Spricht man über Gold und Silber, so stellt man fest, dass sich die Meinungen über Edelmetalle in zwei eindeutige Lager unterteilen lassen: Edelmetall-Liebhaber (Gold- und Silberbugs) und Edelmetall-Hasser. Die Goldbugs (Goldkäfer)  sehen vor allem im Gold und einer Rückkehr zum Goldstandard die ultimative Lösung zur Überwindung der Finanzkrise. Die Gegner von Gold und Silber halten Edelmetalle für ein „Relikt der Barbarei“ und bezeichnen nicht nur eine goldgedeckte Währung als Unsinn, sondern lehnen auch ein Investment in „Glänzendes“ grundsätzlich ab.

Früher haben mich die Argumente der Goldgegner entrüstet, heute nehme ich sie mit einem Lächeln zur Kenntnis. Voller Überzeugung erklären die Goldgegner, dass Gold keine Zinsen erwirtschaftet (!), Aufbewahrungskosten verursacht und zur Zeit überteuert ist. Im übrigen sei Gold zu nichts nütze, ausser es sich um den Hals zu hängen.

Vor allem mit dem Letzteren mögen die Goldgegner ja Recht haben, aber eine Sache blenden sie völlig aus: Gold und Silberinvestments dienen nicht dazu, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen oder Zinsen zu „erwirtschaften“, sondern Edelmetalle stehen für Sicherheit und Erhalt des ersparten Vermögens.

Prüfen Sie es selbst nach! Ein Kilo Gold kostete im Jahre 1986 DM 22.000,00.  Mein erstes (heiß geliebtes) Auto, – ein dunkelblauer Golf  II. Turbodiesel (mit Sonderausstattung Mittelkonsole) – kostete damals ungefähr das gleiche Geld.

Wie sieht es heute aus? Ein aktueller Golf VI. Turbodiesel „Comfortline“ (da ist die Mittelkonsole schon mit drin) kostet € 22.125,00. Für ein Kilo Gold berechnet der Goldhändler Ihres Vertrauens heute im Jahre 2009 ebenfalls 22 Tsd. Euronen. Ich würde fast wetten, dass eine robuste Kutsche mit zwei guten Pferden vor 200 Jahren ebenfalls ein Kilo Gold kostete. Über Informationen von Seiten der Leser über die Preise von Pferdekutschen im 19. Jahrhundert würde ich mich sehr freuen.

Gold „erwirtschaftet“ keine Zinsen, sagen die Goldgegner. Papiergeld übrigens auch nicht. Man sollte sich darüber bewußt sein, dass Geld grundsätzlich nicht von alleine vermehrungsfähig ist, sondern dass immer Menschen für die Verzinsung arbeiten müssen. Auch wenn sie einen weiblichen und männlichen 50 € Schein in einem dunklen und gemütlichen Portemonnaie alleine lassen, wird kein süßer Fünfer nach neun Monaten das Licht der Welt erblicken. Geld wird verliehen und dem Schuldiger (Warum heißt es eigentlich nicht „Schuldner“ im Vaterunser?) wird nicht etwa vergeben, sondern er muss für seine „Schuld“ die Schuldgebühren - den Zins - erarbeiten.

Mehr als komisch finde ich, dass die Aufbewahrungs- und Lagerkosten bei Edelmetallen so sehr in den Vordergrund gestellt werden. Genauso gut könnte man bei Aktien die Kosten für´s Depot und bei Lebensversicherungen die horrende Provision für den netten Herrn Kaiser betonen. Und wenn ich mir anschaue, was die Sparkasse für die Verwaltung meines Girokontos alle drei Monate berechnet, überlege ich schon fast, ob ich nicht einmal monatlich mit dem Auto durch´s Städtchen fahre und meine Rechnungen bar bezahle. Im Übrigen ist der Kauf eines Tresors nicht nur für die Aufbewahrung von Goldbarren und Silbermünzen sinnvoll, sondern auch für wichtige Dokumente, die zum Beispiel im Falle eines Brandes vernichtet werden könnten. Gute Markentresore gibt es schon ab 500,00 Euro, in denen leicht Werte von einer halben Million Euro gelagert werden können. Führen Goldgegner nun das Argument an, dass ein Tresor gestohlen werden kann, so sind sie leicht mit ihren eigenen Waffen zu schlagen: Herr Kaiser verkauft nämlich nicht nur Lebens-, sondern auch Hausratversicherungen, die neben der Privathaftpflicht zu den sinnvollen Assekuranzen gehören.

