Guten Tag meine Damen und Herren,

Der Feiertag vergangene Woche hatte noch einmal einiges an Bewegung in die Märkte  gebracht. Gerade in den USA ging es wieder stark nach oben und das beflügelte am Montag auch den DAX. Die Freude hielt allerdings nicht lange. Gegen Mitte der Woche zeigten sich die Kurse deutlich schwächer und auch die runde Marke bei 9.000 Punkten wurde kurzfristig unterschritten. Die Sorgen an den Märkten nehmen nun weiter spürbar zu. Die Gefahr für weitere Bewegungen nach unten ist aktuell recht groß. Bei  8.800 bis 8.900 Punkten ist nun der wichtige Bereich, den es zu verteidigen gilt. Sollte dieser nachhaltig unterschritten werden, kann es schnell weitere 1.000 Punkte nach unten gehen. Vorsicht ist daher allemal angebracht, zumal wir uns nun das dritte Mal an den großen Widerstand heranarbeiten. Die Stimmung an den Börsen lässt sich positiv ausgedrückt aktuell leider nur als „alles andere als gut“ bezeichnen.

Auch bei den einzelnen Unternehmen sieht es momentan nicht gut aus. Ob die Gewinnwarnung bei Air France, oder die angekündigten Sparprogramme bzw. der Einstellungsstopp bei SAP... egal wo man hinschaut. Positive Ausblicke sind leider Mangelware. Der Blick auf SAP sollte uns ohnehin zu Denken geben. Das Unternehmen hatte zum Beginn der Krise 2007/2008 bereits sehr früh reagiert, sich verschlankt und Sparanstrengungen verstärkt. Entsprechend war man dann für die weitere Phase verhältnismäßig gut gewappnet. Die jetzigen Ankündigungen lassen, vor dem Hintergrund, dass SAP als Unternehmen mit traditionell gutem Einblick gilt, aufhorchen. Vorsicht ist und bleibt auch hier die Mutter der Porzellankiste.

Auch aus charttechnischer Sicht zeigen sich viele Einzelaktien angezählt. Bei BASF z.B. zeigen sich durch das Vorläufergeschäft stärkere Auswirkungen. Die Aktie steht momentan deutlich unter Druck. Sicherlich interessant ist nun auch der Start der Berichtsaison, in der die Unternehmen wieder Ihre Quartalszahlen vorstellen. Die Erwartungen sind durch die Reihe wenig optimistisch und die Gefahr besteht, dass selbst niedrige Erwartungen enttäuscht werden. Es ist daher sicherlich kein Fehler sich erneut mit der Absicherungsthematik auseinanderzusetzen. Bei Cashkurs-Trends.de sind wir seit geraumer Zeit im Depot abgesichert. Das lässt vor dem aktuellen Geschehen ruhiger schlafen. Sicherlich sind jetzt einzelne Titel günstiger als noch von ein paar Wochen. Ein Einstieg ohne entsprechende Absicherung ist aus charttechnischer Sicht aktuell allerdings eher ein spekulatives Handeln.

Passend zur schlechten Stimmung senkt der IWF seine Weltwirtschaftsprognosen, und zwar deutlich von 3,7 auf 3,3% Wachstum. Wie üblich werden also zunächst noch recht optimistische Prognosen nach und nach revidiert. Man kann schon fast die Uhr danach stellen. Früher galten übrigens 5% Wachstum als normal. Parallel dazu wird die Prognose zu Deutschlands Wachstum von 1,9 auf 1,4% für das laufende Jahr gesenkt. Weiterhin sieht der IWF die Rezessionsgefahr für Europa nun bei 40% anstelle von 20%. Auch hier ist sicherlich noch nicht unbedingt die Messe gelesen. Warten wir‘s ab, wann auch diese Zahl angehoben wird. Doch damit nicht genug. Die Entwicklungen in China, den Schwellenländern und (wer hätte es gedacht) Russland veranlassen den IWF vor einer neuen Weltwirtschaftskrise zu warnen. Einzig für die USA erhöht der IWF die Wachstumsprognosen von 1,7 auf 2,2%. Nun, am Ende werden die Amerikaner das Ruder alleine auch nicht herumreißen können, wenn der Rest der Welt am Abgrund steht, an den ihn das amerikanische Wirtschaftsharakiri bis zur Lehman-Pleite gebracht hat.

Die EZB schwingt derweil ihr zweischneidiges Schwert. Mit der durchaus gewünschten Euro-Schwäche will man erreichen, die Exporte wieder voranzutreiben. Gleichzeitig sinkt damit aber auch die Kaufkraft der Bürger, da sehr viele Produkte oder Teilerzeugnisse aus dem außereuropäischen Ausland importiert werden müssen. Ob am Ende die Maßnahmen erfolgreich sein werden, sei dahingestellt. Weiterhin steht man nun mit insgesamt 1 Billion  Euro Gewehr bei Fuß, wenn es um den Aufkauf der ABS (asset-backed securities) geht. Die Größenordnung ist sicherlich richtig gewählt, möchte man damit erfolgreich agieren. Darunter würden die Maßnahmen wohl kaum wirksam sein. Es kann daher durchaus in den nächsten Monaten zu einem Schub in den südeuropäischen Ländern kommen, aber nur in Folge einer Blasenbildung fauler Geschäftsmodelle. Man stellt in Aussicht, den Markt für faule Kredite leer zu kaufen. Banken können damit an wen auch immer Kredite vergeben, ohne fürchten zu müssen, dass man hinterher auf den Kosten sitzen bleibt. Eine Fehlallokation der Gelder ist damit vorprogrammiert. Zusammen mit den niedrigen Zinsen ist dies der letzte Schuss, der der EZB bleibt. Ganz unumstritten sind die Maßnahmen nicht, zumal der Erfolg nicht automatisch garantiert ist. Als großer Kritiker erweist sich die Deutsche Bundesbank in Person des Präsidenten Jens Weidmann. Er spricht davon, dass die EZB ihr Mandat komplett überreizt hätte. In der Tat scheint die EZB keinen Ausweg mehr zu wissen. Mit Sparpaketen hat man in den letzten Jahren jedwede Konjunktur abgewürgt. Es bleibt die eindeutige Erkenntnis, dass die vollkommen desolate Politik der europäischen Führer der letzten Jahre nur ein Spielen auf Zeit war. Probleme wurden nur vertagt. Ein Ausweg ist noch nicht in Sicht. Das Ende scheint alternativlos. Leser meines Buches Showdown wissen, dass ich eher ein Vertreter von „geht nicht, gibt’s nicht“ bin. Alternativen muss man suchen. Vielleicht lohnt es sich um die Ecke zu denken. Es gibt durchaus Alternativen, die z.B. in der Investition in Infrastruktur unter Beteiligung privater Vermögen liegen. Für detailliertere Ausführungen verweise ich gerne auf eben erwähntes Buch. Allerdings werden wir auch an dieser Stelle zu gegebener Zeit noch konkreter auf das bislang kurz angerissene Konzept eingehen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und viel Spaß beim Lesen der Beiträge.

Herzlichst

Ihr

Dirk Müller