Bilanzexpansion um 200 Milliarden USD in den letzten 36 Tagen – aber bitte das Kind nicht beim Namen nennen!

Die Fed hat sich über den Verlauf der letzten Monate den Forderungen der Wall Street, der internationalen Finanzmärkte und des Weißen Hauses erwartungsgemäß gebeugt. Nicht nur, dass die Fed ihren Leitzins im laufenden Jahr bereits zwei Mal um jeweils 25 Basispunkte – mit dem Ausblick auf weitere Zinssenkungen – reduziert hat.

Auch das so genannte Quantitative Tightening – und somit eine Rückführung der Fed-Bilanz – ist zu einem plötzlichen Halt gekommen. Werte Leser, es ist gar so, dass das Bilanzbuch der Fed allein über die letzten 36 Tage um mehr als 200 Milliarden US-Dollar (!) – mit Ausblick auf eine weitere Steigerung – expandiert worden ist.

Als Quantitative Easing (QE) möchte das Fed-Board diese Entwicklung zugunsten der Bekämpfung einer sich an den Repo-Märkten intensivierenden Liquiditätsknappheit jedoch nicht bezeichnet wissen. Der nachfolgende Chart gibt über die jüngste Entwicklung des Fed-Bilanzbuchs Aufschluss.

   

   

Powell stellt soviel Liquidität wie nötig zur Verfügung

Vordergründig geht es im Angesicht der Interventionen der Fed an den Repo-Märkten um das Ziel einer Stabilisierung des Zinssatzes für Übernachtkredite, der Mitte September auf bis zu zehn Prozent explodiert war. Die Fed hat ihre Geldschleusen mittels direkter Interventionen erstmals seit 2009 abermals weit geöffnet.

Denn bis zum 4. November wird die Fed den Akteuren an den Repo-Märkten laut eigener Aussage bis zu 75 Milliarden US-Dollar pro Tag (!) zur Verfügung stellen. Einmal mehr zeichnet sich ab, dass Fed-Chef Powell dazu bereit zu sein scheint, über den Verlauf der kommenden Wochen und Monate so viel Liquidität wie nötig zur Verfügung zu stellen.

Jetzt wurde bekannt, dass auch ausländische Institute von dem Geldsegen der Fed profitieren werden. Wie die Financial Times berichtet, befinde sich die Deutsche Bank AG unter jenen ausländischen Bankinstituten, die mit am stärksten von der plötzlichen Änderung der Liquiditätsregeln der Fed profitieren werden.

Deutsche Bank profitiert in erster Reihe – Fed will neues Lehman-Ereignis verhindern

In diesem Zuge wurde ebenfalls bekannt, dass amerikanische Finanzaufsichtsbehörden ihre Pläne zu einer deutlichen Verschärfung der Liquiditätsregularien für in den USA betriebene Filialen und Dependancen von Auslandsbanken aufgegeben haben. Nun berufe sich die Fed darauf, dass eine Regulierung von Niederlassungen und Filialen ausländischer Banken erst einmal in einem internationalen Kontext geregelt werden müsse.

Warum profitiert die Deutsche Bank AG als ausländische Bank mit am stärksten von den plötzlichen Regeländerungen durch die Fed? Ganz einfach schon deshalb, weil die Deutsche Bank AG zu jenen Auslandsinstituten gehört, die mit weitem Abstand die größte Anzahl an Vermögenswerten in den USA halten.

Dass Auslandsinstitute wie die Deutsche Bank AG nun ebenfalls in den Genuss einer Liquiditätsversorgung durch die Fed an den Repo-Märkten kommen, zeigt, welch brenzlige Situation in diesem wichtigen Refinanzierungssegment momentan vorherrschen muss. Warum bezieht die Fed nun wohl plötzlich auch Auslandsbanken in ihr Liquiditätsprogramm mit ein?

Also mit Blick auf den Verlauf des Aktienkurses der Deutsche Bank AG dürfte sich diese Frage von selbst beantworten. Augenscheinlich möchte niemand bei der Fed das Risiko eingehen, dass es zu einem neuen Lehman-Ereignis – geschweige denn einer solchen Erwartung unter den Marktakteuren – in den Vereinigten Staaten kommen wird.

