Das sollte und wollte der DAXplus Seasonal Strategie der Deutschen Börse verwirklichen – Doch der strategische Ansatz ging in die Hose  - Das „Sell in May“ ist offensichtlich doch kein so guter Tipp – Der stinknormale DAX performte zuletzt klar besser

-       Bruno Hidding –

Wir alle haben sicher schon davon geträumt es fertig zu bekommen, nur in den guten Börsenmonaten im Markt zu sein und in den schlechten Monaten die Verluste den anderen zu überlassen. Nur ist dabei natürlich die Frage, und die ist dummerweise auch noch im Vorhinein zu beantworten, was sind gute und was sind schlechte Monate. Eine Frage, die sich an Hand von langfristigen Durchschnittwerten offensichtlich aber ganz gut beantworten lässt. Ein Blick auf die Grafik der Helaba  über die Saisonzyklen legt es doch sofort nahe, in den schlechten Sommermonaten nicht dabei zu sein. Sicher ist es mehr als erstaunlich dass übereinstimmend für die großen Indices Dow Jones, Nikkei und auch den deutschen DAX die Sommermonate August und September im langfristigen Durchschnitt die bei weitem schlechtesten Monate sind.

Diese Erkenntnis vor Augen hat damals im Juni 2005 die Deutsche Börse in einen neuen Strategie-Index umgesetzt. Auf Kiel gelegt wurde der DAXplus Seasonal Strategie, der dem Anleger die Möglichkeit eröffnete, nur in den angeblich besseren zehn Monaten mit von der Partie zu sein, in den statistisch schlechten Monaten August und September quasi auf Warteposition zu verharren. Jeweils am letzten Handelstag des Monats Juli wird der Indexwert festgeschrieben, sozusagen auf Eis gelegt und bis zum letzten Handelstag im September nicht verändert. Ab Oktober geht es dann regelmäßig im übliche Muster weiter. Und wie beim stinknormalen DAX wird auch hier ein Performance-Index (incl. der Dividenden) und ein reiner Kursindex berechnet.

Hohe Outperformance-Wahrscheinlichkeit versprochen

Damals äußerte sich die Deutsche Börse richtig stolz, dass man mit diesem 10-Monats-Saison-Index die Index-Familie der Börse und damit die Position als führender Index-Anbieter in Deutschland weiter ausbaue. Damals hieß es wörtlich:  “Der neue Index setzt gezielt auf die Monate mit einer historisch starken Performance und hat so in den vergangenen fünf Jahren den DAX durchschnittlich um über zwölf Prozent übertroffen.“ Klingt gut. Und da diese Aktivität zusammen mit dem Finanzhaus ABN Amro entwickelt wurde, gab es von diesem Finanzhaus natürlich auch sofort ein entsprechendes Zertifikat, mit dem, wie es hieß, dem Anleger ein einfacher und transparenter Zugang zu einer langfristig überzeugenden Investmentstrategie mit hoher Outperformance-Wahrscheinlichkeit geboten werde.

Ein Blick auf die 35-Jahresstatistik der Helaba legt derartige Schlüsse nahe. Nur bleibt die Frage, ob aufgrund solcher statistischen Durchschnitte wirklich eine systematische Überrendite erzielt werden kann. Die Frage gestellt heißt, sie zu beantworten. Chart  Numero zwei zeigt die beiden DAXe friedlich in einem Schaubild, nur stimmen die Führungsrollen nicht.

Der stinknormale DAX liegt fast immer oben, der Überrenditen verheißende DAX Seasonal Strategy hat das Nachsehen. Dumm gelaufen. Was an den alten Börsenwitz erinnert von dem von sich selbst zu überzeugten Anleger. Der  behauptet ständig, dass seine Strategie richtig gewesen sei, nur wäre die Börse falsch gelaufen.

Aber die Outperformance is nicht eingetreten

Was ist passiert. Das Schaubild zwei zeigt die Gründe bei näherem Hinsehen ganz klar. In den beiden Monaten, in denen der DAXplus Seasonal Strategy sein Päuschen einlegte, klar zu erkennen an dem waagerechten Verlauf der Kurskurve, hat der normale DAX eben meist nicht verloren, sondern sogar gewonnen:

2006: Während des DAXplus pausiert, gewinnt der normale DAX entgegen den Annahmen deutlich hinzu. Ähnlich ist die Situation 2007, 2009 und 2010. Lediglich im Jahre 2008 macht der DAX das, was die Strategie des DAXplus unterstellt, er fällt. Aber das ist zu wenig, um über den gesamten Zeitraum die Nase vorne zu haben. So rangiert der DAXplus  dann aktuell deutlich unter dem DAX. Die Zeiten scheinen also vorbei, in denen mit solchen Strategien auf Dauer eine Outperformance erzielt werden kann. Wie schrieb schon 2005 dazu die Helaba: “Aufgrund der hohen Bekanntheit saisonaler Muster sowie sinkender Transaktionskosten ist für die Zukunft tendenziell mit einer Zerstörung dieser Muster zu rechnen“. Es bleibt uns also als Anleger nichts anderes übrig, als unsere Anlageentscheidungen erst nach einer Analyse aller wichtigen fundamentalen und technischen Faktoren zu treffen. Schade.

Aber ein Trost hat dazu schon vor Jahrzehnten der Schriftsteller Mark Twain für uns formuliert: „Der Oktober ist einer der besonders gefährlichen Monate, um in Aktien zu spekulieren. Die anderen gefährlichen Monate sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“

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