Staatsanleihen (Bonds) unterscheiden sich deutlich von einer Unternehmensanleihe, die für Firmen zu den klassischen Mitteln zur Aufnahme von Fremdkapital zählen.

Investiert man in eine Unternehmensanleihe und kauft sie zum Emissionszeitpunkt direkt vom Emittenten oder später von einem Dritten auf dem Anleihemarkt wird der Anleihekäufer zum  Gläubiger und nicht wie im Falle einer Aktie zum (Mit-)Eigentümer des Unternehmens. Eine Anleihe verbrieft immer einen Rückzahlungs- und Zinsanspruch in bestimmter Höhe als Entgelt für die Überlassung von Kapital. Im Gegensatz zu Krediten werden Unternehmensanleihen in der Regel öffentlich begeben und sind leicht an der Börse handelbar.

Vielleicht erinnern Sie sich an manche, - mehr oder weniger spaßhaft gemeinten – Aufrufe und Bitten von diversen Radiosendern an Privatleute im Zuge der griechischen Finanzkrise im letzten Jahr: Man solle Griechenland unterstützen und deren Staatsanleihen kaufen. Nun ist es so, dass im Falle von Staatsanleihen Normalbürger keine Möglichkeit haben, einem Staat direkt Geld zukommen zu lassen. Staatsanleihen können von Privatpersonen (Nichtbanken) nur von Banken oder Nichtbanken gekauft werden.

Um das zu verdeutlichen, möchte ich ein Beispiel aus der Autobranche anführen. Kaufen Sie beispielsweise einen gebrauchten VW Golf, spült dieser Vorgang dem Volkswagen-Konzern genauso wenig Geld in die Kasse, als wenn Sie einer Bank oder Nichtbank eine Staatsanleihe abkaufen. Nur beim Neuwagenkauf profitiert der Autohersteller Ihres Vertrauens, genau wie einem Staat nur bei der Emission eines Bonds frisches Geld zufließt.

Der Staat erhält also nur einmal Geld, - nämlich bei der Erstausgabe der Staatsanleihe. Werden Staatsanleihen zwischen Banken und/oder Nichtbanken und Banken gehandelt, haben diese Transaktionen keine Wirkung auf den Zustand der Staatsfinanzen des entsprechenden Landes. Allerdings kann sich der Preis der Anleihen auf dem Zweitmarkt durchaus in verschiedene Richtungen entwickeln, die abhängig sind von Glaube und Hoffnung der Anleger in die Fähigkeit des entsprechenden Staates, die Anleihe auch tilgen zu können.

Zusammenfassend sei also festgestellt: Genau wie eine Aktiengesellschaft nur beim Börsengang, der Emission neuer Aktien oder bei Bestandsverkäufen seine Kapitaldecke erhöht, so erhält auch ein Staat nur bei der Emission neuer Staatspapiere frisches Geld. Da neu emittierte Staatsanleihen nur von Banken gekauft und verlängert werden können, kann keine Nichtbank dem Staat direkt Geld leihen. Nichtbanken können Staatsanleihen nur von andern Nichtbanken oder von Banken erwerben.

Halt, einen kleinen Moment. Wie verhält es sich mit Herrn Schild und seiner Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH?

Hier scheint es doch laut Werbung so zu sein, als ob man auch als Privatmann/-frau direkt beim Bund in Staatsanleihen und andere Arten von Wertpapieren investieren könnte. Doch dem ist nicht so. Auch hier handelt es sich stets um Papiere, die bereits an den Börsen gehandelt werden.

Die Marktpflegequote

Die Marktpflegequote (auch Sonderquote genannt) ist ein bestimmter Teilbetrag einer Emission von Bundesanleihen, -obligationen oder Bundesschatzanweisungen, der zunächst in den Eigenbestand des Bundes übernommen und auf einem Depotkonto der Deutschen Bundesbank bei der Wertpapiersammelbank Clearstream Banking Frankfurt AG geführt wird.

Es kann, muss aber nicht sein, dass bei der Neuemission staatlicher Wertpapiere diese  Marktpflegequote seitens der Deutschen Bundesbank zurück gehalten wird. Über die Jahre handelt es sich im Durchschnitt um einen Prozentsatz in Höhe von 20 Prozent. Allerdings fällt die Marktpflegequote sehr unterschiedlich aus und kann bei einer Neuemission auch 0 Prozent betragen.

Hierzu ein Beispiel:

Der Bund benötigt zur Ablösung eines alten Kredites ;-) einen neuen Kredit in Höhe von 4 Milliarden Euro und legt in gleicher Höhe einen neuen Bond auf.

