Der Umsatz stieg 36,75 % auf 732 Mio. Euro im Vergleich zum dritten Quartal 2018. Das Transaktionsvolumen nach neun Monaten in 2019 wurde mit 124,2 Mrd. Euro beziffert. Dies teilt sich in 58,6 Mrd. für Europa und 65,5 Mrd. außerhalb Europa auf. Im Vergleichszeitraum 2018 wurden insgesamt 90,2 Mrd. Euro Volumen abgewickelt. Die operativen Ausgaben beliefen sich auf 543 Mio. und wuchsen im ähnlichen Verhältnis zum Umsatz. Das EBITDA wurde mit 211 Mio. berichtet nach noch 148 Mio. im dritten Quartal 2018. Das Vorsteuerergebnis konnte um 44 % auf 168 Mio. Euro erhöht werden. Die EBITDA- & Vorsteuermarge betrug also 28,83 % bzw. 22,95 %.

In der Segmentberichtserstattung konnte der Teilbereich elektronischer Zahlungsverkehr einen Umsatz von 564 Mio. oder 44 % mehr als noch im Q3 2018 berichten. Der Bereich Acquiring & Issuing, also die Kartenumsätze der Vertragspartner und die Karteninfrastruktur berichteten einen Umsatz von 189 Mio. Euro. In den ersten neun Monaten summieren sich diese Zahlen zu 1,48 Mrd. bzw. 522 Mio. Euro. Schaut man sich die Margenverteilung auf EBITDA Basis an, dann fällt sofort auf, dass Wirecard ca. 33 % Marge am Zahlungsverkehr und ca. 13 % Marge im Bereich Vertragspartner innehat.

Die geografischen Umsätze und das EBITDA verteilen sich nach neun Monaten wie folgt:

Europa (inkl. Deutschland) - Umsatz 930 Mio.; EBITDA  241 Mio. Euro

Asien und Pazifik - Umsatz 987 Mio.; EBITDA 280 Mio. Euro

Amerika und Asien - Umsatz 142 Mio.; EBITA 33 Mio. Euro

Ein Blick in die Bilanz verrät einen Kassenbestand zum Stichtag 30.09.19 von 3,3 Mrd., summiert man die kurzfristigen Investments hinzu sind es 3,8 Mrd. Euro. Auf der Passivseite der Bilanz findet man 1,7 Mrd. an Gewinnrücklagen, bei einem Eigenkapital von 2,3 Mrd. Die langfristigen Schulden ergeben 1,8 Mrd., was zu einer negativen Nettoverschuldung (keine Schulden, sondern ein Plus) von ca. 2 Mrd. führt. Der Free Cash Flow im abgelaufenen Quartal betrug laut Bloomberg 204 Mio. Euro. Soweit zu den reinen Zahlen, die nicht schlecht aussehen und dem Unternehmen sicherlich eine höhere Bewertung zusprechen sollten.

Die Nachrichten rund um nicht eingereichte Steuerunterlagen und dadurch nicht erhaltene Testate des Wirtschaftsprüfers in Singapur lasten schwer auf der Aktie. Wirecard hatte immer wieder beteuert, dass der Konzernabschluss nach IFRS maßgebend sei. Dieser wurde für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 von Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und uneingeschränkt testiert. Eine zusätzliche Prüfung erfolgt nun durch KPMG. Nichts desto trotz hat der Aktienmarkt das Vertrauen noch nicht wiedergewonnen, was evtl. auch an der unzureichenden Kapitalmarktkommunikation liegen kann.

Die Geschäftsaussichten mit der Vision 2025 (Umsatz 12 Mrd., EBITDA 3,8 Mrd.) und dem Markteintritt in China sind positive Ereignisse und zeugen von der Fähigkeit das Wachstum zu halten und sogar zu beschleunigen. Anfang November wurde die Übernahme von AllScore Payment Services aus Peking bekannt. Hier sollen Schrittweise alle Anteile eingesammelt werden. Nach dem Closing und der Zustimmung der Behörden, hält Wirecard 80 % an AllScore Payment. Die verbleibenden 20 % der Anteile kann Wirecard nach zwei Jahren über eine Call Option erwerben.

Die 2007 gegründete AllScore Payment Services ist ein lokaler Zahlungsabwickler, der über ein Lizenzportfolio und ein Team von über 120 Angestellten verfügt. Die Lizenzen werden es Wirecard ermöglichen, international tätigen chinesischen Händlern globale Acquiring- und Cross-Border-Zahlungsdienstleistungen sowie Auszahlungen in ihrer lokalen Währung anzubieten.

Schlussendlich bleibt zu hoffen, dass Wirecard geschäftlich weiter expandiert und die immer wiederkehrenden Vorwürfe aus der Welt geschafft werden. Hier muss Wirecard seine Hausaufgaben machen und den Kapitalmarkt besser und umfangreicher informieren.

"Was heißt das konkret für mich!?"

Die Schwankungsbreite bei Wirecard ist groß, nur wer das aushalten kann und an die Unschuld glaubt, ist hier richtig.  

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