Wenn Anleger überlegen und den Markt sondieren, um sich gezielt die passenden Aktien für das eigene Portfolio herauszusuchen gibt es immer mehrere Methoden. Dabei können z.B. der Top-Down und der Bottom-Up Ansatz eine wichtige Rolle spielen.

Der Top-Down Ansatz, der häufig von Anlegern der Growth-Strategie verfolgt wird birgt dabei mehr Risiken. Dazu erstellt der Anleger ein für sich logisches und wahrscheinliches Szenario über die künftige Entwicklung einer ganzen Industrie/Branche und somit im Endeffekt auch über ein Unternehmen innerhalb dieses Segments. Es wird also versucht Trends zu erkennen und eine Macro-Wette abzuschließen. Problematisch wird dies jedoch, da beim Selektionsprozess viele unbekannte Faktoren eine Rolle spielen, die gerade vom Kleinanleger mit ihrer Gesamtheit nur schwer in den Investmentprozess einbezogen werden können. Bei nur einer Abweichung können damit bereits große Risiken für ein Investment  entstehen.

Weiterhin zeichnet sich diese Growth-Strategie durch eine schnelllebige Natur aus, welche aktives Handeln und ein ständiges Verfolgen der Märkte mit sich bringt. Abschließend muss für ein solches Investment, für das die Aussichten der Branche positiv erschienen, genau abgestimmt werden, wann ein Trend beendet ist. Erst dann kann der Anleger aussteigen und sich anderen Trends in anderen Wirtschaftsbereichen widmen!

Der Bottom-Up Ansatz hingegen lässt Anleger Unternehmen aller Branchen prüfen. Dabei spielt nicht die Branche in der ein Unternehmen tätig ist eine Rolle, sondern die fundamentalen Daten des Unternehmens selbst! Diese Methode besteht aus dem Mix der quantitativen Faktoren, wie die allseits bekannten Kennzahlen KGV, KBV oder die Dividendenrendite, sowie die weichen qualitativen Faktoren, wie die Attraktivität des Geschäftsmodelles oder die Fähigkeiten des Managements. Wenn der Anleger das Unternehmen nun nach allen Gesichtspunkten analysiert hat wird versucht einen Kaufpreis festzulegen, der dem inneren Wert des Unternehmens entsprechen sollte! Das heißt also, der Wert, den ein Kaufmann bereit wäre für das Unternehmen (Maschinen, Gebäude, Know-How/Patentrechte, Kundenstamm usw.) zu zahlen. Wenn dieser Kaufpreis nun vom aktuell an der Börse gehandelten Wert nach oben abweicht, sprich der aktuelle Börsenwert geringer ist als der wahre Wert (Differenz wird „Margin of Safety“ genannt) schlägt der Investor zu. Bekanntermaßen ist diese Strategie als Value-Investing zu bezeichnen und gilt als eher konservativ.  

Nun stellt man sich natürlich die Frage, warum es häufig heißt entweder oder? Denn schließlich es ist der bekannte Großmeister Warren Buffett, der es bis heute schafft beide Strategien erfolgreich zu vereinen. Dies ist sicherlich auch der Grund seines großen Erfolges! Dabei versucht man also Branchen zu entdecken, die besondere Chancen bieten -  fängt jedoch im nächsten Schritt auch an innerhalb dieser Branchen die Titel herauszufiltern, welche die geringste Bewertung am Markt haben.

Dafür habe ich aus einer großen Unternehmensdatenbank folgende Tabelle erstellt! Diese Tabelle beinhaltet alle Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax, sodass der deutsche Markt für einen ersten Selektionsprozess gut abgedeckt ist!

Wenn man nun z.B. die zuletzt positiven Meldungen zum Konsumentenverhalten und Konjunkturoptimismus als Indikator für eine wachsende Wirtschaft nimmt, würde es z.B. Sinn machen sich das Baugewerbe oder auch den Bereich Handel/Konsum genauer anzuschauen. Gerade Konzerne, die auch international tätig sind werden von den Interventionen der Staaten auf mittlere Sicht profitieren. Nach den großen Sparanstrengungen gerade in der Südperipherie Europas werden auch Konjunkturprogramme als Maßnahme zur Belebung der Wirtschaft in den Vordergrund rücken müssen. Innerhalb des Baugewerbes sind solche Titel z.B. die Bauer AG (WKN: 516810) (s. Bericht), Bilfinger (WKN:590900) oder auch Heidelberg Cement (WKN604700) die unterbewertet erscheinen.

Aber Achtung: Wenn man jedoch ganze Branchen z.B. über spezifische Investmentfonds oder Zertifikate erwerben möchte, sollte man sich nur auf die makroökonomische Einschätzung berufen. Die Analysen und Statistiken haben ergeben, dass es in jeder Branche zu viele Ausreißer gibt, die eine fundamentale Betrachtung nicht zulassen. Die abgebildete Tabelle hingegen ist um diese Extremwerte bereinigt!

Sollte es innerhalb einer Industrie nun beispielsweise keine Titel mit auffällig geringen Kennzahlen geben, man jedoch voll und ganz von einer Branche überzeugt sein, gilt es diese Unternehmen im Branchenvergleich zu bewerten. Jede Industrie hat eigene bestimmte Merkmale. So zahlen Versorger und Telekommunikationsfirmen aktuell eine sehr hohe Dividendenrendite, wohingegen Banken ein unglaublich geringes Kurs-Buchwert-Verhältnis zeigen. Beides muss weder negativ noch positiv sein. Eine genauere Einschätzung ist somit erst nach Erstellung eines „Big-Pictures“ möglich!

Schlussendlich werden also die makroökonomischen Einschätzungen einer ganzen Branche, die für mich als unglaublich spannend gelten, da eine hohe Facettenvielfalt besteht, mit den quantitativen und eher konservativen Bewertungsmerkmalen einzelner Unternehmen vereint. Dieser Mix, der heute häufig auch als „Blend-Methode“ bezeichnet wird ist also Möglich und kann bei genauer Anwendung zu viel Freude, Spannung und Erfolg an den globalen Finanzmärkten führen.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Eigene Studien, A.M. Capital Research


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