Gold: Sicherheit vor Rendite (Goldserie Teil 1 von Frank Meyer)

Die Welt ist komisch geworden. Die Dinge laufen alle schief oder aus dem Ruder. Es ist so, als wollten die Götter den Menschen eine Lektion erteilen, sie auf den Hosenboden schicken. Sie nehmen ihnen ihre Illusionen, die Illusion vom ewigen Wachstum, von der Macht der Notenbanken und von der Klugheit von Regierungen. Eine finanzielle Krankheit hat den den Erdball angesteckt hat und wütet. Wenn es doch nur beim Husten bliebe...

Nachdem jahrzehntelangen Hymnen von “Höher! Schneller! Weiter!” sehnen sich die Menschen im neunten Jahr des neuen Milleniums danach, dass es so weitergeht wie bisher. Wer sollte es ihnen verdenken, den Konsumenten auf Kredit auf der Jagd nach Schnäppchenpreisen und denen, die in direkte Konkurrenz mit chinesischen Arbeitern ihre Dienste versehen. Doch auch  die Zuversicht rinnt den Menschen durch ihre Finger wie kaltes Wasser aus einem Wasserhahn – und verschwindet in der Gosse. Sicherheit, Vertrauen, Arbeitsplätze - ja das war einmal. Das Wort Sicherheit erlebt einen Boom. Die Leute kaufen Schatzanleihen als sicheren Hafen, während die Staaten ihre Verschuldung an die Decke fahren.

Aktien fallen, Rohstoffpreise hinterher. Und auch die Staatsanleihen sind supekt geworden. . Sie werfen nichts mehr ab außer die Frage, wie solvent der Staat eigentlich noch ist, wenn er Gelder der Kinder ausgeben muss, um die Maschinen am Laufen zu halten, deren Zahnräder abgenutzt sind.

Seit das Band zwischen Gold und Geld 1971 zerschnitten wurde, konnten geborgte Wunder, Wirtschaftsaufschwünge auf Pump und Exzesse an den Börsen passieren. Geld war immer da, es kostete ja nichts, es zu produzieren. Immer weniger Leute hatten immer mehr davon. Die “Gesegneten” bekamen es auch über die Börse, in einer Art Umverteilung von unten nach oben. Die Arbeit ist wegen des Rufes der Börse immer billiger geworden, während die Preise angestiegen sind. Seit „Sir“ Alan Greenspan die Schrauben an den Geldmaschinen überdreht hat, und das war irgendwann vor dem Platzen der Internetblase, hat sich der Goldpreis aufgeschwungen.

Dass der Goldpreis sich verdreifacht hat ist Humbug, liebe Leserinnen und Leser. Das Papiergeld hat sich gedrittelt. So ist es richtiger. Seit dem Jahr 2000 hat Gold jährlich im Preis zugelegt, selbst im Katastrophenjahr 2008. Der Preis stieg, während eine Unze immer noch eine Unze geblieben ist. Dass man heute mehr viel mehr Euro, Pfund, Rupien, Dollar oder Simbabwe-Dollar auf den Tisch blättern muss, um eine Einheit des gelben Metalls zu bekommen, zeigt nur wie krank das Papiergeld geworden ist. Umgekehrt gerechnet, hat eine Unze Gold die Kaufkraft bewahrt. Vielleicht hat sie sogar etwas zugelegt. Warum sollte heute damit Schluss sein, wenn Rettungsschirme, Zusagen und neue Schulden der Regierungen die Welt heimsuchen wie Verlustwarnungen die Börsen? Wenn das auf der Welt vorhandene Geld durch Billionen an neuem Geld verwässert wird, sollte Gold dazu schweigen?

In den nächsten Monaten scheint es um alles zu gehen. Entweder versagen die Rettungspakete, und wir bomben uns in die Steinzeit zurück, oder die Rettungspakete funktionieren. Dann katapultieren wir uns ins Jahr 1923 zurück, als die Schulden verschwanden und die Guthaben gleich mit. 2009 steht meines Erachtens nicht im Zeichen von Prozenten und Renditen. Diesmal geht um Sicherheit, das Ersparte vor dem Zugriff von wem auch immer zu schützen.

