Die Frage, wie das Vermögen aufgeteilt werden soll, steht am Anfang einer jeden Kapitalanlage. Mit der Strukturierung des Portfolios in verschiedene Anlageklassen - wie etwa Aktien, Anleihen oder Rohstoffe - beschäftigt sich die so genannte Asset Allocation. Sie gilt als Grundstein des Investmentprozesses – und wer stabil bauen will, braucht ein solides Fundament.

Strategie und Taktik

Unter „Asset Allocation“ wird die Verteilung (Allocation) von Vermögenswerten (Assets) in einem Portfolio verstanden. Grundsätzlich wird zwischen der strategischen und der taktischen Asset Allocation unterschieden. Erstere bezeichnet die langfristig orientierte Aufteilung des Portfolios. Die taktische Variante hingegen ist kurzfristig ausgerichtet und versucht sich den dynamisch verändernden Kapitalmarktbedingungen anzupassen. Ein einfaches Beispiel: Ein Portfolio soll aus 70 Prozent Anleihen und 30 Prozent Aktien bestehen. Damit wäre die Strategie festgelegt. Die Taktik bestünde beispielsweise darin, den Teil der Anleihen in Staats- oder Unternehmensbonds aufzuteilen und den Depotanteil an Aktien konkret nach Branchen und Regionen bzw. Einzelaktien zu strukturieren. Die taktische Asset Allocation würde versuchen, durch Zu- und Verkäufe einzelner Anleihen und Aktien, kurzfristige Chancen zu nutzen. An dieser Stelle werden wir den Schwerpunkt jedoch auf die Strategische Asset Allocation legen.

Eine Bauernregel für den Anleger

„Nicht alle in einen Korb!“, denkt sich der Bauer, wenn er seine Eier vom Hof zum Markt bringt. Befördert er alle in einem Korb, wäre jedes Missgeschick fatal. Dann hätte er fast nur noch Matsch. Doch wenn er das Risiko „streut“ und die Eier in mehrere Körbe aufteilt, mindert sich für ihn das Risiko, dass der Großteil nach einem Malheur unverkäuflich wird. Die Risikominimierung durch solch einen Streuungseffekt wird in der Geldanlage als Diversifikation bezeichnet. Auf wissenschaftlichem Gebiet hat sich erstmals Harry M. Markowitz dem Diversifikationseffekt gewidmet. Der amerikanische Ökonom hat 1952 in einer Veröffentlichung nachgewiesen, dass eine Diversifikation positive Effekte hinsichtlich des Risikos und der Rendite eines Portfolios hat. Über die Jahrzehnte folgten etliche wissenschaftliche Studien, welche die Vorteilhaftigkeit einer Streuung in verschiedene Anlageklassen herausgestellt haben.

Nicht im Gleichschritt, Marsch!

Wer im März 1986 beim Börsengang von Microsoft 1000 Dollar investiert und die Aktien bis heute gehalten hätte, könnte sich jetzt über einen Depotwert von knapp 300.000 Dollar freuen.

Mit einem Verkauf beim Allzeithoch Ende 1999 wäre sogar ein sagenhafter Gewinn um den Faktor 500 möglich gewesen. Diese enormen Gewinne jedoch wären wohl viel eher dem Dusel des Anlegers zuzuschreiben als einer ausgefeilten Anlagestrategie. Alles auf eine Karte zu setzen, kann im ungünstigen Fall genauso gut zu einem Totalverlust führen.

Risikobegrenzung durch Diversifikation ist ein wesentlicher Faktor der Geldanlage. Leider wird sie in der Praxis viel zu oft vernachlässigt. Eine Beimischung zusätzlicher Anlagetitel im Depot ist allerdings kein Garant für erfolgreiche Risikoreduktion. Annahme: Ein Portfolio besteht aus zehn Aktien, die aus der deutschen Maschinenbau-Branche stammen. Nehmen wir weiterhin an, dass diese Unternehmen ähnliche Produkte herstellen und eine vergleichbare Unternehmensgröße haben. Wenn sie dann auch noch dieselben Absatzgebiete bedienen und eine sich ähnelnde Bilanzstruktur aufweisen, liegt die Vermutung nahe, dass sich auch ihre Kurse parallel entwickeln werden. Was sollte es dann noch nutzen, weitere Maschinenbau-Aktien ins Portfolio aufzunehmen? Der hier beschriebene Gleichlauf der Kurse wird im Fachjargon als Korrelation bezeichnet, die wirkungslose Streuung nennt die Behavioral Finance „naive Diversifikation“. Um solch unvernünftiger Vorgehensweise entgegenwirken zu können, hat Markowitz die unabhängige Korrelation der Anlageklassen untereinander postuliert. Als der Nobelpreisträger in den 50er Jahren die Portfolio Selection Theory (Portfoliotheorie) kreierte, bestanden die Hauptanteile der Assetkategorien maßgeblich aus Anleihen und Aktien, die sich lehrbuchmäßig entgegengesetzt entwickelten. Wenn die Börsen gut liefen, konnte mit dem Aktienanteil im Depot Gewinn erzielt werden. Wenn die Konjunktur schlecht lief, flüchteten die risikoscheu gewordenen Investoren in den sicheren Hafen der Rentenmärkte – und sorgten damit für steigende Anleihekurse. Der Wertverlust einer Anlageform konnte also mit der Wertsteigerung der anderen ausgeglichen werden. Das Portfolio war weitgehend ausbalanciert, und der konservative Anleger erzielte bei effizienter Risikominimierung eine angemessene Rendite. Werfen wir einen Blick auf die aktuelle Krise.

Dass sich so viele Anlageklassen (Bonds, Aktien und Immobilien) auch mal gleichläufig entwickeln könnten, hätte sich Mr. Markowitz wohl nicht träumen lassen… Dennoch: Niemand wäre gut beraten, sich von diesem vermeintlichen Widerspruch täuschen zu lassen. Die Diversifikation – auch in Anleihen und Aktien – bleibt nach wie vor ein zwingendes Gebot. Die Portfoliotheorie ist im 21. Jahrhundert nicht obsolet geworden. Ihr Grundprinzip hat Bestand.

Mehr Rendite, weniger Risiko

Die erwarteten Renditen, die Risikopräferenzen und der Anlagehorizont bilden wesentliche Parameter, die es bei der Vermögensstrukturierung zu berücksichtigen gilt. Vor allem die optimale Relation von Renditeerwartung und Risikopotential sind elementare Fragestellungen. Das Risiko wird dabei meist mit der Volatilität bzw. der Schwankungsbreite gemessen. Auch wenn es banal klingt: Bei einer gegebenen Rendite soll das Risiko minimiert, und bei gegebenem Risiko die Rendite maximiert werden. Zu dumm nur, dass mit den Renditechancen in der Regel auch das Risikoniveau steigt… Diese Diskrepanz in Einklang zu bringen, stellt die hohe Kunst der Asset Allocation dar. Soweit die Theorie, doch was bedeutet das praktisch gesehen? Dieser Frage werden wir im zweiten Teil nachgehen und einige Anlageklassen unter die Lupe nehmen. Bis dahin und alles Gute für das neue Jahr!