Ich möchte meinen Bericht mit einem Verweis auf eine der jüngsten Bloomberg-Schlagzeilen beginnen. Dort hieß es in der vergangenen Woche ‘Simple China Trading Rule Trounces the Market. Ich möchte mich heute ein wenig damit auseinandersetzen, was damit gemeint ist.

Mit freundlicher Genehmigung von The Daily Reckoning / Agora Publishing 

Im dem durch Bloomberg veröffentlichten Bericht heißt es unter anderem wie folgt: 

Kaufen Sie, wenn der Aktienmarkt öffnet. Und verkaufen Sie, kurz bevor der Aktienmarkt schließt. Und wiederholen Sie dies auf stetiger Basis. So weit es sich um diverse Trading Strategien handelt, ist dies eine der einfachsten Strategien der Welt. Es erweckt den Eindruck, als ob es sich dabei auch um einen sehr einfachen Weg handelt, um – was Analysten als ein sich wiederholendes Muster von jeweils an Nachmittagen einsetzenden Aktienkäufen durch staatliche gebackte Fonds bezeichnen –  in China Geld zu verdienen.

Sie haben sehr wahrscheinlich über Chinas platzende Aktienmarktblase gelesen, während die chinesischen Behörden gerade alles Erdenkliche unternehmen, um dieser platzenden Blase wieder Luft einzuhauchen.

Der Interventionstrade

Es macht den Eindruck, als ob Sie 23% an Gewinnen hätten einfahren können, wenn Sie den Shanghai Composite Index seit dem 08. Juli zu Börseneröffnung gekauft und zu dessen Börsenschluss wieder verkauft hätten – gegenüber einem Gewinn von 8% im Rahmen einer gewöhnlichen buy-and-hold Strategie. Ist Ihnen dies nicht genug?

Wie sieht es aus, wenn Sie auf dieselbe Weise im Hinblick auf die Aktie des Firmenriesen Petro China agiert hätten? In diesem Fall hätten Sie einen Handelsgewinn von 45% in derselben Periode eingefahren. Eine enorme Differenz gegenüber dem Faktum, dass Sie im Vergleich gerade einmal mickrige 0,5% verdient hätten, wenn Sie die Aktie gekauft und gehalten hätten.

Es gibt jedoch auch einen Haken an der Sache, zumindest was den Kauf von Aktien angeht. So haben Chinas Behörden den Intradayhandel untersagt, was bedeutet, dass Sie bis zur Eröffnung des nächsten Handelstags warten müssten, um die erworbene Aktie wieder zu verkaufen. Findige Händler haben sich deshalb auf die Futures-Märkte gestürzt. In nur zwei Wochen ließen sich so Gewinne von 18% versus 6% in Form von buy-and-hold verzeichnen.

Dies ist einfach Wahnsinn. Ah, Sie wollen sagen, es handelt sich eben um China, nicht wahr? Was erwarten Sie denn? Wenn derartige Marktschiebungen doch nur auf China begrenzt wären. Lassen Sie uns weiter nach Osten blicken  Japan – wie jedermann weiß –  kämpft nun seit über zwei Dekaden mit einer hartnäckigen Deflation. Ist deren Ende schlussendlich in Sicht?

Bank of Japan Gouverneur Haruhiko Kuroda schien dies in der vorvergangenen Woche andeuten zu wollen. „Zum aktuellen Zeitpunkt liegt die Inflationsrate bei nahe 0%“. Wie Kuroda am Dienstag der vergangenen Woche erklärte. „Die japanische Inflation sollte in den kommenden Monaten deutlich anziehen.“ Kuroda sollte besser darauf hoffen, dass seinen Worten auch Taten folgen werden.

Denn Kuroda zeichnet verantwortlich für das Erreichen von einem der „drei Stützpfeiler“, aus denen sich Abenomics – Japans zum Ende des Jahres 2012 eröffneter Frontalangriff auf die Deflation – zusammensetzt. 

Dieser Stützpfeiler basiert auf einer äußerst aggressiven Geldpolitik (die beiden anderen leiten sich aus gleichzeitigen Fiskalstimuli und einer Umsetzung von strukturellen Reformen ab). Im Falle Japans scheinen sich diese heeren Vorsätze ebenso wage und löchrig zu erweisen wie anderswo auf der Welt auch.