...und damit startet unsere Serie zum Thema “Gold für Anfänger”. Die in den kommenden Wochen beleuchten wir das Thema der Edelmetalle etwas genauer, und zwar so, dass es jeder versteht...

Gold: Münzen, Barren und die Kaufabwicklung (Goldserie Teil 2 von Frank Meyer)

Wer sich im Herbst, inmitten des letzten Höhepunktes der sogenannten Finanzkrise mit Edelmetallen gegen Geldentwertung Bankencrashs und Zahlungsunfähigkeiten schützen wollte, musste feststellen, dass die Händler der edlen Metalle ausverkauft waren und Lieferschwierigkeiten hatten. Dieses Problem besteht weiterhin, wenn auch nicht mehr so stark. Es scheint sich aber herumgesprochen zu haben, dass unser Papiergeld nicht so sicher ist wie es jahrzehntelang schien. Wird Papiergeld gebraucht, drucken es die zuständigen Behörden einfach. Gold kann nicht beliebig gedruckt werden...

Edelmetalle haben in den letzten Jahrtausenden viele Papiergelder kommen und gehen sehen, Inflationen überstanden und sich als Wertspeicher bewährt, auch wenn wichtige Menschen meinten, die Währungen sind sicher. Sie waren oft weg – ihre Erfinder dann auch.

Der wichtigste Unterschied zwischen Gold und Geld ist der, dass die Scheine in unseren Geldbörsen Kredit sind. Die Leistung dafür muss erst noch erbracht werden. Bei Gold dagegen wurde die Leistung durch die Förderung schon erbracht. Gold ist eine Ware. Geld nicht.

Weltweit wurden schätzungsweise 160.000 Tonnen Gold ans Tageslicht gefördert. Für jeden Erdenbürger sind das 25 Gramm, also weniger als eine Unze (31,1 Gramm). In einem Würfel zusammengeschmolzen ergibt das einen Quader von nur 19 Metern Kantenlänge. Dieser würde problemlos unter den ersten Bogen des Eiffelturms passen. Pro Jahr werden ca. 2.200 Tonnen des gelben Metalls gefördert, und das unter immer größeren Aufwendungen.

Bei Silber ist die Lage noch etwas schwieriger. Zum einen wird die Hälfte des geförderten Silbers von der Industrie verbraucht. Ein Recycling lohnt selten, im Gegensatz zu Gold. Obwohl Silber in der Natur 15mal häufiger vorkommt als Gold, gibt es oberirdisch 5 mal weniger davon, ca. 1 Mrd. Unzen. Für jeden Erdenbürger stehen ca. 5 Gramm zur Verfügung. Gold kostet aber 75 mal mehr als Silber. Ein Widerspruch, über den wir in den kommenden Artikeln schreiben.

Für Goldkäufer stellt sich zuerst die Frage, ob es Münzen oder Barren sein sollen. Es macht eigentlich keinen Unterschied. Goldbarren werden in der Größenordnung von 1g, 5g, 10g, 20g, 50g, 100g, 250g, 500g oder 1000 Gramm angeboten. Große Investmentbarren wiegen 12,5 Kilo, der Gegenwert eines großen Einfamilienhauses. Je kleiner die Einheit, desto höher ist der Aufschlag. Für einen 1- Gramm-Barren bezahlt man schon mal 40 Euro und damit das Doppelte des normalen Goldpreises. Bei 100 Gramm-Barren für etwa 2.300 Euro beträgt der Aufpreis ca. 6% auf den an den Börsen angezeigten Goldpreis.

