Bewusste Akzeptanz der Folgen ist sinnvoller als über Ursachen zu streiten

Im Rahmen der Eurozone wurde das niedrige Zinsniveau der heute als Kern definierten Länder in die Peripherie exportiert. Das in diesen Ländern unbekannte niedrige Zinsniveau wurde von der Staatengemeinschaft an keine Auflage bzgl. der sinnvollen Investition dieser Ersparnis geknüpft. Das Geld wurde nicht sinnvoll investiert, um sich für die Zukunft und für einen globalen Wettbewerb stärker aufzustellen. Es führte stattdessen dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit nachließ, der Staat die fehlende private Nachfrage nach Arbeitsplätzen unproduktiv kompensierte oder private Vermögensblasen entstanden.  Wichtige Anpassungen fanden nicht statt, weil die niedrigen Zinsen den Druck zu schmerzhaften Reformen genommen haben. Die zunehmende Globalisierung zwingt die Peripherie in einen Wettbewerb mit aufstrebenden Schwellenländern in denen die Arbeits- und Lohnkosten erheblich niedriger sind. Die niedrigen Zinsen und die künstliche Aufblähung des Staatsapparates bzw. privater Vermögensblasen haben einige Jahre einen Lebensstandard über der eigenen Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht. Der Einmaleffekt wurde konsumiert und der Lebensstandard passt sich sukzessive der globalen Wettbewerbsfähigkeit an. Ohne die Möglichkeit zur Abwertung der eigenen Währung führt das in eine gesellschaftspolitische Katastrophe, deren Geschwindigkeit nur durch weitere Vermögenstransfers und Aufweichungen verlangsamt wird. Die zu Beginn der Eurozone gemachten Fehler machen eines deutlich: Echte Anpassungen lassen sich aufschieben, aber nicht vermeiden.

Dementsprechend sind neue Verpackungen gefragt, die das Ausmaß des Transfers zwischen den Ländern verschleiern. Im Zeitablauf konnten zuerst der unsichtbare Niedrigzinsexport und sichtbare, aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen Subventionen festgestellt werden. Nachdem die Finanzkrise die ohnehin in einigen Jahren aufgetretenen Probleme in die gefühlte Gegenwart gezogen hat wurden aus versteckten Subventionen sichtbare Garantien. Diese werden zwangsläufig zu harten Cash-Flows werden. Am Beispiel Deutschland lässt sich sagen: Gezahlt wurde immer, nur die Offensichtlichkeit und das Volumen haben sich verändert. Ein in der Dimension aktuell vollkommen unterschätzter Faktor stellen die impliziten Staatsschulden aus des staatlichen Renten- und Pensionszusagen dar. Während der Staat Deutschland die eigenen zukünftigen Verbindlichkeiten durch das Alterseinkünftegesetz zu Lasten seiner Bürger reduzierte, lassen sich in manchen  Euroländern heute noch neue unfinanzierbare Versprechen auf die Zukunft erkennen. Divergenz statt Konvergenz also nicht nur bei den sofort spürbaren Steuersystemen, sondern auch den langfristig wichtigen Rentensystemen.

Zusätzlicher Druck wird kurzfristig dadurch entstehen, dass die öffentliche Diskussion nicht mehr nur zwischen den sog. Geber- und Nehmerländer stattfindet, sondern auch die Einigkeit der einzelnen Gruppen auseinanderbrechen wird. Betrachtet man hier die beiden für die Zukunft der Eurozone wirklich wichtigen Ländern Spanien und Italien, so ist festzustellen, dass Italien durch eine unpopuläre Grundsteuer zusätzliche 5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr generiert hat, aber nun mit 18 Mrd. Euro bei der Rettung der spanischen Banken beteiligt ist. Es wird nicht lange dauern bis das die einheimische Presse mit blumigen Worten aufgreift. Der eigene Verzicht wird also durch das Einstehen für Nachbarn überkompensiert. Das Feindbild Disziplin fordernder Geberländer ist nur solang intakt, wie man selbst gefühlt nicht zu diesen gehört.

Die Flexibilität von intellektuelle Fähigkeiten und Kapital führt in den schwachen Ländern zu einem Verlust an Kapital und Köpfen für die Zukunft. Wenn die Leistungsträger mit den Füßen abstimmen und ins Ausland abwandern stellt sich die Frage wer den Weg in die Zukunft bereitet.

Aus diesen Gründen erscheint es sehr fraglich, dass der Euro in der heutigen Form dauerhaft existiert. Am wahrscheinlichsten erscheint ein „harter Euroraum“. Auch für Deutschland ist ein Zurück zur DM nicht auszuschließen.

Abseits der intellektuell spannenden und herausfordernden Diskussion spielt es für das Vermögen keine Rolle ob das Szenario Zusammenhalt oder Auseinanderbrechen eintritt;  die Zeche werden in letzter Konsequenz die Steuerzahler und privaten Gläubiger zu tragen haben.

Die genauen Folgen für das Vermögen sind schwer abzuschätzen und stellen sich auf der Zeitachse wahrscheinlich mit starken Ausschlägen dar. Zugesagte Leistungen aus zinsbasierten Altersversorgungen (egal ob durch private Verträge oder betriebliche Zusagen „verpackt“) werden ebenso leiden wie die staatlichen Pensionen und Nettorenten nach Steuern und Inflation. Aktien werden im Rahmen des Fragmentierungsprozesses zumindest temporär aufgrund der Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung leiden. Der Zahlungsverkehr könnte für eine kurze Dauer betroffen sein und die nachlassende Zirkulation von Geldern kann den Welthandel kurzfristig lähmen.   

Die Bemessungsgrundlage für verschiedene Steuerarten wird sich zu Ungunsten des Zahlungspflichtigen verschieben und aktuell nicht erhobene Steuerarten (Vermögensteuer) könnten reaktiviert werden.

Vorerst wird aber weiter durchgewurstelt. Den Zeitgewinn sollte der Gläubiger der letzten Instanz nutzen, das sind die Bürger und nicht wie oft dargestellt die Notenbanken, sich sachlich und emotional auf unfreundliche Zeiten einzustellen.

P.S.

Eine Versicherung gegen finanzielle Verluste jenseits der 6.200 Punkte auf den deutschen Aktienleitindex für die nächsten 4 Monate kostet aktuell (14.8.2012, 11 Uhr) unter 2 Prozent der abzusichernden Summe. Sollte der Versicherungsfall nicht eintreten (Wichtig: An Verkauf vor Fälligkeit denken, weil sonst Probleme bei der steuerlichen Anerkennung!), kann dieser Verlust steuerlich mit positiven Erträgen (z. Bsp. Zinsen und Dividenden) verrechnet werden, so dass das Finanzamt 25 Prozent der Versicherungskosten übernimmt.

Den eigenen Stress reduzieren und das Finanzamt an den Kosten beteiligen klingt aus meiner Perspektive nach einem guten Plan.

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