Das Gerücht einer bald kommenden Währungsreform hält sich beharrlich. Die Deutsche Mark 2.0 ist für den ein oder anderen schon ausgemachte Sache und auch unser aller Torwart-Titan Oliver Kahn hält in einem Interview mit Focus Money nichts mehr für ausgeschlossen. Er zeigt sich recht verunsichert ob der aktuellen Lage und betrachtet sein 30%iges Investment in Edelmetalle als Versicherung gegen mögliche Unwägbarkeiten und Risiken. Torhüter sind halt immer besonders auf Sicherheit bedacht. Olli Kahn dürfte mit seiner Investment-Strategie in Edelmetalle angesichts der derzeitigen Systemendphase grundsätzlich richtig liegen.

Seine Vor- oder auch Weitsicht – ganz wie man will – ist sicherlich völlig begründet. Betrachtet man die letzten drei Jahre, so müssen wir feststellen, dass die Welt nicht nur am Abgrund stand und steht, sondern wir heute schon einen Schritt weiter sind.

Immobilien-, Banken- und Weltwirtschaftskrise wurden abgelöst von der Mutter aller Krisen, der Staatsverschuldungskrise, - wobei sich im Verlauf dieses Artikels zeigen wird, dass es sich tatsächlich um eine weltweite Guthabenkrise handelt.

Eine Disziplin des Fallschirmspringens nennt sich übrigens „Base“. Man springt von Bergvorsprüngen, Gebäuden oder auch einmal einem Windrad hinab in die Tiefe.

Diese spezielle Art des Fallschirmspringens gilt als sehr gefährlich, da man aufgrund der niedrigen Absprunghöhe von meistens nur wenigen hundert Metern ohne Reserveschirm unterwegs ist. Natürlich braucht man für dieses Hobby auch eine ganz spezielle Ausrüstung, die im wesentlichen aus einem sich schnell öffnenden Spezialschirm besteht, der sorgfältigst gepackt sein sollte.

http://www.youtube.com/watch?v=fq_fkHESF0c

Ich denke, dass sich das Weltfinanz- und Wirtschaftssystem gerade in seiner letzten Phase des Freifalls befindet, wobei sich alle bisher gespannten Rettungsschirme letztendlich als untauglich erweisen werden, den Aufprall auf hartes Gestein zu verhindern. Trotz immer wieder eingestreuter negativer Meldungen über den Zustand des Systems (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701444,00.html), ist den meisten Menschen (Optimisten) der Ernst der Lage nicht bewusst, da sie in stabiler Freifall-Position, gegen Horizont blickend, auf die Erde zu rasen, ohne auch nur eine Sekunde einen Blick nach unten zu wagen. Bösartig könnte man dieses Verhalten als  Möllemann-Suizid-Syndrom bezeichnen.

Trotzdem: Bange machen, gilt nicht. Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber.

Man sollte die vielen, oft völlig übertriebenen Horrormeldungen in Bezug auf eine baldigst kommende Währungsreform (die letzten Termine verstrichen im Mai) und einer damit einhergehenden Rasur der Schafe, - damit sind vor allem Menschen mit Schulden ohne goldene und silberne Besitztümer gemeint – ernst nehmen, doch trotzdem einen kühlen Kopf bewahren.

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein.“, sagte Albert Einstein einmal. Schafe gelten in der Regel als nicht sonderlich intelligent. Man sollte sich nun verschiedene Fragen stellen: Zum Beispiel, ob man selbst Teil der Schafherde sein möchte und was man gegen eine Herdenmitgliedschaft unternehmen kann, um nicht rasiert zu werden? (Bei Ihnen, werte Leserinnen und Leser, beantwortet sich die Frage von alleine, da Sie wohl nicht ohne Grund gerade Cashkurs lesen.)

Eine weitere, ganz wichtige Frage wäre, welche Rolle unsere Spitzenpolitiker auf dieser Schafsweide spielen. Sind sie die wissenden, behütenden Schafhirten, die ihr Bestes tun, um Böses vom Volk abzuwenden oder eher die kläffenden, klugen, doch bösartigen Schäferhunde, die ihr Schafsvolk in eine ganz bestimmte Richtung, vielleicht sogar auf einen Abgrund zutreiben möchten?