In negativen Berichten zur Goldpreisentwicklung wird immer wieder angeführt, dass jemand, der 1980 beim Höchststand von 850 US$ Gold gekauft hat, bis heute kaum eine Rendite „erwirtschaftet“ habe. Bitte fragen Sie einmal Goldkäufer nach ihrer Rendite, die 1999 Goldbarren, Krügerrand & Co. gekauft haben. Der Wert von Edelmetallen hat sich in der Zwischenzeit mehr als verdreifacht. Allerdings kostete eine Pizza Margherita vor der Jahrtausendwende auch nur DM 5,00. Wie sich andere sogenannte Finanz“produkte“ in den letzten zehn Jahren entwickelt haben, wissen wir. Lehmann-Zertifikate sind da nur die Spitze des Eisbergs.   

Bevor wir uns damit beschäftigen, ob eine Rückkehr zum Goldstandard sinnvoll ist, müssen wir uns die Frage stellen, warum Gold eigentlich wertvoll ist. Unter größten Mühen wird Gold seit Jahrtausenden aus den Tiefen der Erde gefördert, um dann wieder in dunkle Tresore gesteckt oder unter den Straßen New Yorks eingelagert zu werden. Tatsächlich hat Gold im Gegensatz zu Silber keinen nenneswerten industriellen Nutzen. Hauptsächlich wird es in der Schmuckindustrie verarbeitet oder dient in Barren und Münzenform als Wertspeicher. Silber wird ständig verbraucht und Berechnungen zeigen, dass es mittlerweile fünfmal weniger Silber als Gold auf diesem Planten geben muss. Leuten, die über nicht viel Geld verfügen, sollten deswegen unbedingt über den Kauf von Silbermünzen als Altersvorsorge nachdenken. Die Preise für 1 oz American Silver Eagle, Wiener Philharmoniker, etc. sind mit ca. € 13,00 bis € 15,00 zur Zeit noch unglaublich günstig, wenn bedenkt, dass man heute für eine Pizza schon rund € 5,00 bis € 8,00 berappen muss.

Angesichts der Tatsache, dass Gold tatsächlich keinen praktischen Wert hat und im Grunde nur der Verschönerung von Handgelenken, Ohrläppchen und Dekolletés dient, kann ich mir die Faszination der Menschen für das gelbe Metall nur aus religiös spiritueller Sicht erklären.

Gold entsteht nur bei einer Supernova, also der finalen Explosion eines Sterns. Man könnte Gold heutzutage mit Hilfe der Kernfusion sogar künstlich herstellen, allerdings wäre die Golderzeugung auf diesem Weg um ein Vielfaches teurer als die traditionelle Gewinnung durch Graben und Schürfen. Alles Gold, was sich auf unserem Planeten befindet (gefördert wurde bis jetzt ein Würfel mit der Kantenlänge von nur ca. 20 Metern) entstand somit schon lange vor der Geburt der Erde. Es behält seinen Glanz auch nach Jahrtausenden in tiefster Erde und könnte somit ein Symbol für Licht sein, was wiederum die Göttlichkeit symbolisieren würde. Gold gilt als unzerstörbar und stünde damit aus religiöser Sicht für die Unvergänglichkeit des Seins und die Ewigkeit. Vielleicht ist das der Grund, dass  die meisten Eheringe aus dem gelben Metall gefertigt sind und selbst ärmere Heiratswillige selten auf Silber ausweichen.

Kommen wir nun zu der Frage, ob eine Rückkehr zu einer goldgedeckten Währung sinnvoll wäre. Geld hat drei Aufgaben zu erfüllen:

1. Tauschmittel
2. Wertspeicher
3. Wertmaßstab

Grundsätzlich muss man sagen, dass sich die Funktionen „Tauschmittel“ und „Wertspeicher“ widersprechen. Etwas, das gespart wird kann nicht mehr als Tauschmittel dienen. Es sei denn, das Gesparte wird verliehen, wozu man in der Regel nur bereit ist, wenn man dafür eine Gebühr - den Zins - erhält. Hier sind wir nun an einem Knackpunkt angekommen: Die Gesetzgebung besagt zwar, dass jeder Wirtschaftsteilnehmer den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel annehmen muss, jedoch besteht keine Weitergabepflicht für Geld. Selbst wenn Sie mutwillig einen Geldschein verbrennen, kann Sie niemand dafür belangen, obwohl Sie damit ein Allgemeingut, das die Wirtschaft dringend benötigt, zerstören. Durch die Kopplung der Weitergabe von Geld an den Zins, entsteht der Zinseszinseffekt, der am Ende jedes nicht umlaufgesicherte Geldsystem kollabieren lässt.  

