Amerikas Rohölförderung ist seit Erreichen des Produktionshochs im Jahr 2015 um mehr als 600.000 Barrel pro Tag gesunken. Resultat ist, dass die Vereinigten Staaten wieder zu einem Nettoimporteur von Rohöl avanciert sind. Wie Bloomberg berichtete, sind die Rohölimporte der USA zum ersten Mal seit mehr als fünf Jahren gestiegen. Gleichzeitig platzen die Öllager aus allen Nähten, was insbesondere an einem schwer zu durchbrechenden Teufelskreislauf liegt.

Wie anders lassen sich neueste Daten der U.S. Energy Information Administration (EIA) interpretieren, als dass Saudi-Arabien auf dem Weg zu sein scheint, den globalen Ölkrieg gegen die Vereinigten Staaten und deren Fracking-Produzenten zu gewinnen?!! Auch Kanada befindet sich wirtschaftlich aufgrund einer unrentablen Ölsandförderung unter erheblichem Druck.

US-Rohölimporte steigen stetig

Wie die Daten der EIA zeigen, sind Amerikas Rohölimporte über einen Zeitraum der letzten drei Monate um durchschnittlich knapp 8 Millionen Barrel pro Tag geklettert. Damit liegen die Rohölimporte der Vereinigten Staaten im Vergleich mit dem 1. Quartal des Vorjahrs um rund 10% höher.

Analysten weisen darauf hin, dass es sich nicht um eine Eintagsfliege handele. Vielmehr verstetige sich das seit Jahresbeginn zu beobachtende Muster. Die kletternden Rohölimporte der Vereinigten Staaten wurden insbesondere durch sich beschleunigende Lieferungen aus Saudi-Arabien, Nigeria und Venezuela angekurbelt.

Wer zeitlich in wenig weiter zurückblickt, erkennt, dass Amerikas Rohölimporte bereits seit Mitte des Jahres 2015 am Klettern sind. Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Einerseits wachsen die Rohölimporte aufgrund einer starken Nachfrage seitens Ölraffinerien in den USA. Und andererseits sinkt die Rohölförderung in den heimischen Fracking-Feldern beständig. 

Rohöl wird ebenfalls importiert, um es in den USA in Tanklagern zu speichern. Ölhändler favorisieren eine Rohöllagerung in den Vereinigten Staaten, da es sich bei dem Land um einen Nettokonsumenten von Rohöl handelt. Gleichzeitig verfügt das Land über ein gut vernetztes Bankensystem und eine gut ausgebaute Öllagerinfrastruktur.

Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass amerikanische Rohölproduzenten, die sich im Angesicht des Fracking-Booms bis über beide Ohren verschuldeten, nicht mehr länger über Preisvorteile gegenüber ausländischen Konkurrenten verfügen, wenn diese ihre Produktion an heimische Raffinerien verkaufen.

In den Vereinigten Staaten ansässige Raffinerien kaufen nun Rohöl im Ausland zu, um die heimische Produktionslücke zu schließen. Nicht nur Raffinerien, sondern auch Ölhändler lagern die stark verbilligten Rohölimporte größtenteils in den USA, um dieses zu verkaufen, wenn die Rohölpreise wieder steigen.

Ironie an Amerikas Fracking-Boom ist, mit dem insbesondere eine sich stark erhöhende Förderung von Leichtöl einherging, dass die Raffinerien in den USA zum selben Zeitpunkt Milliarden von US-Dollars ausgaben, um Schweröle weiterzuverarbeiten. Ein großer Teil des durch die USA importierten Rohöls wird gehortet.

Analysten: Anreize zur Rohölförderung und -hortung bleiben hoch

Ende März lagen die in den USA gelagerten Rohölbestände bei 535 Millionen Barrel. Dieser Wert liegt nicht weit entfernt von dem im Jahr 1929 markierten Allzeithoch. Im Jahr des großen Börsenkrachs erreichten die Lagerkapazitäten in den USA einen Rekordwert von 545 Millionen Barrel.

Auch zu Beginn der großen Depression im Jahr 1929 gingen große Rohölfunde in den USA bei gleichzeitig rückläufiger Nachfrage mit explodierenden Lagerbeständen und Preisverfall Hand in Hand. Analysten sind der Ansicht, dass die Anreize hoch bleiben werden, Rohöl zu fördern und zu lagern bzw. zu horten, solange die Futures-Preise höher bleiben werden als die Sportmarktpreise.

Für die amerikanische Ölindustrie erweist sich diese Entwicklung nicht gerade als vorteilhaft. Denn umso stärker die US-Rohölbestände steigen, desto mehr erhöht sich der Abwärtsdruck auf die kurzfristigen Preise. Auf diese Weise wachsen wiederum die Anreize zur Lagerung von Rohöl – ein Teufelskreislauf.

Ein weiterer Fehlanreiz durch zu viel billiges Geld

Einziger Weg, um diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen, wäre, wenn die Zinsen in den USA steigen sollten. Denn auf diese Weise würden sich die Finanzierungskosten zum Bau von Lagerkapazitäten für Rohöl in den Vereinigten Staaten erhöhen. Solange das Geld jedoch derart billig sei, würde es in den Ausbau der Lagerkapazitäten in den USA fließen.

Analysten weisen ebenso darauf hin, dass im Falle eines anhaltenden Preis- und Ölkriegs zu einem gewissen Zeitpunkt eine politische Antwort auf diese Entwicklung erfolgen wird. Denn immer mehr amerikanische Ölproduzenten würden dann aus dem Wettbewerb ausscheiden, was auch die Kredit gebenden Banken einmal mehr in Schieflage bringen würde.