Eine vor Kurzem publizierte Wall Street Journal/NBC Umfrage, die auf dem bisherigen Höhepunkt des Showdowns zwischen den Vereinigten Staaten und Russland über die Ukraine veröffentlicht wurde, zeigte, dass große amerikanische Bevölkerungsteile ihre Regierung dazu auffordern, sich von der internationalen Weltbühne zurückzuziehen. Die Studie mit dem Namen „Americans Want to Pull Back from World Stage“ hatte zum Ergebnis, dass 47% aller Befragten Washington zu einer weitaus weniger aktiven Rolle in geostrategischen Fragen auffordern.

Dies entspricht einer prozentual weitaus höheren Anzahl von Befragten als im Jahr 2001.
Die Studie zeigte zudem, dass US-Präsident Obama mit Blick auf die Einschätzung zu seiner Außenpolitik auf rekordniedrige Umfragewerte blickt. Zusätzlich zeigte eine durch das Pew Research Center bereits im Dezember durchgeführte Umfrage (mit interessanten Charts), dass eine Mehrheit der Amerikaner – erstmals in den letzten 50 Jahren – davon überzeugt ist, dass sich die USA auf ihre eigenen, und nicht auf internationale Probleme konzentrieren sollten.

Wie das Pew Research Center zuletzt mitteilte, sprechen sich die Amerikaner aktuell mit einem Ergebnis von 2:1 gegen militärische Hilfe für die Ukraine aus. Aus einer anderen im April durchgeführten Umfrage von YouGov ging hervor, dass sich lediglich 14% aller Amerikaner davon überzeugt zeigen, dass die USA irgendeine Verantwortung tragen, um sich in den Konflikt in der Ukraine einzumischen. Nur 18% gaben an, dass Washington die Pflicht habe, der Ukraine im Fall einer russischen Invasion beizustehen.

Durch das gesamte politische Spektrum (Demokraten, Republikaner und Unabhängige) zieht sich hingegen die Ansicht, dass die USA keinerlei Verpflichtung hätten, sich als Schutzmacht der Ukraine aufzuspielen. Diese Umfrageergebnisse sind wohl für kaum jemanden eine große Überraschung, inklusive der stets Kriege befürwortenden Kriegsfraktion in Washington D.C.

Schon im Jahr 1999 fragte ein Kongressabgeordneter im Zuge der Präsentation der Kosovo-Pläne, warum es die USA eigentlich kümmerten, wer in Pristina das Sagen habe, während 90% aller Amerikaner den Kosovo nicht einmal auf der Landkarte finden könnten. Das US-Repräsentantenhaus billigte die Aggression der Clinton-Administration mit Blick auf einen Bruch einer ganzen Reihe von internationalen Gesetzen nicht, doch Clinton ignorierte diesen Beschluss einfach.

Kürzlich berichtete die Washington Post, dass nur einer von sechs Amerikanern die Ukraine auf der Landkarte finden könne. Warum sollte es die Amerikaner also scheren, ob die Krim ein Teil der Ukraine oder jetzt wieder ein Teil Russlands ist, wozu die Halbinsel seit Katharina der Großen bis zu Chruschtschows Entscheidung im Jahr 1956 gehörte. Weshalb soll es plötzlich Angelegenheit der Amerikaner sein, sich um eine Durchsetzung der durch Josef Stalin angestrebten und ethnisch begründeten Ordnung der Vielfalt in der UdSSR zu kümmern?

Damals war die Ukraine ein Teil der Sowjetunion. Nichtsdestotrotz hat sich die Regierung von Präsident Obama dazu entschlossen, den russischen Bären und gleichzeitig auch noch den chinesischen Tiger (unter Bezugnahme auf die pazifischen Sengaku Inseln) zu reizen und herauszufordern. Obschon ein hoher prozentualer Anteil der Amerikaner dieser neuen Politik des Kalten Krieges nicht zustimmt, stellt sich die berechtigte Frage, wessen Interessen hier eigentlich nachgegangen wird?

