In der Vergangenheit kamen immer wieder Fragen zu den unterschiedlichsten Finanzinstrumenten und deren Funktionsweise auf. Dabei gibt es am Markt eine große Bandbreite an Möglichkeiten sich je nach Risikoneigung oder Markteinschätzung zu platzieren. Bekannt sind natürlich die gängigsten Produkte wie Aktien oder Rentenpapiere (Anleihen entweder vom Staat oder einem Unternehmen selbst). Weiterhin sind Fonds gerade in der Altersvorsorge ein wichtiger Baustein zum Vermögensaufbau, jedoch sind auch diese heute sehr visibel und weitreichend bekannt. Spannender wird es bei dynamischen Finanzinstrumenten wie z.B. Schuldverschreibungen als Überbegriff inklusive Wandelanleihen oder Genussrechte. Die große Herausforderung besteht vor allem darin, dass die gleiche Funktionsweise oftmals einen unterschiedlichen Namen trägt, wodurch die zunehmende englische Sprache im Deutschen Raum ihr übriges hinzutut. Dies führt oftmals zu Verwirrung und kann den Anleger vor unnötige Herausforderungen stellen. Im Folgenden sollen diese erläutert und anhand von Beispielen greifbar gemacht werden.

Schuldverschreibungen: Schuldverschreibungen sind eine Art Überbegriff, wobei oft auch die Begrifflichkeit „festverzinsliches Wertpapier“ genutzt wird. Sie dienen zur Fremdfinanzierung sowohl bei Staaten in Form von Staatsanleihen als auch bei Unternehmen (Industrieanleihen) oder auch Banken (Bankschuldverschreibung). Anleihen werden häufig gerne auch Obligationen genannt, haben jedoch die gleiche Bedeutung.  Schuldverschreibungen sind eine Möglichkeit der Fremdfinanzierung für Unternehmen. Dabei kauft der Anleger (auch Gläubiger) die Schuldverschreibung und ist somit im Besitz einer Forderung. Auf der anderen Seite hingegen steht der Aussteller der Urkunde (der Schuldner), also z.B. das Unternehmen oder der Staat. In der Zeichnungsphase wird die Schuldverschreibung z.B. zu 100€ herausgegeben und nach Laufzeitende in dieser Höhe zurückbezahlt. Während der Haltedauer gibt es einen festen Zins, welcher somit die Rendite des Anlegers ausmacht. Während der Laufzeit, welche bis zu 15 Jahre betragen kann, ist es möglich, dass die frei handelbare Schuldverschreibung im Kurs je nach Angebot und Nachfrage schwankt. So spielt z.B. die Laufzeit eine wichtige Rolle, sodass am Ende die Rendite über oder unter dem Nennwert liegen kann. Notiert die Anleihe zum Nennwert spricht man auch von Par-Bond, da diese zu pari notieren. Der wahre Zins, den der Anleger also erhält muss nicht der Kupon sein, der bei Emission festgesetzt wurde, da auch der Kurs zu dem man kauft eine Rolle spielt wie aber auch die restliche Laufzeit.

Wir haben nun die Standardanleihe besprochen. Standard wird in der Finanzbranche gerne und oft auch als Plain-Vanilla bezeichnet. Weiterhin gibt es nun zahlreiche unterschiedliche Typen, die vor allem in der Ausgestaltung des Zinses voneinander abweichen. Beispiele sind Tilgungsanleihen, Nullkuponanleihen, Annuitätenanleihen oder auch Stufenzinsanleihen.

Etwas dynamischer sind hingegen die Anleihen oder Schuldverschreibungen mit Optionsrechten. Bei diesen auch Wandelschuldverschreibung oder Wandelanleihe genannten Finanzinstrumenten hat der Gläubiger, also der Anleger, die Möglichkeit, die gekaufte Wandelanleihe in Aktien des Unternehmens zu tauschen. Wichtig dafür sind natürlich der Zeitpunkt und die Anzahl der Aktien, die man dafür bekommt. Dies wird bei Emission festgelegt und bedeutet somit auch eine Spekulation auf den Aktienkurs, der hier steigen sollte. Die technische Umsetzung dieses Instruments besteht aus einer Call-Option, welche mit der verzinsten Anleihe verknüpft wird.

Bei einer Aktienanaleihe ist es umgekehrt. Dabei hat das Unternehmen, dass die Anleihe emittiert die Möglichkeit eine festvereinbarte Anzahl von Aktien statt des Nennbetrages zu liefern.

