Seit dem die Notenbanken weltweit die Zinsen auf historische Rekordtiefs gesenkt haben kennen die Aktienmärkte nur noch einen Weg – und zwar gen Himmel. Wie von Sinnen lassen sich die Anleger - getrieben von der Gier nach Rendite - abermals blenden. Weltweit versuchen die Notenbanken mit historisch niedrigen Zinsen und billigem Geld der Krise entgegenzusteuern, die ja erst durch niedrige Zinsen und billiges Geld entstanden ist.

Dax, Dow Jones und Nikkei haben sich seit ihrem Tief 2009 mehr als verdoppelt und der DAX hat mittlerweile ein Allzeithoch erreicht. Die Probleme der globalen Krisen sind jedoch nicht einmal ansatzweise gelöst.

Die Notenbanken überschütten die (Banken)Welt lediglich mit billigem Geld und die Börsen erklimmen weltweit Rekordstände – völlig losgelöst von der wirtschaftlichen Realität. Absolut absurd aber leider bittere Realität: Die USA haben den Staatsbankrott in letzter Minute verhindert in dem sie das Schuldenlimit erhöht haben, damit sie neue Schulden aufnehmen dürfen um damit Schulden zu bezahlen. Purer Irrsinn!

Der warme Geldregen der Notenbanken sorgt dafür, dass an der Wall Street wieder Rekordgehälter ausbezahlt werden und hoch spekulative Finanzprodukte abermals unter die Leute gebracht werden.

Damit die Sause noch eine Weile anhält, haben die Notenbanken dieses Jahr noch einmal richtig Gas gegeben und die Druckerpressen in den Turbogang geschaltet: 

Die FED ließ verlauten, dass das aktuell niedrige Zinsniveau bis mindestens 2015 bestehen bleibt – die Börsen explodieren daraufhin weltweit und sind völlig betrunken von dem billigen Geld! Verheerende Fakten aus der Realwirtschaft werden weiter erfolgreich ignoriert. Ben Bernanke, seines Zeichens Chef der US-Notenbank FED, kauft pro Monat für insgesamt 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere auf um die Märkte zu stabilisieren. Dadurch ha sich die Bilanzsummer der FED auf schwindelerregende 3.82 Billionen Dollar hochgeschraubt – Tendenz weiterhin stark steigend. Mittlerweile ist die FED, vor China, größter Gläubiger der USA – was wir als volkswirtschaftlich doch etwas fragwürdig empfinden. Auch die neue Vorsitzende der FED, Frau Yellen, will dieser fragwürdigen Politik treu bleiben.

In Europa sehen wir das gleiche Spiel:

Entgegen aller „positiven“ Nachrichten der Tage zuvor und der Aussage des EZB Direktor Jörg Assmusen, dass der Euro das schlimmste hinter sich habe, sieht sich die EZB doch gezwungen nur Tage später vollkommen desperat erneut an der Zinsschraube zu drehen und den Zinssatz auf 0,25% zu senken. Ein weiterer Beweis dafür, dass es keine Lösung und Besserung der Lage gibt. Es stellt sich uns die Frage, wann die EZB das Geld an die Banken verschenken möchte. Vielleicht wäre es ja sinnvoller, wenn die EZB das Geld direkt an Unternehmen verleiht, die es benötigen, anstatt es völlig maroden Banken in den Rachen zu werfen. 

Es ist nicht mehr wegzudiskutieren: die Welt steht vor einer weiteren gravierenden Rezession- doch die Märkte explodieren. Es wird wieder getanzt und die Musik spielt laut – das billige Geld zeigt abermals seine verheerende Wirkung. Die Märkte haben sich, angetrieben von der immensen Liquidität, komplett von der Realität und den wirtschaftlichen Fakten abgekoppelt. So langsam sollte auch dem letzten klar sein, dass dieser Irrsinn in einem verheerenden Knall enden wird. Wann werden wir die maximale Fallhöhe erreicht haben? Wie lange tanzen wir noch auf dem Vulkan des billigen Geldes und wann wird das Geschrei und Gejammer abermals groß sein?

