Und während sich die offiziell erzählte Geschichte immerfort verändert, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass sich Washingtons anhaltende Staatenbeziehung mit Saudi-Arabien verändern wird. Es handelt sich um eine Partnerschaft, die weder Amerika noch den nationalen Interessen unseres Landes irgendwelche Vorteile bietet.

US-Präsident Trump hat eine „ernsthafte Bestrafung“ versprochen, falls sich herausstellen sollte, dass sich die saudische Regierung in die Ermordung von Khashoggi involviert sieht. Trotz allem stellte Trump keine Reduzierung amerikanischer Waffen- und Rüstungsverkäufe an Saudi-Arabien in Aussicht, welche den mörderischen Krieg der Saudis im Jemen anheizen.

Es gehe einzig und allein um Jobs, wie US-Präsident Trump erklärte. Also wird sich die Tötung von Tausenden von Menschen im Jemen durch die Saudis fortsetzen. Manche Mörder scheinen augenscheinlich einen wichtigeren Status inne zu haben als andere. Die Ermordung von Khashoggi bugsiert die Trump-Administration in eine knifflige Situation.

US-Präsident Trump hat im Iran seinen Staatsfeind Nummer 1 ausgemacht. Im kommenden Monat wird die US-Regierung eine neue Runde der Sanktionen gegen den Iran verabschieden, die darauf ausgelegt ist, es dem Iran unmöglich zu machen, sein Öl auf den internationalen Märkten zu verkaufen.

Um ein Abheben der amerikanischen Benzinpreise im Zuge dieser Maßnahmen zu verhindern, hängt Trump auf Gedeih und Verderb von Drittstaaten – insbesondere Saudi-Arabien – ab, um diese Länder dazu zu bewegen, ihre Rohölförderung auszuweiten, um die im Angesicht der Iran-Sanktionen entstehende Angebotslücke auszugleichen.

Doch die Saudis haben vorbehaltlich schon einmal mit einem Rohölpreise in Höhe von $400 pro Fass gedroht, falls US-Präsident Trump seinen Worten im Hinblick auf eine „ernsthafte Bestrafung“ im Fall des ermordeten Journalisten Khashoggi tatsächlich auch Taten folgen lassen sollte.

Die Saudis haben ebenfalls damit gedroht, sich neue politische Freunde in Moskau oder sogar Teheran zu suchen, falls Washington auf eine „Bestrafung“ des Regimes in Riad insistieren sollte. Aus dem Blickwinkel einer Supermacht scheinen den Vereinigten Staaten nicht allzu viele Optionen offen zu stehen.

Was dieser ganze Schlamassel offenbart, ist, wie weise unsere Gründungsväter einst gewesen sind, indem sie uns vor einer zu großen Vertiefung von Allianzen mit ausländischen Bündnispartnern gewarnt haben.

Über einen Zeitraum von zu vielen Dekaden sehen sich die Vereinigten Staaten nun schon in einer ungesunden Beziehung mit dem saudischen Königreich verwoben, was die Saudis de facto mit einer durch die USA abgegebenen Sicherheitsgarantie im Austausch für „billiges“ Erdöl und dem Waschen von deren Ölprofiten mittels milliardenschweren Käufen von Waffen seitens des militärisch-industriellen Komplexes in den USA ausstattet.

Diese verwobene Staatenbeziehung mit Saudi-Arabien sollte so schnell wie möglich enden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Zehntausende Zivilisten aufgrund der saudischen Aggression vom Jemen bis hin zu Syrien den Tod finden, und dass die Vielzahl dieser unzähligen Toten nicht genauso viel wiegt wie ein dem Establishment angehöriger Journalist wie Khashoggi.

Doch wie es ein Clinton-Sprecher einst einmal ausdrückte, sollten wir die aktuelle Krise nicht verstreichen lassen, ohne Vorteile daraus zu ziehen. Es geht nicht darum, die Saudis dazu aufzufordern, ihr Handeln zu überdenken und zu ändern, ihre Gesellschaft hin zu einer liberalen Demokratie zu reformieren oder mehr saudischen Frauen die Erlaubnis zu erteilen, Auto zu fahren.

Das Problem an der unserer Beziehung zu Saudi-Arabien dreht sich nicht um Saudi-Arabien. Sondern das Problem dreht sich ausschließlich um uns selbst. Die Vereinigten Staaten sollten sich nicht dazu herablassen, militärische Sicherheitsgarantien in Übersee an den höchsten Bieter zu verhökern.

Uns wird Tag ein Tag aus erzählt, dass das US-Militär sowohl die Sicherheit unseres Staates als auch unsere persönliche Sicherheit garantiert. Und so sollte es auch sein. Es geht vielmehr um eine Rückkehr zu einer Außenpolitik, die neben freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Nationen auch eine Expansion des Handels mit allen Nationen auf diesem Erdball auf dem Radar hat.

Es handelt sich um die Rückkehr zu einer Außenpolitik, welche die einstigen Warnungen in George Washingtons Abschiedsrede honoriert, worin es hieß, dass „eine leidenschaftliche Beziehung einer Nation zu einer anderen Nation lediglich eine Vielfalt von Problemen verursacht“.

Wenn uns die Vereinigten Staaten von Amerika am Herzen liegen, müssen wir uns auf diese Warnung von George Washingtons rückbesinnen. Und das heißt: Keine leidenschaftlichen Beziehungen zu irgendwelchen Staaten in Übersee mehr. Stattdessen Freundschaft und Handel vor und über allem anderen.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2018 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den US-Bundesstaat Texas auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

Beitrag senden Beitrag drucken