Hat die Anklage des amerikanischen Vize-Justizministers Rod Rosenstein gegen zwölf russische Militärgeheimdienstoffizielle aufgrund eines angeblichen Hackings der Emails von Hillary Clinton bei gleichzeitiger Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen irgendeinen anderen Zweck als ein Haar in die Suppe des bevorstehenden Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Trump und Wladimir Putin zu werfen?

Haltlose Anklage dient nur dem Zweck, die amerikanisch-russischen Beziehungen zu stören

Vergessen Sie in diesem Kontext bitte nicht, dass sich Rosenstein in die Orchestrierung des gegen Trump als Waffe dienenden „Russia Gate“ persönlich verstrickt sieht. Hierbei handelt es sich um eine Waffe, die den Interessen der Demokratischen Partei sowie des militärisch-industriellen Komplexes dient. Der ehemalige US-Präsident Ike Eisenhower warnte uns vor 56 Jahren leider vergebens.

Rosensteins offizielle Anklage von zwölf russischen Staatsbürgern für das angebliche Hacken von Computern erweist sich als nichts anderes als eine politische Anklage, die auf Präsident Trump abzielt. Die Anklage erweist sich andererseits als zwecklos, da Russlands Regierung sein Militärgeheimdienstpersonal nicht an ein Washingtoner Marionettengericht ausliefern wird.

Fazit bleibt, dass die Anklage Rosensteins keinem anderen Zweck dient, als die Atmosphäre vor dem bevorstehenden Gipfeltreffen zu vergiften. Wenn Sie sich einmal die Mühe machen, sich in die Anklage einzulesen, so werden Sie sich darüber gewahr werden, dass diese Anklage auf nichts anderem als unwahrscheinlichen Behauptungen fußt.

Beweisvorlage nicht nötig, da es zu keinem Prozess kommen wird

Es gibt keinen gangbaren Weg auf dieser Erde, auf dem das US-Justizministerium (sic) dazu in der Lage wäre, solche Informationen bezüglich einer fiktiven Geschichte zu erhalten, die Rosenstein präsentiert hat. Darüber hinaus lässt sich keinerlei griffige Beweisführung in der Anklage Rosensteins erkennen.

Rosenstein ist sich darüber bewusst, keine Beweisvorlage zu benötigen, weil die Angeklagten niemals vor ein Gericht gestellt werden. Rosenstein hat der korrupten Konzern-Presse, die sich als wertvoller Vermögenswert, sowohl des militärisch-industriellen Komplexes als auch der Demokratischen Partei erweist, rohes Fleisch vor die Füße geworfen.

Und die korrupten Konzern-Medien werden Druck auf die Republikaner ausüben, um sich Rosensteins Aufruf nach einer vereinten Front gegen eine russische Einmischung in innere Angelegenheiten anzuschließen. Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, was geschehen würde, falls Trump und Putin einen erfolgreichen Gipfel abhalten und die Beziehungen ihrer Länder normalisieren sollten, die Washington zwischen beiden Staaten ruiniert hat.

Normalerweise wäre eine solche Anklage erst nach dem Gipfel erhoben worden

Falls Sie sich so etwas nicht vorstellen können, lesen Sie einen anderen meiner Berichte zu diesem Thema. Im Zuge der amerikanischen Präsidentschaftswahlen wies ich Sie darauf hin, dass Trump zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit den Mechanismen in Washington vertraut gewesen ist. Er wusste auch nicht, wer seine politischen Positionen, die sich von vornherein als gegensätzlich zu den Interessen machtvoller Partikulargruppierungen wie dem militärisch-industriellen Komplex und global aktiven Offshoring-Konzernen erwiesen, unterstützte.

Trump blickte von Anbeginn dem Risiko ins Auge, durch von ihm in höchste Staatsämter berufene Personen zerstört zu werden. Im Fall von Rod Rosenstein handelt es sich um eine durch Trump ernannte Person. Ferner lehnte Trump es ab, Rosenstein aus seinem Amt zu entlassen, nachdem US-Justizminister (Sessions) Rosenstein zum Rücktritt aufforderte.

Trumps Fehleinschätzung ist derart groß, dass er das ihm nun im Rücken steckende Messer, das ihm Rosenstein verabreichte, mehr als verdient hat. Falls es in den Vereinigten Staaten zu einer berechtigten Anklage gegen zwölf russische Staatsbürger käme, so hätte ein normal tickender US-Vize-Justizminister – einem erfolgreichen Gipfeltreffen zuliebe – seine Anklage zumindest bis nach Ende dieses Gipfels zurück gehalten.

Dramatische Auswirkungen eines Politmordes an Trump

Und falls sich das Gipfeltreffen als Erfolg erwiesen hätte, wäre es zu einem Fallenlassen der Anklage gekommen, ganz egal, ob es dafür nun eine Grundlage gibt oder nicht. Meine 25 Jahre in Washington haben mich mehr als alles andere gelehrt, dass Rosenstein Trump ein Messer in den Rücken gestochen hat.

Falls Rosenstein es geschafft haben sollte, den Gipfel scheitern zu lassen, so hat er seinen Beitrag zum zukünftigen Ausbruch eines thermonuklearen Krieges geleistet. Es gibt eine Alternative zu dem oben Beschriebenen.

Vielleicht wollte sich Trump auch einen Verhandlungsvorteil verschaffen

Die Alternative lautet, dass Trump, sich als Tyrann gerierend, von jenen in seiner Regierung überzeugt wurde, die sich am Wahrscheinlichsten gegen eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen mit Russland aussprechen, so dass die Anklage Putin in Zugzwang brächte, um Trump von Anbeginn Vorteile in der Kampfarena zu verschaffen.

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die CIA und John Bolton Trump ins Ohr flüstern, dass die Anklage Putin in die Defensive befördert, um Trump zu erlauben, Druck auf Putin auszuüben und ein Gipfelergebnis herbei zu führen, dass sich als vorteilhaft für Washingtons Hegemonie erweist.

Der Schuss ginge nach hinten los – und das Engagement in Sachen “Russia Gate“ wäre weiter ungebrochen

Diese Vorgangsweise wäre ein cleverer Schachzug, um ein Umfeld zu schaffen, das Trump beim Gipfel mit Putin scheitern lassen würde. Resultat wäre, dass sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch stärker vergiften, ohne dass es zu einem Fingerzeig auf Rosenstein, der dieses Scheitern zu verantworten hätte, käme.

Rosensteins Position als politischer Mörder Trumps würde nicht in Gefahr geraten. Er würde sich im Angesicht eines aus Befangenheitsgründen in die Bredouille geratenden Jeff Sessions, der in seinem Amt paralysiert wäre, weiter in Sachen „Russia Gate“ engagieren.

Professor Stephen Cohen ist führender Experte im Hinblick auf das Thema US/Russland-Wahlen. Seine Sichtweise entspricht der meinen: https://www.thenation.com/article/summitgate-campaign-vs-peace/

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2018 Dr. Paul Craig Roberts / Institute for Political Economy

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