatz 852 Mio. USD) konnte das US-amerikanische Medizintechnik-Unternehmen, das mit seinem Robotik-System DaVinci die Durchführung chirurgischer Eingriffe revolutioniert hat, die Erwartungen der Analysten zwar übertreffen - im Vergleich zum Vorjahresquartal erlöste man aber rund 22 % weniger.

Gestiegene Umsatzkosten und vor allem operative Ausgaben haben das Vorsteuerergebnis stark belastet. Nach 392 Mio. USD in Q2 2019 wurden nur 107 Mio. USD erwirtschaftet. Netto schaffte man gerade 68 Mio. nach noch 318 Mio. USD im Vergleichszeitraum 2019.

Weil Krankenhäuser gehalten waren, weniger dringende Operationen aufzuschieben, um Operationssäle und Intensivstationen für potenziell ankommende COVID-19-Patienten freizuhalten, wurden im abgelaufenen Quartal weltweit signifikant weniger Operationen mit den DaVinci-Systemen durchgeführt als normalerweise.

Darunter litt vor allem der Verkauf von Verbrauchsmaterialien, die für eine Operation mit DaVinci benötigt werden. Eine Umfrage unter Chirurgen ergab jedoch, dass die Anzahl der Operationen im zweiten Halbjahr 2020 – je nach Art der Operation – wieder 50-75 % der Vorjahresperiode erreichen können. Der limitierende Faktor wird jedoch die OP-Kapazität sein, weshalb das im ersten Halbjahr 2020 verlorene Geschäft in den kommenden Monaten nicht komplett kompensiert werden kann. Das Management rechnet damit, erst 2021 wieder zu alter Stärke zurückzukommen.

MSCI

Der US-amerikanische Datenprovider für die Finanzwirtschaft, MSCI, legte jüngst seine Zahlen für das zweite Quartal 2020 vor. Während der Umsatz mit 410 Mio. USD, rund sechs Prozent über dem des Vorjahresquartals (Q2 2019) lag und auch der Bruttoertrag mit 339 Mio. USD besser ausfiel, blieb am Ende (Nettoertrag 115 Mio. USD) doch ein Minus von 8,4 % übrig.

Die Neukundengewinnung belief sich auf erfreuliche plus zehn Prozent, was am oberen Rand der letzten Jahre lag. Mit seinen strategischen Initiativen und Partnerschaften (u.a. mit Microsoft) kommt MSCI gut voran. Insgesamt sollen dieses Jahr 140 Mio. USD hierfür investiert werden.

MSCI-basierte Aktien-ETFs (ETF = Exchange Traded Funds) blieben gegenüber der Vorjahresperiode zwar auf demselben Niveau, verzeichneten aber signifikantes, sequenzielles Wachstum von Q1 nach Q2 2020. Die wiederkehrenden Abonnementen-Erträge stiegen um 7,2 % und auch die Gebühren für verwaltete Vermögen nahmen um 0,4 % zu.

MSCI hat weiterhin eine starke Bilanz. Erst 2026 laufen die ersten einer Reihe von Anleihen aus, was MSCI in Verbindung mit einer relativ geringen Verschuldung für die nächsten fünf Jahre Flexibilität für den taktischen und strategischen Einsatz ihres erwirtschafteten Kapitals (Dividenden, Aktienrückkäufe, Akquisitionen) verleiht.

Der bisherige Jahresausblick wurde größtenteils beibehalten, wobei MSCI nun aber sowohl den operativen Zahlungsstrom (600-650 Mio. USD) als auch den Free Cash Flow (540-600 Mio. USD) am oberen Ende der bisherigen Vorhersage sieht.

Auch MSCI konnte die Corona-Krise nicht viel anhaben, was die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells demonstriert. Ganz gleich, ob der Kapitalmarkt nach oben oder unten tendiert – MSCI profitiert größtenteils davon.

„Was heißt das konkret für mich!?“

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Jedes Unternehmen und jede Branche reagiert unterschiedlich auf die aktuelle Situation. Deshalb ist es in dieser Phase wichtig, sein Portfolio zu diversifizieren und an starken Geschäftsmodellen festzuhalten, auch wenn diese temporär von der Ertragskraft her Federn lassen müssen.