Washingtons IQ folgt demselben Pfad wie der Schlüsselzinssatz der Federal Reserve – er befindet sich im negativen Bereich. Washington gleicht einem schwarzen Loch, in dem jedwede Vernunft aufgrund der eigenen Regierungsagenda versackt. Washingtons Versagen lässt sich überall beobachten. Wir können dieses Versagen anhand der durch Washington geführten Kriege beobachten, wie auch in der Weise, auf die Washington China und Russland begegnet. 

Der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping war vorgesehen für dieses Wochenende, auf die Visite des Papstes in Washington folgend. Ist dies die Art Washingtons gewesen, um Chinas politischen Status in der Welt zu degradieren, indem man den Präsidenten des größten Gläubigers der Vereinigten Staaten nach dem Papst nur die zweite Geige spielen ließ?

Befand sich der Präsident Chinas am abgelaufenen Wochenende nur zur Fütterung der heimischen Medienberichterstattung in unserem Land? Warum teilte Obama ihm nicht gleich mit, zur Hölle zu fahren? Washingtons Inkompetenz auf dem Gebiet des globalen Internets und dessen Unfähigkeit, für die Sicherheit des eigenen Netzes zu sorgen, wird China in die Schuhe geschoben.

Am Tag bevor Xi Jinping in Washington eintraf, sah das Warm Up zu Präsident Jinpings Staatsbesuch seitens des Pressesekretärs des Weißen Hauses dergestalt aus, davor zu warnen, dass Obama China mit einer Verhängung von Finanzsanktionen drohen könnte. Um keine Chance zu einer Beleidigung oder Drohung gegenüber Chinas Staatspräsident auszulassen, warnte der US-Handelsminister zudem davor, dass die Obama-Regierung unglücklich mit den wirtschaftlichen Entscheidungen Chinas sei.

2. größter Gläubiger der Welt

Chinas Staatspräsident durfte also mit keinem entspannten Treffen in Washington rechnen. Im Gegensatz dazu wurde Obama mit aller Höflichkeit und großem Respekt behandelt, als dieser zum Staatsbesuch in China weilte. China ist nach der Federal Reserve Amerikas größter Gläubiger in der Welt. Wenn China böse Absichten verfolgte, könnte die Pekinger Regierung Washington eine ganze Reihe von ernsthaften Problemen bereiten. Diese Probleme wären nicht nur finanzieller, sondern auch militärischer Natur.

Doch bislang behält China den Weg des Friedens bei, während Washington Drohungen ausstößt. So wie China betreibt auch Russland eine Außenpolitik, die unabhängig von derjenigen Washingtons ist. Und es ist eben jene politische Unabhängigkeit, die sowohl China als auch Russland automatisch in Opposition zu Washington versetzt. Denn Washington empfindet Staaten, die eine unabhängige Außenpolitik betreiben, als Bedrohung. Auch Lybien, der Irak und Syrien betrieben dereinst eine unabhängige Außenpolitik.

Washington hat bereits zwei dieser drei Länder zerstört und ist gerade dabei, dieses Ziel auch im dritten Land zu erreichen. Der Iran, Russland und China verfolgen eine unabhängige Außenpolitik. Folglich werden diese Staaten in Washington als Bedrohung empfunden, was dazu führt, dass diese drei Länder in der amerikanischen Öffentlichkeit auch auf eben jene Weise dargestellt werden. Russlands Präsident Wladimir Putin wird sich in dieser Woche mit Obama im Zuge der anstehenden Konferenz der Vereinten Nationen in New York treffen.

Treffen ohne Erfolgsmeldungen

Es handelt sich um ein Treffen, dass wahrscheinlich ohne irgendwelche Erfolgsmeldungen enden wird. Putin ist geneigt, Obama russische Unterstützung im Kampf gegen ISIS zu offerieren, doch Obama versucht die Existenz von ISIS dazu zu nutzen, den syrischen Präsidenten al-Assad vom Thron zu stürzen, um in Syrien eine Marionettenregierung von Gnaden Washingtons zu installieren. Ziel ist, Russland aus seiner Marinebasis im syrischen Tartus hinaus zu komplementieren. Obama ist nach wie vor davon besessen, Putin dazu zu zwingen, Russlands Marinehafen auf der Krim und die abtrünnigen Regionen in der Ukraine auszuhändigen.

