Auf eben jene Weise, auf welche die deutschen Medien ihre eigene Glaubwürdigkeit durch eine forcierte Propagandaberichterstattung zerstört haben, zerstört auch die US-Regierung permanent ihre eigene Glaubwürdigkeit, was sowohl im Hinblick auf ihre eigenen Bürger als auch den Rest der Welt der Fall ist.  


Russland und China, die beiden anderen Atommächte von globaler Signifikanz, glauben auch kaum mehr etwas, was aus Washington verlautbart wird. Gleiches gilt in Bezug auf jedwede Vereinbarung, welche von der US-Regierung getroffen und unterzeichnet wird. Sowohl die russische als auch die chinesische Regierung haben beobachtet, dass Washington seinem eigenen Gesetzesrecht keine Folge mehr leistet.

Weitaus schlimmer sieht es mit Blick auf globale Gesetze und Verträge aus, welche durch Washington unterzeichnet wurden. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Washington zuletzt deutlich dafür kritisiert, dass es auf globaler Ebene auf eine Weise handele, als ob Washingtons eigener Wille das einzig bestehende Gesetz in der Welt sei.


Die meisten Europäer wissen, dass sie und ihre Regierungen Vasallen Washingtons sind, und dass die Europäer machtlos sind, um an diesem Zustand etwas zu ändern. Eine wachsende Anzahl unter den 99% der Bevölkerung begreift langsam, dass Washington zusammen mit den oberen 1% der Gesellschaft gegen deren allgemeine Interessen im Verbund steht, und dass sich deren Einkommen und deren ökonomischer Ausblick weiter als rückläufig erweisen werden.


Ökonomen, oder besser gesagt die Wenigen, die ihre Seele bislang nicht verkauft haben, sind sich gewiss darüber bewusst, dass die durch amerikanische Regierungsbehörden publizierten Wirtschafts- und Konjunkturdaten aus einem Zauberhut gezogen werden. Es werden Daten und Zahlen produziert, die der realen Entwicklung diametral entgegenstehen. 

Der Messung der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten liegt eine Methodik zugrunde, die den wahren Zustand an Amerikas Arbeitsmärkten verschleiern soll. Auch die Entwicklung der Inflation wird auf Basis von Methodiken gemessen, die dazu angetan sind, um deren Existenz zu leugnen. Es wird über Arbeitsplätze berichtet, die überhaupt nicht existieren.

Des Weiteren werden BIP-Wachstumsdaten veröffentlicht, die mit Blick auf einen stetigen Rückgang der realen Haushaltseinkommen und der Entwicklung der Verbraucherkredite in keiner Weise nachvollziehbar sind. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen, dem die Armutsgrenze zugrunde liegt, befindet sich auf einem derart künstlich niedriggehaltenen Niveau, um die staatlichen Sozialausgaben beständig zu reduzieren.


Die Propagandalügen, die Washington und machtvolle, private Interessengruppen – welche die US-Regierung in ihren Händen halten –, erzählen, werden durch die heimischen Druck- und Fernsehmedien in keiner Weise kritisch hinterfragt. Die Propaganda, mittels derer die Amerikaner heutzutage tagtäglich gefüttert werden, ist extremer als die in George Orwells Buch „1984“ zum Thema gemachte Propagandawelt.


In dem am vergangenen Freitag publizierten Arbeitsmarktbericht des Bureau of Labor Statistics (BLS) wird uns erklärt, dass die Arbeitslosenquote im Oktober auf 5,8% gesunken ist, und dass 214.000 neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen worden sind. Lassen Sie mich an dieser Stelle ein weiteres Mal ins Detail gehen, um Ihnen diese unwahren Daten zu erklären und auseinanderzusetzen. 

Die Arbeitslosenquote ist offiziell nur deshalb niedrig, weil die Quote, die durch die Regierung und die Finanzmedien in den Vordergrund der Betrachtung gerückt wird, nicht die Millionen von Amerikanern mit einschließt, die heutzutage derart entmutigt sind, um überhaupt noch nach Arbeitsplätzen Ausschau zu halten, die auch nicht existieren. Sie haben es im aktuell vorherrschenden Umfeld schlichtweg aufgegeben, weiter nach einem Job zu suchen.

