Das Thema „Zins und Zinswende“ in meinem Beitrag  EZB: Am 26. Oktober wird es spannend bekam am 11. Oktober neues Futter vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Meinen o.g. Artikel beendete ich mit dem Satz „Die EZB wird sich der Zinswende nicht auf Dauer entziehen können“.

Laut der noch amtierenden Wirtschaftsministerin Zypries befindet sich die deutsche Wirtschaft in einem stetigen und breit angelegten Aufschwung mit einem soliden binnenwirtschaftlichen Fundament. In ihrer Herbstprojektion geht die Bundesregierung für das laufende Jahr von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von preisbereinigt 2,0 Prozent aus. Für das Jahr 2018 wird ein Zuwachs von 1,9 Prozent erwartet.

Zypries wörtlich:  „Der deutschen Wirtschaft geht es gut. Die nächste Bundesregierung muss dafür sorgen, dass das so bleibt. Die Konjunktur in Deutschland hat an Schwung und Breite gewonnen und bleibt auch in den kommenden Jahren auf Wachstumskurs. Mit der anziehenden Weltwirtschaft haben sich die Exporte belebt. Dies hat die private Investitionstätigkeit angeregt. Die Beschäftigung nimmt weiter kräftig zu. In der zurückliegenden Legislaturperiode hat die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt um 2,5 Millionen Personen zugenommen. Auch die Einkommen steigen weiter(…)“

Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzungen

Die Herbstprojektion der Bundesregierung wurde am 11. Oktober 2017 im interministeriellen Arbeitskreis „Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzungen“ unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie abschließend beraten. Das Statistische Bundesamt und die Deutsche Bundesbank waren beteiligt. Die gesamtwirtschaftlichen Eckwerte der Herbstprojektion bilden die Grundlage für die Steuerschätzung vom 7. bis 9. November 2017 in Braunschweig. Als gemeinsamer Orientierungsrahmen dienen sie der Aufstellung der öffentlichen Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen. Die Prognosen internationaler Organisationen fließen in die Projektion mit ein.

Demnach wird erwartet, dass das Wachstum der Weltwirtschaft anziehen und der Welthandel sich weiter dynamisch entwickeln wird.  Für die deutschen Exporte von Waren und Dienstleistungen wird daher ein Zuwachs in Höhe von real 3,5 Prozent im Jahr 2017 und in Höhe von 4,0 Prozent im Jahr 2018 erwartet.

Die Importe sollen in den Jahren 2017 und 2018 etwas kräftiger expandieren als die Exporte. Grund dafür ist die starke Inlandsnachfrage. Erwartet wird außerdem, eben wegen der starken Inlandsnachfrage ein Rückgang des Außenhandelsüberschusses, was generell begrüßt würde.

Bei den Ausrüstungsinvestitionen wird eine Zunahme um 2,0 Prozent in diesem Jahr und um 3,7 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Die niedrigen Zinsen lassen weiterhin kräftige Impulse bei den Bauinvestitionen erwarten. Der Beschäftigungszuwachs sowie Lohnzuwächse sollen die  Konsumausgaben der privaten Haushalte befeuern.

Die Erwerbstätigkeit wird im Jahr 2017 sehr kräftig um 660 Tausend und im Jahr 2018 um 495 Tausend Personen auf das Rekordniveau von 44,8 Millionen Personen im Jahr 2018 ansteigen. Die  Arbeitslosigkeit soll um 155 Tausend Personen in diesem Jahr und um 70 Tausend Personen im kommenden Jahr sinken.  Die  Arbeitslosenquote wird laut Prognosen auf 5,5 Prozent sinken.
Das Verbraucherpreisniveau soll im Jahr 2017 vor allem aufgrund steigender Preise für Energie und Nahrungsmittel vorübergehend beschleunigt um 1,8 Prozent und im Jahr 2018 um 1,6 Prozent zunehmen.

Warten wir ab, ob das alles so eintreffen wird. Erinnern möchte ich daran, dass noch im Frühjahr wichtige Wirtschaftsforschungsinstitute mit einer Abschwächung des Wachstums für 2017 gerechnet haben. Aus heutiger Sicht ein Irrtum.

Der Druck im Kessel steigt

Sollte sich die aktuelle Prognose bewahrheiten, wird der Druck auf EZB, die Zinsen anzuheben weiter steigen. Läuft die Wirtschaft tatsächlich heiß und überhitzt, kommt der Abschwung umso härter. Je länger die EZB zuwartet, umso größer wird das Risiko eines scharfen Einbruchs.

Die deutsche Bundesbank betrachtet die Krisensymptome als abgeklungen und die Deflationsgefahren für verschwunden und fordert eine Anpassung der Zinspolitik.

Aber auch nach einem Knall, der nicht nur die Realwirtschaft sondern auch die Finanzmärkte breit nach unten reißen wird, wird es danach weiter gehen. Wie sagt schon Hermann Hesse so schön in seinem Gedicht „Stufen“, welches er nach langer Krankheit 1941 schrieb: „…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“