   

   

Peter Schiff: Fed monetarisiert mehr Schulden als zu offiziellen QE-Zeiten

Zur Erinnerung sei an dieser Stelle ein weiteres Mal ein Vergleich des Aktienkursverlaufs der Deutsche Bank AG in Relation zu Lehman Brothers angestellt (siehe oben). Gestern bin ich zu diesen Vorgängen auf einige Kommentare von Peter Schiff von Euro Pacific Capital, mit dem ich im September letzten Jahres ein Gespräch über die Kapitalmarktentwicklungen und Goldmärkte führte, gestoßen. Peter schätzt die Dinge wie folgt ein:

„So, nun stehen wir also an einem Punkt, an dem die Fed – obwohl sie laut eigener Aussage kein QE betreibe – mehr Schulden monetisiert als zu jenen Zeiten, in denen QE das erste Mittel der Wahl gewesen ist. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Fed abermals auf das Mittel QE zurückgreift, auch wenn dies offiziell (noch) nicht zugegeben wird. Es zeichnet sich ebenfalls ab, dass es schon bald mehr anstelle von weniger werden wird. Der Grund, weswegen sich die Fed dieses Mittels bedient, ist, weil die Märkte nun schlussendlich den Versuch unternehmen, die Zinsen in die Höhe zu treiben. Und weil die Fed die Zinsen über Jahre auf rekordniedrige Niveaus gedrückt hat, befinden sich die Zinssätze in den USA auf künstlich niedrigen Niveaus. Diese über Jahre künstlich niedrig gehaltenen Zinssätze haben einen enormen Schaden in der Wirtschaft verursacht. Nun klettern die Zinsen, was die Fed dazu veranlasst, diese Entwicklung zu stoppen. Aus meiner Sicht begeht die Fed abermals einen Fehler, sie sollte derartige Versuche unterlassen. Allerdings bleibt der Fed nicht viel anderes übrig als zu tun was momentan getan wird, um ein Platzen der Blasen an den Finanz- und Vermögensmärkten zu verhindern. Und hierin findet sich der Grund, warum sich die Fed abermals QE-Maßnahmen bedienen muss. Wenn dem nicht so wäre, würden die Zinsen schon weitaus höher notieren. Die Aktienmärkte würden auf deutlich niedrigere Niveaus sinken, die Immobilienpreise würden sich als noch stärker rückläufig erweisen und wir befänden uns direkt auf dem Weg in den Ausbruch einer weiteren Finanzkrise. Bei der Fed wird mit dem Gedanken gespielt, einfach genug frisches Geld zu erzeugen, um den Wert der ausstehenden Schulden zu inflationieren. Auf diese Weise sollen sich unsere Probleme verflüchtigen. Diese Vorgehensweise entspricht sinnbildlich dem Versuch, nur ein wenig schwanger zu werden, was in der Realität nicht möglich ist. Sobald die Fed also auf eben jene beschriebene Weise zu einer Monetisierung von ausstehenden Schulden zurückkehrt, wird es kein Zurück mehr geben. Der US-Dollar wird im Laufe dieses Prozesses unter dem Bus landen. Und genau hierauf bewegen wir uns in den USA schnurstracks zu. Noch sind wir nicht so weit und es ist bislang noch nicht geschehen. Doch der Goldpreis ist nach oben ausgebrochen. Gold wird an manchen Tagen oberhalb der Marke von 1.500 US-Dollar pro Feinunze gehandelt, während der Goldpreis in Relation zu einer Vielzahl von Papierwährungen neue Rekordhochs erreicht hat. Dies jedoch (noch) nicht in Relation zum US-Dollar. Der US-Dollar verfügt in Relation zu vielen anderen Fiat- und Papierwährungen noch immer über eine relative Stärke. Doch Tatsache ist, dass auch der US-Dollar inzwischen gegenüber Gold nachgegeben hat, was uns vor Augen führt, dass die Dinge alles andere als rosig aussehen. Vielmehr leidet der US-Dollar unter einer fundamentalen Schwäche, die für den Moment noch nicht offen zutage tritt. Doch es wird der Tag kommen, an dem genau das geschehen wird. Wenn der US-Dollar zu sinken beginnen wird, wird die amerikanische Währung die Bondmärkte mit sich in die Tiefe reißen. Im Umkehrschluss werden die langfristigen Zinsen im Angesicht eines fallenden US-Dollars klettern. Und zwar deutlich.“

Ich teile diese Ansichten, weshalb ich Peter Schiff an dieser Stelle zu Wort kommen lassen wollte. Was sehen wir sonst noch, wenn wir auf die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft blicken? Erstens befindet sich das Produzierende Gewerbe in den USA in einer Rezession. Rundheraus lässt sich sagen, dass die aus diesem Sektor eingehenden Daten die schlechtesten seit dem Finanzkrisenjahr 2009 sind.

Zweitens hat diese Entwicklung damit begonnen, auf den wichtigen Dienstleistungssektor in den Vereinigten Staaten überzuspringen. Ich bleibe dabei, dass der sich vollziehende Abschwung in der amerikanischen Wirtschaft dazu führen wird, dass viele Arbeiter und vor allem die Bewohner der ländlichen Regionen in den USA im Wahljahr 2020 finanziell weitaus schlechter dastehen werden als im Jahr 2016.