Goldgeld ist und war immer Zinsgeld, weil niemand sein Gold abgibt, ohne dafür einen Zins zu verlangen. Wie oben schon beschrieben ist Gold unvergänglich, und damit sind die Goldbesitzer immer - bis in alle Ewigkeiten - in der Lage, Kaufzurückhaltung zu üben und für die Herausgabe des Geldes einen Zins zu verlangen. Da Gold nicht beliebig reproduzierbar ist, kann die Goldmenge nicht dem Bedarf der Wirtschaft angepasst werden. Man könnte den Wert des Goldes zwar ständig künstlich erhöhen, doch das würde zur Verschatzung führen, denn wenn die Wertsteigerung des Goldes dem Zins entspräche, spart man sich das riskante Verleihen an Leute, die Geld benötigen. Es würde zu einer permanenten Deflation kommen, die auch in der Vergangenheit immer zu schweren Wirtschaftskrisen und Kriegen geführt hat. Stabile Goldwährungen waren nur in Ländern möglich, die die Kriege gewannen und ständig über neue Goldzufuhren verfügen konnten. Im Übrigen spricht gegen eine Goldwährung, dass es schon bei der Einführung zu Konflikten käme, weil es sehr viele Staaten gibt, die kein oder wenig Gold besitzen und somit auch kein Geld hätten. Wenige Staaten, allen voran die USA (soweit das Gold in Fort Knox und New York tatsächlich noch vorhanden ist) hätten weltweit die Kontrolle über das Geld.

Eine reine Gold- oder Goldkernwährung macht keinen Sinn und die Geschichte beweist, dass eine solche Konstruktion durch die Kopplung an den Zinseszins nicht nachhaltig funktionieren kann. Zunächst schaffen Edelmetallwährungen Vertrauen und Stabilität, um dann nach einigen Jahrzehnten in einem deflationären Crash verbunden mit Armut, Leid und Kriegen unterzugehen. Es ist auch ein Trugschluss anzunehmen, dass es bei einer Edelmetallwährung nicht zu Verschuldung kommen kann. Aus beschriebenen Gründen ist genau das Gegenteil der Fall.

Goldbugs sollten sich vor Augen führen, dass eine Rückkehr zum Goldstandard mit Sicherheit das Verbot von privatem Edelmetallbesitz nach sich ziehen würde. Eine Gold-/Silberwährung kann also gar nicht im Interesse der EM-Besitzer sein, denn sie würden kriminalisiert werden. In der Geschichte gab es das alles schon einmal. In den USA bestand ein privates Goldbesitzverbot von 1933 bis 1976 und auch in China war der Besitz von Gold 55 Jahre lang verboten und wurde erst im Jahre 2004 (!) wieder erlaubt.

Gold und Silber sind hervorragend geeignet, um sein Vermögen zu schützen und jeder, der die Möglichkeit hat, sollte je nach Vermögenslage 20% bis 40% seines Besitzes in Edelmetallen halten. Wenn Sie einen Schutz gegen Inflation suchen, kaufen Sie Gold und Silber in physischer Form und lassen Sie sich nicht auf Papierversprechen ein, die eine Auszahlung von Edelmetall „garantieren“.

Als Deckung einer Währung halte ich Edelmetalle für ungeeignet und gegenüber Staaten ohne EM-Reserven für mehr als ungerecht. Aber natürlich könnten Gold und Silber Teil des Warenkorbs eines Bancor oder Terra sein. (siehe Teil 1) Es ist nicht unbedingt nötig, aber würde sicherlich zum Vertrauen in die Währung beitragen.

Abschließend ist festzuhalten, dass für ein stabiles und nachhaltiges Geld-, Wirtschafts- und Gesellschaftssystem (welches nicht nur 40- 60 Jahre, sondern über Jahrhunderte gut funktionieren soll) eine Umlaufsicherung des Geldes unbedingt nötig ist. Geldhaltegebühren (siehe Teil 1) sind unabdingbar, damit der Rubel rollt, der Taler wandert, Zinsen gegen null tendieren und ein Zinseszinseffekt vermieden wird.

Demnächst in Teil 4: Die Zeit der Brakteaten