Merke: Je kleiner der Barren, desto größer der Aufpreis. Bei Münzen ist das ähnlich. Diese werden in Unzen angeboten. Eine Unze sind 31.1 Gramm. Die gängigsten Münzen sind Krügerrand (Südafrika), Philharmoniker (Österreich) American Eagle (USA) Britannia (Großbritanien) Maple Leaf (Kannada) und der Nugget/Känguruh (Australien). Diese gibt es in der Einheit von 1/20 Unze(ca. 70Euro) über ¼ oz, ½ oz und einer ganzen Unze (ca. 750 Euro). Manche Münzen sind auch größer. (2 oz, 5 oz, 10 oz)

Daneben gibt es auch die früher massenhaft „alte“ Münzen, vor allem das schweizer Vreneli, (5,81 Gramm) der britische Sovereign (7,32 Gramm) oder 20-Reichsmark (7,16 Gramm). Meist bestehen diese Münzen zu 90% aus Gold, sind damit härter als Münzen aus Feingold und waren für den Alltagsgebrauch bestens geeignet. Viele davon wurden eingeschmolzen, doch einige Millionen davon liegen noch irgendwo herum und werden gehandelt. Diese „alten“ Münzen sind weltweit bekannt und auch überall zu Geld zu machen. Sammlermünzen (numismatische Münzen) dagegen sind eher etwas für Liebhaber und Sammler. Für einzelne Stücke zahlt man schon mal den drei – oder 10-fachen Goldpreis.

Die Mischung macht's. Für große Geldvermögen eignen sich Kilobarren und 1-oz Münzen, für die kleineren Geldbeutel sind 1-oz-Münzen oder kleiner Einheiten davon empfehlenswert.

Gold ist das Geld des großen Mannes, Silber das des Kleinen. Eine Silberunze bekommt man heute zu ca. 13 Euro. Ein Kilo in Barrenform kostet ca. 400 Euro. Auch hier macht es die Mischung. Kleingeld für den Alltag, Barren oder auch große Kilomünzen für die Investition. Zum Thema Silber erscheint in Kürze ein eigenes Kapitel.

In Deutschland sind die ½ oz-Münzen (Lübeck, Bamberg, Quedlinburg, Weimar, Goslar) im Umlauf. Sie sind preiswert im Vergleich zur „Goldmark“ oder der Goldmünze zur Fußball-WM. Das ist eher wieder etwas für Sammler.

Beim Münzkauf bieten sich drei Möglichkeiten:

1. Man kauft bei einem Edelmetallhändler direkt vor Ort. Dabei legt man das Geld auf den Tisch, nimmt die Münze oder den Barren mit und fertig ist das sogenannte Tafelgeschäft. Die meisten Händler beraten ihre Kunden auch gerne. Bei Beträgen von mehr als 15.000 Euro muss man allerdings den Personalausweis vorlegen. (Geldwäschegesetz) Der Kauf eines Kilobarrens fällt schon mal darunter. Dann lieber 10 Stücke eines 100g – Barrens


2. Man kauft in einem Internetshop. Von diesen gibt es in den letzten Jahren immer mehr. Dort registriert man sich, tätigt seinen Einkauf und bezahlt die Rechnung im Voraus. Nach der Überweisung bringt der Postbote das versicherte Päckchen nach wenigen Tagen nach Hause. Nachteil: Man ist registriert.

3. Man kauft über Handelsplattformen wie Ebay oder Hood. Doch Edelmetallkäufe sind Vertrauenssache. Man weiß nie, mit wem man es dort zu tun hat. Deshalb besteht die Gefahr, dass das Geld weg ist und der Verkäufer gleich mit. Der Rechtsweg dauert meist sehr lange und ist selten erfolgreich, wenn man einem nackten Mann in die Tasche greifen will....

Gold: Anlageformen: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.. (Goldserie Teil 3 Frank Meyer)

Im letzten Artikel haben wir über Münzen und Barren geschrieben. Gold wird auch in anderen Formen angeboten, als Aktien, Fonds, als börsengehandeltes Wertpapier, als Zertifikat oder man übergibt die Verwahrung einem Experten. Diese Anlagevehikel sind jedoch mit einer „gewissen“ Unsicherheit behaftet... 

