Thema dieses Beitrags ist der technische Ablauf des Clearings zwischen Geschäftsbanken und ist Fortsetzung meiner früheren Beiträge zum bestehenden Geldsystem.

Das Clearing zwischen zwei Banken

Banken erhalten und senden bekanntlich Überweisungen im Auftrag ihrer Kunden. Oftmals hört man, dass jede Überweisung von Giralgeld in gleicher Höhe von Zentralbankgeld begleitet wird, doch tatsächlich wird am Tagesende nur die Differenz aus allen gestellten Überweisungen ermittelt. Das Verfahren wird als Clearing bezeichnet. Nur der Saldo (also die Differenz) wird bei der Zentralbank von einem zum anderen Konto, welches jede Geschäftsbank bei der Zentralbank unterhält  umgebucht. Die Bankleitzahl ist nichts anderes als die Kontonummer der Geschäftsbank bei der Zentralbank.

Innerhalb des gesamten Systems ist es folglich nicht erforderlich, dass die Höhe des Zentralbankgeldes der Menge des Geschäftsbanken-Giralgeldes entsprechen muss. Werden z.B. 100.000 Überweisungen mit einem Volumen von 80 Mio. Euro innerhalb einer Bank durchgeführt, hat sich nur die Zuordnung der Giralgelder auf den Konten der Nichtbanken verändert. Zentralbankgeld ist für Überweisungen innerhalb einer Bank nicht erforderlich.

Werden 100.000 Überweisungen mit dem gleichen Volumen (80 Mio. Euro) von Bank A an diverse andere Banken (B, C, D, E, ...) angewiesen und bekommt Bank A am gleichen Tag Zuflüsse anderer Banken in Höhe von 80,02 Mio. Euro, dann haben 80 Mio. Euro im Grunde die Wirkung interner Überweisungen und nur 0,02 Mio. Euro ZB-Geld müssen für den gesamten Zahlungsverkehr bereit stehen.

Zusammenfassend sei festgestellt, dass Überweisungen von Giralgeld nicht in gleicher Höhe von Zentralbankgeld begleitet werden, wie es aus der Betrachtung einer einzelnen Überweisung scheinbar eruiert werden könnte. Am Tagesende zählt nur die Differenz aus allem Überweisungen, die durch Buchungen auf den ZB-Konten der Geschäftsbanken ausgeglichen werden. Ob einer Bank Zentralbankgeld zufließt oder abfließt, ergibt sich somit erst am Tagesende.

Ähnlich sieht es beim Bargeld aus. Jeden Tag erfolgen Bargeldabhebungen zu Lasten der Kasse, genauso wie täglich Bareinzahlungen getätigt werden. Die Abhebungen erfolgen meist durch Privatpersonen - die Einzahlungen durch Geschäfte (in der Regel durch den nächtlichen Einwurf sogenannter Geldbomben).

Das Clearing zwischen vielen Banken

Bekanntlich existieren mehr als nur zwei Banken und jede Bank führt jeden Tag zu mehreren Banken Überweisungen aus und erhält von mehreren Banken Überweisungen. Würde die Abwicklung jeweils zwischen zwei Banken erfolgen, würde im Anschluss an den Überweisungsschluss eine umfangreiche Berechnung mit einem erneuten sehr hohem Überweisungsvolumen der Tagessalden von jeweils zwei Banken nötig sein. Dieser immense Aufwand wird durch das Clearingverfahren umgangen, bei dem keine Tagessalden zwischen jeweils zwei Banken durch ZB-Geld-Überweisungen ausgeglichen werden, sondern nur der in einer Bank entstehende Saldo gegenüber einem neutralem Saldenabwicklungskonto mit ZB-Giralgeld durchgeführt wird.

Dieses Durcheinander in Abb. 2 lässt sich auch in einer Matrix gut darstellen. Die grau unterlegten Angaben stellen die Überweisungen innerhalb der Bank dar. In diesem kleinen Beispiel von nur 6 Banken werden insgesamt 258 Geldeinheiten überwiesen, davon 180 zwischen Banken und 74 innerhalb der Banken.

