Während die Vereinigten Staaten die meisten ihrer Sanktionen gegen Teheran trotz allem aufrecht erhielten, begannen China und Russland – so wie auch viele europäische Staaten – damit, Vorteile aus dem Handel mit einem Iran zu ziehen, der sich entschlossen dazu zeigt, seine Geschäftsaktivitäten mit dem Rest der Welt auszuweiten.

Jetzt droht US-Präsident Trump allen Staaten in der Welt die Verhängung von US-Sanktionen an, die sich dazu entscheiden, weiterhin Handel mit dem Iran zu betreiben. Doch wird Trumps Versuch, den vor Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran vorherrschenden Status Quo wieder herzustellen, von Erfolg gekrönt sein?

Ölpreise steigen – Trumps Twittergewitter wenig erfolgreich

Selbst wenn die Europäer sich den Forderungen Washingtons beugen sollten, hat sich die Welt seit der Zeit vor Abschluss des Iran-Abkommens weitläufig verändert.US-Präsident Trump sieht sich gerade mit der Situation konfrontiert, dass seine Drohungen und hitzige Rhetorik nicht immer zu den von ihm gewünschten Effekt führen.

Während seine Administration andere Länder dazu aufruft, den Kauf von iranischem Erdöl bis November zu stoppen, oder dem Risiko einer Bestrafung durch die Vereinigten Staaten ins Auge zu blicken, treiben nervöse Akteure an den internationalen Rohölmärkten die Preise für ein Fass Erdöl stetig höher.

Auf diese Weise wird die ökonomische Prosperität, für die sich Trump selbst so oft selbst auf die Schulter klopft, einer Bedrohung ausgesetzt. US-Präsident Trump reagierte hierauf, indem er die OPEC dazu aufrief, ihre Ölproduktion um zwei Millionen Fass pro Tag auszuweiten, um die Akteure an den Rohölmärkten zu beruhigen und die Ölpreisentwicklung zu dämpfen.

Saudis dementieren – die Welt ist auf Öl aus dem Iran angewiesen

Vielleicht hat Donald Trump bisher niemand mitgeteilt, dass es sich im Fall des Irans um ein Gründungsmitglied der OPEC handelt? Als US-Präsident Trump in der letzten Woche eine Twitter-Botschaft absetzte, laut der sich Saudi-Arabien dazu bereit erklärt habe, die eigene Ölproduktion wieder anzukurbeln, um die Ölmarkt-Blockade des Irans auszugleichen, folgte eine Korrektur der Saudis sehr schnell auf dem Fuße.

Danach habe Saudi-Arabien keinerlei Versprechungen zu einer baldigen Ausweitung seiner Erdölproduktion abgegeben, obwohl das Land sich dazu in der Lage sehen würde, die eigene Förderung zu steigern, falls dies notwendig werden sollte.

Wahrheit in diesem perfiden Spiel ist, dass es dem Rest der Welt sehr schwer fallen würde, den Ausfall von rund 2,7 Millionen Fass Erdöl, mit denen der Iran die globalen Rohölmärkte zurzeit versorgt, zu kompensieren, falls auf internationaler Ebene die Entscheidung getroffen würde, Trumps Forderungen nachzugeben, US-Sanktionen gegen den Iran abermals statt zu geben und den Kauf von iranischem Erdöl zu boykottieren.

Trump klingt fast schon verzweifelt

Venezuela, das über enorme Erdölreserven verfügt, doch selbst – neben anderen Problemen – im Fokus von US-Sanktionen steht, büßt in einem immer stärkeren Ausmaß Marktanteile am Weltrohölmarkt ein.

Der Irak ist seit der „Befreiung“ des Landes durch die USA im Jahr 2003 und den sich daran anschließenden Eroberungswellen durch al-Qaida und ISIS noch immer nicht zu seinen einstigen Förderquoten zurückgekehrt.

Würde die amerikanische Wirtschaft in einem solchen Fall crashen? Vielleicht. Ist Trump dazu bereit, dieses Risiko einzugehen? US-Präsident Trumps in der vergangenen Woche aufgestellte Forderung in Richtung der OPEC, „die Ölpreise jetzt zu reduzieren“ oder einem Ende der Fortsetzung des militärischen Schutzes der OPEC-Länder durch die USA ins Auge zu blicken, klang fast schon verzweifelt.

In der vergangenen Woche berichtete Bloomberg, dass „ein kompletter Stopp der iranischen Erdöllieferungen die internationalen Rohölpreise auf über $120 pro Fass befördern könnte, falls Saudi-Arabien sich nicht dazu in der Lage sehen sollte, diesen Ausfall zu kompensieren“.

gal, was auch geschehen mag, erweist sich Trumps Direktheit und Plumpheit jeweils als erfrischend: Falls Sinn und Zweck des US-Militärs, das über ein jährliches Budget von rund einer Billion Dollar verfügt, in einem Schutz der OPEC-Nationen im Austausch für „billiges Erdöl“ liegt, wie Trump anmutet - wie günstig ist Erdöl dann tatsächlich?

China und Russland werden keine Folge leisten – vielleicht sogar profitieren

Am Ende dieser Geschichte werden China, Russland und andere Nationen den Forderungen Trumps nach einer erneuten Isolierung des Irans wahrscheinlich keine Folge leisten, sondern vielmehr werden diese Länder den Versuch unternehmen, aus Trumps Voreingenommenheit gegenüber dem Iran selbst Vorteile zu ziehen.

Ein chinesischer Raffineriebetrieb hat gerade erst angekündigt, Bestellungen von US-Erdöl zu stornieren, um sich anstelle dessen mit iranischem Erdöl beliefern zu lassen. Wie viele andere Nationen werden diesem Beispiel folgen, und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

Die weiseste Herangehensweise erweist sich in der vorherrschenden Situation unglücklicherweise als die unwahrscheinlichste: Lasst ab von Regimewechsel-Aktivitäten, lasst ab von kriegerischen Aktivitäten und lasst ab von der Sanktionierung anderer Länder.

Ironischerweise könnte US-Präsident Trumps „harte“ Haltung gegenüber dem Iran zur Vorteilsnahme unter Washingtons erklärten Feinden Russland und China führen – vielleicht wird gar der Iran selbst davon profitieren.

Trump wird schlussendlich vielleicht herausfinden, dass die Kosten, die sich aus der Ignoranz dieses Ratschlags ableiten, höher liegen werden, als er es sich jemals hätte vorstellen können.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2018 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas einst auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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