Doch eben jene abtrünnigen Regionen widersetzen sich der russophoben Regierung in Kiew, die durch Washington installiert wurde, mit Vehemenz. Trotz Washingtons Feindseligkeit versuchen sowohl Xi Jinping als auch Putin weiterhin mit Washington zu kooperieren, selbst wenn damit das Risiko Hand in Hand geht, vor den Augen der eigenen Bevölkerungen politisch gedemütigt zu werden. Wie viele Beleidigungen, Bezichtigungen und diversen Bezeichnungen (wie beispielsweise „der neue Hitler“) können Putin und Xi noch akzeptieren, bevor beide das eigene Gesicht in der Heimat verlieren könnten? 

Wie können beide Staatsmänner ihre Länder politisch regieren, wenn für deren jeweilige  Bevölkerungen die Schande, die über beide durch Washington gebracht wird, spürbar wird? Sowohl Xi als auch Putin setzen weiterhin auf die Einhaltung des internationalen Friedens. Sind beide Staatsmänner geblendet oder sind beide mit allen Mitteln darum bemüht, die Welt vor einem finalen Krieg zu bewahren?  

Wolfowitz-Doktrin

Man lässt sich annehmen, dass sich Putin und Xi über die Wolfowitz-Doktrin bewusst sind. Dabei handelt es sich um die Basis der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik. Doch unter Umständen können sich beide nicht vorstellen, dass auch nur irgendetwas derart kühn Absurdes zur Realität werden könnte. Um es an dieser Stelle in Kürze zu wiederholen, geht aus der Wolfowitz-Doktrin hervor, dass Washingtons Hauptziel sich daran orientiert, den politischen Aufstieg irgendeines anderen Landes, das zu einer ernsthaften Gefahr im Hinblick auf den hegemonialen Machtanspruch Washingtons avancieren könnte, mit allen Mittel zu verhindern. 

Somit handelt es sich in Bezug auf die Russland geltende Attacke Washingtons in der Ukraine bei der gleichzeitig durch Washington vorangetriebenen und sich gegen China richtenden Remilitarisierung Japans um reine Machtinstrumente. Und dies, obwohl in Japan eine starke Opposition von rund 80% der japanischen Bevölkerung gegen diese Entscheidungen herrscht. „Demokratie”? Werden Sie sich darüber bewusst, wie Washingtons jepanischer Marionettenregent über diese Dinge urteilt.

„Washington braucht sich nicht an demokratischen Regeln zu halten“, wie Washingtons stellvertretender Machthaber in Japan erklärt. Bedenken bestehen dabei keine, obwohl Washingtons treuer politischer Diener die Sorgen einer immensen Mehrheit der japanischen Bevölkerung mit Füßen tritt.

Amerikanische Wirtschaft geht den Bach runter

In der Zwischenzeit geht die reale Basis der amerikanischen Vorherrschaft – nämlich dessen Wirtschaft – weiter den Bach hinunter. Mittelklassejobs sind zu Millionen von der Landkarte verschwunden. Auch der Zustand der amerikanischen Infrastruktur leidet. Amerikanische Frauen im jugendlichen Alter, die von ihren ausstehenden Studentenschulden, Mietzahlungen und Transportkosten erdrückt werden und oft nur schlecht bezahlten Teilzeitbeschäftigungen nachgehen, posten auf diversen Internetseiten ihre Sorgen, um sich zu Geliebten von Männern zu machen, die über ausreichend finanziellen Background verfügen, um bei der Bezahlung von deren Rechnungen behilflich zu sein.

Hierbei handelt es sich um das typische Image eines Drittweltlandes. Schon im Jahr 2004 sagte ich im Rahmen einer landesweit im US-Fernsehen ausgestrahlten Konferenz in Washington D.C. voraus, dass die Vereinigten Staaten in den nächsten 20 Jahren zu einem Drittweltland avancieren würden. Noam Chomsky ist der Ansicht, dass wir es bereits im laufenden Jahr 2015 dorthin geschafft haben. Hier folgt ein jüngstes Zitat von Chomsky:

„Sehen Sie sich in unserem Land um. Dieses Land ist dabei, auseinander zu fallen. Selbst wenn Sie aus Argentinien in die USA zurückkehren, vermitteln die Vereinigten Staaten den Eindruck eines Drittweltlandes. Und wenn Sie aus Europa hierher zurückkehren, dann haben Sie diesen Eindruck noch in einem verstärkteren Maße. Unsere heimische Infrastruktur ist am Kollabieren. Kaum etwas funktioniert mehr. Das Transportsystem funktioniert nur noch mehr schlecht als recht oder überhaupt nicht. Im Hinblick auf das nationale Gesundheitssystem handelt es sich um einen einzigen Skandal. Dessen Kosten liegen pro Kopf doppelt so hoch als diejenigen anderer Länder, während das System als solches größtenteils ineffizient. Auch unser Schulsystem befindet sich in einem rapiden Abstieg....“

Eine weitere Indikation bezüglich eines Drittweltlandes leitet sich aus der enormen Ungleichheit im Hinblick auf die Einkommensschere und den Reichtum in unserem Land ab. Unter Bezugnahme auf Daten der CIA höchst selbst, verfügen die Vereinigten Staaten nun über eine der schlechtesten Einkommensverteilungen in der ganzen Welt. 

