Natürlich kennen Sie Oliver Roth von seinen Tagesausblicken, Marktkommentaren und Artikeln hier auf cashkurs.com. Letztlich vielleicht auch durch zahlreiche Interviewauftritte zum Börsengeschehen im deutschen Fernsehen. Und eventuell hat ihn das ein oder andere ältere Semester auch noch als Fußballprofi des BVB und von Kickers Offenbach in Erinnerung. Vor über 25 Jahren tauschte Oliver Roth das Fußballtrikot gegen einen Businessanzug und betrat am 1. August 1989 zum ersten Mal das Parkett der Frankfurter Börse.

Oliver Roth hat nun sein erstes Buch veröffentlicht, das sich als Zielgruppe in erster Linie an Anfänger und Börsenneulinge richtet. Börsenkauderwelsch oder Fachchinesisch findet man deshalb in Earning by doing überhaupt nicht. Stattdessen eine klare und verständliche Sprache, oftmals mit einer guten Prise hessischen Humors gewürzt. Gerade für Laien eignet sich dieses Buch deshalb hervorragend als Einstiegsliteratur. In den Kapiteln „Börsianisch für Anfänger“ und „Die Grundlagen der Börse“ wird dem Leser wertvolles Basiswissen zum Börsengeschehen vermittelt. In den Kapiteln vier und fünf „Das Gold von König Midas“ und „Wo können Sie Ihr Geld erfolgreich anlegen“ nimmt der Autor dem unbedarften Börsenlaien die oft verbreitete Angst vor Aktienanlagen, Geldmarktfonds und Termingeld und gibt klare Empfehlungen hinsichtlich Geldvermögensaufbau oder einer persönlichen Liquiditätsplanung.

[…] Fazit: Im Rahmen Ihrer persönlichen Liquiditätsplanung geht Erhalt vor Aufbau. Das Beste, was Sie mit Ihrem Bargeld tun können, ist, in Tages-Festgeldkonten oder Geldmarktfonds zu investieren, um die Liquidität zu sichern und das Vermögen zu erhalten. In Hochzinsphasen kann damit auch das Vermögen ausgebaut werden, was allerdings aktuell nicht der Fall ist. […]

                                                                      Earning by doing S.70/71//5

Intensiv widmet sich Oliver Roth verschiedenen Prinzipien der Geldanlage und ihren Bestandteilen Liquidität, Kapital, Zeit und vor allem Risikomanagement. Oliver Roth erläutert ausführlich die aus seiner Sicht fünf wichtigsten Anlageklassen, die er in einer Pyramide wie folgt darstellt:

1. Girokonto, Tagesgeld, Sparkonto zur Sicherung der Liquidität, um immer ausreichend Bargeld – auch für unvorhergesehene Ereignisse (z.B. Autoreparatur) – zur Verfügung zu haben

2. Renten/Anleihen/Fonds

3. Immobilien

4. Aktien/Fonds

5. Derivate

Ein wenig rätselhaft erscheint mir hierbei allerdings, warum die Assetklassen Immobilien und Aktien in der Pyramidengrafik auf Rang 3 bzw. 4, im Text jedoch auf Rang 4 bzw. 3 eingestuft werden. Vielleicht ein Flüchtigkeitsfehler. Nichtsdestotrotz erläutert der Autor gerade die Anlageklasse Immobilien sehr ausführlich und aus verschiedenen Blickwinkeln:

  • die eigengenutzte Immobilie
  • die Immobilie als Kapitalanlage (Vermietung)
  • Mieten für den Eigenbedarf

Erheiternd und spannend wird es im Kapitel „Mein persönlicher Crash“, indem Oliver Roth eine Begebenheit schildert, die ihm während des Crashs im Oktober 1989 den nackten Angstschweiß auf die Stirn trieb. Man fühlt mit, wenn er beschreibt wie er nach dramatischen Verlusten am Ende von Börsensitzungen völlig fix und fertig in seinen Bürostuhl fällt und nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht.

Im nächsten Kapitel „Wie Sie vom Crash profitieren können“ erhält der Leser wertvolle Tipps hinsichtlich Geduld, Disziplin und Kapitalmanagement. Im Prinzip „Damoklesschwert“ erklärt Oliver Roth ausführlich, warum man sich als Anleger bei bestimmten Gefahren für einzelne Unternehmen oder gar ganze Branchen besser an der Seitenlinie positionieren sollte.

Wenn ein Damoklesschwert ein Unternehmen oder eine ganze Branche nachhaltig bedroht, hat man als Anleger dort nichts zu suchen und sollte sich mit dem Erreichten begnügen.

                                                                          Earning by doing S.107//7

Sollten Sie werte Cashkurs-Leser einige meiner eigenen Artikel zum Geldsystem auf cashkurs.com gelesen haben, werden Sie verstehen, dass ich persönlich mit den letzten Kapiteln in Earning by doing nicht unbedingt einverstanden sein kann. Da würde ich sehr, sehr gerne einmal mit Oliver Roth diskutieren und würde mich sehr freuen, wenn wir da einmal einen Gesprächs-/Interviewtermin vereinbaren könnten. Denn über einige Themenblöcke ließe sich trefflich diskutieren, so zum Beispiel, ob es den Tauschhandel in frühen Gesellschaften (Stammesgesellschaften) jemals über längere Zeit (Jahre/Jahrzehnte) und als Grundlage einer arbeitsteiligen Wirtschaft gegeben hat. Zudem steht die Frage über die Wirkungsweisen von Zins und vor allem Zinseszinses im Raum und ob dieser tatsächlich die Wurzel allen Übels oder eher als Folge eines fehlkonstruierten Geld- und Wirtschaftssystems gesehen werden muss. Also, lieber Oliver Roth, wenn Sie Lust und Zeit haben, ich würde mich sehr freuen!

Dirk Müllers Rezension

Ich habe das Buch von Oliver Roth mit Freuden gelesen. Ganz klar, es ist ein Buch für absolute Börsenneulinge. Der erfahrene Anleger liest das Buch unter Unterhaltungsgesichtspunkten und dennoch wird auch der (Semi-)Profi immer wieder die eine oder andere neue Erkenntnis, einen neuen Sichtwinkel gewinnen. Die wunderschönen Anekdoten und Beschreibungen des Börsengeschehens haben mich des Öfteren laut lachen lassen und ich dachte oft „Ja, genau so war´s !“ Wenn man das Ganze dann noch liest und dabei Olivers liebenswertes Hessisch im Ohr hat und seinen Schalk kennt, dann macht das Buch doppelt Spaß. Natürlich gibt es wie in jedem Buch einzelne Elemente, wo man sofort in die Diskussion gehen möchte, aber auch das ist Börse. Würde es hier immer nur eine legitime Sichtweise geben, bräuchten wir keine Börse, an der eben nicht nur Aktien, sondern auch unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen gehandelt werden. Lieber Oliver, ich danke Dir für die unterhaltsamen Stunden, die ich gestern mit Deinem Buch hatte, es hat mich immer wieder gerne in die „gute alte Zeit“ zurückversetzt und mir zugleich einige Aspekte über Dich und unsere Börse gezeigt, die selbst ich noch nicht kannte.

Ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg damit und dass Du noch vielen jungen Kollegen an der Börse beibringst, was für uns immer galt: Das gegebene Wort ist mindestens so wertvoll wie der unterzeichnete Vertrag.