Die Visionen des jungen Elon

Der kleine Junge, der schon als Kind Computerspiele programmierte und bereits im zarten Alter von zwölf Jahren ein selbst programmiertes Computerspiel für 500 US$ an eine Computerzeitschrift verkaufen konnte, hatte wenig mit dem gemeinen Nerd zu tun. Elon saß nicht nur am Computer, sondern las auch viel. Bücher der großen Philosophen - Seneca, Voltaire und Schopenhauer. Bücher, die den kleinen Jungen traurig machten und anspornten, wirkliche Lösungen für die Probleme der Menschheit zu finden.

Irgendwann sollte dieser Junge als legitimer Nachfolger des charismatischen Steve Jobs gehandelt werden, doch wird dieser Vergleich dem zeitweise als Spinner verrufenen Elon niemals gerecht. Er hatte schon in Jugendjahren sehr viel mehr vor, als nur schnöde Telefone mit Internetfunktion oder Tablet Computer zu bauen. Er wollte und will auch heute noch sehr viel mehr erreichen ...

Der Popcorn-Effekt

Genau wie bei der Herstellung von Popcorn, verläuft die Entwicklung neuer Produkte niemals linear. Am Anfang einer Innovation steht meistens die Idee eines einzelnen klugen Kopfes, der schon bald nach Mitstreitern und -entwicklern und natürlich auch nach Geldgebern und Investoren suchen wird. In der Entwicklungsphase des neuen Produktes steigt die Temperatur - genau wie die des Rapsöls im Topf – nur gemächlich und langsam an. Doch irgendwann wird der Tipping-Point erreicht und aus der Idee wird explosionsartig ein Massenprodukt, das zudem wenig später von anderen Firmen imitiert, kopiert, teils aber auch weiterentwickelt wird.

Ein jahrelanger Patentstreit soll beendet werden

Beispielhaft ist an dieser Stelle der Patentstreit zwischen Apple und Samsung zu nennen. Ab April 2011 verklagte Apple den Konkurrenten Samsung in mehreren Staaten, u.a. auch in den USA und Deutschland. Der Vorwurf lautete, Samsung habe das Design von iPhone und iPad „sklavisch kopiert“. Laut Apple seien alle Galaxy-Produkte reine Imitate und Produktpiraterie. Auch in Deutschland wurde der Verkauf von Samsung-Galaxy-Tablets im Jahre 2012 kurzzeitig per einstweiliger Verfügung von Apple erfolgreich gestoppt. Doch im Hauptverfahren sah die Richterin keine Verwechselungsgefahr bei den Geräten und ließ den Verkauf zu. Erst heuer klingt dieser jahrelange Streit um bestehende Patente langsam ab. Beide Unternehmen haben jüngst beschlossen, sämtliche gegenseitigen Klagen außerhalb der USA zu beenden. In den USA hingegen hat Apple gerade wieder einmal gegen Samsung verloren. Ein Verkaufsstop von Samsung-Handys innerhalb der USA wurde abgelehnt, da Apple nicht bewiesen habe, dass bewiesene Patentrechtsverletzungen seitens Samsung einen irreparablen Schaden für Apple darstellten.

Der Popcorn-Effekt schafft Ladenhüter

Durch den Popcorn-Effekt werden zudem bis dato vielverkaufte Massenprodukte schlagartig – innerhalb weniger Monate zu Ladenhütern. In der Vergangenheit schaffte es kaum ein konventionelles Unternehmen rechtzeitig einem Trend zu folgen und noch auf den abgefahrenen Zug aufzuspringen. Ist der Tipping-Point erst erreicht, verläuft die Entwicklung einer Innovation so rasend schnell und explosionsartig, dass kaum eine Chance bleibt zu reagieren. Das zerplatzende Popcorn füllt den Topf innerhalb weniger Monate so schnell, dass für die bis dahin herkömmlichen Produkte schlicht kein Platz mehr bleibt und der Markt sie schnell und gnadenlos aussortiert.