Man kann beide Möglichkeiten nicht ausschließen, obwohl ich fast eine dritte Möglichkeit favorisieren möchte: ich denke Merkel, Westerwelle und Co. sind allenfalls Leithammel, die von den Dingen, die sich gerade abspielen nicht viel mehr verstehen als das Bundesdurchschnittsschaf. Anders kann man die Aussage unserer Kanzlerin, dass wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben und dieses unverschämte Bürgerverhalten die Krise mitverursacht hat, nicht interpretieren. Ob nun unsere Polit-Leithammel mächtigen, weisungsbefugten, der breiten Öffentlichkeit unbekannten Schäfern im Hintergrund des Weltgeschehens dienen, lässt sich derzeit nicht eindeutig beweisen. 

http://www.bilderbergmeetings.org/governance.html

Wer meinen Cashkurs-Artikel „Zentralbanken und Zentralbankgeld“ vom 16.06.2010 gelesen hat, wird verstehen, dass die Macht, die Notenbanken heutzutage in Bezug auf Steuerung von Konjunktur, Inflation und Deflation ausüben können, als sehr gering einzustufen ist. Man hat das zur Verfügung stehende Pulver (Leitzinssenkungen, Quantitative Easing) bereits vollständig verschossen, ohne dass diese Maßnahmen zu nennenswerten, positiven Ergebnissen geführt hätten, außer der (mehr schlechten als rechten) Aufrechterhaltung des bestehenden Geld-Schuld-Zinssystems

http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=c88d2c4257&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=7829

Das wesentliche Problem unseres derzeitigen Systems besteht darin, dass einerseits unser heutiges Geld allein durch Verschuldung (und der gleichzeitigen Besicherung mit bereits vorhandenem Sachkapital) in die Welt kommt und andererseits die Möglichkeit besteht, Geld aus dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen und dafür mit einer „Konsumverzichtsprämie“ obendrein belohnt zu werden.

Falls Sie einmal in Ihrem Leben einen Kredit aufgenommen haben, werden auch Sie diese Erfahrung gemacht haben: Ohne hinterlegte Sicherheiten ist eine Bank nur äußerst selten bereit, einen Kredit zu vergeben. Auf der anderen Seite wird das Sparen von Geld und die damit verbunden Zinszahlungen für das „arbeitende“ Geld als sehr positiv und angenehm empfunden.

Die Deutschen werden oft als Sparweltmeister bezeichnet. Schauen wir uns einmal an, in welchen Anlagen gespart wird:

Wie man sieht, ist der überwiegende Teil der Vermögen bei Banken und Versicherungen angelegt. Dass man Aktien übrigens zum „Geld“vermögen hinzuzählt halte ich für sehr gewagt, denn bei einer Aktie handelt es sich – wie wir alle wissen - um einen Firmenanteil. Aktien sollten daher zum Sachvermögen gezählt werden, auch wenn diese Wertpapiere schnell veräußert werden können. Ansonsten könnte man auch die Brötchen, die morgens im Bäckerladen reißenden Absatz finden, zum Geldvermögen des Bäckers hinzuzählen.

Die obige Grafik macht übrigens auch deutlich, dass die Geldvermögen der einen, immer auch gleichzeitig die Schulden anderer sind. Die Grafik könnte ebenso mit der Überschrift „Schuldenstand 2009 von Banken, Versicherern und Firmen“ übertitelt sein.

In unserem heutigen Währungssystem gilt die Gleichung Geld = Schuld immer. Sowohl innerhalb des Banken/Zentralbankensektors wie auch in der Realwirtschaft. Zentralbankgeld entsteht durch einen Kredit, den die Zentralbank an eine Geschäftsbank vergibt. Besichert werden diese Kredite in erster Linie mit Staatsanleihen (Staatsschulden).

Gläubiger ist in diesem Fall also die ZentralbankSchuldner ist die Geschäftsbank.