Drucken. Kaufen. Wiederholen

Um ihren Pfeil abzuschießen, hat die BOJ ihr Programm zur finanziellen Lockerung (QE) immens expandiert, um Vermögenswerte in einem Gesamtumfang von ¥80 Billionen (umgerechnet etwa $650 Milliarden) pro Jahr anzukaufen. Ziel Haruhiko Kurodas ist es, die Inflationserwartungen an den Märkten auf ein Niveau von 2% zu hieven.

Doch mit QE sind Nebenwirkungen verbunden. So wachsen die Bedenken, dass die BOJ auf diese Weise augenscheinlich sämtliche Volatilität an den heimischen Regierungsbondmärkten eliminiert hat. Und eine solche Entwicklung ist alles andere als gesund. Preisänderungen an den Staatsanleihemärkten (und damit verbunden die Kosten für eine Kreditaufnahme der Regierung) gehören zu den Schlüsselindikatoren einer Wirtschaft.

Wie lange wird die BOJ ihren Daumen noch auf den Staatsanleihemärkte halten können, bevor es zu gefährlichen und schlimmen Verwerfungen kommen wird? Noch lange genug, um das eigens gesetzte Inflationsziel von 2% zu erreichen? Momentan kursieren Vorschläge, die zum Ziel haben, einen Wechsel von Quantitative Easing zu etwas zu vollziehen, was neumodische Ökonomen als “Qualitative Easing” bezeichnen.

Was um alles in der Welt ist mit diesem neuen Synonym gemeint? Faktisch bedeutet dieses Synonym nichts anderes, als dass die Zentralbank einen Wechsel vollzieht, und zwar vom Ankauf großer Mengen an Staatsanleihen und anderen Bonds hin zum Kauf von weitaus riskanteren Vermögenswerten. So wohl vielleicht Aktien.

Die zugrundeliegende Idee fußt auf dem Glauben, dass eine Zentralbank auf diese Weise mehr für ihre gedruckten Taler erhält. Dass eine solche Maßnahme unter Umständen mit dem Platzen von einer der größten Vermögenspreisblasen enden könnte, scheint diejenigen, die diese Idee vertreten, nicht sonderlich zu stören.

Vielleicht bin ich an dieser Stelle kurzäugig, doch irgendjemand sollte mir erklären, auf welche Weise sich dieses Vorgehen fundamental von der Vorgehensweise der chinesischen Behörden unterscheidet. Ich kann hier keinerlei Unterschiede ausmachen.

Ziel anvisieren und hoffen

So wie es aussieht, drückt die BOJ – so wie auch die Federal Reserve, die Bank of England und die Europäische Zentralbank – ihren Daumen auf die Staatsanleihemärkte, wodurch die Preisfindung an diesen immanent wichtigen Märkten vollkommen verzerrt wird. Hoffnungen gehen mit diesen Maßnahmen einher, die eigens gesetzten Ziele zu erreichen – natürlich nur durch Einsatz von noch verzweifelteren Bemühungen.

Mich erinnert dies alles an meinen ersten Besuch auf einem Golfübungsplatz (die Golfer unter Ihnen wären gewiss empört gewesen meine Übungen zu beobachten, da bin ich sicher). Bevor ich meinen Bericht abschließe, möchte ich sagen, dass ich in der nächsten Woche frei haben werde. Meine Mutter kommt in die Stadt und ich werde sie – eben einigen anderen Dingen – ins Theater einladen, um uns George Orwells Meisterwerk 1984 anzuschauen.

Krieg ist Frieden…

Freiheit ist Sklaverei…

Gelddrucken ist Prosperität…

Bis zum nächsten Mal,

Ihr Ben Traynor

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2015 The Daily Reckoning./Agora Publishing

Ben Traynor ist Ökonom und arbeitete in der Vergangenheit bei der Firma Bullion Vault, bei der er den Gold Investor Index ins Leben rief, ein Barometer, das das Investorenvertrauen misst, und auf das sich Medien wie Reuters, Bloomberg oder auch der Economist beziehen. Bens Berichte erscheinen unter anderem auch bei Bloomberg, The Telegraph, MarketWatch, Business Insider und International Business Times.

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