Liebe Cashkurs-Community,

in der neuen Rubrik "Buchtipps" möchten wir Ihnen immer wieder interessante Bücher vorstellen, die sich mit den gleichen oder ähnlichen Themen beschäftigen, wie wir hier auf Cashkurs.com. Die hier vorgestellten Werke liefern oft noch einen viel tieferen Einblick in die jeweilige Materie. Unser Ziel auf Cashkurs.com ist es, Themen möglichst umfassend zu behandeln, wobei der Schwerpunkt natürlich auf der tagesaktuellen Berichterstattung liegt. Für alle, die sich gerne weiter in die Themen einlesen wollen, möchten wir an dieser Stelle lesenswerte Lektüre vorstellen. Den Anfang macht Helmut Reinhardt mit dem Buch von Thomas Strobl: Ohne Schulden läuft nichts. 

Viel Spaß beim Lesen.

Buchvorstellung: Ohne Schulden läuft nichts - Warum uns Sparsamkeit nicht reicher, sondern ärmer macht 

Die Welt versinkt in Schulden: Griechenland, Irland, Spanien, Italien, Belgien, etc. pp. Selbst die USA sind mittlerweile ob ihrer Staatsverschuldung in den Mittelpunkt der Medienberichterstattung gerückt. Und da kommt in dieser hochverschuldeten Zeit auf einmal ein Thomas Strobl, alias Weissgarnix mit einem neuen Buch um die Ecke, dem er ganz frech den Titel „Ohne Schulden läuft nichts“ verleiht. Der Zusatz „Warum uns Sparsamkeit nicht reicher, sondern ärmer macht“ dürfte im Übrigen ausreichen, den ein oder anderen Mainstream-Ökonomen und Politiker am geistigen Gesundheitszustand des Autors zweifeln und sein Buch wütend in der Rundablage verschwinden zu lassen. Doch weit gefehlt, liebe Cashkurs-Gemeinde!

Mit Humor und stets unterhaltsamer Sprache bringt Strobl dem Leser volkswirtschaftliche Zusammenhänge nahe und weist in der Tat nach, dass unser gesamtes derzeitiges System auf Schulden, Kredit und Wetten auf die Zukunft aufgebaut ist. Doch trotz wohlartikuliertem und teils lustigem Schreibstil dürfte es für Neueinsteiger ins Thema „Finanzen“ nicht allzu leicht verständlich und torsohaft schwere Kost sein.  

Der vorgebildete Leser erhält nicht nur interessante, gut zu verstehende Informationen über unsere heutige Finanzwelt, sondern auch das ein oder andere Mal einen amüsanten Einblick in den privaten Bereich berühmter Ökonomen. So erfährt man beispielsweise, dass Joseph Schumpeter nicht nur als größter Ökonom Österreichs, sondern Anfang des 20. Jahrhunderts auch als bester Liebhaber Wiens und herausragendster Reiter in die Geschichte der Alpenrepublik eingehen wollte. Schumpeter, dieser alte Sausack und Pleitier! ;-)

Das Buch gliedert sich in vier Kapitel, wobei im ersten die geschichtliche Entwicklung des heutigen kapitalistischen Systems im Fokus seiner Betrachtung steht. Doch kann man sich über manche seiner Aussagen sicher- und trefflich streiten. Seine Theorie, dass erst der Finanzkapitalismus und Geld durch Kreditschuld es ermöglichten, genügend KapitalKapital das unbekannte Wesen der Menschheit ? - bereitzustellen, um endlich Staudämme, Eisenbahnen, Berg-, Kraft- und Stahlwerke bauen zu können erinnert eindeutig an die Aussage, dass Banker Gottes Werk verrichten. Über diese Ansicht müsste man imho lange diskutieren und streiten. Ich persönlich bin da jedenfalls völlig anderer Meinung.

Im zweiten Teil beschäftigt sich Strobl mit volkswirtschaftlichen Theorien und der Unmöglichkeit mit diesen oft krude konstruierten Ansätzen eine Wirklichkeit zu erklären, die es so innerhalb der theoretischen Gedankengebäude gar nicht geben dürfte. Die Krisen des Kapitalismus sieht der Autor nicht als vermeidbare Karambolage oder böse Heimsuchung, sondern als systemimmanent und unvermeidbar.

Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit der Macht der Banken und Strobl beschreibt sie von Natur aus als Geschäftsmodelle mit dem Hang und Drang zur gefährlichen Spekulation. Unsere moderne Wirtschaft fasst er als ein komplexes Arrangement aus Investitionen, Krediten und Gewinnen über mehrere Zeitebenen zusammen, wobei er die Wetten auf eine positive Zukunft in den Vordergrund stellt, aber oft genug darauf hinweist, dass Optimismus auch schief gehen kann.

Das vierte Kapitel beginnt in amüsanter Form mit einer utopischen Zeitreise aus dem Roman Looking Backward or Life in the Year 2000 und Thomas Strobl wagt im letzten Teil selbst einen Blick in die Zukunft. Trotz der sich ständig häufender Krisen hält der Autor den Kapitalismus für gesund (Hey, lieber Weissgarnix, das glaubt dir doch kein Schwein mehr!) und ist der Meinung, dass „es“ immer so weiter gehen wird in einer Flucht nach vorne: Niemand würde es jemals schaffen, den Kapitalismus umzubringen. Und doch folgert er, dass ein Übergang vom Haben und Sparen in eine neue ökonomische Ära des Seins einen großen Schritt für die Menschheit darstellen würde.

Obwohl Strobl oft genug davon spricht, dass Kredit den Glauben an eine gute Zukunft voraussetzt, so ist er selbst bezüglich seines Glaubens an zukünftige Systemveränderungen äußerst zurückhaltend. „Ohne Schulden läuft nichts“ ist ein Buch, das man gelesen haben sollte, weil es hilft im eigenen Denken neue Sichtweisen zu installieren. Doch Vorsicht, glauben sie dem Autor nicht alles, was er oft in brillanter Form darzustellen versteht. Vielleicht wird die Zukunft viel rosiger, als man derzeit annehmen könnte. Nicht wegen dem gehuldigten Kapitalismus, sondern mit einer erneuerten Geld- und Wirtschaftsordnung, die die Bedürfnisse des Menschen und seines Seins besser befriedigt als die derzeitige.

ISBN-10: 3423248319, aktueller Preis: 14,90 Euro im Handel

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