Wenn Sie aufgeben und damit aufhören, aktiv nach einem Job Ausschau zu halten, werden Sie seitens der Regierungsbehörden nicht mehr als Mitglied der Erwerbsbevölkerung angesehen. Sie sind also beschäftigungslos, werden jedoch nicht als arbeitslos verzeichnet. Die auf diese Weise aus der Statistik gefallenen Arbeitslosen lassen sich am besten messen, wenn man den im frühen 21. Jahrhundert erfolgten Absturz der Partizipationsrate an der Erwerbsbevölkerung begutachtet. 

Diese Partizipationsrate an der Erwerbsbevölkerung ist beständig gesunken, weil nicht ausreichend Jobs zur Verfügung stehen, welche der realen Anzahl von Arbeitslosen auch nur annähernd gegenübergestellt werden könnten. Doch Washington, die Finanzmedien sowie gekaufte und korrupte Ökonomen lügen uns weiterhin etwas vor.  

Laut ihrer Aussagen sei die Partizipationsrate niedrig, weil die so genannten Baby Boomer nun verstärkt in Rente gingen. Wie dem auch sei, wie John Titus, Dave Kranzler und ich im Rahmen unserer jüngsten Kolumnen auf Basis von Regierungsdaten dokumentiert haben, ist die segmentierte Partizipationsrate an der Erwerbsbevölkerung unter den Baby Boomern die höchste von allen, zumal auch noch die einzige, die im aktuellen Umfeld nach wie vor zulegt.

Grund ist, dass sich die Realzinsen im Angesicht der einzigen Sorgen der Federal Reserve, die sich um das alleinige Wohl einer Handvoll von Megabanken drehen – und deren Vertreter im Vorstand der Federal Reserve Bank of New York sitzen – im negativen Bereich befinden. Folge ist, dass Pensionäre keine Einkommen aus ihren Rentenersparnissen generieren können.

Um es rundheraus zu sagen, meiden Pensionäre Aktieninvestments, weil sie jederzeit einen großen Teil ihres angesparten Vermögens im Zuge einer weitläufigen Aktienmarktkorrektur verlieren können. Eine solche Korrektur samt sich anschließender Erholung kann – wie wir alle wissen – zeitlich länger andauern als den potenziell Betroffenen noch an Lebenszeit auf diesem Planeten zur Verfügung steht.

Um ihre Pensionen aufzubessern (die aktuelle Zusammensetzung des Verbraucherpreisindex verhindert oder minimiert Anstiege der Lebenshaltungskosten), bewerben sich Pensionäre und Rentner um zeitlich befristete und gering bezahlte Jobs, die mit das einzige sind, was die US-Wirtschaft im Hinblick auf die Schaffung von Arbeitsplätzen noch zustande bringt. Doch Jobs dieser Art gehen nicht mit einem Einkommen einher, das ausreichen würde, um einen neuen Haushalt zu gründen.


Wie ich nun schon seit einer Dekade – oder gar länger – warne, ist die US-Wirtschaft nicht mehr in der Lage, einem Industrieland gerecht werdende Arbeitsplätze zu schaffen. Anstelle dessen erzeugt die amerikanische Wirtschaft Beschäftigung für Kellnerinnen und Barmixer, Krankenträger auf Gesundheitsstationen und Einzelhandelsverkäufer/innen. Die Tatsache, dass die US-Erwerbsbevölkerung in ihrer Zusammensetzung immer mehr einem Drittweltland ähnelt, wird weder von den Medien noch der Finanzpresse als ernst zu nehmendes Problem klassifiziert. Auch das Gros der Ökonomen scheint mit Blick auf die Fakten immun zu sein. 


Lassen Sie uns abschließend noch einen eingehenderen Blick auf die durch das BLS für den Monat Oktober 2014 gemeldeten Arbeitsmarktdaten werfen:

  • 209.000 Jobs wurden danach in der amerikanischen Privatwirtschaft geschaffen, während es im Regierungssektor zur Entstehung von 5.000 neuen Arbeitsplätzen kam.