Mit Goldaktien hat man bei steigenden Goldpreisen gut Lachen, denn sie entwickeln sich meist doppelt oder dreimal so gut wie ein Investment in das gelbe Metall. Steigt der Goldpreis, steigt auch die Aussicht auf steigende Gewinne und Dividenden der Minenunternehmen. Fällt der Preis, geht es auch schnell bergab mit den Aktien. Goldaktien sind nichts für Investoren mit schwachen Nerven. Was für die 30 größten deutschen Unternehmen der DAX ist, ist für die Goldunternehmen der XAU, der Index der ungehedgten Goldminen. Es sind Unternehmen, die ihr Gold nicht schon verkaufen, bevor sie es gefördert haben.

Fonds mischen unterschiedliche Unternehmen zusammen. Das hat den Vorteil, dass der Einsatz nicht weg ist, wenn eines der Unternehmen mal in Schwierigkeiten kommt. Ein Fondsmanager hat meist mehr Übersicht über das Geschehen. So sollte es jedenfalls sein. Geht eine Bank pleite, gehört der Fonds zum Sondervermögen. Ein Einlagensicherungsfonds muss nicht einspringen, denn Investoren halten über die Minenaktien direkt Anteile am Unternehmen. Fonds eignen sich hervorragend für Langfristinvestoren und Sparpläne. Voraussetzung allerdings ist, dass sich der Sektor nach oben bewegen wird. Doch dafür sorgen schon allein die Hüter der Währungen, die sich gegenseitig mit Schwäche unterbieten wollen.  

Zertifikate sind vor allem in den letzten Jahren in Mode gekommen, seit der Pleite von Lehman Brothers auch ins Gerede. Zertifikate sind eine Inhaberschuldverschreibung. Geht der Emittent pleite, ist das Investment pfutsch.  

Mit Zertifikaten kann man in unterschiedlicher Form auf steigende, fallende,  aber auch dahindümpelnde Preisentwicklungen spekulieren. Es gibt diese Papiere für einzelne Werte, für das Edelmetall an sich und auch auf Indizes. Eines darf man aber nicht vergessen: Hinter keinem der Zertifikate steckt auch nur eine einzige Unze Gold oder Silber, sondern wiederum nur ein Versprechen. Deshalb steht im Kleingedruckten, dass man bei Fälligkeit einen Barausgleich bekommt und keine Unzen. Zudem sind Preisgestaltung und Kostenseite nur schwer überschaubar. Wer in Edelmetallen zocken will, findet hier ein Paradies. Echte Edelmetalle sind es dagegen nicht. 

Börsengehandelte Fonds (ETF) finden vor allem bei den institutionellen Anlegern reißenden Absatz. Hinter jedem Anteil steckt eine bestimmt Menge Gold, die in einer Sammelstelle hinterlegt ist. So hat sich der größte ETF mit einer Menge von fast 900 Tonnen in den Edelmetallmarkt eingekauft. Bekommt er neues Geld, kauft er zu, ziehen Anleger Geld ab, verkauft er Anteile. Über das Thema Vertrauen muss jeder Anleger selbst entscheiden, wie hoch er es ansetzt und wem er es gibt. Für den Fall, dass Gold wieder verboten werden sollte, wie es in den USA von 1933 bis 1973 der Fall war, wäre ein ETF am schnellsten zu konfiszieren. Zudem reißen die Spekulationen nicht ab, dass Gold aus dem Fonds verliehen wird, da die Manager davon ausgehen, dass nicht alle Investoren gleichzeitig ihre Bestände sich liefern lassen.   

Etliche Anbieter offerieren im Internet, Geld einzusammeln und Gold dafür zu kaufen. Manche sind seriös, manche wiederum weniger. Es ist auch hier eine Frage des Vertrauens. Einige Anbieter sind seit Jahren im Markt, andere sind auf den fahrenden Goldzug erst aufgesprungen und werben teils sehr aggressiv. Die Frage bleibt immer: Hat der Anbieter für das Geld auch Gold gekauft? Gibt er mir die Barrennummer bekannt? Was passiert bei einem Goldverbot? Komme ich jederzeit an mein Gold heran? Was passiert, wenn ich nur 2000 Euro in Gold angelegt habe, der Anbieter aber nur in 12,5 Kilo-Barren investiert hat?  