Die allgemeine Verschuldung ist im Zeitraum der letzten drei Jahre zudem nochmals deutlich angestiegen. Hinzu kommt, dass die Reallöhne im selben Zeitraum weiter zurückgegangen sind. Inwiefern die Wähler in den wichtigen Battleground States im Angesicht des sich vollziehenden Wirtschaftsabschwungs ihre Arbeitsplätze werden verteidigen können, bleibt für den Moment ebenfalls abzuwarten.

Erste Massenentlassungswellen im stationären Einzelhandel, der Automobilindustrie und dem Transportdienstleistungssektor haben bereits eingesetzt. Aus dem Blickwinkel einer sich im Angesicht des sino-amerikanischen Handelskriegs verschlechternden US-Wirtschaft stellt sich die berechtigte Frage, ob es im November 2020 nicht doch ein dem Sozialismus zuneigender Präsidentschaftskandidat der Demokraten sein könnte, der das Rennen um das höchste Amt im Land machen könnte.

Was wäre im Angesicht einer möglichen Rezession einfacher, als frustrierten amerikanischen Wählern zu versprechen, den (vielerorts verhassten) Reichen tief in die Tasche zu greifen, um diese Gelder an den Rest der Gesellschaft zu distribuieren?!

Abschließend sei nochmals darauf hingewiesen, dass sich die Makroindikatoren mehrheitlich nach unten bewegen. Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass es selbst zum Ausbruch einer globalen Rezession kommen könnte, weil sich die großen Wirtschaftsräume in der Welt in einem Synchronabschwung befinden.

Die anstehende Berichtssaison im Unternehmenssektor wird mehr Aufschlüsse über die Geschäftsentwicklung im vierten Quartal des Jahres wie auch den Ausblick der Firmen auf das Jahr 2020 liefern.

Da die Abwärtsdynamiken vom Produzierenden Gewerbe mittlerweile auch auf den Dienstleistungssektor und die Arbeitsmärkte übergesprungen sind, darf gewiss die Frage aufgeworfen werden, ob ein potenzielles Handelsabkommen zwischen den USA und China überhaupt noch das Zeug und die Relevanz hätte, um die bereits verursachten Schäden in der globalen Wirtschaft zu heilen oder vergessen machen zu lassen.

Marktteilnehmer, die bis zum jetzigen Zeitpunkt mit einer implodierenden Wirtschaft Chinas gerechnet hatten, müssen sich weiterhin gedulden. Vergessen wir in diesem Kontext bitte nicht, dass die Vereinigten Staaten einen Anteil von 18 Prozent an allen chinesischen Exporten auf sich vereinen.

Gewiss handelt es sich hierbei nicht um einen geringen Anteil. Doch reicht dieser Anteil letztendlich dazu aus, um China zu langfristigen Konzessionen in den Handelsgesprächen zu drängen? Immerhin haben die Chinesen bereits damit begonnen, wichtige Agrarimporte wie Sojabohnen & Co. aus anderen Nationen unter Ausschluss der USA einzuführen. Hierzu gehören allen voran Brasilien, Argentinien und Mexiko.

Noch vor wenigen Monaten ließ sich hier und da vernehmen, dass die Chinesen im Angesicht des eskalierenden Handelskriegs mit den USA in hoher Anzahl verhungern würden. Logische Folge sei der Ausbruch einer Revolution im Reich der Mitte gegen die politische Führung des Landes. Bislang hat sich keine dieser Vermutungen bewahrheitet.

Gleichzeitig wies der Anteil des heimischen Konsums an der Jahreswirtschaftsleistung im Jahr 2018 einen Wachstumsbeitrag von 78 Prozent an Chinas BIP auf. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich inzwischen ein Anteil von rund 40 Prozent des chinesischen BIPs auf den heimischen Konsum zurückführen lässt.

Ja, Chinas Wirtschaft befindet sich – ebenso wie jene Amerikas – in einem Abwärtstrend. Doch der Verlust von amerikanischen Konsumenten erweist sich bis zum aktuellen Zeitpunkt bei Weitem nicht als ausreichend, um China in die Knie zu zwingen. Dazu zeigt sich, dass die durch China gehaltenen Positionen in US-Schatzanleihen auf dem Rückzug sind.

Gleichzeitig hat das Reich der Mitte – ähnlich wie die Russische Föderation – seine Goldkäufe seit Dezember letzten Jahres wieder aufgenommen, um seine Goldreserven in diesem Zuge deutlich auszuweiten.

Dass beide Verhandlungsseiten seit gestern zur Abwechslung wieder einmal auf das Euphorie-Gaspedal treten, um zumindest ein „partielles Handelsabkommen“ sowie eine Einigung auf einige wichtige Punkte im Handelsstreit in Aussicht zu stellen, untermauert meine Überzeugung, dass in einem Handelskrieg niemand als Gewinner vom Platz geht.