Seitens der Bietergruppe (siehe Auflistung unten) erfolgen Gebote in Höhe eines Gesamtvolumens von 7 Milliarden Euro. Bei diesem Vorgang spricht man vom Primärmarkt. Den Bieterbanken, die die niedrigsten Zinssätze akzeptieren werden Bonds in Höhe von 3,8 Milliarden Euro zugeteilt. Bei dieser Auktion spricht man vom sogenannten Primärmarkt.

200 Millionen Euro werden im Rahmen von Marktpflegeaktivitäten zurückgehalten.

Über den Primärmarkt deckt der Bund also den überwiegenden Teil seines Kapitalbedarfs, wobei an dieser Stelle nochmal daran erinnert sei, dass der Bund - im Zuge der Finanzkrise - Banken tatsächlich mit Geld gerettet hat, das er sich bei eben jenen Banken leihen musste.

Die restlichen 200 Millionen Euro an Kapitalbedarf besorgt sich der Bund,  indem er über die Deutsche Bundesbank seine Anleihen im Sekundärmarkt plaziert. Privatanleger können diese Anleihen jedoch nur über eine Bank erwerben, niemals aber im direkten Geschäft mit dem Bund.

Die geplanten jährlichen Neuemissionen von Staatspapieren werden jeweils am Ende eines jeden Jahres für das Folgejahr in einer Jahresübersicht bekannt gegeben. Die Zuteilung erfolgt ausschließlich an den erlesenen Kreis der Bieterbanken im sogenannten Tenderverfahren, welches einer Auktion gleicht. Diejenigen Banken, die die geringsten Zinsansätze anbieten erhalten den Zuschlag.

Mitglieder der Banken-Bietergruppe (Stand Januar 2011):

Deutsche Bank AG

The Royal Bank of Scotland plc (Niederlassung Frankfurt)

Citigroup Global Markets Limited

UBS Deutschland AG

Goldman Sachs International

HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Société Générale S.A.

Barclays Bank PLC

Morgan Stanley & Co. International plc

J.P. Morgan Securities Ltd.

COMMERZBANK Aktiengesellschaft

Bank of America Merrill Lynch

DZ BANK AG Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank

WestLB AG

Crédit Agricole Corporate and Investment Bank

Bayerische Landesbank

BNP Paribas S.A.

Scotiabank Europe plc

Natixis

Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale

Banco Santander S.A.

ING Bank N.V.

Credit Suisse Securities (Europe) Limited

Nomura Bank (Deutschland) GmbH

UniCredit Bank AG

Jefferies International Limited

Landesbank Baden-Württemberg

DekaBank Deutsche Girozentrale

Norddeutsche Landesbank Girozentrale

BHF-Bank Aktiengesellschaft

Banco Bilbao Vizcaya Argentaria S.A. *)

Bankhaus Lampe KG *)

Royal Bank of Canada Europe Limited *)

 

Die Ergebnisse der Tendervergabe werden nach Ende der Auktion in einer Pressemitteilung bekannt gegeben:

Abb.: Auktionsergebnis vom 01.12.2010 bei der Versteigerung von Staatsanleihen, Pressemitteilung der Deutschen Bundesbank.

Als Käufer von Anleihen oder Aktien können also nur zwei Gruppen von Käufern in Erscheinung treten: Nichtbanken und Banken.

Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass es ein großer Unterschied ist, ob eine Bank oder eine Nichtbank einen Anleihekauf tätigt.

Entschließt sich eine Nichtbank zum Anleihenkauf wird mit Geld bezahlt, das bereits existiert. Treten hingegen Banken als Käufer von Staats- und auch Unternehmensanleihen auf, wird neues Giralgeld geschaffen, was auch hier wiederum bedeutet: Ohne Schulden – kein Geld.

Staatsanleihen werden im allgemein üblichen Verständnis wie Unternehmensanleihen betrachtet, doch sind es für Banken äußerst bedeutende Papiere, da es sich bei dieser Wertpapierklasse um die wichtigste handelt, denn es ermöglicht den Banken bis zu einem Rating von AA- bei der Zentralbank Zentralbankgeld ohne Risikogewichtung (Anforderung an das Eigenkapital) zu erhalten. Vor diesem Hintergrund sind Herabsetzungen des Ratings unter AA- einzelner Länder nicht nur für die Länder selbst (steigende Zinsen), sondern vor allem auch für Banken problematisch, da sie dadurch zu einer Aufstockung ihrer Eigenkapitaldecke gezwungen werden.    

Weiterführende Informationen finden Sie in diesem Artikel:

Zentralbanken und Zentralbankgeld. http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=c88d2c4257&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=7829

... wird in Teil 2 fortgesetzt.