Kurzum: Der Spatz in der Hand ist bekanntlich besser als die Taube auf dem Dach, vor allem, wenn man mit Rendite gelockt wird und Versprechen, die oft noch schneller weg sind, als der Berater, der diese Versprechungen gemacht hat. Sein eigener Berater zu sein ist meist besser, sich mit den Dingen etwas zu beschäftigen bringt oft mehr, als diese Verantwortung jemandem zu übergeben. Eine Stunde über das eigene Geld nachzudenken ist oft lohnender, als einen ganzen Monat dafür zu arbeiten. Das sagte schon der alte Rockefeller. Und der ist damit ziemlich reich geworden.

Silber: der kleine Bruder des Goldes (Teil 4 der Goldserie, Frank Meyer)

Der Goldmarkt ist mit seiner Größe von 4.500 Mrd. USD ein Zwerg – im Gegensatz zum weltweit aufgedunsenen Anleihemarkt, der inzwischen 85.000 Milliarden Dollar wiegt. Silber ist im Vergleich zum Gold wiederum ein Winzling und gerade mal 12 Milliarden Dollar schwer. Der Börsenwert von Beiersdorf und der weltweite Silbermarkt stehen sozusagen auf Augenhöhe. Doch macht Silber für Investoren so interessant?

Die meisten glauben, es gäbe viel mehr Silber als Gold auf der Welt. Doch dem ist nicht so. Alles in der Menschheitsgeschichte geförderte Gold umfasst geschätzte 5 Milliarden Unzen geschätzt. Es liegt irgendwo herum, als Barren, Münzen oder Schmuck. Manche Schiffsladung ist untergegangen, doch wer sucht schon nach Silber? Bei Silber wurde zwar mehr gefördert, doch es wurde auch immer wieder verbraucht und iszt definitiv weg. Es gibt schätzungsweise eine Milliarde Unzen auf der Erdoberfläche, wahrscheinlich sogar weniger. Silber hat eine Zwitter-Funktion. Einerseits ist es Edelmetall mit den gleichen Geldfunktionen wie Gold, andererseits ist es schnöder Rohstoff.

In der Natur kommt Silber 15-mal häufiger vor als Gold, dafür aber eher an der Erdoberfläche, was den Abbau einfacher machte. Bei Gold nimmt die Konzentration in der Tiefe zu. Die ausgemachten Reserven reichen nach einer Berechnung einer Studie der Bundesregierung noch 14 Jahre, die aufgespürten Ressourcen 27 Jahre. Vielleicht erleben die meisten von uns noch den Tag, an dem Silber zur Neige geht, bzw. knapp wird.

Trotzdem kostet Gold ca. 25 Euro pro Gramm und Silber 0,31 Euro. Es ist verwunderlich, denn mit Gold kann man eigentlich nichts anfangen – im Gegensatz zu Silber. Seine physikalischen Eigenschaften machen es in der Industrie unersetzlich. Es leitet Strom und Wärme besser als alle anderen Metalle, ist dehnbarer als die meisten Metale und reflektiert das Licht effektiver als sonstige Materialien. Wenn Silber industriell in die diversen technischen Dingen verbaut wurde, landet es beim Lebensende der Geräte meist im Müll.

Doch Silber kann mehr: Die schon im Mittelalter bekannte antibakterielle Wirkung wird gerade wieder erforscht. So nutzt man es in Krankenhäusern als Anstrich, um multiresistenten Keimen Herr zu werden. Sportkleidung wird mit Silberfäden durchwebt, um unangenehme Körpergerüche zu unterbinden. In Kühlschränken sorgt Silberfolie für bessere Hygienestandards. Die Nachfrageseite wird zudem von neuen Anwendungsgebieten gestützt. (LCD-Displays, Solartechnik, RFID-Chips, Katalysatoren)

Von Jahr zu Jahr hat sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage vergrößert. Wer fördert schon Silber, wenn die Kosten höher liegen als der zu erzielende Gewinn? Deshalb gibt es sehr wenige reine Silberproduzenten. Die durch die weltweite Rezession vermutlich geringere Nachfrage wird offenbar durch höhere Nachfrage von der Investmentseite überkompensiert. Warum sonst sind die Münzprägestätten an der Kapazitätsgrenze angelangt und kommen mit dem Prägen von Münzen nicht hinterher? Silber wird als Schutz gegen die weltweiten Schwierigkeiten an den Finanzmärkten gerade wieder entdeckt.

