Was würde wohl RTL-Schuldnerberater Peter Zwegat zum bundesdeutschen Haushaltsplan 2010 sagen? Der Mann gibt in seiner Sendung „Raus aus den Schulden“ ja selten auf, aber ich denke, er würde angesichts der Zahlen, die unser Finanzminister Wolfgang Schäuble vorgelegt hat, schlichtweg verzweifeln.

Es ist schon ein bisschen skurril, wenn in den Medien auf Griechenland eingedroschen wird, ohne dass wir Deutschen in der Lage scheinen, unsere eigene Finanzsituation kritisch zu beäugen. Teilweise bemerkt man gar einen völlig unberechtigten Anflug von (finanzieller) Arroganz in der Berichterstattung der Medien. So hört man beinahe täglich von der „unverantwortlichen Ausgabenpolitik und eklatanten Schuldenmacherei“ der PIIGS-Staaten, um dann gleich darauf einer fast schon arrogant zu nennenden  Selbstbeweihräucherung einer angeblichen „soliden finanziellen Stabilität Deutschlands“ beiwohnen zu dürfen.

Unbestreitbar sieht es für die PIIGS und vor allem Griechenland finanziell nicht gerade rosig aus, und vor allem Griechenland wird zu Recht vorgeworfen, sich die Mitgliedschaft in der EURO-Währungsunion durch frisierte Zahlen ermogelt zu haben (auch wenn das schon damals allgemein bekannt war). Doch trotzdem würde Peter Zwegat uns Deutschen wahrscheinlich raten, uns einmal an die eigene Nase zu fassen, - ohne natürlich zu begreifen, dass in unserem Geldsystem die Vermögen des einen die Schulden des anderen bedingen. Verfolgt man die Diskussionen in Funk und Fernsehen, so wird diese Tatsache konsequent ausgeblendet.

„Schulden sind böse“ und werden niemals als das gesehen, was sie tatsächlich sind, nämlich im Falle der Staatsschulden, die Vermögen der Banken, Pensionskassen und Lebensversicherer, die in Staatsanleihen investiert sind. Es ist wirklich erstaunlich und es ärgert maßlos, dass dieses Faktum in den diversen Talkshows konsequent tabuisiert wird. Genauso scheint den meisten nicht wirklich klar zu sein, dass Staatsschulden ganz einfach niemals rückzahlbar sind, da erstens die Einnahmen der Staaten dieses niemals erlauben und zweitens die Staatsschulden u.a. garantieren, dass Banken, Lebensversicherer und Pensionskassen Geld verdienen, um Spareinlagen ihrer Kunden überhaupt verzinsen zu können. Kurzum: die Zinszahlungen des Staates sind u.a. die Zinseinkünfte der Sparer.  

Angesichts drohender Staatspleiten – nicht nur in den PIIGS-Staaten – sollte die Bevölkerung und vor allem die Politik langsam aufwachen. Lassen Sie uns, um auch die Dramatik der deutschen Staatsverschuldung zu veranschaulichen, einfach einmal eine kleine Währungsreform durchführen.

Der Bund hat in den letzten 60 Jahren Schulden in Höhe von 1,7 Billionen Euro angehäuft. Das sind 1700 Milliarden oder eine Million siebenhunderttausend Millionen Euro. Eine gewaltige Zahl, die wahrscheinlich für die meisten Bürger gar nicht mehr begreifbar ist.

Irgendwann einmal, - vielleicht schon sehr bald – müssen Nullen in Form eines Währungsschnittes gestrichen werden. Schmelzen wir nun den Schuldenberg Deutschlands einfach auf 1700,00 Euro zusammen (um das ganze übersichtlicher und begreifbarer zu machen) und schauen uns die Situation im Stil des RTL-Schuldnerberaters Peter Zwegat an.

Der bundesdeutsche Haushalt sieht für 2010 Ausgaben in Höhe von 327 Milliarden Euro vor, aus denen nun 327,- Euro werden. Den Ausgaben stehen in 2010 Einnahmen in Höhe von 241 Milliarden gegenüber, aus denen nach unserer Währungsreform 241,00 Euro werden.

Betrachten wir das ganze in übersichtlicher Tabellenform mit gestrichenen Nullen an:

Wer angesichts dieser Zahlen behauptet, dass mit der Rückzahlung der Schulden irgendwann einmal begonnen werden könne, würde von Peter Zwegat wohl nur ein mitleidiges Lächeln ernten.

Wer angesichts dieser Zahlen glaubt, dass die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse (die ab 2016 nur noch einen ausgeglichenen Bundeshaushalt erlaubt) greifen wird, dürfte von Peter Zwegat als Träumer bezeichnet werden.

Wer angesichts dieser Zahlen behauptet, dass sich Deutschland durch Wirtschaftswachstum aus dieser Schulden-Zins-Misere befreien kann, darf sich nicht wundern, wenn Peter Zwegat die Einweisung in eine geschlossene Anstalt anordnet.

Wer angesichts dieser Zahlen meint, Lebensversicherungen, Renten und Staatsanleihen wären eine sichere Sache, die noch viele Jahre lang stabile Zinserträge garantieren, darf sich nicht wundern, wenn Peter Zwegat sein Mandat niederlegt und zusammen mit Norbert Blüm in den Urlaub fährt.

Wer angesichts dieser Zahlen glaubt, dass Deutschland im Gegensatz zu Griechenland noch besonders gut da steht, dürfte den Schuss nicht hören, den Peter Zwegat gleichzeitig abfeuert.

Wer angesichts dieser Zahlen glaubt, dass Zinserhöhungen in dieser Situation den Staaten, Ländern und Gemeinden nicht das Genick brechen werden, wird von Peter Zwegat zur Mathematiknachhilfe geschickt werden.

Wer angesichts dieser Zahlen glaubt, dass das alles doch irgendwie gut gehen wird, dem kann auch Peter Zwegat nicht mehr helfen.