In welchen Sektoren wurden diese Jobs in der Privatwirtschaft erzeugt? Fast alle diese Jobs – nämlich 181.000 an der Zahl – wurden im Niedriglohnsektor geschaffen.


Unter anderem trug der Einzelhandel mit einer Schaffung von 27.100 Jobs zu diesem Ergebnis bei. Gleichzeitig wurden im Groß- und Außenhandel 8.500 neue Jobs geschaffen, während es im Transport- und Lagerbereich 13.300 Jobs waren. Zusammengerechnet resultieren daraus 48.900 neue Jobs. 

Während auf die Mittelklasse ausgerichtete Geschäfte und Filialen nach wie vor in hoher Anzahl geschlossen werden – und selbst Ramsch- und Niedrigpreisgeschäfte einer sehr harten Konjunktur ausgesetzt sind –, schrumpfen sowohl das Verbrauchereinkommen (mit Ausnahme der Reichen) als auch die Bankenkreditvergabe (mit Ausnahme von Studentenkrediten).

Glauben Sie mit Blick auf ein solches Umfeld wirklich, dass die Verbraucherausgaben die Schaffung von fast 50.000 neuen Jobs in diesem Bereich im Monat Oktober unterstützten?


Woher kommt das Geld?


Der größte Anteil des durch die Fed aus dem Nichts erschaffenen Kapitals ist an eine Handvoll von Megabanken gegangen, um den Bankensektor finanziell zu unterstützen. Doch Banken erweisen sich nicht als Käufer von Konsumgütern.


Das BLS berichtet, dass 37.000 neue Jobs im Monat Oktober in professionellen Geschäftsbereichen geschaffen wurden. Darüber hinaus trugen sowohl Arbeitsvermittler als auch die Anbieter von zeitlich befristeten Arbeitsplätzen zur Erzeugung von 24.000 neuen Stellen bei.


Als weitere Stütze erwiesen sich einmal mehr der Bildungs- und Gesundheitsbereich, welche zur Schaffung von 41.000 neuen Jobs beitrugen. Die Bereiche Gesundheitsvorsorge und Sozialdienstleistungen brachten es zusammen auf 27.200 neue Stellen. Darüber hinaus trugen häusliche Pflegedienstleistungen zur Schaffung von 7.400 neuen Niedriglohnarbeitsplätzen bei.

Rechnet man diese Einzelsegmente einmal zusammen, so erhält man als Resultat, dass 84% der im Monat Oktober neu geschaffenen Stellen im Gesundheitssektor gering bezahlten Tätigkeiten entsprachen.


Lassen Sie uns nun zu einem der größten Jobsegmente in Amerika kommen: den Kellnerinnen und Barmixern. Kellnerinnen und Barmixer werden im offiziellen Arbeitsmarktbericht des BLS unter einem Arbeitsmarktsegment namens “Freizeit und Gastwirtschaft” eingeordnet. Dieser Sektor hat im Oktober 52.000 neue Jobs geschaffen, von denen 41.800 – oder 80% –  Tätigkeiten wie Kellnern und Barmixen zuzuordnen waren.


Wenn man sich also einmal die Mühe macht, um die Natur der Arbeitsplätze zu analysieren, die im offiziellen Arbeitsmarktbericht des BLS aufgeführt werden, so lässt sich nur zu der Schlussfolgerung gelangen, dass eine übergroße Mehrheit dieser Arbeitsplätze den Strukturen eines Drittweltlandes entsprechen.

Wie lässt sich mit Blick auf die Vereinigten Staaten von der einzig verbliebenden Supermacht auf Erden sprechen, wenn unser Land kaum noch einen neuen Arbeitsplatz für die Mittelklasse schaffen kann? Inmitten des um die Schaffung von 214.000 neuen Stellen im Monat Oktober gemachten Medienhypes, möchte ich Ihnen einige sehr bedenkliche Fakten vor Augen führen.

