Das amerikanische Finanzministerium hat angekündigt, auf welchen Betrag sich die neu zu emittierenden Staatsschulden im 1. Halbjahr dieses Jahres belaufen werden. Um die Regierung in Washington bis Ende von Q2 am Laufen zu halten, wird es in diesem sehr überschaubaren Zeitraum zur Emission von weiteren $617 Milliarden kommen. 

Schätzungen des US-Finanzministeriums zu Schuldenanstieg

So sehen sie aus, die aktuellen Schätzungen des US-Finanzministeriums. Im Angesicht einer sich zusätzlich beschleunigenden Bilanzrückführung der Federal Reserve sind dies alles andere als gute Nachrichten.

Denn unter Berücksichtigung von steigenden US-Zinsen bei einer tendenziell rückläufigen Nachfrage ist das schon eine enorme Hausnummer an neu auf die US-Staatsanleihemärkte strömendem Angebot.

Aus den folgenden Schätzungen des US-Finanzministeriums gehen die Nettoschuldenanstiege bis zum Ende des 2. Quartals hervor.

  • Danach soll sich die US-Staatsverschuldung allein im 1. Quartal um $441 Milliarden erhöhen.
  • Im 2. Quartal soll sich die Verschuldungszunahme aufgrund des Höhepunkts der amerikanischen Steuersaison dann auf $176 Milliarden verlangsamen.
  • Gleichzeitig sehen die aktuellen Schätzungen vor, dass das US-Finanzministerium bis Ende Juni über eine Cashbilanz von $360 Milliarden verfügen wird.

3% mehr Schulden in nur fünf Monaten

Es zeichnet sich ab, dass die US-Bruttostaatsverschuldung in den nächsten fünf Monaten von $20,5 Billionen (davon $14,8 Billionen in börsengehandelten Staatsanleihen sowie $5,7 Billionen in Form von intern gehaltenen Schulden) auf rund $21,1 Billionen klettern wird.

Dies entspricht einer Verschuldungszunahme von 3 Prozentpunkten innerhalb von nur fünf Monaten. Aus der nachfolgenden Grafik gehen einige interessante Informationen hervor.

Blick auf den Verlauf der Verschuldungskurve – Fitch erwartet Verschuldung von 120% des US-BIP

Die abflachenden Linien, die sich in den Jahren 2013, 2015 und 2017 zeigen, sind Ergebnis von drei jeweils zuvor zu beobachtenden Kämpfen im US-Kongress um eine Anhebung der Schuldenobergrenze. Als die Schuldenobergrenze nach Beilegung dieser Kämpfe in allen drei Fällen angehoben wurde, kam es erneut zu jeweils bedeutsamen Verschuldungsanstiegen.

Es empfiehlt sich, ein Auge auf die aktuelle Abflachung der Verschuldungskurve, die im Dezember vergangenen Jahres einsetzte, zu werfen. Im November letzten Jahres teilte die Ratingagentur Fitch mit, dass die US-Bruttonationalverschuldung im Angesicht „potenzieller Steuersenkungen und optimistischer Makrobedingungen“ bis 2027 auf 120% des BIPs explodieren werde.

Implizite Staatsverschuldung ist viel höher – Ein Blick zurück auf die Entwicklung

So, wie die Dinge zurzeit liegen, werden wir wohl gar nicht so lange warten müssen. Bitte beachten Sie hierbei auch, dass es sich um die Ausweisung der offiziellen Staatsverschuldung in den USA handelt. Implizit liegt diese Verschuldung unter Einbezug der Renten- und Sozialversicherungssysteme bereits weit, weit höher.

Lassen wir an dieser Stelle Revue passieren, auf welche Weise sich die Verschuldung des Staates in den USA im Laufe der vergangenen Jahre entwickelt hat. Im Jahr 2012 belief sich die US-Bruttostaatsverschuldung in Relation zum BIP auf 95% in Relation zum BIP.

Vor Ausbruch der globalen Finanzkrise lag dieser Wert bei 63%. Zum Ende des Jahres 2017 lässt sich ein beachtlicher Anstieg auf 106% in Relation zum BIP beobachten. In den nächsten fünf Monaten werden sich weitere 3 Prozentpunkte hinzugesellen.

Staatsverschuldung wuchs in den letzten fünf Jahren um 25% - in den nächsten fünf Jahren wird sie deutlich schneller klettern

Solange nicht ganz schnell ein Wunder geschieht, werden die US-Bruttostaatsschulden in den kommenden fünf Jahren aufgrund der nun beschlossenen Steuersenkungen weitaus schneller klettern als in den vergangenen fünf Jahren.

Hier ein zusammenfassendes Statement in Bezug auf die Schuldenentwicklungen in den vergangenen fünf Jahren: Wie sich zeigt, ist die US-Bruttostaatsverschuldung in diesem Zeitraum bereits um weitere 25 Prozentpunkte (!) – oder $4,12 Billionen – angestiegen. Hoffen wir, dass es nicht zum Ausbruch einer neuen Finanzkrise kommen wird.

Denn dann würden im Zuge von vorhersehbaren Bailout-Programmen des Staates wahrlich erst so richtig die Schleusentore geöffnet. Wie dem auch sei, es handelt sich zum aktuellen Zeitpunkt bereits um eine immense Neuschuldenaufnahme im Angesicht einer Wirtschaft, deren Wachstum noch immer weit unter Potenzial liegt.

Noch schlagen die Maßnahmen nicht durch, doch an den Bondmärkten wird man aufmerksam

Warten wir den Zeitpunkt ab, ab dem die jüngst beschlossenen Steuersenkungen sich im Einnahmestrom des US-Finanzministeriums vollauf bemerkbar machen werden. Vom Einsetzen einer neuen Rezession möchte ich an dieser Stelle lieber gar nicht sprechen.

