Der glorreiche Minenboom der letzten Dekade ist vorüber. Die Dinge haben sich in den großen Rohstoffländern erwartungsgemäß zum Schlechteren hin gewendet. Nicht nur Kanada, wo die Wirtschaft gegen Ende des vergangenen Jahres zu schrumpfen begann, sondern vor allem auch Australien, Brasilien oder Südafrika stehen für diese Entwicklung Pate. Viele der ehedem im Boom aufstrebenden Minenregionen sehen sich nun mit einem Exodus an durch die Abbaukonzerne entlassenen Arbeitskräften konfrontiert, was mancherorts bereits zum Entstehen von Geisterstädten beiträgt.

Entlassungswellen führen zum Exodus von ehedem Beschäftigten  

Viele Minenunternehmen und Abbaukonzerne reagieren auf die teils stark gesunkenen Rohstoffpreise, indem sie ehedem geplante Förder- und Abbauprojekte auf Eis legen oder in Gänze aufgeben. Damit verbunden sind Entlassungswellen in einer für diese Länder enorm wichtigen Industrie, die bereits in die Tausende gehen.

Schwerwiegend im Hinblick auf diese Entwicklung ist die Tatsache, dass die in diesem Sektor vernichteten Arbeitsplätze oftmals gut bezahlt waren. Eines der besten Beispiele in Bezug auf die aktuellen Vorgänge ist das Surat Basin in Australien. Medien in Down Under berichten tagtäglich darüber, dass auch unter den ehedem Beschäftigten im Surat Basin der Exodus eingesetzt habe.

In besonders hart getroffenen Minenregionen sind Geisterstädte zurückgeblieben

Doch nicht nur das. Auch Unternehmensinvestitionen wurden nicht selten drastisch gekürzt, während sich die Kapitalströme umgekehrt haben. Die hart getroffenen Minenstädte haben sich in Geisterstädte verwandelt. Leer stehende Häuser und Geschäfte prägen heute das Bild in einer ganzen Reihe von ehedem aufstrebenden und stark vom Minenboom profitierenden Kommunen.

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Viele der ehemals in der Minenindustrie Beschäftigten sind sich heute nicht darüber im Klaren, was sie nun mit sich anfangen sollen. In welchem Sektor sollen sie im aktuellen Umfeld eine neue Beschäftigung finden? Zumal der Abschwung im Minenbereich schon längst auch auf Australiens allgemeinen Industriesektor übergesprungen ist (ich berichtete mehrfach). 

Anzeichen für bevorstehenden Minen- und Abbaubust wurden vielerorts ignoriert

Problem ist, dass die meisten Einwohner der traditionellen Minenkommunen die Anzeichen für einen bevorstehenden Bust nicht sehen wollten. Im Gegenteil rechneten sie damit, dass der aktuelle Zyklus noch rund zehn Jahre länger anhalten würde. Jetzt sehen sich viele mit der Realität konfrontiert. Und die ist hart, denn der einstige Boom hat völlig abrupt aufgehört, um sich in einen schmerzhaften Abschwung zu verwandeln.

Und während die entlassenen Minenkumpels den einstigen Boomregionen in Scharen den Rücken kehren, um in den Städten nach neuer Arbeit und Anstellung zu suchen, bekommen die Einwohner der traditionellen Minenregionen diese Entwicklung hart am eigenen Leib zu spüren. Nicht selten berichten Geschäftsinhaber über sechsstellige Umsatzrückgänge im Vergleich mit dem Vorjahr.  

Nachwuchs blickt einer von Unsicherheit geprägten Zukunft entgegen

Derweil geht unter den weiterhin in der australischen Minenindustrie beschäftigten Arbeitern die Angst vor dem eigenen Jobverlust um. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht einer der Abbaukonzerne in Bezug auf neue Entlassungswellen von sich reden macht. Vor allem für junge Menschen gibt es in diesem Umfeld kaum mehr Arbeit oder zufriedenstellend bezahlte Tätigkeiten.

Und damit trifft es in den klassischen Minenregionen des Landes auch den Nachwuchs der in der Minenindustrie Beschäftigten, die einer von zunehmender Unsicherheit geprägten Zukunft entgegenblicken. Ruhig geworden sei es in der Stadt, wie sich einer der Geschäftsinhaber von Dalby City ausdrückt. Leere Straßen und Geschäfte prägten das Stadtbild. Ganze Bereiche der Stadt sind bereits zu Geisterviertel verkommen.

Minenbust beginnt sich auf Häusermärkte auszuwirken

Interessant wird es nun sein, die weitere Preisentwicklung im aufgepumpten Häusermarkt des Landes zu beobachten. Ein wenig weiter westlich von Dalby werden die Auswirkungen aus dem ausgelaufenen Minenboom in dem Städtchen Chinchilla nämlich bereits spürbar. Die ehedem prosperierende Abbau- und Förderkommune hatte in den letzten Jahren insbesondere von der Zuwanderung aus anderen Teilen Australiens profitiert.

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Neben der Minen- boomte auch die Immobilienindustrie, die sich vor neuen Bauaufträgen einst kaum retten konnte, um den Zuwanderern ausreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen  Nicht selten hatten sich die Miet- und Häuserpreise in den letzten Jahren aufgrund der zunehmenden Nachfrage unter Zuwanderern verdoppelt.

