Der Kampf um die Gasoberhoheit auf dem europäischen Kontinent verschärft sich. In den Vereinigten Staaten wird inzwischen verstärkt auf einen europäischen Import von Flüssiggas aus den USA gepocht.

LNG-Gas ist deutlich teurer als Pipeline-Versorgung

Allerdings gelangten Industrievorstände im Zuge einer internationalen Ölkonferenz im letzten Jahr zu der Ansicht, dass Flüssiggas aus den Vereinigten Staaten im globalen Vergleich um rund 30 US-Dollar zu teuer ist.

Zu Jahresbeginn warnte eine deutsche Lobbygruppe, dass jedweder Versuch der Vereinigten Staaten von Amerika, europäische Nationen davon abzuhalten, russisches Gas zu importieren, „als Attacke auf die staatsrechtliche Souveränität Europas betrachtet werden muss“.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete in diesem Zusammenhang, dass sich eine Drosselung von europäischen Gaseinfuhren aus der Russischen Föderation durch zusätzlich zu verabschiedende Sanktionen Washingtons gegen Moskau erreichen ließe.

Falls man sich in den USA dazu entscheiden sollte, den europäischen Kauf von russischem Erdgas zu sanktionieren, würde daraus ein Angriff auf die staatsrechtliche Souveränität Deutschlands und Europas resultieren, wie Wolfgang Büchele, Vorsitzender des deutschen Komitees für osteuropäische Wirtschaftsbeziehungen (GCEEER) durch Reuters zitiert wurde.

In den Vereinigten Staaten wird insbesondere mit großem Argwohn auf den angedachten Bau der Pipeline Nord Stream 2 geblickt. Es kursieren in Washington bereits Überlegungen, alle europäischen Unternehmen, die sich in dieses Projekt involviert sehen, mit US-Sanktionen zu belegen.

„Deutschland als Energiedrehkreuz schadet der Ukraine“

Mittels der Pipeline Nord Stream 2 würde Erdgas aus Russland direkt unterhalb der Ostsee nach Deutschland geleitet. Auf russischer Seite sieht sich der in Staatsbesitz befindliche Gazprom-Konzern an der Spitze jener Unternehmen, die Nord Stream 2 zu realisieren beabsichtigen.

Insbesondere Deutschland ist auf diese Weise ins Fadenkreuz der amerikanischen Kritik geraten. Nicht nur, so der Vorwurf, dass Deutschland sich immer abhängiger von russischen Erdgaslieferungen mache, wie es in Washington allgemeinhin heißt.

Aus Sicht der Amerikaner würde im Fall eines Baus der Pipeline Nord Stream 2 auch der Ukraine schwerer ökonomischer Schaden bereitet, da das Land in der Zukunft wichtigen Gasdurchleitungsgebühren verlustig ginge.

Wolfgang Büchele ficht all dies nicht an. Vielmehr ist Büchele der Überzeugung, dass eine Umsetzung des Projekts Nord Stream 2 nicht nur im ureigendsten Interesse Deutschlands, sondern auch Europas liegt.

Denn von Deutschland aus soll das direkt aus Russland empfangene Erdgas dann in Form von weiteren Verteilernetzen auch an eine Reihe von Nachbarländern distribuiert werden. Im Juli des vergangenen Jahres ließ US-Präsident Donald Trump seiner Kritik an dieser Entscheidung ungehemmt freien Lauf.

Alternativlos? Deutschland in Sachen North Stream 2 gespalten

Im Zuge von deutsch-amerikanischen NATO-Verhandlungen in Brüssel bezeichnete Trump „Deutschland als Gefangenen Russlands, weil das Land einen so großen Anteil seiner Energielieferungen aus Russland bezieht“. Trump twitterte wie folgt:

Der ehemalige Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ist Chef der Pipeline-Firma, die das Erdgas liefern soll. Schlussendlich wird sich Deutschland durch Russland kontrolliert sehen, da es ab diesem Zeitpunkt fast 70 Prozent seiner Gaseinfuhren aus Russland erhalten wird. Sagen Sie mir, ob das angemessen ist? So etwas hätte von Anfang an nicht erlaubt werden dürfen. Deutschland sieht sich also komplett durch Russland kontrolliert.

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) July 11, 2018

Nun ist es so, dass der potenzielle Bau der Pipeline Nord Stream 2 selbst die politische Klasse in Deutschland entzweit hat.  Der deutsche Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder nimmt sowohl  eine hochrangige Position in der Holding Company von Nord Stream 2 als auch bei den russischen Energieriesen Gazprom und Rosneft ein.

Hinzu kommt, dass Schröder und Putin eine lang anhaltende Männerfreundschaft verbindet. Oilprice.com führte hierzu vor wenigen Tagen unter Bezugnahme auf einen Bericht von Bloomberg aus, dass die Unterstützung für einen Bau der Pipeline Nord Stream 2 in Deutschland sinkt.

Aus geopolitischen Gründen wendeten sich führende Politiker in Bundeskanzlerin Angela Merkels Koalitionsregierung von einem Bau der Pipeline ab. Die Begründung lautet, dass eine Umsetzung des Pipelineprojekts der Russischen Föderation eine „freiere Hand“ in der Ukraine geben würde.

Der GCEEER-Vorsitzende Wolfgang Büchele will von alldem nichts hören. Denn seiner Ansicht nach gäbe es zu russischen Erdgaslieferungen an Deutschland und Europa keine Alternative. Auch vertritt Büchele die Ansicht, dass Flüssiggas aus den USA nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern auch viel teurer als russisches Erdgas ist.

Diese Zusammenfassung für CK*Wirtschaftsfacts basiert auf einem Originalbericht, der auf der Seite des Finanzblogs Zerohedge veröffentlicht wurde.