Beispiele aus der Vergangenheit gibt es genug

Die Dampfmaschine wurde in kurzer Zeitspanne rigoros von Verbrennungsmotoren abgelöst und die herkömmlichen Printmedien verschliefen völlig die Entwicklung elektronischer Medien und kämpfen heute allesamt ums Überleben und ihre Daseinsberechtigung. Röhrenfernseher, die fünfzig Jahre lang wie geschnitten Brot verkauft wurden, findet man heute bestenfalls noch auf Flohmärkten. Und die gute alte Schreibmaschine, die Anfang der 1980iger Jahre noch in einem jeden Büro zu finden war, hatte keine Chance gegen die schnelle Verbreitung der Personal Computer. Die Firma Brother zog sich jüngst ganz aus der Produktion dieser Dinosaurier zurück. Doch nichtsdestotrotz scheint der NSA Abhörskandal für eine kleine Renaissance in diesem Bereich zu sorgen. Denn manuell getippte Texte sind weit weniger anfällig gegen Ausspähung als elektronisch erstellte Texte. Und so verkaufte Triumph-Adler letztes Jahr 10.000 Schreibmaschinen, was einem Zuwachs von über 30 Prozent entsprach. Die Firma Olympia erwartet in diesem Jahr eine Verdopplung der Absatzzahlen. Back to the roots - welch seltsame Blüten ...

Das untrügliche Gespür des jungen Elon Musk

Zurück zu Elon: Elons Vater war ein südafrikanischer Maschinenbauingenieur, seine bildschöne Mutter Maye Musk stammt aus Kanada und arbeit schon seit Jahrzehnten erfolgreich als Model. Doch Elons Eltern ließen sich scheiden als er siebzehn Jahre alt war und so zog es den jungen Mann nach Kanada, um dort zu studieren und dem Militärdienst in Südafrikas Armee zu entgehen. Zwei Jahre lang studierte er in Kingston, Ontario an der Queen's University, danach zog es ihn an die University of Pennsylvania, wo er in Physik und Wirtschaft seinen Bachelorabschluss absolvierte.

Als Doktorand hätte er an der Stanford University sicherlich eine gesicherte Zukunft in der Universitätsforschung haben können, doch der mittlerweile 24jährige Elon gründete die Softwarefirma ZIP2, die Karten und Branchenverzeichnissen für Online-Zeitungen lieferte und bereitstellte. Das Unternehmen war so erfolgreich, dass er es schon nach vier Jahren für sage und schreibe 307 Millionen US$ an Compaq verkaufen konnte. Es war bis dahin der höchste Preis, den ein Internetunternehmen erzielen konnte. Doch Elon würde einen Teufel tun und sich mit knapp dreißig Jahren zur Ruhe setzen und das süße Leben genießen. 

Elon Musk hatte ein unglaubliches Gespür für zukünftige Entwicklungen und er sah die neue Ära des Internets und ein sich damit abzeichnendes Problem voraus. Bestellungen über´s Netz waren per E-Mail überaus einfach, doch das Bezahlen erwies sich als langsam, unsicher und schwierig. Er suchte für dieses Problem eine möglichst einfache, effiziente und sichere Lösung und fand sie natürlich auch.

PayPal – finanzpolitisch eigentlich eine Ungeheuerlichkeit

Elon Musk hat mit PayPal (z. dt.: Bezahlfreund) das Bezahlen im Internet revolutioniert, wobei den wenigsten klar sein dürfte, dass das System PayPal finanzpolitisch eigentlich eine Ungeheuerlichkeit darstellt. Doch auch dieses System ist wie eines der ersten Maiskörner gepoppt und hat in vielen Online-Bezahldiensten zahlreiche Nachahmer gefunden.

Tatsächlich hatten Elon Musk und seine Mitstreiter die Chuzpe unserer zweistufiges Geldsystem aus Zentralbankgeld und Geschäftsbankengiralgeld um eine dritte Stufe zu erweitern. Denn bis zur Auffüllung eines überzogenen PayPal-Kontos nach der Bezahlung per Knopfdruck, schafft auch PayPal zusätzliches PayPal-Fiat-Money für die kurze Zeit von wenigen Tagen aus dem Nichts. Dabei handelt es sich schlicht um einen zusätzlichen Buchungsvorgang, der von PayPal als Geldeingang bezeichnet wird, obwohl meistens erst innerhalb der nächsten Tage herkömmliches Bankengiralgeld tatsächlich auf das PayPal-Konto gebucht wird. Dem einen oder anderen Hartgeldanhänger wird das eventuell missfallen, doch hat auch dieses System im neuen Zeitalter des World Wide Web durchaus seine Berechtigung, denn das Versenden von Waren kann sehr viel schneller vonstattengehen. Verkäufer erhalten oft schon Sekunden nach dem Kauf ihr fiktives PayPal-FIAT-Geld und müssen nicht mehr zwei bis drei Tage auf das Eintreffen einer herkömmlichen Banküberweisung warten. 

