Auf dem eurasischen Kontinent ist zurzeit so manches in Bewegung. Dies gilt nicht nur für die stetige Vertiefung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Russland und China. Fortan besteht auch die erste direkte Cargo-Verbindung zwischen China und Spanien, die sich über eine Schienenstrecke von mehr als 13.000 Kilometern erstreckt. In Peking verbindet man mit einer regulären Inbetriebnahme nicht nur kommerzielle, sondern vor allem auch strategische und geopolitische Interessen.  
Am Dienstag dieser Woche fuhr der erste Güterverkehrszug im Bahnhof der spanischen Hauptstadt Madrid ein, der die Entfernung von mehr als 13.000 Kilometern hinter sich gebracht hat. Wenn man bedenkt, dass Chinas Staatsführung erst vor Kurzem bekannt gab, richtig Geld in die Hand nehmen zu wollen, um die alte Seidenstraße auszubauen und diesen alten Handelsweg im Sinne des Überlandhandels revitalisieren zu wollen, so sind mit diesen Plänen selbstverständlich auch geopolitische Strategien und Erwägungen verbunden, die China den ersten Platz auf der Weltbühne sichern sollen.
Interessant ist in diesem Kontext auch die Meldung, dass ein erfolgreicher Test zur ersten Güterzugverbindung zwischen China und Spanien absolviert wurde. Es wird nun wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis diese Strecke ihren regulären Fahrplan aufnimmt und wohl auch durch die Option eines Personentransports erweitert wird. Der Testzug hatte die Stadt Yiwu in Ostchina am 18. November verlassen, um am Dienstag, dem 09. Dezember im Madrider Hauptbahnhof einzufahren.  
Dabei durchquerte der Güterzug die Länder Kasachstan, Russland, Weißrussland, Polen, Deutschland und Frankreich. Damit ist diese neue Route auch gleichzeitig die längste Eisenbahnstrecke der Welt, womit Russland transsibirische Eisenbahnverbindung nach China abgelöst wurde. Mancher wird sich fragen, ob die Gesamtreisedauer von 21 Tagen von China nach Spanien nicht ein wenig lang erscheint?
Die Antwort lautet: keineswegs. Denn die Reisedauer von 21 Tagen mit der Bahn ist immer noch um 10 Tage kürzer als über den Seeweg. Damit könnte dem Seehandel zwischen Europa und China in der Zukunft ein Ernst zu nehmender Konkurrent erwachsen, der Container-Schiffen alsbald einen Teil ihrer Tonnage streitig machen wird. Insgesamt transportierte der Testzug 40 Schiffs-Container, die mit Textilien und Werkzeugen beladen waren.
Auf seinem Rückweg von Spanien nach China wird derselbe Güterzug mit Wein, Olivenöl und Schinken beladen. Natürlich müssen die Zugverbindungen über Land in der Zukunft ausgebaut werden, um dem Seehandel ein ernsthaft Konkurrenz zu machen. Während dies wohl auch geschehen dürfte, erklärte Li Qiang, Gouverneur der chinesischen Provinz Zhejiang, der dem Einlaufen des Zuges in Madrid im Rahmen einer Zeremonie beiwohnte, dass die neue Zugverbindung wichtig für die strategischen Pläne Chinas zur Wiederbelebung der alten Seidenstraße seien.
Übrigens wird diese neue Seidenstraße auf der nun russischen Halbinsel Krim enden, auf der Russland und China gerade gemeinsam einen neuen Tiefseewasserhafen bauen (ich berichtete). Eine ähnliche Zugverbindung besteht auch bereits zwischen Deutschland und China. Hier werden Güter zwischen Chongqing und Duisburg auf dem Schienenweg ausgetauscht. Auch zwischen Hamburg und Peking werden bereits Güter auf der Schiene transportiert.
Bis dato werden immer noch etwa 80% des internationalen Handels über die Container-Schifffahrt ermöglicht. Dies könnte sich in naher Zukunft jedoch ändern, nämlich dann, wenn sich einzelne Länder zu einer Vereinfachung der bürokratischen Hürden für den Transport auf der Schiene entschließen sollten. Und danach sieht es derzeit aus. In diesem Zuge muss vor allem auch die Schienentechnik in den an der Gesamtstrecke partizipierenden Ländern erneuert und zueinander kompatibel gemacht werden.
Hürden, die nicht allzu hoch erscheinen, wenn alle Seiten an einem Gelingen der gemeinsamen Projekte interessiert sind. Denn der Transport per Eisenbahn ist weitaus günstiger als die Seeschifffahrt. Hinzu kommt, dass der Transport mittels Eisenbahn von vielerlei Regierungen als weitaus klimafreundlicher empfunden wird. Dazu addiert sich schlussendlich auch noch der Faktor, dass der Zug auch noch schneller ist als große Container-Schiffe.
Ich könnte mir vorstellen, dass Entwicklungen dieser Art auf dem eurasischen Kontinent gerade mit Argusaugen in Washington beobachtet werden.