Der Markt fragte 2008 knappe 30.000 Tonnen nach, weit weniger als aus den Bergwerken geholt werden konnte. Dabei fällt Silber vor allem als Beiprodukt bei der Gewinnung von Gold, Kupfer und anderen Metallen an. Mit sinkender Nachfrage nach den Grundmetallen, wird auch das Silberangebot knapper. In den letzten Jahrzehnten konnten nur Verkäufe seitens der Regierungen den Silbermarkt im Lot gehalten werden. Doch damit wird bald Schluß sein, denn der oberirdische Silberberg ist von einst etlichen Milliarden Unzen auf nun wenige hundert Millionen Unzen zusammengeschmolzen. Seit 1940 hat allein die US-Regierung drei Milliarden Unzen aus vorhandenen Beständen verkauft.

Das Hauptargument der Silberbugs ist neben der Seltenheit des Metalls und dem im Verhältnis zu Gold niedrigem Preis der vor allem der monetäre Aspekt. Silber ist Sachwert und damit universeller Wertspeicher. Unser heutiges Geld ist im eigentlichen Sinne Kredit. Da die Menge des Geldes immer schneller wächst als die Summe der Produktion und Dienstleistungen, muss die Leistung für das "auf den Bäumen wachsenden Geldes" erst noch erbracht werden. Silber dagegen kennt keine Schulden und keine Kreditkrise. Im Gegensatz zu Gold wurde der Besitz von Silber auch nicht verboten.

Wie winzig der Silbermarkt ist, verdeutlicht folgendes Beispiel: Für jeden Erdenbürger stehen rechnerisch 500 Dollar an Gold zur Verfügung, ca. 25 Gramm - bei Silber sind es gerade einmal 2 Dollar oder 5 Gramm.

Zu erwähnen wären auch die Geschehnisse an der US-Rohstoffbörse COMEX. Dort halten einige wenige große Spekulanten den Silbermarkt mit Papierwetten im Griff. Die vier größten Player dort haben Ende Januar 48% der jährlichen Silbermenge leerverkauft, also Dinge verkauft, die sie nicht haben, aber irgendwann liefern müssen. Ted Butler, einer der weltweit versiertesten Silberanalysten weist seit Jahren darauf hin, dass diese Spekulation in den letzten Jahren immer größer geworden ist und inzwischen perverse Dimensionen angenommen hat. (Webseite: www.investmentrarities.com). Wenn diese Spekulation auffliegt, dann fliegt auch Silber davon, und zwar dorthin, wo es eigentlich schon heute stehen müsste.

Silber: Investieren in den kleinen Bruder des Goldes (Teil 5 der Goldserie, Frank Meyer)

Wie im letzten Beitrag schon ausgeführt, führt Silber ein Zwitterleben. Es ist Rohstoff und Edelmetall mit eingebauter  Geldspeicherfunktion zugleich. Beim Investieren in Silber gilt es ein paar Besonderheiten zu beachten.

Inzwischen werden Silbermünzen auch verschiedenen TV-Shopping-Sendern angeboten. Überdrehte Moderatoren und noch überdrehtere Verkäufer versprechen dem Zuschauer immer ein "hohes Wertsteigerungspotential". Dafür rufen sie Preise jenseits von gut und böse auf. Vergessen Sie es! Das einzige Geschäft dabei macht nur der Münzverkäufer. Die Münzen gehen oft weg wie geschnitten Brot, vor allem, weil der geringste Teil der Bevölkerung einen Hauch Ahnung von der Materie hat, ihm aber die Eurozeichen die Pupille verstopfen. Münzsammler finden ihre Stücke überall, wohl aber kaum im Fernsehen. In unserer Serie geht es nicht um das Sammeln von Münzen sondern um das sich wetterfest machen gegen monetäre Unbilden, von denen wir in den letzten Monaten etliche präsentiert bekommen haben und die Gefahr eines Crashs des Finanzsystems, der allgegenwärtig zu sein scheint.

