Mario Draghi sorgt für ein Allzeithoch nach dem anderen und vor allem der DAX spurtet in nie dagewesene Höhen. Erst am Donnerstag kündigte Draghi an, ab kommenden Montag 60 Mrd. EUR pro Monat an Anleihen des öffentlichen Rechts aufkaufen zu wollen. Dies sind umgerechnet  2,73 Mrd. EUR pro Tag, 114 Mio. EUR pro Stunde oder stolze 1,9 Mio. EUR pro Minute und auch nur, wenn Draghi an Werktagen 24 Stunden am Tag Liquidität in den Markt pumpt. Ungeheuerliche Summen, die der Markt so noch nicht erlebt hat. Die Zinsen in Europa sollen wie erwartet ebenso bei niedrigen 0,05% verharren. 

Demnach ist also derzeit der Status Quo dahingehend ausgelegt, dass die neu geplante  Liquiditätsschwemme noch nicht zum Einsatz kam, der DAX jedoch im Vorfeld bereits die psychologisch wichtigen 11.500 Punkte überschritten hat. So viel Optimismus ist jedoch auch immer gefährlich. Wenn dieser nämlich Extrempositionierungen erreicht, kann sich dies schnell als antizyklisches Signal herausstellen. Einfach gesagt bedeutet dies,  wenn die Herde nach Norden rennt, gehen wir nach Süden und umgekehrt.

Gustav Le Bon (1841-1931) hatte als Begründer der Massenpsychologie bereits sehr richtig geurteilt „Die Massen urteilen gar nicht oder falsch. Die Urteile, die die Massen annehmen, sind nur aufgedrängte, niemals geprüfte Urteile.“

Diesen Satz hat der Börsenaltmeister Andre Kostolany versucht an der Börse umzusetzen, indem er die Meinung der Massen durch viele Gespräche und Verhaltensstudien versuchte zu bewerten. Heute hingegen haben wir neben den subjektiven Einflussfaktoren durch Freunde, Kollegen und vor allem den Medien („Jetzt muss jeder Aktien haben“ bis hin zu einem Musterportfolio in der Bildzeitung) die Möglichkeit quantitative Studien zur Analyse herbei zu rufen.

Stimmung läuft heiß – Techniker sind bullish

In der folgenden Grafik sieht man dabei eine Aufstellung der Börsenoptimisten in den USA. Ganz klar erkennbar ist, dass diese sich derzeit in einem äußerst optimistischen Bereich bewegen. Dabei handelt es sich vornehmlich um technisch orientierte Firmen, die anhand umfangreicher Chartanalysen, und eben nur dieser, versuchen den Markt hervorzusagen. In der Vergangenheit, wie beispielsweise im Januar, Juli, September und November des vergangenen Jahres, wie auch im August 2013, hat sich eine zu optimistische Stimmung eher als guter Kontraindikator erwiesen. So auch dieses Mal? Die Wahrscheinlichkeit steht jedenfalls nicht schlecht.

Blasenbildung noch nicht erkennbar

Aktuell wird immer wieder davon gesprochen, dass wir uns in einer Blasenbildung befinden. Dafür ist jedoch wichtig zu verstehen, was eine Blase ist, um gleichermaßen erkennen zu können, wie und vor allem ob diese entsteht. Blasen selbst sind in ersten Zügen immer dann erkennbar, wenn die Bewertung der Aktienmärkte abstruse Formen annimmt. Dies war beispielsweise zu Zeiten der Dot-Com-Ära der Fall. Damals waren Aktien mit einem KGV weit über 30 bewertet und auch das KBV befand sich jenseits der 3er-Marke. Weiterhin spricht eine hohe Finanzierung auf Kredit für eine gewisse Blasenbildung. Auch dies ist derzeit nicht der Fall, vor allem weil man beobachten kann, dass große Summen aus Übersee nach Deutschland transferiert werden, um hier am „German Mittelstand“ zu partizipieren. Der gefallene Euro tut sein Übriges hinzu.

DOW statt DAX

Den DAX völlig losgelöst vom Dow Jones oder S&P500 zu sehen, kommt eher selten vor, da im Normallfall die USA den Ton angeben und der deutsche Aktienindex dies oftmals nur etwas volatiler nachbildet. Nichtsdestotrotz ist dies aktuell der Fall, da die Rahmenbedingungen als äußerst unterschiedlich zu betrachten sind. In der folgenden Grafik sieht man dabei deutlich, wie sehr sich der DAX von den Amerikanern kurzfristig abgehoben hat.

Aus diesem Grunde scheint es derzeit eher ratsam die amerikanischen Indices zu handeln, wenn man sich auf der Short-Seite engagieren will. Europa ist aktuell noch zu sehr von Draghi und der Vermögensverschiebung beeinflusst, sodass die USA als präferierte Wahl gelten sollten.

Unterm Strich wird somit derzeit ein zwiegespaltenes Bild deutlich. Die Anleger sind äußerst optimistisch in Form der technischen Analysten. Ansonsten rechnen jedoch auch bereits viele mit einer Korrektur oder gar einem Crash („Wann kommt der Crash“, „Das Ende der Hausse“ etc.), was eher gegen selbiges spricht. Fundamental jedoch darf man beruhigt sein, da zu mindestens derzeit noch keine absolute Blase in Sicht ist. Die Frage, die man sich in Betracht auf fundamentale Daten hingegen langfristig stellen muss, lautet: Was passiert mit den Aktienmärkten, wenn die „neue Normalität“ in Form der Liquiditätsschwemme irgendwann zurückgeschraubt wird?

P.S. Bei www.Cashkurs-Livetrading.com geben wir regelmäßig erfolgreiche Empfehlungen unter anderem auch nach diesem Investors-Behaviour Ansatz für unterschiedliche Märkte und Indices. Durch einen Testzugang kann man dabei die zahlreichen interessanten Webinare verfolgen, um herauszufinden, wie häufig wir mit diesem Ansatz bereits richtig lagen. Ein Mehrwert ,der sicherlich einen Blick wert sein sollte. Ein Testwebinar können Sie unter folgendem Link abrufen:

http://www.cashkurs.com/kategorie/aktienwelt/beitrag/cklt-webinar-investors-behaviour-vom-27082014/

Ihr Andreas Meyer

Quelle: www.am-capital.de, finanzen.net



Dirk Müller sowie die Finanzethos GmbH haben sich verpflichtet, den Kodex des Deutschen Presserates für Finanz- und Wirtschaftsjournalisten einzuhalten. Der Verhaltenskodex untersagt die Ausnutzung von Insiderinformationen und regelt den Umgang mit möglichen Interessenkonflikten. Die Einhaltung des Verhaltenskodex wird jährlich überprüft. Dies gilt auch für die für Dirk Müller oder für Finanzethos GmbH tätigen freien Journalisten.