Für Value-Investoren steht, wie für jeden anderen Investor, am Anfang des Investmentprozesses der Selektionsprozess. Eine Investmentidee muss also kreiert werden! Wertorientierte Anleger, die dafür versuchen der Strategie Benjamin Grahams zu folgen, welche Warren Buffett dann perfektioniert hat, schauen dafür zu Beginn auf fundamentale Kennzahlen.

Neben den wichtigsten Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und der Dividendenrendite müssen auch das Verhältnis des aktuellen Aktienkurses zum Cashflow als Indikator für die Ertragskraft, wie auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis mit einbezogen werden. Bei allen Verhältnis-Kennzahlen gilt: Je niedriger die Kennzahl desto günstiger ist das Unternehmen aktuell an der Börse bewertet.

Weiterhin ist es wichtig, zu analysieren, ob ein Unternehmen über ein werthaltiges Geschäftsmodell verfügt, ob dieses einen soliden Eindruck macht und auch in Zukunft weiterhin oder wieder Wachstumschancen verspricht. Dafür kann man getrost auch das Management einer Gesellschaft unter die Lupe nehmen. Hier bevorzuge Ich konservative und vor allem „leise“ CEO’s, die wenig Krach in den Medien hinterlassen. Dies deutet häufig auf einen konzentrierten und vernünftig arbeitenden Manager hin, welcher sich mit den inhaltlichen Aufgaben des Unternehmens beschäftigt.

Weitere wichtige Kennzahlen sind u.a. die Finanzkraft für Investitionen, sowie die Kapitalstruktur innerhalb eines Unternehmens. Ein hoher Cash-Flow als Ergebnis aus Mittelzufluss und -abfluss zeigt an, dass ein Unternehmen in der Lage ist künftige Investitionen zu tätigen. Ist der Cash-Flow jedoch schon seit längerer Zeit überdurchschnittlich hoch, sollte genau bewertet werden warum dies der Fall ist. In gewissen Fällen kann dies auch an einer Kreativlosigkeit und zu wenig Ideenreichtum im Management liegen, was auf lange Sicht natürlich schädlich für die Unternehmensentwicklung ist!

Ebenso spielt die Eigenkapitalquote eine Rolle in Bezug zur Stabilität des Unternehmens in z.B. konjunkturell schwierigen Zeiten. Benjamin Graham hat hier die Marke von mindestens 50% angesetzt, die heute jedoch häufig nur schwer erreicht wird.

Wenn man sich nun die unterschiedlichen Märkte anschaut möchte ich folgend einmal eine Übersicht über Value-Chancen in unterschiedlichen Ländern geben!                                                                          Dabei zeigen die Aktienindices der Süd-Peripherie Spanien und Italien, die aufgrund der Staatsschuldenkrise gewaltig unter die Räder gekommen sind, am meisten unterbewertete Titel auf.

Dabei gilt als unterbewertet, wer ein KBV von unter 1 aufweist, also an der Börse billiger gehandelt wird als es der Buchwert in der Bilanz ausweist.

Weiterhin eine Übersicht über die erwarteten Kennzahlen einiger bekannter Indices!

*Daten geschätzt

Somit finden sich z.B. in Österreich die billigsten Gesellschaften im Verhältnis zum Eigenkapital, wohingegen die Spanier sich am freudigsten für Ausschüttungen an ihre Aktionäre zeigen. Der deutsche Markt liegt hier aktuell im Durchschnitt! 

Wenn nun der Selektionsprozess beginnt, sind Unternehmen aus aktuell schwierigen Ländern wie Spanien sicherlich kein No-Go. Wichtig ist nur zu betrachten, wo ein Unternehmen seinen Umsatz generiert und daher besteht auch hier die Möglichkeit viele exportorientierte Unternehmen auszumachen.

Abschließend gelten die genannten Kriterien lediglich als erster Ansatz für den Selektionsprozess. Ein Unternehmen muss immer individuell betrachtet werden, sodass sich auch in den unbeliebtesten Branchen und Ländern gute Value-Möglichkeiten finden lassen! Dieser Value-Ansatz lässt sich am besten in Zeiten von Seitwärtsbewegungen praktizieren, da in steigenden Märkten mit anderen Strategien bessere Renditen erzielt werden können. Hier erweist sich, wer ein wahrer Value-Investor ist, schwierige Zeiten aussitzt und auf kommende Turbulenzen wartet. Denn eines ist sicher, diese kommen bestimmt!

Ihr Andreas Meyer

Quelle: finanzen.net, A.M. Capital Research, Factset


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