In Japan verpflichtet sich die Bank of Japan einer längst vergessenen Tradition – sie stellt auf den wirtschaftlichen Kamikazemodus um. Auf Grund der enormen Eingriffe des Staates wird der Yen künstlich billig gehalten, mit dem Ziel, die Exporte zu steigern und damit die seit Jahren am Boden liegende Wirtschaft anzukurbeln. Die japanische Staatsverschuldung nimmt mit jenseits der 250% des BIPS mittlerweile mehr als abstruse Ausmaße an. Wir sind äußerst gespannt, wann die 300 Prozent-Marke erreicht wird und sind sicher, dass Japan mit dieser ökonomischen Harikiripolitik langfristig scheitern wird.

Es lohnt sich vielleicht durchaus, einen Blick auf die gegenwärtige wirtschaftliche Lage zu werfen. Betrachtet man die Lage in der Eurozone, könnte es einem doch etwas anders werden. Mit größtem Erfolg betreibt die Politik, die Notenbanken und die Finanzwelt volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit und besonders der Jugend Europas.

Griechenland, Irland, Portugal und Spanien sind de facto bankrott und werden niemals ihre Schulden bezahlen können und der große Schuldenschnitt wird kommen – egal, ob dies Frau Merkel oder Herrn Schäuble gefällt oder nicht. Die Arbeitslosenzahlen in den oben genannten Ländern erklimmen Höhen, die uns lediglich aus Zeiten der Weimarer Republik bekannt sind. Wir alle wissen, in was für einer Katastrophe diese geendet ist. Dies gilt es zu verhindern.

Die Industrieproduktion geht in den Keller wie beispielsweise in Italien (Niveau von 1986), Griechenland (Niveau von 1978), Frankreich (Niveau von 1994). Mit dieser Industrieproduktion lassen sich jedoch niemals die Schulden von 2013 bezahlen. Dies bedeutet, dass es den Ländern mit der Lira, Drachme und dem Franc besser erging als mit dem Euro. Durch die falsche Politik schaffen wir gerade einen brandgefährlichen Nährboden für Extremisten, Separatisten, Nationalisten und Bürgerkrieg. Hier wird eine ganze Generation ihrer Zukunft beraubt um ein jetzt schon gescheitertes, politisches Währungsexperiment künstlich am Leben zu erhalten. Die werden irgendwann auf die Straße gehen und Revolution machen. Es stellt sich die Frage: wie lange erträgt die Bevölkerung dieser Länder noch die gegenwärtige Situation. Wie lange will der Friedensnobelpreisträger, die EU, dies noch seinen Bürgern antun? 

In Spanien sind mit 26,8% und Griechenland mit rund 27%, mehr als jeder Vierte arbeitslos und unter den jungen Menschen unter 25 Jahre sogar jeder Zweite (Spanien 57,2% und Griechenland 61,7%)! Die Ausfallrate an Krediten ist in Spanien mit knapp 12,68% oder 188 Milliarden Euro auf einem Allzeithoch. Ist auch logisch: Durch Einsparungen wird die Wirtschaft abgewürgt, es gibt mehr Arbeitslose die dann wiederum nicht ihre Kredite bedienen können und der Binnenkonsum sowie die Steuereinnahmen gehen stark zurück. Eine sich selbstnährende Spirale nach unten. Parallel wird die Regierung Rajoy von einer enormen Korruptionsaffäre eingeholt und erodiert damit weiter den Glauben an die Demokratie.

Portugal verzeichnet eine Gesamtarbeitslosenquote von 16,5% - eine Jugendarbeitslosenquote von fatalen 36,5%. Nicht zu verkennen ist, dass diese Zahl eigentlich wesentlich höher wäre, denn weit über 100.000 Jugendliche haben ihre Heimat in Richtung der portugiesisch sprechenden Länder Brasilien und Angola verlassen.

Dabei wissen wir alle: Ein Land ohne Jugend ist ein Land ohne Zukunft. Portugal wird bald wieder die Hand aufhalten und ein 2. Rettungspaket beantragen. 



In Italien ist die Lage unserer Ansicht nach ebenfalls durchaus optimierungsbedürftig.

Das Land hat mittlerweile die höchste Arbeitslosigkeit seit Beginn der Datenerhebung 1977! Das bedeutet, selbst unter der Lira ging es dem Land besser als mit dem Euro.  Bei den Jugendlichen wurde die 40 Prozent Marke gerissen und 12,5% der Gesamtbevölkerung sind insgesamt ohne Job. Die Auslastung der Autoindustrie (FIAT) ist bei schwachen 40%. Europaweit sinken die Auto-Absatzzahlen und auch Italien bekommt dies deutlich zu spüren.