Es ergibt sich zwischen jeweils zwei Banken ein Tagessaldo. Bei diesem Vorgehen müsste jede Bank wie oben schon erwähnt nach Tagesschluss einige hunderte Überweisungen an andere Banken durchführen und erhielte von einigen hundert Banken Überweisungen.

Stellen Sie sich nun die Realität mit vielen hunderten von beteiligten Banken vor, bei 500 Banken enthielte die Matrix schon 25.000 Felder.

Deshalb erfolgt das Clearingverfahren über ein neutrales Drittkonto, bei dem nur der Tagessaldo eingezahlt oder von welchem an die Bank ausgezahlt wird. Die Einzelsalden zwischen jeweils zwei Banken werden für die Transferabwicklung nicht benötigt. Jede Bank akzeptiert zunächst Überweisungen von Giralgeld ohne eine Begleitung mit ZB-Geld. Aus diesem Grund kann es zum Beispiel passieren, dass beim Lastschriftverfahren zunächst der Betrag dem Konto des Gläubigers gutgeschrieben wird, jedoch wenige Tage später wieder rückgebucht wird, da sich herausgestellt hat, dass die Bank des Schuldners den Ausgleich mit Zentralbankgeld verweigert hat, da das Schuldnerkonto keine ausreichende Deckung an Giralgeld aufwies.

Um alle Transfers zu ermöglichen steht den Banken der Interbankenmarkt zur Verfügung, auf dem Banken mit Zufluss ZB-Geld anbieten und Banken mit Abfluss ZB-Geld leihen können.

Nach dem täglichen Überweisungsschluss weiß jede Bank exakt, wieviel ZB-Giralgeld sie als Ausgleich erhält bzw. abfließt. Hat eine Bank zu wenig Barreserve, um den Saldo überweisen zu können, dann haben anderen Banken eine höheren Zufluss zu erwarten. Auf dem Interbankenmarkt im Anschluss an den Überweisungsschluss bieten die Banken mit Überschuss ZB-Giralgeld an und Banken mit Bedarf nehmen die Angebote als Kurzfristkredit an. Die Laufzeit dieser Kredite reicht von wenigen Tagen bis zu wenigen Monaten.

Die endgültigen Beträge liegen in der Regel bei jeder Bank und jeden Tag nahe bei Null.

Im Grunde ist das Clearing sehr einfach geregelt. Bank D überweist im obigen Beispiel zwei Einheiten auf das Clearingkonto und Bank B und E erhält jeweils eine Einheit aus diesem Topf. Bei den anderen Banken beträgt der Tagessaldo Null.

Jede Bank überweist nur ihren Saldo an das Clearingkonto bzw. erhält Zufluss von diesem:

Je mehr Banken beteiligt sind, umso weniger ZB-Giralgeld wird bewegt und desto weniger Barreserve muss eine Bank halten. In einer Bilanzdarstellung zwischen zwei Banken entsteht der bisher nicht aufgezeigte Bilanzposten „Verbindlichkeiten an Banken“ und „Forderungen an Banken“.

Alternativ kann eine Bank auch bei der Zentralbank fehlendes ZB-Geld durch Übernachtkredite erhalten (beispielsweise während eines Interbanken-Vertrauenverlustes ;-)) oder nutzt die vollständige Überschussreserve und bricht in die Mindestreserve ein. Die Mindestreserve muss nicht täglich erfüllt sein, sondern nur im monatlichen Durchschnitt.

Falls Sie sich mit der Thematik auseinandersetzen, Abhandlungen über das Verfahren lesen, dann wird Ihnen öfter die Aussage „Jede Überweisung wird mit ZB-Geld begleitet“ begegnen. Diese Aussage ist nur für den in der Praxis nicht auftretenden Fall gültig, wenn es genau eine Überweisung zwischen zwei Banken gibt und ansonsten keine weiteren. Und selbst im Fall von nur zwei existierenden Banken ist diese Aussage nicht völlig korrekt, da sich diese beiden Banken gegenseitig einen Kredit einräumen können.

Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass sich das ZB-Geld zwischen Banken mehr oder weniger im Stillstand befindet. Verschiebungen finden kaum statt. Deshalb sind folgende Aussagen weitaus zutreffender:

Jede Bank behält größtenteils ihre Barreserve.

Überweisungen werden nur selten von ZB-Giralgeld begleitet.

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