Bei der eigenen Geldanlage gibt es viele mögliche Unterschiede und Kriterien, die beim Entscheidungsprozess eine Rolle spielen. Bei der von mir verfolgten Strategie der wertorientierten Analyse bei Unternehmen, macht zum großen Teil die Betrachtung der aktuellen Bewertung anhand quantitativer Daten einen wichtigen Aspekt aus.  Darüber hinaus sollte der Anleger jedoch immer auch qualitative Merkmale mit einbeziehen, die häufig oder fast immer nur subjektiv bestimmt werden können. Gerade diesen Punkt der Subjektivität finde ich dabei allerdings besonders spannend, da der Anleger hier wie ein Detektiv agieren muss, um sich so viele Informationen wie möglich zu beschaffen.

Um was für Informationen handelt es sich jedoch, in wie fern können diese entscheidend für den Erfolg des Investments, also in diesem Fall der Entwicklung eines Unternehmens sein und an welcher Stelle im Investmentprozess muss dieses Kriterium eintreten?

Anfänglich studiere auch ich dazu die quantitativen Daten eines Unternehmens. Das heißt ich schaue in die Bilanz und gucke mir die gängigen Kennzahlen an bzw. suche nach Auffälligkeiten. Ist dieser Teil abgehakt und das Unternehmen weiterhin spannend geht der investigative Teil los.

Warren Buffett sagte dazu einmal:

„Investiere nur in Unternehmen, die idiotensicher sind, denn irgendwann kann es passieren, dass ein Idiot den Laden führt“.

Und genau dies ist auch immer der erste Aspekt den ich mir ansehe – den Vorstand. Wer der CEO, CFO oder COO ist, lässt sich jederzeit leicht herausfinden. Je nach Unternehmen gucke ich mir dann den Lebenslauf an oder suche bei Google nach Informationen um mir ein erstes Bild zu machen, was für ein Typ da oben in der Chefetage sitzt. Ich halte es für durchaus wichtig zu beobachten, ob der Mann an der Spitze, der dann auch dafür sorgen soll, dass meine Anteile an Wert gewinnen ein völliger Spinner ist oder sein Handwerk versteht. So halte ich z.B. nichts von zu protzigen Firmenzentralen oder zu inszenierten Auftritten. In den USA gab es hingegen erst eine Studie der Universität von Wisconsin, wonach Aktienkurse bei attraktive CEO’s, die ihr Auftreten dann auch noch werbewirksam in der Öffentlichkeit einsetzen, stärker steigen würden. Eine solch kurzsichtige Analyse, die empirisch vielleicht auf kurze Sicht Einfluss hat, halte ich langfristig jedoch für völligen Nonsens, denn der größte Experte kann von Mutternatur ggf. nicht so sehr beglückt worden, dafür aber ein Genie seines Faches sein. Daher ist z.B. die Ausbildung immer ein wichtiger Faktor! In Deutschland ist es Gang und Gebe, dass häufig studierte Juristen große Konzerne leiten. Dies macht auch Sinn, wenn man sich die Gesetzeslandschaft in Deutschland anschaut. Bei Autokonzernen hingegen sieht die Sache etwas anders aus. Martin Winterkorn (Volkswagen AG) hat u.a. bei Bosch gelernt und war zuvor Produktmanager bei VW, Dieter Zetsche (Daimer AG) ist Diplomingenieur und hat ebenso im Forschungsbereich bei Daimler gearbeitet und Norbert Reithofer (BMW AG) hat Fertigungstechnik studiert und u.a. im Karosserierohbau gelernt. Dadurch kennen die CEO’s ihre Unternehmen von der Pike auf und können Marktentwicklungen schneller erahnen und danach handeln.

In den USA sieht es nochmal anders aus. Hier arbeiten bei großen Unternehmen häufig die Visionäre, die ihre Ideen noch mit in den operativen Entwicklungsprozess mit einbringen. Immer genannt und jedermann bekannt ist dabei sicher Steve Jobs, der als Gallionsfigur Apple an die Spitze der Welt gebracht hat. Ebenso ist Bill Gates bei Microsoft ein solcher Visionär und auch Warren Buffett, der in einem völlig anderen Metier unterwegs ist hat sein Leben lang nichts anderes gemacht. Mark Parker aktueller CEO von Nike Inc. Beispielsweise war anfänglich Schuhdesigner und Don Thompson (McDonald’s) hat sich durch die Entwicklung automatischer Verpackungsabwicklung in der Gastronomie verdient gemacht. Der amerikanische Traum ist hier u.a. ein Stichwort.