Weitere Sonderformen sind beispielsweise zinsausschüttende Zertifikate, Rohstoffanleihen, Indexanleihen usw. die als Reverse Convertibles notieren. Speziell gibt es noch die sogenannten Hybridanleihen. Diese dienen als eigenkapitalähnliche jedoch nachrangige Unternehmensanleihe. Im Normalfall ist diese aus Emittentensicht flexibler was Laufzeit, Kündigung oder die Aussetzung des Zines angeht. Dafür ist der Kupon (also der Zins, den der Anleger erhält) höher für die ebenfalls erhöhten Risiken.

Genussrechte: Genussrechte selbst (eng. „participation rights“ oder „non-voting-equity securities“) sind als eine Art Mischform zwischen Aktien und Schuldverschreibungen zu verstehen. Aktien dürften in ihrer Funktionsweise und Aufbau allgemein bekannt sein. Schuldverschreibungen haben wir im vorherigen Abschnitt erläutert. Allgemein gehören Genussrechte ähnlich wie auch Hybridanleihen zum Mezzanine-Kapital (dies wiederum ist eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital) und erklärt somit auch die Aussage „Genussrechte als Mischform zwischen Aktien und Schuldverschreibungen“. Emittent ist wie üblich ein Unternehmen. Kapitalgeber sind neben natürlichen Personen und Institutionellen oftmals auch Arbeitnehmer, um diese durch eine Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung näher an das Unternehmen zu binden und dadurch eine höhere Identifikation zu erzeugen. Weiterhin wird diese Allzweckwaffe für Sanierungen oder auch neue Projekte genutzt um eine weitere Alternative bei der Finanzierung zu erzeugen.

Genussrechte sind in dieser Form nur im deutschsprachigen Raum möglich und gehören hierzulande zu einer der vielen interessanten Formen der Geldanlage.

Wie bei der Aktie zahlt man beim Genussrecht in die Einlage des Unternehmens mit ein und ist damit sowohl am Gewinn als auch am Verlust beteiligt. Wenn nun beispielsweise tatsächlich Verluste entstehen, so können diese auch aus der Kapitalmasse der Genussrechte (Genussrechtkapital) gedeckt werden. Dadurch verringert sich allerdings auch der Rückzahlungswert dieser Scheine. Nicht zu verwechseln sind die Genussrechte jedoch mit den Genussscheinen. Zu Genussscheinen wird das Genussrecht erst, wenn es in Form eines Wertpapiers verbrieft wurde. Die Schweizer Firma Roche (ISIN CH0012032048) ist hierfür ein gutes Beispiel.

Ein weiterer Nachteil der Genussrechte ist, dass man keinerlei Stimmrechte z.B. bei der Jahreshauptversammlung besitzt. Man hat demnach keine Stimme oder sonst irgendwelche Mitgliedschaftsrechte.

Aus Unternehmersicht ist dieses Instrument weiterhin attraktiv, da der Gesetzgeber keinen festen Spielraum vorgibt und somit ein großes Maß an Flexibilität besteht. Weitere interessante Merkmale von Genussrechten sind

·       Gewinn- aber auch Verlustbeteiligung

·       Beteiligung an potentieller Liquidation des Unternehmens

·       Feste Mindestlaufzeit von in der Regel 4-5 Jahren

o   In Ausnahmefällen jedoch auch kürzer

·       Mindestinvestitionssumme ist nicht fixiert

o   Ab 100€ bis 1.000€

·       Hohe Verzinsung (oftmals bis über 8% p.a.)

·       Nachrangigkeit der Ansprüche bei Unternehmensauflösung

Gerade der letzte Punkt stellt noch einmal heraus, wie riskant dieses Geschäft sein kann. Sollte es im Falle eines Totalausfalles (also z.B. einer Insolvenz) zur Auszahlung der übrigen Vermögenswerte kommen, so werden die Inhaber von Genussrechten erst ganz zuletzt ausgezahlt. Weiterhin fallen auch die Zinsen weg, sobald das Unternehmen Verluste erzielt.

Kurzum kann man also sagen, dass es sich bei Genussrechten um deutlich spekulativere Anlageformen handelt. Dafür wird der Anleger zwar auch in Form hoher Zinsen und/oder einer zusätzlichen Gewinnbeteiligung belohnt, jedoch sollte man sich im Vorfeld stets über das Chancen-Risiko-Profil bewusst sein.

Eine genaue Recherche über den Emittenten, also das jeweilige Unternehmen, ist demnach absolut notwendig. Erste Merkmale sollten dabei die Erfahrung am Markt des Unternehmens, eine offene Politik in Bezug auf abgeschlossene Projekte sowie natürlich auch ein positiver Jahresabschluss sein.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Bloomberg, Reuters, www.am-capital.de



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