In meinem letzten Beitrag habe ich kritisch auf die Berichterstattung zur Ermordung Boris Nemzows in Moskau hingewiesen.

Dazu habe ich Textteile eines Artikels von Pavel Lokshin, erschienen im „Spiegel“ am 28.02.2015, analysiert.

Der Kern meines Beitrags und die wesentliche Aussage war die Beleuchtung des Einsatzes subtiler Propaganda in diesem Spiegel-Artikel.

Als wichtige Zusatzinformation habe ich dort sachlich den politischen Werdegang von Boris Nemzow beschrieben.

Viele Leser haben meinen Beitrag sorgfältig und mit großer Zustimmung gelesen. Das zeigen auch die dort verfassten Kommentare.

Unzufriedener Leser

Ein Leser hat sich jedoch sehr unzufrieden, folgendermaßen geäußert:

Ich finde den Beitrag des Herrn Trepnau - genauso wie die im Beitrag erwähnten Pressemeldungen - entbehrlich. Auf der einen Seite werden "zündelnde Leitmedien" angeprangert und auf der anderen Seite jede Menge neuer Zündstoff und Vermutungen geliefert.
Solche Beiträge, Herr Trepnau, bringen uns nicht weiter. Sie schreiben in einer Weise über einen Menschen (Boris Nemzow) wie es Ihnen und auch keiner anderen publizierenden Person zustehen sollte.“

Die Äußerung ist aus meiner Sicht absolut in Ordnung. Wenn jemand den Text so versteht und so empfindet, ist es sein gutes Recht sich entsprechend zu äußern. Meinungsfreiheit gilt für jeden!

Dennoch möchte ich diesen Kommentar als Anlass nehmen, Grundsätzliches zu dem Sachverhalt zu sagen.

Klarstellung

Mal davon abgesehen, dass ich nicht nachvollziehen kann, was der Leser meint mit: „Sie schreiben in einer Weise über einen Menschen (Boris Nemzow) wie es Ihnen und auch keiner anderen publizierenden Person zustehen sollte,“ möchte ich nochmal mit Nachdruck darauf hinweisen, dass es um die Person Boris Nemzow, der bedauerlicherweise ein Attentats-Opfer wurde, gar nicht geht.

Es geht um die mediale Ausschlachtung des Vorfalls (der letztlich exemplarisch für viele andere Fälle steht).

Wir leben in einer Zeit, in der die Medienkultur nicht mehr aus sachlicher Berichterstattung  besteht, wir leben in einer Zeit, in der der Mainstream-Journalismus in vorauseilendem Gehorsam obrigkeitsfügig schreibt, wir leben  in einer Zeit, in der objektive Information Mangelware ist, wir leben in einer Zeit, in der es in Europa nach Krieg riecht, wie schon lange nicht mehr.

Kriege werden gemacht

Kriege fallen nicht vom Himmel. Sie werden gemacht.  Über die Entstehung von Kriegen wird entschieden in der Finanz-, Rüstungs-, Energie- und wie sich immer mehr zeigt, neuerdings auch in der Gentechnologie-Industrie.

Die Exekutive dieser geballten Wirtschafts- und Finanzmacht sind die Regierungen von Staaten.

Kriege brauchen aber auch eine grundsätzliche Akzeptanz in der Bevölkerung. Für diese Akzeptanz zu sorgen ist die Aufgabe der Medien. Es werden Feindbilder geschaffen, es wird dämonisiert, es wird in Gut und Schlecht, in Schwarz und Weiß  eingeteilt, es wird vorverurteilt, es werden Halbwahrheiten berichtet, es werden Nachrichten gefiltert und es wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Nach dem Motto: „setze eine Lüge in die Welt, sobald der Lügner aus dem Gedächtnis verschwunden ist, bleibt die Erinnerung an die Lüge als Wahrheit.“

Das gilt für alle Seiten. Hüben wie drüben.

So fängt es an, nach Krieg zu riechen. Mit viel Glück, nach kaltem, mit etwas weniger Glück nach heißem.

Nur für uns, die Bürger, die Bevölkerung, das Volk gilt: Wenn Journalismus kein Journalismus mehr ist, sondern der Propaganda, und zwar der denkbar schlimmsten Propaganda dient, die vorstellbar ist, der Kriegspropaganda, dann muss darauf reagiert werden.

Rede erfordert Gegenrede

Wenn Journalismus zur meinungsbildenden Rede mutiert, dann muss jede Möglichkeit zur Gegenrede genutzt werden. Fehler, Schwächen, subtile Meinungsbeeinflussung müssen beim Namen genannt werden. Das ist unser aller Aufgabe. Nur so haben wir die Chance, der mentalen Einstimmung auf Akzeptanz, ja auf die Notwendigkeit eines Krieges in Europa  entgegen zu treten.

Wir haben Freunde, starke und gefährliche Freunde, für die die Ukraine ein Schlüsselstaat für die Kontrolle Eurasiens ist.

Wir sollten sehr, sehr aufmerksam und wach sein und uns nicht vom medialen Dauerbombardement einlullen lassen.

Lückenhafte Berichterstattung

Am Rande möchte ich noch darauf hinweisen, dass in den USA innerhalb von zwei Tagen, vom 12. Bis 13.02.2015 drei US-Journalisten starben. Einer davon Stunden nach einem Gespräch mit Edward Snowden. Hat man davon im Spiegel, in der FAZ, in der SZ was gelesen? In den Fernsehnachrichten was gehört oder gesehen? Ich nicht.

Wie der Tod Boris Nemzows unter anderem von „Fuck the EU…-Nuland“ instrumentalisiert wird, kann man hier betrachten.