Denn in diesem Fall würden die Regierungsausgaben unter aller Voraussicht stark steigen, während die Einnahmen sich bedeutsam minimieren würden. An den globalen Bondmärkten scheint man sich langsam aber sicher Gedanken über diese Entwicklung zu machen – und dies just zu einem Zeitpunkt, zu dem die Federal Reserve damit begonnen hat, ihr Bilanzbuch abzubauen.

FED-Rückzug: US-Anleihemarkt braucht neue Investoren!

Allein im 1. Quartal wird die Fed ihre gehaltenen US-Staatsanleihepositionen um rund $36 Milliarden minimieren. Im 2. Quartal soll die Bilanzbuchschrumpfung sich dann auf $54 Milliarden belaufen. Daraus resultiert, dass den Finanzmärkten bis Ende des 1. Halbjahrs US-Dollar-Liquidität in Höhe von $90 Milliarden entzogen wird.

Gleichzeitig hat die Fed mitgeteilt, die Einnahmen aus zeitlich auslaufenden MBS-Papieren nicht wieder zu reinvestieren. An den US-Staatsanleihemärkten scheinen neue Überlegungen angestellt zu werden, auf welche Weise auf die neuen Gegebenheiten zu reagieren ist, was insbesondere im Angesicht des sich über die kommenden fünf Monate stark erhöhenden Angebots gilt. Es zeichnet sich ab, dass neue Investoren in die US-Staatsanleihemärkte gelockt werden müssen.

Und dies wird wohl nur auf Basis von steigenden Zinsen möglich sein. Im Umkehrschluss würden die Bondkurse sinken, wodurch Bestandsinvestoren Verluste beschert würden. Die Verkäufe an den US-Staatsanleihemärkten halten an, während der Zins auf den 10-jährigen USTB zuletzt in der Spitze auf 2,9% kletterte. 

10-Jährige: Die magische 3%-Marke ist nicht mehr fern!

Dieses Niveau ist nicht mehr allzu weit entfernt von der „magischen“ 3-Prozent-Marke, die – falls tatsächlich nach oben durchbrochen – sehr wahrscheinlich zu einem Schlachtfest unter Aktien und vor allem Junkbonds führen dürfte. An den Junkbondmärkten sind Spannungen schon seit einiger Zeit spürbar. Dazu demnächst mehr in einem separaten Bericht.

Gleichzeitig sind die Zinsen auf festverzinsliche Hypotheken mit einer Laufzeit von 30 Jahren, die sich am Verlauf der 10-jährigen US-Staatsanleihe ausrichten – für Kreditnehmer mit Bonitätsbestnoten mittlerweile auf 4,35% geklettert.

Ob diese Entwicklung, so sie denn anhalten sollte, einen optimistischen Ausblick für die US-Immobilienmärkte – insbesondere aus Perspektive einer dramatischen Privatverschuldung – verheißt, überlasse ich jedem Leser selbst zu bewerten.

Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen, dass es inzwischen zu einer bizarren Warnung durch Trumps eigenen Budgetdirektor gekommen ist. Mick Mulvaney teilte in zwei Interviews gegenüber Fox News und CBC News mit, dass Amerikas Budgetdefizit im laufenden Jahr steigen wird, und dass diese Entwicklung „einen Zinssprung“ auslösen könnte. 

Trumps Budgetdirektor warnt vor Zinssprung

Im Umkehrschluss würde es – auf Basis aller aktuellen Beobachtungen – wohl zu einem sich beschleunigenden Abverkauf an den Finanzmärkten kommen. Trump dürften die getätigten Aussagen von Mulvaney überhaupt nicht schmecken, griff der US-Präsident in den letzten Tagen doch verstärkt in die Tasten, um all jene zur Räson zu rufen, die momentan Aktien in hoher Anzahl „bei guter Nachrichtenlage“ auf den Markt schmissen.

Im Interview mit CBS News erklärte Mulvaney, dass ein steigendes Budgetdefizit keine gute Idee sei, doch dies nun einmal die Welt wäre, in der wir lebten. Trump twitterte noch am Freitag, dass die Republikaner sich dazu gezwungen sähen, die Staatsausgaben für Dinge, die unsere eigene Partei nicht möge, zu erhöhen.

Zug um Zug: Erhöhung des Sozialetats, um Militärausgaben zu sichern

Nur auf diese Weise ließen sich, so Trump, Stimmen der Demokraten im Hinblick auf einen signifikanten Anstieg der Militärausgaben sichern. „Solange wir ihnen nicht Ausgabezusagen für Sozialprogramme machen, werden sie uns keinen einzigen zusätzlichen US-Dollar für Verteidigungsausgaben zur Verfügung stellen“, so Trump.

Auf diese Weise sei das Pentagon durch die Demokraten zur Geisel genommen worden, so dass wir dieses Lösegeld zu schlucken hatten, so Trump. Die zusätzlichen Staatsausgaben könnten sich laut aktueller Schätzungen bis ins Jahr 2019 hinein drastisch erhöhen, wodurch sich das Budgetdefizit auf  $1,2 Billionen ausweiten könnte.

Am heutigen Tag wird Mulvaney seinen Budgetplan präsentieren. Werfen Sie einen Blick auf die US-Staatsanleihemärkte. Nicht auszuschließen, dass ein neuerlicher Anstieg der Zinsen auf T-Bills einen weiteren Abverkauf an den Aktienmärkten zur Folge haben könnte.