Um aber zurück aufs eigentliche Thema zu kommen sind mir beim CEO nun ein paar Grundsätze besonders wichtig:

  • Welches Verhältnis hat der CEO zum Unternehmen (Karriere)
  • Welchen Hintergrund hat der Vorsitzende (Ausbildung)
  • Welche Ziele hat er mit dem Unternehmen (visionarisches Denken)
  • Welche Motivation bringt der CEO mit (Bonusanreiz / Gehalt durch Aktien / Weltverbesserer)
  • Was für ein Typ Mensch sitzt in der obersten Etage (Persönlichkeit)
  • Was  denkt der eigene Chef vom Unternehmen (Interviews / Aktienkäufe)

Alle diese Daten lassen sich bereits nach kurzer Zeit herausfinden. Ein wichtiges Merkmal ist z.B. immer der Insiderkauf/-verkauf. Dabei werden die Aktienpositionen der einzelnen Vorstände unter die Lupe genommen, denn diese sind logischerweise Reporting-Pflichtig. Diese Daten findet man u.a. bei den IR-Abteilungen der Unternehmen oder auch bei www.insider-alarm.de. Meiner Erfahrung nach, können Sie beim Unternehmen jederzeit anrufen und erhalten Auskunft darüber. Die Insiderkäufe müssen natürlich  immer einzeln betrachtet werden, sind jedoch immer sehr spannend und können einige Aussagen darüber treffen, wie ein CEO vom eigenen Unternehmen denkt. Verkauft er, weil er glaubt die Entwicklung wird sich verschlechtern oder wird er z.B. in Aktien bezahlt und möchte einfach nur sein Gehalt zu Geld machen. Kauft ein Vorstand Aktien, weil davon ausgegangen wird, dass sich die Firma positiv entwickelt oder dient es nur der Kurskorrektur und ist ein Marketing-Projekt usw.

Konzernzentralen sind ebenso immer sehr aufschlussreich um Aussagen über die verschwenderischen Eigenschaften zu machen. Weniger ist hier meistens mehr. Warren Buffett hat früher einst einen CEO besucht, welcher sein Büro direkt in der Mitte der Etage hatte und kein Fenster besaß. Dies beeindruckte ihn so sehr, dass er genauer hinschaute. Der CEO war dadurch komplett vernetzt und hat dafür auf ein repräsentatives Eckbüro, um das viele Investmentbanker beispielsweise häufig kämpfen, verzichtet.

Ebenso kenne ich bereits Storys, dass Unternehmen z.B. finanzielle Mittel für Investitionen untersagt worden sind, weil bei der Fahrt zum Kreditantrag der dicke Porsche anstatt eines „normalen“ Firmenwagens gewählt wurde. Verschwenderisch und nicht bedacht auf die wichtigen Dinge wird dann häufig als Grund angeführt.

Ebenso subjektiv aber nicht weniger wichtig ist das Bild des gesamten Unternehmens in der Öffentlichkeit. Direkt durch erste Recherchen lässt sich schnell herausfinden, ob eine Firma eher positiv oder negativ betrachtet wird und welcher Popularität ein Konzern unterliegt. Für die Gesellschaft unpopuläre Entscheidungen müssen nicht immer schlecht für den Aktienkurs sein und umgekehrt. Natürlich muss man auch seine eigenen Prinzipien hinterfrage. So halte ich z.B. keine Aktien der Firma RWE, da es in meiner Heimat Verden (Aller) derzeit sehr viel Streit aufgrund der Fracking-Thematik gibt und RWE hier einen wichtigen Part einnimmt. Wenn man dabei dann anfängt ein Gespür für ein Unternehmen zu bekommen lässt sich auch leichter herausstellen, welche Zukunft die Produkte der Firma haben. Gerade bei Produkten des täglichen Bedarfs spielt dies eine große Rolle. Sollte Coca Cola durch z.B. durch gesundheitliche Mängel einmal unglaublich in Verruf geraten, könnte dies extrem Auswirkungen auf die Umsätze haben. Ob nun aber der CEO der Coca Cola Company von einem Skandal begleitet wird, dürften die allerwenigsten interessieren, da die meisten diesen sowieso nicht kennen dürften. Langfristig muss man sich jedoch trotzdem fragen, warum es dazu gekommen ist. Wenn man sich die vielen Skandale um Anshu Jain und die Deutsche Bank anschaut, welche mit großen Strafzahlungen verbunden sind, kann man davon ausgehen dass es gewisse Zusammenhänge zum Aktienkurs gibt. Bei Apple Inc. hingegen interessiert sich niemand dafür, dass Foxconn Electronics Inc. als einer der Hauptzulieferer unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten lässt. Ein Apple-Produkt kaufen sich die, die es wollen so oder so.

Solche Informationen lassen sich zum Teil natürlich nur schwer herausfinden, für manche wird ein ausgiebiges Netzwerk benötigt, andere hingegen gibt es jedoch schnell im Internet zu recherchieren. Ich persönlich finde diese subjektive Betrachtung so spannend, weil sich hier wirklich JEDER ein eigenes Bild machen kann. Mit gesundem Menschenverstand und ein wenig Grübelei kann sowohl der Investmentbanker in London/NY/Frankfurt bei gleichen Informationen zu einem anderen Schluss kommen, als der Privatanleger zu Hause. Nur dass der Banker besser in seiner eigenen Einschätzung liegt glaube ich keinesfalls, denn am Ende kann auch dieser nur denken und schlussfolgern, kocht also auch nur mit Wasser. In der heutigen Welt aus Informationen und Daten also hat jeder die Chance sich ein ausgiebiges Bild zu machen.

Also gehen Sie auf die Jagd. Auf die Jagd nach unterschiedlichsten Informationen über das Unternehmen und die führenden Leute und machen Sie sich ein EIGENES Bild davon. Am Ende bleibt dann nur noch die Frage: Möchte ich, dass ein solcher Mensch in einem solchen Unternehmen über meine Anteile verfügt und schafft er es diese im Wert zu steigern?

Ihr Andreas Meyer

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