Buchvorstellung: Die Wahrheit über Geld – Wie kommt unser Geld in die Welt – und wie wird aus einem Kleinkredit ein großer Finanzcrash? von Raimund Brichta und Anton Voglmaier

Was genau ist eigentlich Geld? Ein Schein? Eine Münze? Ein Kontostand? Und wo kommt es her? Wie entsteht es? Und was bedeutet das für uns alle – für Konsum, Kredite, Altersvorsorge und vieles mehr? All das sind Fragen, mit denen Sie sich – liebe Cashkurs-Leser – mit Sicherheit schon beschäftigt haben. Ich selbst hatte angefangen Antworten zu suchen, als mich im Jahre 1999 meine damals dreijährige Tochter fragte, wo denn eigentlich das Geld herkomme. Es war allein diese Frage, die vieles bis heute in meinem Leben und Denken nachhaltig verändert hat. Die Antworten dazu können Sie in vielen meiner früheren Artikel nachlesen, die hier auf cashkurs.com erschienen sind. Überhaupt war diese eine Frage des kleinen Mädchens letztendlich der Beginn einer Reise und der Grund warum ich mich bis heute auch hier auf cashkurs.com mit den Begebenheiten der Finanzwelt und -politik auseinandersetze.

Nichtsdestotrotz sollte man niemals denken, angekommen zu sein und glauben man hätte das System nun endgültig verstanden. Zu oft musste ich in der Vergangenheit bis dahin geglaubte Überzeugungen über Bord werfen und neue Denkweisen und -richtungen zulassen. Doch manchmal gibt es auch Bestätigungen und weitreichende Übereinstimmung. Und genau aus diesem Grund möchte ich Ihnen heute das neue Buch „Die Wahrheit über Geld“ des bekannten n-tv Moderators und Börsenkommentators Raimund Brichta vorstellen, der als Dipl.-Volkswirt  2008 mit dem State-Street-Preis für Finanzjournalisten ausgezeichnet wurde.       

Co-Autor des Buches ist der studierte Betriebswirtschaftler und Jurist Anton Vogelmaier. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt in Berlin hat sich Vogelmaier bundesweit einen Namen als Wirtschaftsjournalist und Spezialist für den Geld- und Kapitalmarkt gemacht.

Zunächst einmal sei gesagt, dass es großen Spaß macht, das Buch zu lesen. Der Stil erinnert ein wenig an Dirk Müllers erstes Buch „Crashkurs“. Es ist unterhaltsam und teils witzig. Eigentlich trockener Stoff - wie die Behandlung der buchhalterischen Seite durch Darstellungen einer Bankbilanz - werden im Text auflockernd und teils amüsant erklärt.

Besonders gelungen und auflockernd sind die Gespräche zwischen den Autoren, die im Buch abgedruckt sind. An dieser Stelle ein kleiner Auszug dazu:

[...] „Manche Leser, Raimund, mögen es vermutlich immer noch nicht glauben, dass eine Bank, die Geld „verleiht“, dieses Geld im Moment der Kreditvergabe erst macht, also „schöpft“. Im Alltagsbewußtsein nimmt man doch an, man könne nur das verleihen, das man auch hat.“

„Beim Geld muss man das Alltagsbewußtsein eben über Bord werfen. Wir haben ja Schritt für Schritt gezeigt, was beim Geldmachen in einer Bankbilanz passiert.“

„Das Problem ist nur, dass man einer Bank beim Geldschöpfen in der Praxis nie so über die Schulter schauen und in die Bilanz gucken kann, wie wir es dargestellt haben. All die Dinge passieren schließlich im Verborgenen.“

„Deshalb haben wir sie ja ans Licht geholt.“ S. 40 [...]

Die Autoren halten sich auch keineswegs mit klaren Aussagen zurück. So zum Beispiel zur weiteren Zinsentwicklung:

[...] Da im fortgeschrittenen Stadium unseres Geldwesens niedrige Zinsen also unerlässlich sind, rechnen wir damit, dass uns diese noch sehr, sehr lange erhalten bleiben – vermutlich sogar, bis sich ein Kollaps bereits am Horizont abzeichnet. In einigen Bereichen dürften die Zinsen sogar längere Zeit unter Null rutschen. Für Notenbanken beispielsweise sind solche Negativzinsen eine ernsthafte Option. S. 194 [...]

Ebenfalls nehmen die Autoren eindeutig zum Thema Euro und Währungsunion Stellung. Im Kapitel „Das Ende ist nicht mehr aufzuhalten“ positionieren sie sich entschieden und drastisch, indem sie den Zerfall der fehlkonstruierten Gemeinschaftswährung vorhersagen. Freilich drücken sich Brichta und Voglmaier verständlicherweise vor einer genauen zeitlichen Voraussage und überlassen diesen Part lieber dem Unternehmensberater und Buchautoren Winfried Neun, der sich mit dieser Frage aus Sicht der Wirtschafts- und Massenpsychologie beschäftigt hat. Dieser wagt konkrete Prognosen aufgrund psychologischer Erkenntnisse:

[...] Winfried Neun: Der Euro durchläuft zurzeit eine psychologisch kritische Phase. Im Euroraum baut sich eine Stimmung auf, die mehr die negativen Seiten des Euro wahrnimmt als dessen Vorteile. Dies führt zu einer Dauer-Stimmungsbelastung, welche sehr anfällig für radikale – das heißt extreme – Entscheidungen ist. [...] Zu viel an negativen Referenzen ist im kollektiven Gedächtnis der Eurobürger gespeichert. Ein Aus des Euro scheint unausweichlich. Bei näherer Betrachtung zeigen sich in einzelnen Ländern schon klare Ausstiegssignale und Überlegungen zur Rückführung in die Einzelwährungen. Die intensive Kritik an einzelnen Staaten vernichtet jedes kollektive Bewusstsein und wiegt schwerer als die Hoffnung auf Besserung. Ein derartiger Zustand kann drei bis fünf Jahre andauern – endet jedoch meistens in einer dramatischen Reaktion. Spätestens im Jahr 2015 scheint dieser Punkt für den Euro erreicht zu sein, vorausgesetzt, dass alle bisherigen Verhaltensmuster der Euroländer beibehalten werden und eine ökonomisch und finanziell intensivierte Eurogemeinschaft nicht möglich wird. 

Brichta/Voglmaier: Heißt das konkret, Sie rechnen mit einem Euro-Aus spätestens 2015?

Winfried Neun: Ja, die Gefahr ist in der Tat groß. Gleichgültig, ob ein komplettes Aus als Szenario eintreten wird oder aber eine Reduktion des Euro auf "Kernmitglieder"“ welche den Stabilitätskriterien nachhaltig gerecht werden: Spätestens 2015 wird die Währungsunion eine andere sein als heute. [...]

Das Buch „Die Wahrheit über Geld“ ist in meinen Augen ein unbedingter Lesetipp. Alle wichtigen Dinge und Belange des Geldes wie beispielsweise die Problematik der heutigen Geldschöpfung, die Unterschiede von Zins und Zinseszins, die Fehlkonstruktion des Euro, Schwund- und Goldgeld etc. werden sehr verständlich und unterhaltsam erklärt und besprochen. Das Buch erscheint am kommenden Dienstag, den 1. Oktober und ist in jeder guten Buchhandlung erhältlich.

Gebundene Ausgabe: 309 Seiten

Verlag: Börsenbuchverlag; Auflage: 1 (1. Oktober 2013)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3864701260

ISBN-13: 978-3864701269

Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 3,2 cm