Die Einkommensverteilung in den USA ist laut dieser Daten gar schlechter als in Staaten wie Afghanistan, Albanien, Algerien, Armenien, Aserbaidschan, Bangladesch, Weißrussland, Benin, Bosnien-Herzegowina, Burkina Faso, Burundi, Kambodscha, Kamerun, Ägypten, der Elfenbeinküste, Äthiopien, Ghana, Guinea, Guyana, dem Iran, Indonesien, Indien, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Kirgisien, Laos, Liberia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mauritius, Marokko, Moldawien, der Mongolei, Nepal, Nicaragua, Niger, Nigeria, Pakistan, den Philippinen, Senegal, Tadschikistan, Tansania,  Tunesien, der Türkei, Turkmenistan, Uganda, der Ukraine, Usbekistan, Venezuela, Vietnam, Jemen – und in Australien, Österreich, Belgien, Kanada, Kroatien, Zypern, der Tschechei, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Island, Irland, Israel, Italien, Japan, Südkorea, Lettland, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Malta, Montenegro, den Niederlanden, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, der Schweiz, Taiwan und Großbritannien sowie. 

Hier folgen die dazugehörigen Links:

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_income_equality 

https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2172.html 

Bei der Konzentration der Einkommen und des Reichtums in den USA in Händen einiger weniger Superreicher handelt es sich um eine neue Entwicklung in meiner Lebensspanne. Ich führe diese Entwicklung auf zwei Dinge zurück. Erstens auf die anhaltende Auslagerung von amerikanischen Arbeitsplätzen ins überseeische Ausland. Eben jene Jobauslagerung führte zur Abwanderung von einst hoch produktiven amerikanischen Arbeitsplätzen in Staaten, in denen das Überangebot an Arbeitskräften ohnehin zu einem enormen Lohndruck führt. 

„Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ nur noch beshränkt

Die deutlich niedrigeren Arbeitskosten im überseeischen Ausland haben einst höhere amerikanische Löhne und Gehälter, sprich US-Haushaltseinkommen, in Gewinne der Konzerne, Boni zugunsten von Konzern-Managements sowie Kapitalgewinne zugunsten von deren Aktionären transformiert. Gleichzeitig ist der gesellschaftliche Aufstieg, der Amerika einst einmal zu einem Land der unbegrenzten Möglichkeiten gemacht hatte, nicht mehr oder nur noch in sehr eingeschränktem Maße möglich.

Zweitens handelt es sich im Hinblick auf den Grund dieser immensen Ungleichheit, die sich nun in den USA beobachten lässt, um eben jenen Aspekt, den Michael Hudson als „Finanzmarktisierung“, die es Banken erlaubt, immer weniger Kredite an Unternehmen und Verbraucher zu vergeben, um anstelle dessen verstärkt auf Zinszahlungsgeschäfte und den Service von ausstehenden Schulden zu setzen, der heimischen Wirtschaft bezeichnet.

Beide Entwicklungen maximieren die Profite und den generierten Reichtum des obersten Prozents der Gesellschaft. Und zwar zu Lasten der Gesamtgesellschaft und der Wirtschaft. Wie Michael Hudson und ich herausgefunden haben, ist die neoliberale Wirtschaftsdoktrin blind für die zugrundeliegenden Realitäten und dient einzig und allein zur Rechtfertigung der Zerstörung der ökonomischen Zukunft in der westlichen Welt.

Es wird sich zeigen, ob Russland und China anders geartete Ökonomien entwickeln können, oder ob diese aufstrebenden Supermächte sich ebenfalls zu Opfern dieser „Ramschökonomien“, die den Westen zerstören, machen werden. Da es derart viele Ökonomen in China und Russland gibt, die in der Tradition der amerikanischen Irrlehre leben, wird der Ausblick für beide Länder unter Umständen nicht viel besser sein als der unsere. Daher könnte die ganze Welt gemeinsam den Bach hinunter gehen.