Es passiert dadurch Unglaubliches: Die dramatische Lage hat sogar Berlusconi wieder auf die politische Bühne gespült. Ob der nun rechtskräftig „verurteilte Kriminelle“ Berlusconi das Land „abermals retten“ wird, halten wir für äußerst fragwürdig, eher wird er es in eine neue Krise stürzen, da ihm sein persönliches Wohl vor das Italiens und seiner Bürger geht.

Bei unseren Freunden in Frankreich sieht die Lage der „Grande Nation“ gegenwärtig ebenfalls besorgniserregend aus. So langsam ist allgemein bekannt, dass die französische Industrie gegenwärtig nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Es erfordert keinerlei hellseherische Fähigkeiten, um zu erkennen, dass der eine oder andere französische Automobilkonzern in nicht allzu ferner Zukunft wieder einmal um knackige Staatshilfen betteln wird und schlussendlich doch die Bücher auf den Tisch legen muss. Schon jetzt hat der Staat die defizitäre Autobranche mit 7 Milliarden Euro Steuergeldern „subventioniert“ und damit den Wettbewerb ungesund verzerrt. Wie desolat die Situation ist, zeigt auch, dass die EU die eigentlich unerlaubten Stützungsmaßnahmen abgesegnet hat – trotz massiver Proteste. Alarmierend sind auch die Arbeitsmarktdaten: Frankreich hat 11,2% Arbeitslosigkeit, davon 26,5% Jugendarbeitslosigkeit – Tendenz steigend. Die Regierung Hollande agiert enorm unglücklich und wirkt überfordert. Die Zustimmung in der Bevölkerung ist auf einem Rekordtief und es machen sich die ersten Demonstrationen gegen seine Politik breit. Die FAZ schrieb zu den Aufständen in Frankreich, dass „es nach Revolution riecht“.

In den Niederlanden ist die Immobilienblase geplatzt und die Wirtschaft steht vor ernsthaften Problemen. Im 1. Halbjahr gingen so viele Unternehmen Pleite wie noch nie seit Aufzeichnung der Daten. Das neue Königspaar übernimmt eine desolate Wirtschaftsnation. Der neue niederländische König erklärte in seiner Thronrede das Ende des Wohlfahrtsstaats. Wichtig zu wissen, dass nicht er die Rede geschrieben hat sondern der niederländische Ministerpräsident. Auch bei unseren Nachbarn wird das Volk langsam aber stetig auf das vorbereitet was kommen wird.

England ist ein schönes Beispiel, was passiert, wenn ein Land seine Werkbank ins Ausland verlagert und sich ganz auf den (Finanz)Dienstleistungssektor fokussiert. Wann hatten Sie zuletzt ein Produkt in der Hand mit der Kennzeichnung „Made in England“? Die Jugendarbeitslosigkeit beträgt aktuell 21,2% bei einer Gesamtarbeitslosenquote von über 8% – Tendenz ebenfalls steigend. In England passiert aktuell unglaubliches: Die Regierung Cameron befeuert die Immobilienblase indem sie die Eigenkapitalquote auf 5%! reduziert und die restlichen 15% vom Staat subventioniert werden. Dies hat schon in Irland, Spanien und den USA nicht funktioniert. Mit Kopfschütteln kann man nur sagen: Subprime 2.0.

Wir sollten uns folgende Fragen stellen:

Was ist aus der groß angekündigten Finanztransaktionssteuer geworden?

Wie weit ist die Regulierung der Banken fortgeschritten?

Wer spricht noch von Basel 3?

Was ist mit Solvency II?

Wurde eine Börsensteuer eigentlich umgesetzt?

Warum müssen die Verursacher der Krise nicht mit Haus und Hof haften?

Warum wurden die Banken, die in den perversen Libor Zinsskandal verwickelt waren, nicht bestraft – abgesehen von den 2-3 lächerlichen Geldstrafen?

Warum hat man in einer Nacht- und Nebelaktion die Bilanzierungsregeln für die Finanzbranche dermaßen aufgeweicht, dass selbst Experten von einem unglaublichen Skandal und staatlich legitimierten Steuerbetrug sprechen?

Warum hat man es den „Big Banks“ ermöglicht, sich seit 2009 noch mehr mit billigem Geld vollzusaugen, um noch „systemrelevanter" zu werden?

