Fortsetzung von Die beliebtesten Irrtümer rund ums Geld (Teil 1 von Helmut Reinhardt)

Irrtum Nr. 5: Wir leben in einem ungedeckten Papiergeld-System oder Banken und Notenbanken schöpfen Geld aus dem Nichts

Des Öfteren hört man (gerade von Seiten der Goldbugs), dass wir in einem ungedeckten Papiergeldsystem leben und unser heutiges Geld nur durch das Vertrauen der Marktteilnehmer gedeckt sei.

Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass Banken und Zentralbanken ihre Kreditvergabe und damit die Geldschöpfung einzig und allein abhängig machten von der Hoffnung, den vergebenen Kredit irgendwann einmal wieder zurückzubekommen.

Sie wissen selbst, wie die Realität aussieht. Man könnte es einfach mit dem Sprichwort „Wer hat, dem wird gegeben“ beschreiben. Das bedeutet nichts anderes, als dass unser Geld im heutigen System sehr wohl gedeckt ist, - nämlich durch Sachwerte. In der Regel sind bei Krediten immer Sicherheiten zu hinterlegen: Im Falle der Zentralbanken handelt es sich um notenbankfähige Sicherheiten, wie z.B. Staatsanleihen, - und damit wiederum auf einen möglichen Zugriff durch Steuererhebung auf die Einnahmen und Arbeitserträge der Bürger (siehe Griechenland).

Im Falle von Geschäftsbanken sind Kredite abgesichert durch Immobilien, Automobile, Wertpapiere, etc., auf die die kreditgebende Bank im Falle eines Kreditplatzers zugreifen darf. Kleinere Konsumentenkredite werden in der Regel durch die Möglichkeiten von Lohnpfändungen gedeckt.

Man könnte heutzutage Geld also durchaus auch als verbrieftes Eigentum oder Verbriefung zukünftiger Arbeitsleistung bezeichnen.

Irrtum Nr. 6: Banken verleihen Geld weiter

Im heutigen Geldsystem ist es nicht mehr so, dass es sich bei Banken um Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern handelt. Banken verleihen heute kein Geld weiter, sondern sie erzeugen Giralgeld durch Vergabe von Krediten. Die Guthaben auf Girokonten entstehen also nicht nur durch die vorherige Einzahlung von Bargeld, sondern auch durch Kreditvergaben. Die Kreditexpansion ist weitestgehend unabhängig von vorhandenden Ersparnissen anderer Wirtschaftsteilnehmer. Aus diesem Fakt leitet sich Irrtum Nr. 7 ab:

Irrtum Nr. 7: Banken können unbegrenzt Geld schöpfen

Banken können zwar Giralgeld schöpfen, doch wird die Giralgeldschöpfung durch die Mindestreserveanforderung (im Euroraum 2%) und die Eigenkapitalvorschriften (der Prozentsatz ist abhängig vom Kreditnehmer) begrenzt.

Irrtum Nr. 8: Zentralbanken bestimmen die Höhe der Geldmenge

Zentralbanken haben heute nur einen völlig vernachlässigbaren Einfluss auf die Höhe der nachfragewirksamen Geldmenge. Wie wir in den letzten beiden Jahren beobachten konnten, hat die Zinspolitik der Zentralbanken kaum noch Einfluss auf die Kreditvergabe der Banken und Zinssätze, die Geschäftsbanken ihren Kunden in Rechnung stellen.

Geschäftsbanken bestimmen selbstständig, ob sie Kredite vergeben. Abhängig ist eine Kreditvergabe und in Folge die Höhe der nachfragewirksamen Geldmenge von den Nichtbanken. Damit Banken Kredite vergeben können, müssen Nichtbanken zunächst einmal „kreditaufnahmewillig“ sein und auch entsprechende Kreditsicherheiten vorweisen können. Des Weiteren hängt die Kreditvergabe (Gelderzeugung) vom wirtschaftlichen Umfeld ab. Je schlechter das Umfeld, desto geringer ist die Investionsneigung der Nichtbanken und desto vorsichtiger agieren Banken hinsichtlich der Vergabe von Krediten.

Irrtum Nr. 9: Das Quantitative Easing der Zentralbanken erzeugt Inflation

Bei diesem Irrtum handelt es sich um meinen persönlichen „Lieblings-Irrtum“, und ich kenne nur sehr wenige Fachleute, die tatsächlich die Auswirkungen der Quantitativen Lockerung auf die Geldmenge untersucht haben. 

