Stochert man im beissenden Rauch der zahllosen Nebelkerzen herum, stößt man immer wieder auf sehr interessante Dinge. Werfen wir einen Blick in die Bilanz unserer aller Notenbank EZB oder besser: fragen wir erst einmal das nette Ehepaar, das gerade bei herrlichem Wetter in einem Eiscafé sitzt, wo denn das Geld herkommt, mit dem sie gerade ihren Bananensplit und Himbeerbecher bezahlt haben.

Die Antwort fällt eindeutig aus: „Von der Europäischen Zentralbank natürlich, - die EZB gibt den Euro aus. Welch dumme Frage, das weiss doch jedes Kind!“

Auch als 32.000-Euro-Frage bei Günther Jauch wäre die Ermittlung des verantwortlichen Herausgebers unserer baumwollenen Euronenscheine wohl den wenigsten Menschen auch nur einen Joker wert.

Doch ein Blick in die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) verrät, dass die EZB als Notenbank nur acht Prozent der im Umlauf befindlichen Euro-Banknoten tatsächlich in ihren Büchern stehen hat. Zurzeit befinden sich knappe 840 Milliarden Euro als Bargeld im Umlauf. Es scheint jedoch, dass von diesem Bargeld nur 67 Milliarden direkt von der EZB „emittiert“ wurden.

http://www.ecb.eu/pub/pdf/annrep/ar2010annualaccounts_de.pdf

http://www.ecb.int/euro/banknotes/circulation/html/index.de.html

Zu diesem Sachverhalt findet man eine Erklärung unter dem Stichwort „Banknotenumlauf“ auf Seite 12 im Jahresbericht 2010:

Erkennen Sie diese Nebelkerze? Tatsächlich gibt die EZB überhaupt keine Banknoten selbst heraus, sondern es handelt sich hierbei nur um einen Bilanztrick, der die Tatsache verschleiern soll, dass die Europäische Zentralbank eine Notenbank ohne eigene Noten ist. Zwar findet sich das Kürzel EZB auf jedem Baumwollschein, doch lässt sich jede einzelne Note genau wie die Münzen über die Länderkennung den einzelnen Euroländern zuordnen. (Ich vermeide es jetzt absichtlich, näher darauf einzugehen, dass es sich bei unseren heutigen Geldscheinen ehedem nur um kurzzeitig spazieren gehendes Giralgeld handelt, das von privaten Geschäftsbanken geschöpft wird.)

Mit der EZB wurde lediglich ein Überbau, - besser Anhängsel - der nationalen Zentralbanken geschaffen. Alle wichtigen Funktionen (Offenmarkttransaktionen, Devisengeschäfte, etc.) einer unabhängigen Notenbank, - wie beispielsweise der amerikanischen FED - bedürfen der Genehmigung des EZB-Rates, der mit seinen 17 Präsidenten der nationalen Zentralbanken, die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums (Jean-Claude Trichet (Präsident), Vítor Constâncio (Vizepräsident), Lorenzo Bini Smaghi, José Manuel González-Páramo, Jürgen Stark und Peter Praet) jederzeit überstimmen kann.

Tritt Jean-Claude Trichet als Präsident der EZB in der Öffentlichkeit oft als machtvoller Entscheider auf, so müssen wir feststellen, dass es sich beim EZB-Präsidenten eher um einen Verkünder von Entscheidungen der Nationalen Zentralbanken handelt. Er selbst und das EZB-Direktorium als Ganzes kann von Haus aus keine nennenswerte Beschlüsse eigenständig fassen, bzw. jederzeit vom EZB-Rat überstimmt werden. Wen wundert es da noch, dass ein Axel Weber diesen Job dankend ablehnte? Ob die Direktoriums-Mitglieder bei der Vorbereitung der Ratssitzungen auch Getränke und Gläser auf den Tischen verteilen müssen, geht übrigens aus der Stellenbeschreibung nicht eindeutig hervor:

http://www.ecb.int/ecb/orga/decisions/eb/html/index.de.html

http://www.ecb.int/ecb/orga/decisions/govc/html/index.de.html

Wir müssen an dieser Stelle feststellen, dass die EZB in Wahrheit also keine Institution ist, die als Entscheider Macht über die nationalen Zentralbanken hätte, sondern im Gegenteil ein ausführendes Organ der NZBs, was einen wesentlichen Unterschied zum ursprünglichen Modell einer Notenbank darstellt. Man stelle sich hierselbst 17 Schwänze vor, die mit nur einem Hund wedeln.

In meinen Augen ist die gesamte Konstruktion der europäischen Währungsunion von Beginn an eine Farce. Ohne länderübergreifende, einheitliche Gesetzgebung und Zielsetzung in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft wurde mit dem politisch motivierten EZB-System ein Konstrukt erschaffen, das bewundernswerter Weise immerhin zehn Jahre den Anschein erweckte zu funktionieren. Man bemerkte in dieser Zeit jedoch nicht, dass man mit diesem fehlkonstruierten Vehikel mit rasender Geschwindigkeit auf eine Wand zusteuerte.

Mit Italien neigt sich gerade ein weiterer Dominostein zur Seite, und wir dürfen gespannt sein, wie lange es noch dauern wird, bis bestimmte national gekennzeichnete Euroscheine in Deutschland als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptiert werden. Anstatt ständig neue „alternativlose“ Rettungsschirme mit neuen Staatsschulden zu finanzieren, sollte man der Tatsache ins Auge blicken, dass ein Scheitern des Euro aufgrund mangelhafter Konstruktion des EZB-Systems nicht mehr aufzuhalten ist.

Doch muss der Euro nicht vollkommen scheitern, wenn man einsehen würde, dass auch mit mehreren parallel existierenden Währungen wunderbar gewirtschaftet werden könnte. Es wäre ein durchaus gangbarer Weg, den Euro als internationales Zahlungsmittel beizubehalten, gleichzeitig die nationalen Währungen wieder einzuführen und mit der Installation eines monatlichen Grundeinkommens in einer dritten Währung zu ergänzen. Allerdings würde eine solche Umstellung die Vorstellungskraft des ein oder anderen Politikers mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sprengen. Vor allem dürfte die längst fällige Installation von Ober- und Untergrenzen im Geld- und Finanzsystem manchen unserer Entscheider mehr als überfordern.

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