Fragen über Fragen und keiner kann uns Antworten geben. Es scheint so, dass bizarrer- weise die Krisenverursacher die Krisengewinner sind – verkehrte Welt würden wir sagen.

Die Finanzwelt ist somit wieder in Ordnung , denn es werden wieder Rekordgewinne verbucht und die Bonis fließen wieder reichlich. In Deutschland entlässt unsere teilverstaatlichte Commerzbank 5000 Menschen im Gegenzug erhöht sich der Vorstand seine Bezüge um 170%! Irgendwo her muß das erforderliche Geld ja kommen. Damit setzt die Branche ein ganz klares Zeichen was ihr wichtig ist. Die Bank gewinnt eben immer!

Die Ursachen der Krise wurden weder angegangen noch nachhaltig gelöst sondern nur mit Geld überschüttet und somit in die Zukunft verschoben. Die Lösung weltweit heißt momentan: Zinsen senken und die Märkte mit ausreichend Liquidität versogen. Noch nie war in der Geschichte der Menschheit mehr Geld im System wie aktuell und wir sind überzeugt noch nie wird man einen größeren Crash gesehen haben.

Summa summarum sieht die wirtschaftliche Lage „super“ aus – von Krise keine Spur. Herr Barosso und Herr Schäuble hatten also recht, als sie Anfang dieses Jahres  verkündeten: „Die Krise ist vorbei!“.

Wir alle erleben gerade live das größte Notenbank- und Geldexperiment in der Geschichte mit fragwürdigem Ausgang. Als Ökonomen müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass die Chancen, dass dieses Experiment gelingt gegen Null tendiert.

Wir haben es in unserem Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ geschrieben und sagen ganz klar: Raus aus Papierwerte, rein in Sachwerte!

Lasst uns weiter fleißig Geld drucken und die Aktienmärkte (Immobilien etc.) stetig nach oben prügeln. Wen interessieren denn schon volkswirtschaftliche Fakten und Zahlen: solange wir unbegrenzt Geld aus dem Nichts schöpfen können, ist alles gut und wir werden alle immer reicher. Wie gesagt, der DAX kann auch noch auf 15.000 oder 50.000 Punkte gehievt werden, nur wird dies dem Großteil der Bevölkerung wenig nützen - außer Inflation. Der kleine Nebeneffekt der Notenbankparty ist, dass der kleine Sparer durch die weltweite Niedrigzinsphase schleichend enteignet wird. Wen interessiert das schon? Klar ist: Der Kater wird kommen, wie nach jeder hemmungslosen Party. Wir sehen jetzt schon die ersten Vorboten. Kaum erwähnen die Notenbanken im Subtext, die Zinsen anzuheben oder die Notenpressen zu stoppen, reagieren die Börsen hypernervös und sehr empfindlich. Ein ganz klares Zeichen dafür, dass die Börsen zum Großteil durch das billige Geld nach oben getrieben worden sind. Wir erwarten vor der großen Inflation einen deflationären Schock, bei dem alle Anlagewerte liquidiert werden. Die Aktienmärkte werden massiv nach unten korrigieren - es wird heftig werden. Bitte Anschnallen!


Matthias Weik und Marc Friedrich sind Ökonomen, Querdenker, Finanzexperten und Bestsellerautoren. Die beiden haben zusammen das Buch „Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ geschrieben, das im Mai 2012 im kleinen Wissenschaftsverlag Tectum erschienen ist. Das Buch ist seit über 16 Monaten in allen wichtigen Bestsellerlisten vertreten (Spiegel, Manager Magazin, Handelsblatt etc.). So war es das erfolgreichste Finanzbuch 2012 mit Platz 10 der Jahresbestsellerliste 2012 des „Spiegel“, Sparte Sachbuch. Im Manager Magazin war es viermal auf Rang 1. Seit einigen Monaten sind Friedrich und Weik häufige Interviewpartner und Gäste von TV- und Radiosendern. In Ihrem Buch haben Marc Friedrich und Matthias Weik vorhergesagt, dass die „dot.com 2.0“ Aktien (Facebook, Zynga, Groupon etc.) massiv korrigieren werden sowie das die nächste Bankenrettung unter Einbeziehung der Sparer (bail in) über die Bühne gehen wird und haben somit die aktuellen Entwicklungen z.B. in Zypern und der EU in Ihrem Buch folgerichtig prophezeit.