Bolton, der sich nun seit vielen Jahren dafür ausspricht, dass die Vereinigten Staaten der Russischen Föderation – und insbesondere Putin – so viele „Schmerzen“ wie nur irgend möglich bereiten sollten, wurde durch Trump dazu angehalten, seine Gangart zu ändern.

"Wiederherstellung" des Friedens

Bolton sieht sich dazu gezwungen, zumindest einen Teil seiner neokonservativen Haut abzustreifen, um sich in Sachen einer Wiederherstellung des Friedens zu engagieren. Es lässt sich nicht umgehen, Trump in diesem Hinblick ein dickes Lob auszusprechen!

Wie es sich im Angesicht des aktuellen Politklimas in den USA kaum anders erwarten lässt, haben sich die Neokonservativen auf die Seite der Anti-Trump-Kräfte im linkspolitischen Spektrum unseres Landes – und auf Seiten der US-Vasallenstaaten im Ausland – geschlagen.

Ziel der neokonservativen Fraktion in der Heimat ist es, jedweden Schritt hin zu einem Frieden mit der Russischen Föderation mit allen Mitteln zu durchkreuzen. Das Gros der dem Mainstream zuzurechnenden Medien opponiert – wie nicht anders zu erwarten – ebenfalls gegen jedweden Schritt, der eine politische Entspannung zwischen den USA und Russland mit sich brächte.

Bolton war kaum aus Moskau abgereist, als die Mainstream-Medien ihre Attacke einläuteten. Amerikas Verbündete im Ausland seien „nervös“ im Hinblick auf den geplanten Gipfel, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Umstürze und Vorwürfe

Es wurde zwar kein offizieller Repräsentant unter den amerikanischen Auslandsverbündeten zitiert, der sich hätte dazu hinreißen lassen, von Nervosität zu sprechen. Doch es wurden Spekulationen angestellt, laut denen sowohl Großbritannien als auch die Ukraine nicht besonders glücklich darüber wären, falls die USA und Russland ihre bilateralen Beziehungen wieder verbessern würden.

Warum ist das so? Die aktuelle Regierung der Ukraine ist nur deshalb an der politischen Macht im Land, weil die Obama-Administration einst hinter einem Staatsstreich gegen die demokratisch gewählte Regierung von Ex-Präsident Janukowitsch gestanden hatte, um in Kiew eine Marionettenregierung von Gnaden Washingtons zu installieren.  

Aus diesem Blickwinkel lässt sich die aufkommende Nervosität in Kiew sicherlich besser verstehen. Auch die britische Regierung darf sich im Angesicht der aktuellen Entwicklungen besorgt zeigen. Immerhin hat London einen Schwur abgegeben, laut dem Russland hinter der „Vergiftung“ der Skripals stünde, ohne für diesen Vorwurf jemals einen handfesten Beweis abgeliefert zu haben.  

Hunderte russische Diplomaten wurden aus westlichen Nationen aufgrund der Vorwürfe und Beteuerungen aus London inzwischen ausgewiesen. Über den Verlauf der letzten Monate sind die Vorwürde Londons Stück für Stück entkräftet worden.

Bolton vom "Kreml als Geisel genommen"?

Eine extreme Reaktion auf Boltons Russland-Besuch erfolgte seitens des durch Washington finanzierten Think Tanks Atlantic Council, der sich von seiner Mentalität her betrachtet noch immer in einer Zeitschleife der 1950iger Jahre gefangen sieht.

Der vor Ort in Russland lebende „Experte“ des Atlantic Council, Anders Åslund, setzte eine Twitter-Botschaft ab, laut der der langjährige Russland-Falke John Bolton durch den „Kreml als Geisel genommen“ worden sei. Aus diesem Grund müsse nun davon ausgegangen werden, dass es sich im Falle Boltons um einen russischen Agenten handele.

Und dies nur, weil Bolton dabei Unterstützung leistete, ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin zustande zu bringen. Ist dem Atlantic Council der Ausbruch eines Nuklearkriegs lieber? „Experten“ liegen für Gewöhnlich falsch, wenn sich die Dinge um friedensstiftende Maßnahmen in der Welt drehen.

Der Job dieser „Experten“ hängt davon ab, „offizielle Feindbilder und Feinde“ zu schaffen, um persönlich zu prosperieren. Im Jahr 1985 sprach sich der amerikanische „Experte“ für Nationale Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, vehement gegen die Idee eines Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Reagan und dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow aus.

Kann sich die Geschichte wiederholen?

Ein solches Treffen sei nicht nur „erniedrigend“, sondern auch „taktisch unklug“, wie der geopolitische „Experte“ damals in einem Bericht in der Washington Times befand. Ein solches Treffen würde höchstens dafür sorgen, Gorbatschow zu „erhöhen“ und den sowjetischen Staatschef zum „Führer unter Gleichen“ zu stilisieren, so Brzezinski.

Dankenswerterweise traf Reagan daraufhin mit Gorbatschow in einer Reihe von Gipfeln zusammen. Der Rest ist Historie. Brzezinski lag falsch und die Friedensstifter lagen richtig. US-Präsident Trump sollte verstehen, dass jedweder Schritt hin zu verbesserten bilateralen Beziehungen mit Russland durch die amerikanische Bevölkerung bereits abgesegnet wurde.

Trumps Position gegenüber Russland war bestens bekannt. Seine Wahlkampagne fokussierte sich recht eindeutig auf den Gedanken, dass die USA ihre feindliche Haltung gegenüber Russland, welche die Amtszeit von Präsidentschaftsvorgänger Barack Obama charakterisierte, aufgeben sollten, um nach Wegen zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit zu suchen.

Eine echte politische Aussöhnung scheint möglich

Die Wähler waren sich über Trumps außenpolitische Haltung bewusst, und sie gaben Trump den Vorzug vor Hillary Clinton, die im Hinblick auf Russland ebenfalls ganz klare Positionen vertreten hatte: eine Zuspitzung der Konfrontation bei zunehmender Aggression.

US-Präsident Trump würde weise handeln, wenn er die neokonservativen Sprücheklopfer und die seitens Vertragsnehmern des Pentagons bezahlten „Think-Tank-Experten“ ignorierte. Er sollte auch gleichsam die „Never Trumpers“ ignorieren, die jetzt gefordert sind, um endlich einmal ein kohärentes Politleitlinien-Argument in ihrer vehementen Opposition gegenüber Präsident Trump ins Feld zu führen.

Der Grad von deren Opposition gegenüber Trump scheint lediglich auf dem „Argument“ zu beruhen, dass Trump „gemein und rücksichtslos“ sei. Hoffen wir, dass das Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin Türen zu einer echten politischen Aussöhnung bei gleichzeitiger Einstampfung der Bedrohung hinsichtlich des möglichen Ausbruchs eines Nuklearkriegs aufstoßen wird.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2018 Dr. Ron Paul Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein neuestes Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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