Ich möchte die Antwort vorwegnehmen. Denn gleich im Anschluss stellt sich darüber hinaus die Frage, wer am Ende samt seiner Kinder und Enkel die durch die US-Kriegsfraktion herbei geführte Verschuldung bezahlen muss! Jüngste Schätzungen zu den so genannten „Anti-Terrorkriegen“ zwischen 2002 und 2014 (vor allem im Irak und in Afghanistan) zeigen, dass sich die beiden letzten Administrationen für diese außenpolitischen Abenteuer mit einer Summe von etwa $5 Billionen verschuldeten.

Dies entspricht einem beträchtlichen Teil des Schuldenwachstums auf den heutigen Stand von insgesamt $17,5 Billionen. Victoria Nuland, Staatssekretärin für europäische Angelegenheiten im State Department – und bekannt geworden durch ihren Ausspruch „Fuck the EU“ – hatte erklärt, dass die USA über $5 Milliarden investiert hätten, um die historische Beziehung der Ukraine zu Russland zu untergraben, um Kiew in die US-Interessensphäre zu integrieren.

Diese $5 Milliarden hätten zum Beispiel auch dafür ausgegeben werden können, um Amerika umzubauen, so dass junge Menschen, die sich Geld leihen müssen, um eine Universität zu besuchen, finanziell unter die Arme zu greifen anstatt sie bis ins Erwachsenenalter unter dem Dach ihrer Eltern leben zu lassen. Ron Paul, ehedem texanischer Kongressabgeordneter und US-Präsidentschaftskandidat, erklärte neulich:

Washingtons Rolle bezüglich der eigenen Bemühungen, durch eine Investition von $5 Milliarden irgendwann die Ukraine zu kontrollieren, ist purer Interventionismus und eine Einmischung in die Souveränität anderer Staaten, die in einer Katastrophe enden könnte.“

Mit Unterstützung der USA steht die Ukraine nun an der Schwelle zu einem blutigen Bürger- und Bruderkrieg. Während der Konflikt hoffentlich nicht auch noch zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Russland führen wird, entsprechen die durch die USA und die EU verhängten Sanktionen gegen Russland de facto einem kriegerischen Akt. Es war abermals Ron Paul, der die USA und deren Alliierte bezichtigte, den Ukraine-Konflikt selbst herauf beschworen zu haben, während die westliche Propaganda Russland verantwortlich macht.

Nuland fügte hinzu, dass es bekannte Geschäftsleute und Regierungsoffizielle gebe, die das Projekt einer Unterwanderung der Ukraine unterstützten. Diese sich aus der Kriegsfraktion zusammensetzende Elite – die in erster Linie aus neokonservativen Holzköpfen besteht – hat sich sehenden Auges zu einem fast gänzlich unkontrollierten Monopol in Bezug auf die Auslandspolitik der Vereinigten Staaten gemausert.

Das gilt vor allem mit Blick auf die Regierungen von Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama. Der Ehemann von Nuland ist die neokonservative Speerspitze Robert Kagan, der unter Senator John McCain als Berater gedient hatte. De facto hat dieser elitäre Zirkel die Außenpolitik der USA gekapert. Deren Augenmerk liegt auf weltweiten Regierungs- und Regimeumstürzen, die dann mit „farbenen“ Revolutionsnamen bedacht werden.

Der einstige Zweck der NATO wird zur Verteidigung der US-Dollarhegemonie – gepaart mit übelster Propaganda und immer wiederkehrenden Hitlerisierungen ihrer politischen Gegner – missbraucht. Vielmehr hat sich die NATO schon seit langem einem Expansionsmantra unterworfen, das durch die Kriegstreiber in den USA vorgegeben wird. Nach Milosevic, Hussein, den Mullahs am Persischen Golf, Gaddafi und Assad ist nun Putin an der Reihe, diesem Vergleich mit Hitler anheim zu fallen.

