Laut jüngster Daten der Zentralbank beschleunigte sich Venezuelas Inflationsrate auf annualisierter Basis im Monat Februar auf 57,3%. Wie sich zeigt, tragen die durch die Regierung beschlossenen Preiskontrollen, zu deren Durchsetzung selbst Militäreinheiten in manche Geschäfte der Hauptstadt Caracas ausgesendet wurden, nicht dazu bei, die Lage an der Preisfront in den Griff zu bekommen. Im Gegenteil befindet sich das südamerikanische Land im ersten Stadium einer Hyperinflation.

Venezuela befindet sich laut offizieller Lesart in der ersten Phase einer Hyperinflation, und was wir hier sehen, ist in der Tat nichts anderes als Hyperinflation in Aktion. Analysten bei Goldman Sachs definieren annualisierte Preissprünge von mehr als 40% auf saisonbereinigter Basis als Hyperinflation.

Vor allem Massenproteste und der Ausbruch von gewaltsamen Ausschreitungen leisteten ihren Beitrag zu den fatalen und die innenpolitische Lage verschärfenden Preisauftrieben.
So zeigt sich, dass die Preise im letzten Monat nochmals in die Höhe schossen, nachdem Demonstranten im ganzen Land auf die Straßen zogen, um ihrer Frustration über die sozialistische Regierung von Staatspräsident Maduro Ausdruck zu verleihen.

Laut venezolanischer Behörden ist es im Rahmen dieser Proteste bereits zu mehr als 30 Toten und Hunderten von Verletzten gekommen. Die ausgebrochenen Unruhen hätten begonnen sich negativ auf die landesweite Versorgungskette auszuwirken und führten in letzter Zeit zur Unterbrechung von Arbeitsprozessen wie es vor einigen Tagen auf der Webseite der Zentralbank hieß.

Laut Aussage von Staatspräsident Maduro, sehe sich seine Regierung einem Wirtschaftskrieg ausgesetzt, der seitens „ideologischer Feinde seiner linksgerichteten Regierung begonnen und geführt“ werde. Dieser Vorwurf schließe nicht nur die innerpolitische Opposition des Landes, sondern auch destabilisierende Maßnahmen der Washingtoner US-Regierung mit ein. Manche US-Gesetzgeber gaben bekannt, dass sie Sanktionen gegen Venezuelas Regierung verhängen wollen.

Begründet werden diese absehbaren Maßnahmen von amerikanischer Seite, da die Regierung in Caracas eine “Terrorkampagne” gegen den in politischer Opposition stehenden Anteil der Bevölkerung führe. Im US-Senat wurde unterdessen schon ein Gesetzesentwurf eingebracht, der es US-Präsident Barack Obama erlauben würde, Offizielle der Regierung in Caracas mit Sanktionen zu belegen.

Der Gesetzesentwurf enthält darüber hinaus auch einen Zusatz, nach dem der politischen Opposition in Venezuela weitere 15 Millionen US-Dollar im Kampf gegen die Regierung zur Verfügung gestellt würden. Die politischen Gegner von Staatspräsident Maduro sind der Ansicht, dass die landesweiten Demonstrationen teilweise durch die Maßnahmen seiner Regierung losgetreten worden seien.

Auch eklatante Misswirtschaft, die in den letzten Wochen zu Engpässen bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln geführt habe, machen seine Kritiker für die explosive Lage im Land verantwortlich. Dabei verfügt Venezuela über einen großen Erdölreichtum. Doch im Zuge einer Verstaatlichung sanken die Produktionszahlen der heimischen Ölindustrie in den letzten Jahren wie ein Stein.

Der wichtigste Devisenbringer des Landes dümpelt somit vor sich hin, eine Renaissance ist aufgrund mangelnder Investitionen bislang nicht in Sicht. Die Zentralbank verzeichnete im Februar einen Sprung der Inflation von 2,4% gegenüber dem Vormonat, was zumindest eine leichte Verbesserung gegenüber dem im Januar gemessenen Preissprung von 3,3% darstellt. Trotz allem kletterte die Inflation im Februar auf Jahresbasis weiter, nachdem im letzten Jahr ein Preissprung von 1,6% verzeichnet wurde.

Vor allem im Gesundheits- und Erholungssektor machten die Preise im Februar einen Sprung von 4,1%. Restaurants und Hotels berichteten über eine Zunahme der Preise von 3,9%, was auch für Alkohol- und Tabakprodukte gilt. Die Zentralbank sah davon ab, im Februar ihren so genannten „Knappheitsindex“ zu veröffentlichen – ein Maßstab für kaum mehr erhältliche Elementargüter. Im Januar lag dieser Knappheitsindex bei 28%, und somit auf dem höchsten Niveau, seitdem die Zentralbank diese Kennzahl im Jahr 2005 einführte. 

In der vergangenen Woche erfolgte schließlich eine seit langem versprochene Überprüfung der strengen Währungskontrollen durch die venezolanischen Behörden. Diese Kontrollen werden hauptsächlich dafür verantwortlich gemacht, den Importfluss abzuwürgen und das wirtschaftliche Wachstum des Landes schwer zu beeinträchtigen. Laut Regierung werde man die Währungsregulierung weiter entspannen, um zu einer marktorientierten Wechselkursrate zurückzukehren.

Die venezolanischen Behörden haben die dafür zur Verfügung gestellte Menge an US-Dollars allerdings noch nicht gänzlich bekannt gegeben. Erst in der letzten Woche erfolgte eine weitere offizielle Abwertung des Bolivar gegenüber dem US-Dollar im Unternehmenssektor (SICADII). Danach verlor der Bolivar um einen Schlag um 88% an Wert gegenüber der US-Währung. Trotz allem geht die große Besorgnis unter den Unternehmen im Land um, dass das neue Wechselkurs-System nicht dazu in der Lage sein wird, die über Wochen aufgestaute US-Dollar Nachfrage zu befriedigen.