Neues Geschäftsbanken-Giralgeld entsteht ebenfalls immer nur durch eine Kreditvergabe an eine Nichtbank, wobei sich die Kredit gebende Bank mit zu hinterlegenden Sicherheiten weitestgehend vom Risiko befreit. Gläubiger sind in diesem Fall also die Geschäftsbanken – Schuldner sind die Nichtbanken (Privatpersonen, Unternehmen).

Im Falle der amerikanischen Immobilienkrise hat man übrigens auf diese Sicherheiten verzichtet,  um die Risiken mit Hilfe neuartiger Finanzprodukte an anderer Stelle unseres Finanzsystems (HRE, deutsche Landesbanken, etc.) in verbriefter Form unterzubringen.

Die Tatsache, dass Geld durch Schuld in die Welt kommt ist vielen Menschen nach wie vor nicht bewußt. Geld wird in den meisten Fällen als eine Art Ding betrachtet, das einfach so da ist. Vielleicht geht der ein oder andere sogar davon aus, dass Geld auf Bäumen oder an Sträuchern wächst oder Notenbanken es nach gut dünken, irgendwie verteilen oder „in Umlauf bringen“. (Siehe meinen Artikel „Zentralbanken und Zentralbankgeld“ vom 16.06.2010)

Horten Sie Bargeld? Wenn ja, kommen Sie vielleicht gerade auf den Gedanken, dass die Euro-Scheine, die Sie letztes Jahr in Ihrer Tiefkühltruhe versteckt haben, frei von Schuld sein könnten. - Nein, leider ist dem nicht so. Auch dieses Geld ist sichtbar gemachte Schuld. Denn einerseits sind Sie als Geldhalter Gläubiger der anderen Wirtschaftsteilnehmer, weil Sie Ihr Geld wahrscheinlich irgendwann einmal zum Einkaufen nutzen möchten, was nichts anderes bedeutet, als dass die restlichen Wirtschaftsteilnehmer Ihnen etwas (Ware, Dienstleistung) schulden. Andererseits handelt es sich bei den 100.000 € Bargeld in Ihrer Tiefkühltruhe um Zentralbankgeld, das durch Verschuldung einer Geschäftsbank bei der EZB entstanden ist.

Abschließend ist nun folgendes festzuhalten:

Geld und Geldguthaben sind immer auch gleichzeitig Schuld. Diese Schulden/Guthabenpaare sind zwar nicht zwingend notwendig, um eine volkswirtschaftliche Wertschöpfung generieren zu können, erleichtern das  Wirtschaften und Handeln und die Aufteilung der Wertschöpfung aber ungemein.

(Siehe: Vom Wesen des Geldes oder .... Money, Money, Manie! vom 23.04.2010)

http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=9e6f7d4a68&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=7405

Will man nun alle Schulden (erklärtes Ziel vieler Politiker) tilgen, müssten dafür auch alle Geldguthaben zur Verfügung stehen. Werden Geldguthaben gespart und dem Wirtschaftskreislauf entzogen, stehen sie gleichzeitig nicht mehr als Schuldtilgungsmittel zur Verfügung. Eine Neuverschuldung wird unvermeidlich, soll das System nicht in einem deflationären Crash zusammenbrechen.

Will man nun die Neuverschuldung (Staatsverschuldung) vermindern, müssten gleichzeitig auch entsprechende Sparvermögen aufgelöst werden. Sparvermögen sind nichts anderes als Konsum- und Nachfrageverzicht. Falls dieser Konsum- und Nachfrageverzicht nicht beseitigt werden kann, kommt es automatisch zu fatalen Ungleichgewichten, Deflation, Depression und Zusammenbruch, es sei denn, man wolle ohne Geld zur reinen Tauschwirtschaft zurückkehren.

Demnächst in Teil 3/4:

Lösungsansatz für die Guthaben/Schuldenproblematik:

  • Neuverhandlung der Schulden UND Guthaben: Schaffung einer neuen umlaufgesicherten Weltleitwährung (Verrechnungseinheit) auf Rohstoffbasis
  • umlaufgesichertes Vollgeld
  • Schaffung eines Währungswettbewerbs / Aufhebung des Geldmonopols
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