Die neue Weltordnung, die durch Ex-Präsident George Bush auf Basis der Beendigung des Kalten Kriegs verkündet wurde, hat sich bei Licht besehen in ein Aufflackern unzähliger Brand- und Krisenherde rund um den Globus verwandelt. In der Folge sollen nur einige wenige der heißesten Kandidaten beim Namen genannt werden.

Der Irak ist ein gescheiterter Staat, die politische Lage in Ägypten ist außer Kontrolle, Lybien ist in eine Art Bürgerkrieg geschlittert, in Syrien kämpfen die Truppen von Baschar al-Assad gegen islamische Aufrührer, während ein nach dreizehn Jahren erfolgender Rückzug von USA und NATO aus Afghanistan der Stärke der Taliban nichts anhaben konnte. Wie die Ereignisse zeigen, hätten sich USA und NATO mit Schadenfreude zurückhalten sollen als sich Russland damals sang- und klanglos aus dem eigenen Afghanistan-Desaster zurückzog.

Zudem wird sich der NATO-Rückzug aus Afghanistan nach dem Sanktionsbeginn gegen Russland zu einem logistischen Albtraum entwickeln. Zu dumm, dass Moskau einen Transport von Ausrüstungsgütern und Waffensystemen über den russischen Landweg vor Kurzem für die Westmächte sperrte. Die oben aufgezählten Staaten sind nur einige der globalen Hot Spots, was klar beweist, dass die Krieg befürwortende Fraktion in den USA
auf ganzer Linie gescheitert ist.

Darüber hinaus haben unzählige farbene Revolutionen stattgefunden, in den meisten Fällen initiiert und unterstützt durch westliche Organisationen wie zum Beispiel dem National Endowment for Democracy. Das NED ist in diesem Kontext nur eine Organisation unter vielen anderen. Um hier einige dieser „farbenen Revolutionen“ beim Namen zu nennen, ließe sich zum Beispiel auf die Rosenrevolution in Georgien, die Tulpenrevolution in Kirgistan, die Zedernrevolution im Libanon oder die Orange Revolution in der Ukraine im Jahr 2004 verweisen.

Die erste erfolgreiche Revolution mit westlicher Unterstützung fand allerdings in Serbien im Herbst des Jahres 2000 statt, die zu einem Umsturz des Regimes von Slobodan Milosevic führte. Auch in Weißrussland und Syrien wurde versucht, Revolutionen nach ähnlichem Muster zu initiieren, die jedoch fehlschlugen. Jüngster Erfolg ist der im Februar stattfindende Sturz der korrupten, jedoch durch vorangegangene Wahlen legitimierten Regierung von Viktor Janukowitsch in der Ukraine.

Seitdem tut sich vor allem der so genannte Pravi Sektor (Rechter Sektor) der ukrainischen Ultranationalisten hervor, der nun drei Minister in der Kiewer Übergangsregierung stellt. Es ist keine Frage, dass Washington im Hintergrund die Fäden bei diesem Umsturz gezogen hat, um einige auserlesene Protagonisten wie Übergangspremier Jazenjuk in die neue Regierung zu hieven.

In den 1990iger Jahren geriet die Bundesrepublik Jugoslawien in den Fokus, um zu einem Kampfplatz um die Vorherrschaft der durch Washington geführten NATO auf dem Balkan zu werden. Ein geeintes Jugoslawien war dazu nicht zweckdienlich, während ein Fortbestand der Territorialität der Ukraine nun hingegen zu einem Ausrufezeichen avanciert ist. Der jugoslawische Vielvölkerstaat – zusätzlich eine Vielzahl miteinander konkurrierender Konfessionen beheimatend – erwies sich als exzellentes Laboratorium für die Experimente westlicher Mächte.

