Für unseren Depotwert lief es im abgelaufenen dritten Quartal 2019 gar nicht so schlecht. Der Umsatz stieg auf fünf Mrd. USD (Plus 3,9 % zu Q3 2018), operativ verdiente man 2,3 Mrd. nach noch 2,2 Mrd. und netto konnte man 1,95 Mrd. USD verbuchen. Die schon im letzten Bericht angesprochenen operativen Kosten für Performance Marketing belaufen sich auf 1,3 Mrd., was auf gleichem Niveau wie vor einem Jahr ist. Im dritten Quartal sind diese Kosten immer am höchsten.

Zum Vergleich: Q4 2018 waren es 885 Mio., Q1 19 eine Mrd. und Q2 2019 1,2 Mrd. USD. Solange die Umsätze mit diesen steigenden Ausgaben korrespondieren, ist es ok. Dies ist bis jetzt der Fall, Booking konnte diese Kosten sogar von 27,1 % im Q3 2018 auf 25,6 % in Q3 2019 senken.

Die Segmentumsätze lesen sich wie folgt: Agency, also das Geschäft mit Drittanbietern lag gut drei Prozent unter dem Vorjahreswert von 3,5 Mrd. USD. Das Geschäft in dem Booking selbst der Anbieter oder Vermittler ist, sprang um gut 25 % auf 1,3 Mrd. an. Dies war auch ein Bestreben des Managements im letzten Call. Im kleineren Segment Advertising (Opentable oder Kayak) verbuchte man 292 Mio. Umsatz oder 13 % mehr.

Booking ist international gut aufgestellt. Dies sieht man sehr deutlich an den monatlichen Webseitenzahlen. Während in den USA im August die Abrufe unter 100 Millionen lagen, sind die Besuche im internationalen Bereich bei mehr als 600 Millionen. Oft ist es so, dass die Hotellandschaften in Europa und Asien eher fragmentiert sind und dort die einzelnen Anbieter vermehrt auf Plattformen zurückgreifen, um freie Unterkünfte noch zu belegen.

Kommen wir zur Bilanz. Der Cashbestand summiert sich auf 6,5 Mrd. USD in Q3 2019. Kurzfriste Anlagen wurden im Volumen von ca. 600 Mio. USD reduziert. Die Bestände an langfristig gehaltenen Wertpapieren beliefen sich auf 4,3 Mrd., was ebenso einer Reduktion gleichkommt. Diese freien Mittel wurden genutzt um eigene Aktien zurückzukaufen. In den Monaten Juli bis September waren dies 1,3 Mio. Aktien. Die ausstehenden Anteile beziffern sich auf ca. 42 Mio., wobei ca. 21 Mio. davon selbst gehalten werden. Dieses Verhältnis engt sich seit geraumer Zeit ein. Der Free Cash Flow mit 1,8 Mrd. lag leicht unter dem Niveau von Q3 2018, aber über dem des letzten Quartales.

Der Ausblick für das aktuelle Quartal beim Umsatz liegt bei plus ein bis drei Prozent. Die andauernden Unruhen in Hongkong machen dem Unternehmen zu schaffen. Durch die Internationalisierung sind Währungsschwankungen immer ein Thema, so auch bei Booking. Da dies nicht zu prognostizieren ist, bleibt das Management eher verhalten. Marketingausgaben sollen sich im üblichen Rahmen zum Umsatz bewegen, wobei die Ausgaben für die eigene Markenbildung eher zurückgehen sollen.

Die Reisebranche ist ein scheues Reh - und wenn die Zeiten schlechter werden, dann wird hier auch weniger ausgegeben. Dies wird sich in den Zahlen in diesem und nächsten Quartal bemerkbar machen.

"Was heißt das konkret für mich!?"

Kurzfristig fehlen Impulse, dies ändert aber nichts an der margenstarken Plattformstrategie von Booking.

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