Im Oktober wuchsen die Stellenkürzungen um 68% im Vergleich mit dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat legte diese Kennziffer um 12% zu. Im Gesamtjahr 2014 ist es bis dato zu  414.591 Stellenkürzungen gekommen. Allein im Monat Oktober belief sich dieser Jobabbau auf eine Anzahl von stattlichen 51.183 Stellen. 


In welchen Sektoren finden diese Stellenkürzungen statt? Die anhaltenden Filialschließungen im Einzelhandelsbereich trugen zu 38.948 Stellenkürzungen in diesem Sektor in 2014 bei. Allein zu 6.874 Jobreduktionen kam es dort im Monat Oktober. Trotz allem berichtet das BLS über einen kontinuierlichen Aufbau von neuen Stellen im Einzelhandel. 


Hewlett Packard baute 5.000 Arbeitsplätze im Oktober ab, womit sich die Gesamtzahl der im Jahr 2014 bekannt gegebenen Stellenkürzungen allein in diesem Unternehmen auf 21.000 beläuft. 


Auch Microsoft baute 6.509 Arbeitsplätze im Monat Oktober ab, womit sich die kumulierten Stellenkürzungen in diesem Sektor seit Jahresbeginn auf 55.511 belaufen – ein Anstieg von 92% gegenüber dem Vorjahr. 


Im Oktober baute die Elektronikindustrie weitere 1.648 Jobs ab, womit sich die kumulierten Stellenkürzungen in diesem Sektor seit Jahresbeginn auf 18.153 Jobs belaufen. 


Die Telekommunikationsindustrie baute 5.217 Arbeitsplätze ab, womit sich die seit Jahresbeginn abgebauten Stellen in diesem Bereich auf 20.038 belaufen – ein Anstieg von 81% gegenüber dem Vorjahr. 


Unter Bezugnahme auf Wolf Richter, legten die Jobverluste im US-Technologiesektor um 97% gegenüber dem Vorjahr zu. 


Lassen Sie mich auf den Punkt kommen: auf welche Weise ist es der Konsumentennachfrage möglich zu wachsen – um das Wachstum der US-Wirtschaft zu befördern –, wenn ehedem gut bezahlte Arbeitsplätze kontinuierlich durch Jobs im Niedriglohnsektor substituiert werden? Vielleicht wird sich die Ökonomenzunft diesem immer dringlicheren Problem eines Tages einmal widmen.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2014 Paul Craig Roberts / Institute for Political Economy



Dr. Paul Craig Roberts´ Buch Wirtschaft am Abgrund ist vor Kurzem erstmals in deutscher Übersetzung im Weltbuch-Verlag erschienen. Interessierten Lesern sei dieses Buch zur Lektüre empfohlen. Mehr Informationen erhalten Sie unter dem nachfolgenden Link. Zum Inhalt laut amazon: WIRTSCHAFT AM ABGRUND ist das derzeit prägnanteste Werk zu den fundamentalen Entwicklungen in der globalen Ökonomie im 21. Jahrhundert. Paul Craig Roberts zeichnet den Weg zum Zusammenbruch der Volkswirtschaften der westlichen Welt nach und legt zu treffende Entscheidungen offen. Das Amerika, wie wir es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kannten, existiert nicht mehr. Die Vereinigten Staaten haben auf absehbare Zeit ihre wirtschaftliche und politische Zukunft verspielt. Die entindustrialisierte US-Ökonomie zählt zu den bislang größten Verlierern der Globalisierung. Gleichzeitig wandelt sich das innenpolitische Gesicht der Vereinigten Staaten grundlegend. Binnen weniger Jahre wurden elementare Grundrechte systematisch abgebaut, die die Verfassung mehr als 200 Jahre lang garantiert hatte. Jetzt folgen die Europäer den Amerikanern auf dem gleichen Weg, beenden die Souveränität ihrer Nationalstaaten und liefern sich einer allmächtigen Zentralregierung aus. Keine Stimme hatte stärker als die von Paul Craig Roberts vor dieser Entwicklung gewarnt.

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