Häuser- und Wohnraumnachfrage ist signifikant eingebrochen

Einst mussten Pensionäre aufgrund der exorbitanten Häuserpreise die Kommune verlassen, weil sie sich das Leben dort nicht mehr leisten konnten. Nun, da die Häusernachfrage in den vergangenen Wochen und Monaten teils signifikant eingebrochen ist, fehlt es ganz einfach an potenziellen Nachfragern aus den jeweiligen Regionen.

Laut vor Ort ansässigen Immobilienmaklern strömen zurzeit immer mehr zum Verkauf stehende Objekte auf die regionalen Märkte, während sich auf der Nachfrageseite kaum eine Belebung feststellen ließe. Vielen Minenkommunen wird nun zum Verhängnis, dass sie ökonomisch nicht ausreichend diversifiziert sind.

Diversifikation der regionalen Wirtschaft wurde abermals verpasst

In den Jahren des Booms hätte sich die Möglichkeit aufgetan, in andere Industriezweige zu investieren und diese auszubauen. Doch diese Chance ist in vielen Regionen einmal mehr verpasst worden. Manche der betroffenen Kommunen können zumindest noch auf einen gut funktionierenden Agrarsektor bauen.

Doch für Städte wie Dalby oder Chinchilla wird es finanziell und wirtschaftlich hingegen immer enger. Hinzu kommt, dass diverse Umweltgruppen und –organisationen in den letzten Jahren nicht nur gegen die durch den Minensektor verursachte Bodenverschmutzung Front machten, sondern sich auch für einen ausgewogeneren Agraranbau ins Zeug legen.  

Umweltgruppen machen gegen Luft- und Bodenverschmutzung mobil

Die mit Luft- und Bodenverschmutzung assoziierten Gesundheitsopfer in den traditionellen Minenregionen sind in den Jahren des Booms stark angestiegen. Viele Einwohner dieser Regionen sahen sich in einer Zwickmühle. Einerseits herrschte über lange Jahre nur der Profitgedanke vor, um so stark wie möglich vom Minenboom zu partizipieren.

Andererseits lassen sich Gesundheitsbedenken einfach nicht mehr vom Tisch fegen, sondern viele Einwohner haben eingesehen, dass sie der Realität ins Auge blicken müssen. Eine ganze Reihe von Aktivisten sah sich in den vergangenen Jahren nicht ernst genommen, und macht aus diesem Grund die lokale Politik für die zunehmenden Gesundheitsprobleme in den Minenregionen verantwortlich.

Politik hat den Menschen einfach nicht zugehört

Die Politik habe einfach nicht zugehört, wie es heißt. Resultat sei, dass die traditionellen Minenregionen des Landes sich nun vor mannigfaltige Herausforderungen gestellt sehen. Auf der einen Seite müssen neue Geschäftsmodelle so schnell wie möglich aus der Taufe gehoben werden, um Investitionen und Kapital anzuziehen.

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Auf der anderen Seite müssen Umweltbedenken Eingang in das Denken der Politik finden. Die sich nun dringend stellende Frage lautet, auf welche Weise der einsetzende Exodus von Arbeitskräften gestoppt werden kann und in welchen Sektoren diese Leute außerhalb des Minensektors weiter beschäftigt werden könnten. 

Australiens Löhne und Gehälter sowie Konsumgüterpreise mit die höchsten in der ganzen Welt – RBA versucht nationale Wirtschaft durch aggressive Zinssenkungen wiederzubeleben

Fragen, auf die es keine leichten Antworten geben wird. Feststeht, dass Australien seit mehr als zwanzig Jahren keine Rezession mehr durchleben musste. Eines der Resultate ist, dass sowohl Löhne und Gehälter als auch die Konsumgüterpreise mit die höchsten weltweit sind. Dazu gesellt sich eine der größten Häuserpreisblasen rund um den Globus, die aufgrund der aktuellen Entwicklung in Australiens Wirtschaft – wie auch in Kanada – jederzeit vor dem Platzen stehen könnte.

Darüber hinaus stellt sich die berechtigte Frage, auf welche Weise eine Rezession in Australien zuschlagen würde, wenn neben der wichtigen Minen- nun auch noch die Häuser- und Immobilienindustrie in den Abschwung übergehen würde. Bei der Reserve Bank of Australia versucht man sich diesem Abschwung mittels Zinssenkungen entgegenzustemmen. Erst am 3. Februar gab die RBA eine überraschende Zinssenkung um ein Viertelprozent auf ein Rekordtief von 2,25% bekannt.

Darüber hinaus wurde die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen. Wer auf die Entwicklung des australischen Dollars blickt, erkennt, dass die Währung ihren Sinkflug daraufhin fortsetzte. Gegenüber dem amerikanischen Greenback ist der australische Dollar fast auf ein 6-Jahres-Tief gesunken. Dies verteuert viele Importe, von denen insbesondere die Minenindustrie des Landes angewiesen ist, empfindlich. Ob aggressive Zinssenkungen helfen werden, um den bereits vor etwa zwei Jahren einsetzenden Abschwung zu stoppen, lässt sich getrost bezweifeln.