Elon Musk hatte frühzeitig den Internethandel als Trend erkannt und eine entsprechende maßgeschneiderte Lösung für das „schnellererere“ Bezahlen geliefert. Das Internet-Auktionshaus Ebay zögerte nicht lange und verleibte sich den Marktführer und Konkurrenten zum hauseigenen Billpoint-Service im Oktober 2002 schnell ein. Die Idee war überaus erfolgreich und gewinnbringend und machte Elon Musk und auch seine ehemaligen Mitstreiter  Peter Thiel, Ken Howery und Luke Nosek zu dreistelligen Dollarmillionären.

SpaceX – auf zu neuen Welten

Thiel, Howery und Nosek gründeten 2005 verschiedene Fonds, die vor allen in innovative und nachhaltige Start-Up-Unternehmen investierten, u.a. auch in Elon Musks Firma SpaceX, derzeit das einzige Unternehmen weltweit, das in der Lage ist Raumschiffe mit größerer Nutzlast nicht nur ins All, sondern auch wieder heil zur Erde zurückzubringen. Das neuste Projekt ist übrigens die Rakete Grasshopper v1.1 mit revolutionären Flugeigenschaften. Der Start der Rakete erfolgt senkrecht, wobei in gewünschter Höhe spezielle Manöver, wie beispielsweise das Driften zur Seite ausgeführt werden können. Innovative Sensoren und eine automatisch arbeitende Lenk- und Steuerungseinheit ermöglichen es, dass die Rakete senkrecht unbeschadet zum Startpunkt zurückkehren und auf den Start- und Landestützen landen kann. Die Genauigkeit der Manöver erreicht dabei die Präzision eines Hubschraubers. Die Kostenersparnis dieser mehrfach verwendbaren Raketen ist gegenüber herkömmlichen Raumsonden enorm. Und so könnte der Traum des kleinen Elon irgendwann einmal wahr werden: nämlich Kreuzfahrten im All für jedermann und die Besiedlung fremder Planeten.

Doch nach dem Verkauf von PayPal an Ebay investierte Musk nicht nur in die Raumfahrttechnik, sondern auch schon sehr früh in den jungen Fahrzeughersteller Tesla Motors. Ziel der Firma ist die Produktion von hochwertigen Elektroautos mit langstreckentauglicher Reichweite, die herkömmlichen Verbrennungsmotoren in nichts nachstehen. Im vergangenen Juni konnte ich das Tesla Model S auf einer Probefahrt testen und war schlichtweg völlig begeistert von diesem Fahrzeug. Den Fahrbericht und weitere Informationen erhalten Sie hier:

CK*TV: Elektroautos im Praxistest: 100% Fahrspaß mit Tesla S, Renault Kangoo und Twizy – die neue Welt der elektrischen Mobilität

Die Elektromobilität ist jetzt im Durchbruch

Gerade die deutschen Automobilunternehmen sollten nun höllisch aufpassen, dass es dem einen oder anderen Autobauer nicht ähnlich manchem Handy- oder Schreibmaschinenhersteller ergeht. Tesla hat mit seinem Model S die renommierten deutschen Hersteller Mercedes, BMW, Audi und Porsche in den USA vom Thron gestoßen. Es war in 2013 die mit Abstand meistverkaufte Luxuslimousine in den Vereinigten Staaten: rund 18.000 Model S wurden verkauft. Dem stehen 13.300 S-Klasse Mercedes, 10.900 7er-BMW, 11.000 Lexus LS, 6.300 Audi A8 und 5.400 Porsche Panamera gegenüber. Und der Erfolg hält weiter an. Auch heuer steht Tesla in den USA in den ersten vier Monaten mit 8066 verkauften Stück deutlich vor den Oberklassefahrzeugen von Mercedes, BMW, Audi und Porsche. Und auch für mich steht nach meinem Test von Elektrofahrzeugen fest, dass mein nächstes Auto ein Elektrofahrzeug sein wird. Die Kosten für Batterietechnik sinken permanent und die Erhöhung der Speicherkapazitäten von Strom machen riesige Fortschritte. Daher ist es mehr als zu erwarten, dass innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre auch völlig neue Elektromobilhersteller beispielsweise aus den Schwellenländern auf den Markt drängen werden, die ähnlich wie Samsung bei Smartphones einen kometenhaften Aufstieg hinlegen werden. Man wird schon in naher Zukunft sehen, welche renommierten Unternehmen diesen gerade gestarteten Zug verpasst haben.