Ein altes Sprichwort sagt, dass im Einkauf der Gewinn liegt. Das meint nichts anderes, als viel Silber zu bekommen für einen niedrigen Geldbetrag. Es mag an der Mentalität der Menschen liegen, dann zu kaufen, wenn die Preise am höchsten sind und dann die Flinte ins Korn zu werfen, wenn die Preise fallen. Das bestätigen auch immer wieder Edelmetallhändler.

Wer in Silber investieren möchte, dem bietet die bunte Finanzwelt Unmengen an Möglichkeiten. Ob Zertifikate, Optionsscheine, Futures, ETF`s oder Fonds, kein Wunsch bleibt offen, kein Auge Trocken. Doch besitzt man dann wirklich auch Silber? Bei Zertifikaten und Optionsscheinen definitiv nicht. Es gibt nur einen Barausgleich. Zudem sind es Inhaberschuldverschreibungen. Ist der Emittent pleite, ist das Geld weg. Lehman Brothers lassen grüßen. Futures sind eher etwas für die Profis, nicht aber für Otto Normal. Man kann ein Vielfaches des Einsatzes gewinnen, aber auch ein Vielfaches davon verlieren. ETF`s versprechen, die entsprechende Menge Silber für jeden ausgegebenen Anteilsschein auch zu lagern. Die Dinge einfach halten - das sagten schon unsere Alten.

Kleinanleger haben zwei Möglichkeiten, anfassbares Silber zu besitzen - Münzen und Barren. Wichtig sind der eigene Besitz und auch der eigene Zugriff. Versprechen können gebrochen werden. Im Ernstfall könnte das zum Regelfall werden.

Barren werden in den gängigen Einheiten 1000g, 5000g und 31,1 Kilo angeboten. Diese Barren nennt man auch Investmentbarren. Davon gibt es auch kleinere Einheiten, doch die Aufpreise gegenüber Investmentbarren sind viel höher. Sie mögen hübsch sein, auch die 100g-Variante, doch zum Investieren sind sie weniger geeignet. Beim Kauf von Silberbarren fällt die volle Mehrwertsteuer an, die viele Investoren abschreckt. Bei Münzen beträgt sie nur 7%, doch dafür zahlt man höhere Aufpreise, da deren Herstellung teurer ist als das Gießen von Barren. Die Mischung macht es auch hier.

Kleine Stücke in der Größe von einer Unze (31,1 Gramm) sind sozusagen das Klimpergeld für den Fall der Fälle, die Notration für schwierige Zeiten, die Kilobarren eher der Wertspeicher, um sie später in andere Dinge, Aktien oder Anleihen zu tauschen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Eines Tages werden auch die Edelmetalle ihre beste Zeit hinter sich haben. Es wird in der Zeitung stehen. Doch bis dorthin dauert es noch. Letztlich geht es darum, sich gegen Geldentwertung zu schützen. Mit einem 5-Mark-Schein aus dem Kaiserreich kann man heute vielleicht noch eine Zigarette anzünden oder den Schein betrachten,  das 5-Mark Stück aus Silber dagegen hat seinen Wert behalten. Für eine Münze bekommt man heute noch vier Brote.

Im Internet gibt es verschiedene Anbieter. Unter www.silber-investor.de beispielsweise hat man eine komplette Übersicht über Münzen und Barren und die Preise der Verkäufer. Da der physische Silberpreis sich vom an den Börsen gehandelten Papierpreis seit geraumer Zeit abgekoppelt hat, sind die Aufschläge bei Münzen auf bis zu 60% geklettert. Eine Unze Papiersilber kostete Ende Januar 9,70 Euro, eine Münze dagegen schon 13,50 Euro. Bei Barren sind die Aufschläge geringer. Am meisten Silber bekommt man für einen 1000-oz-Barren, der 31,1 Kilogramm wiegt. Bloß schleppen Sie den mal durch die Gegend...