Eine ehedem rein auf Verteidigung ausgerichtete Organisation wie die NATO avancierte in der Folge immer mehr zum Aggressor. Eine Umsetzung des im Jahr 1996 im amerikanischen Dayton geschlossenen Vereinbarung zu Bosnien-Herzegowina war nur der erste Schritt in Richtung eines durch die USA und die NATO dominierten Osteuropas. Daraus resultierte eine immanente Zurückweisung der bis dahin bestehenden NATO-Charter. Die NATO hat sich auf dieser Basis dramatisch verändert, weil die Zielsetzungen heute andere sind.

Ursprünglich wurden 60.000 NATO-Soldaten in Bosnien-Herzegowina stationiert. Der Angriffskrieg der NATO fand seinen Höhepunkt in dem etwa 80-tägigen Bombardement der zu diesem Zeitpunkt nur noch auf Serbien und Montenegro zusammengeschrumpften Bundesrepublik Jugoslawien. Welche Bedrohung ging von diesem souveränen Staat eigentlich für die Vereinigten Staaten aus?

siehe dazu: Absurdistan auf dem Balkan

Aus dem Rückspiegel der Ereignisse betrachtet, avancierten diese Aktivitäten der durch die USA geführten NATO zum ersten Schritt eigener Machtexpansion hin nach Osten. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der US-Dollar zur Weltreserveleitwährung auf – und damit auch zum Rückgrat des globalen Handels. Diese Entwicklung half den Vereinigten Staaten dabei, die Weltwirtschaft zu dominieren.

Seit dem Jahr 1971 – und in horrend steigendem Ausmaß nach dem Finanzkrisenhöhepunkt 2008 – druckte die Federal Reserve ungeahnte Dollarsummen, wodurch die amerikanischen Staatsschulden explodierten. Das Budgetbüro des amerikanischen Kongresses schätzte schon in 2010, dass die US-Staatsschulden auch in den nächsten Jahren exorbitant wachsen werden.

Diese Entwicklung hat bereits dazu geführt, dass ausländische Investoren ihre Dollarkäufe reduziert haben. Es macht langsam – auch und vor allem unter Betrachtung der Pläne in den BRICS-Ländern – den Eindruck, als würde der US-Dollar einen Teil seiner so wichtigen Hegemonie schon seit einiger Zeit einbüßen. China wird die USA bald als größte Wirtschaft der Welt ablösen. Gleichzeitig legt die Volksrepublik gerade den Grundstein, um den Yuan zu einer internationalen Handelswährung zu machen.

Die anderen BRICS-Länder, unter anderem Russland, Brasilien, Indien und Südafrika, haben ebenfalls Schritte eingeleitet, um sich in ihrem bilateralen Handel vom USD abzuwenden. Nun, da der Westen Sanktionen gegen Russland verhängte, scheinen sich nicht nur die USA, sondern auch die europäischen Staaten selbst ins eigene Knie zu schießen. Wladimir Putin spricht heute vollkommen unverblümt darüber, Pläne zu verfolgen, um sein Land vom US-Dollar abzukoppeln.

Auch Gazprom äußerte sich bereits in ähnlicher Weise. Dazu gehört auch, dass der Öl- und Gasriese erstmals in seiner Unternehmensgeschichte darüber nachdenkt, eine in Yuan denominierte Anleihe zu emittieren.

Die USA blicken auf eine lange Geschichte in Bezug auf die Verteidigung der eigenen Dominanz ihres US-Dollars. Staaten, die diese Dollarhegemonie in Frage stellten – oder sich wie Saddam Hussein unilateral von ihr abwenden wollten – wurden entsprechend bestraft. Auch der ehemalige Staatschef Libyens, Muammar Gaddafi, ereilte dasselbe Schicksal, nachdem er einen pannordafrikanischen Golddinar zur Abrechnungsbasis von Rohölausfuhren machen wollte. Eine anvisierte Dollarabkopplung kann heute ganz schnell zum Tod führen.