Zwar wird beim Verkauf einer Staatsanleihe an die Zentralbank das Konto der Geschäftsbank mit frischem Zentralbankgeld aufgefüllt, doch wirkt sich das nur kurzzeitig auf die Höhe der Geldmenge M0 aus. Die Zentralbank vergibt wöchentlich Zentralbankgeldtender und Geschäftsbanken sind bestrebt ihren Bestand an Zentralbankgeld (ZBG) so gering wie nötig zu halten, da durch dieses ZBG Zinskosten entstehen. Der Bedarf der Geschäftsbank an ZBG wird also bei der nächsten Tendervergabe (jeden Dienstag) geringer sein. Das Basisgeld M0 steigt dadurch nur für wenige Tage an.

Ziel des QE ist, Geschäftsbanken von evtl. toxisch werdenden Wertpapieren (Staatsbankrott) zu befreien und Bankinsolvenzen - bedingt durch höhere Eigenkapitalanforderungen durch herabgestufte Staatsanleihen - zu vermeiden.  

Außerdem wirkt die Nachfrage von Zentralbanken nach Staatsanleihen stabilisierend auf die Zinssätze der Staatsanleihen.

Vorteil für die Geschäftsbank ist, dass sie für das ZBG, dass sie für den Verkauf der Anleihe erhalten hat, keine Zinsen an die Zentralbank bezahlen muss, - nachteilig ist, dass sie auf die Zinserträge der Anleihe bei Fälligkeit keinen Anspruch hat.

Inflationär wirkt hingegen eine verstärkte Kreditvergabe an Nichtbanken, wie man an den zwischenzeitlich in astronomische Höhen gekletterten Hauspreisen und dem anschließenden Platzen dieser Immobilienblasen in Amerika und auch Spanien sehen konnte.

Doch trotzdem ist die Massnahme der Quantitaiven Lockerung äußerst bedenklich. Die wenigsten Fachleute scheinen die wahre Problematik des QE zu erkennen. Beim QE handelt es sich um nichts anderes als den Missbrauch der Zentralbanken als Bad Banks. Eigentümer der EZB sind die nationalen Notenbanken, u.a. die Deutsche Bundesbank, die ihre Gewinne an die Bundesrepublik Deutschland abführen muss. Anders herum hat für Verluste der Bundesbank natürlich der deutsche Steuerzahler aufzukommen.

Nachdem die Staaten und somit ihre Bürge(r)n gezwungen wurden, mit Hilfe der gigantischen Rettungspakete die Banken und somit die dahinter stehenden Geldvermögen der Geld- und Machtelite zu retten, setzt man jetzt noch eins drauf, indem man die faulen Wertpapiere auch noch ins Eigentum der Staaten überträgt.

Herzlich willkommen in einer Zeit der größten Umverteilung in der Menschheitsgeschichte. Die guten Papiere ins Geld- und Machtelite-Töpfchen, - die schlechten ins Volkskröpfchen!

;-) Irrtum Nr. 10: Schalke 04 ist ein solventer Fußballverein und wird in dieser Saison Deutscher Meister

Man munkelt ja schon lange, dass die finanzielle Situation auf Schalke nicht die beste sein soll. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Gerücht um eine Tatsache, denn ansonsten käme man in Gelsenkirchen wohl kaum auf die Idee eine Schalke-04-Anleihe aufzulegen und diese mit satten 5,5 Prozent zu verzinsen. Also falls Sie noch eine Geldanlagemöglichkeit suchen und die Königsblauen toll finden: hier geht´s zur Zeichnung:

http://anleihe.schalke04.de/unterschreib_auf_schalke.html

Hinweis nach §34 WPHG:

Der Autor besitzt keine S04-Anleihen, wird sie auch niemals besitzen, denn er mag Schalke 04 überhaupt nicht und trägt des Öfteren einen schwarz-gelben Schal.

Hinweis von Schalke 04:

Wie will Schalke 04 den Zeichnern das Geld zurückzahlen?

Aus heutiger Sicht (28. Juli 2010) sollte der FC Schalke 04 im Jahr 2016 in der Lage sein, die Anleihe zurückzuzahlen. Ein langfristig angelegtes Umfinanzierungskonzept unter Einsatz der Anleihe trägt zur Sicherheit der Rückzahlung bei.

Zu einer möglichen deutschen Fußballmeisterschaft von Schalke 04 wäre nur anzumerken, dass Felix Magath seit neustem sehr fleißig Punkte sammelt. Er ist seit letzter Woche stolzer Besitzer einer Payback-Karte. ;-) *lol*

Sorry + Gruß @all-Schalke-Fans. ;-)

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