Man sollte pro Unze nicht mehr bezahlen als den Preis für die gängigen Produkte (derzeit 13,50 Euro). Im Einkauf liegt der Gewinn. Natürlich bekommt man die Metalle auch wieder verkauft. Die Edelmetallhändler bieten hier wegen der anrechenbaren Mehrwertsteuer nur schlechte Ankaufskurse an. Doch im Internet gibt es verschiedene Tauschbörsen. Dort wird zu aktuellen Tagespreisen gehandelt. Bei Auktionsplattformen ist das genauso.

Die weltweit bekanntesten 1-oz-Münzen sind Maple Leaf (Kanada), American Eagle (USA) Philharmoniker (Österreich) Kookaburra (Australien) und der Libertad (Mexiko).

Australische Münzen aus der Lunar-Serie gibt es auch als Kiloware. Diese kosten wegen der niedrigen Mehrwertsteuer oft auch weniger als die Barren und sind zudem recht hübsch. Auf der Vorderseite sind verschiedene Motive (Hund, Schwein, Schlange, Drache, Maus, Ratte, Ochse, u.a.), auf der Rückseite das Bild der britischen Königin.

Mexikanische Münzen gibt es auch in 2oz, 5oz, 10oz oder 1 Kilo.

In Deutschland werden keine Unzen angeboten, dafür aber 10-Euro-Gedenkmünzen, die jährlich unterschiedliche Motive zeigen. Diese Münzen gelten auch als Zahlungsmittel. Jede Münze beinhaltet eine halbe Unze Silber. Steigt der Silberpreis, ist man dank des inneren Wertes mit dabei, fällt er, kann man die Münzen bei Banken immer wieder gegen Bargeld eintauschen. Man besitzt gleichzeitig eine Option gegen fallende Silberpreise. Diesen Vorteil haben offenbar viele erkannt. Es ist nicht einfach, an diese Münzen heranzukommen, und wenn, dann zahlt man oft schon 13 oder 14 Euro für ein 10-Euro-Stück. Fragen Sie trotzdem mal bei Ihrer Bank nach. Es gibt immer wieder sogenannte Rückläufer.

Neben Standardmünzen und -barren wird noch anderes Silber angeboten. Inmitten der Lieferschwierigkeiten von Händlern tauchte Silbergranulat auf. Ich kann es nicht einschätzen, ob das ein funktionierender Markt mit Ankaufs - und Verkaufskursen ist oder sein wird.  Silberbesteck gibt es auf Trödelmärkten zu kaufen. Vielleicht sollte man damit besser seinen Tisch decken, als Investment eignet es sich weniger. Last but not least gibt es alte Umlaufmünzen, z.B. die 25-Schillingstücke oder die 50er aus Österreich. Sie werden einzeln, aber auch kiloweise angeboten. Bekannt sind auch die Medaillen, also Silberstücke mit einem Motiv, aber keinem Nennwert. Diese Themen sind eher etwas für die Spezialisten. Viele sammeln diese oft seltenen Silberstücke aus Leidenschaft. Das Thema würde den Rahmen hier sprengen.

Edelmetalle haben über Jahrtausende ihre Wertspeicherfunktion nie verloren. Ob mit einzelnen Unzen oder Kilos, ob mit Gold oder Silber - man war auf der sicheren Seite, wenn es mal wieder eine Währungsreform gab. Das Wort "Reform" ist in diesem Zusammenhang immer eine Verniedlichung. Einer Währungsreform ging immer ein Betrug voraus, ein Staatsbankrott mit zu vielen Schulden, ein Schlendrian, der das Geld zerstörte. Die "Reform" einer Währung zog immer die Entwertung der Guthaben nach sich. Für Besitzer von Edelmetallen war der Start aber immer etwas einfacher, denn ihren Spargroschen in der richtigen Form konnte so eine Reform nichts anhaben - immer und weltweit.

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